Die Überfahrt von Chios zur Insel Tinos

Unknownname

Wir liegen in der begonnenen, aber nicht fertiggestellten Marina von Chios in Nachbarschaft von ausgemusterten Fähren und hinter unseren Segelfreunden Sabine und Hans. Der Wetterbericht sagte 3-4, in Böen 4-5 Bft Nord voraus, also noch gut beherrschbares Wetter für EOS und uns. Das Barometer hat einen Sprung nach oben hinter sich. Bis Andros sind es 70 Seemeilen und wir rechnen mit einer Fahrzeit die Nacht durch bis in den frühen Morgen.

11 Uhr: Leinen los und Kurs zur Südspitze der Insel. Das geht fein mit 2 Reffs und Rückenwind. Um 14 Uhr nähern wir uns der Südspitze, Kap Mastikho. Der Wind schwächelt und wir nehmen den Motor zur Hilfe. Gerdi richtet Brote und Tomaten, dazu „Effes Dark“, würziges türkisches dunkles Bier. Wir ändern den Kurs auf die Nordseite der Insel Andros, Kompasskurs 260°.  Leider hält sich der Wind in Stärke und Richtung nicht an die Vorhersagen, wir können den Kurs nicht halten.  Bis 14 Uhr legt der Wind noch zu und macht auch 2 Reffs im Vorsegel nötig, dennoch fährt EOS mit 5 Knoten. Ich rechne mit einem Abflauen am Abend. Doch das erfüllt sich nicht. Längst haben wir Ölzeug und Schwimmwesten angelegt und bei der Fahrt gegen Wind besuchen immer wieder Wellen unser Cockpit. Es ist ungemütlich.

19 Uhr. Wind gleiche Richtung, gleiche Stärke. EOS und die Besatzung werden durch das Kreuzen stark gefordert und beschließen ein anderes, südlicheres Ziel, die Insel Tinos. Jetzt mit Wind leicht von hinten wird die Fahrt weniger feucht, aber schaukeliger, Wir nehmen auch noch das Vorsegel ganz weg. Der Steuerautomat arbeitet gewaltig, gelegentlich kann er aber den Kurs nicht halten und macht durch Piepsen aufmerksam. Die Sonne geht im wolkenlosen Himmel hinter einer schäumenden See unter. Nur langsam verschwindet das Himmelsrot und wird durch ein klares Firmament abgelöst. Ich lege mich schlafen. EOS schaukelt und knarrt, ein bewegendes Konzert. Gerdi steuert und richtet den Blick alle paar Minuten nach vorne. Weit und breit kein Schiff. Gegen 22 Uhr kommt das Leuchtfeuer von Andros- Ostseite in Sicht: Ein Blitz alle 10 Sekunden. Unser GPS leitet uns in Richtung 218° zur Bucht Panormou.

0unknownname

22 Uhr: Ich übernehme die Wache und Gerdi legt sich schlafen. Sie hat ihre Sache gut gemacht. Der Wind lässt etwas nach und ich kann die Selbststeueranlage wieder in Betrieb nehmen. Ein kleines „Monstewellchen“ steigt plötzlich ins Cockpit ein und füllt es zu 1/3. Wenn der Wind nachlässt, sich die Wellen aber noch nicht beruhigt haben kommt das vor.

1unknownname

01 Uhr. Wir sind schneller als angenommen. Das Leuchtfeuer am Ziel kommt in Sicht: 2 Blinke in 14 Sekunden. Den Zielpunkt  und eine kritische Klippe habe ich vorher ins GPS übertragen. 02 Uhr.  Ich wecke Gerdi und wir nehmen die Segel herunter. Der Zielpunkt wird punktgenau angefahren, doch der Kurs in die Bucht bereitet Schwierigkeiten. Es fehlen in der dunklen Nacht Anhaltspunkte. Wir umfahren das unsichtbare Riff und steuern auf eine beleuchtete Pier zu. Anlegen können wir dort nicht, das Wasser ist viel zu bewegt. In 6m Tiefe fällt der Anker und bricht auch bei starker Rückwärtsfahrt nicht aus. So legen wir Ölzeug und Schwimmweste ab, machen eine kleine Brotzeit und beenden unseren Segeltag.

2unknownname

Die Reiseroute in Google Maps:

Ein Kommentar zu „Die Überfahrt von Chios zur Insel Tinos

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s