7 Sumak, Dill und Paprika für Köfte, Gurke, grüne Bohnen

Ankertage, Zeit zum gut Kochen an Bord. Im Schlauchboot bringen wir unsere Rucksäcke an Bord mit frischem Gemüse, köstlich. Mal bereitete ich ganz frische Bohnen zu ( Fasulj heißen sie- wie im Griechischen), mit deutschem Bohnenkraut, türkischem Olivenöl, Zitrone-5 Minuten im Fissler-Drucktopf.

Bohnen

Bei unsrer Wanderung fand ich an einer Mauer meterhohen saftigen Dill, der uns den Gurkensalat delikat würzte. Die kleine Straße führte uns zuerst ca. 3 km am Meer entlang, eine gepflegte Promenade, links die Appartementhäuser und Tavernen unter schattigem Weinlaub, umblüht von Oleander, Bougainvillea, violettblauen großen Winden-Trichter-Blüten. Vor einem Haus war meterweit Salbei zum Trocknen ausgebreitet, mit lila Blütchen duftete der Thymian am Straßenrand.
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Rechts bot sich ein umwerfendes Panorama aufs weite Meer zu den buchtenreichen Küsten dieser Peninsula, dieser traumhaften Halbinsel am südwestlichen Ende der Türkei. Wie auf einem Gemälde – ebenso schön wie der Blick von den Hügeln auf Bodrum! Gulets vor Anker, weiße Segel der Yachten auf der Suche nach einem der vielen Ankerplätze vor Bozburun…! Am Dorfende die Krankenstation, der Friedhof, ein Möbelgeschäft, die Moschee und die Tankstelle. Auf den Brachflächen zwischen den kleinen Häusern sind große freilaufende Hühner braune, schwarze-weiß gesprenkelte wie Perlhühner, stolze fast gans-große Gockelhähne, viele Junghühner, angepflockte Geißen mit ihren Zicklein, Schafe, deren frisch geschorene Wolle Frauen am Boden hockend zupfen zum Spinnen. Haushoch immer wieder die riesigen Gerippe halbfertiger Gulets, daneben der Kiel im Gebüsch. Zwischen modernen Appartmenthäusern plaudern Frauen mit weißen Kopftüchern fröhlich zusammen im bergenden Schatten ihrer Mandelbäume, Mistelbäume und Stein-Eichen.
Wir wandern am Rückweg die hochgelegene kleine Straße am steilen Hang entlang, immer mit schönem Blick hinunter aufs Meer! Nach 7 km erreichen wir Bozburun, kaufen kleine längliche grüne Paprikaschoten, Nektarinen und beim Metzger Rinder-Hackfleisch. Er verschätzt sich, es sind 800 g! IAuf der Terrasse des „Apéritif“ trinken wir bei fanzösischer Chanson-Musik Wasser+Bier. „Je t’aime“ aus dem Jahr 1966! Schmachtende Rumba- u. Tangomusik. An Bord beginne ich sogleich mit dem ganzen „Programm“ des Kochens der 4 Gerichte! Alles muß gut geplant sein bei den geringen Abstellflächen und den max. 2 Gasflammen.
Arbeitsablauf Kochen eines 3-Gänge-Menüs an Bord
1.Zwiebel+Knoblauch würfeln 2. Paprikaschoten u. Tomate würfeln 3. Wasser abmessen+ Salz,Reis, 4. Rinderhack würzen mit Sumac, Paprika, Pfeffer, Gyroskräutern 5. Tisch decken 6. Gurkensalat anmachen mit dem frischen gefundenen Dill 7. Große Eisenpfanne, 2 Töpfe aus dem engen Topfschrank unterm Herd rausfummeln 8. Reis kochen 9. Paprikagemüse dünsten m.Olivenöl, Knoblauch, Zitrone, 10. Fleischküchle formen für türkische „Köfte“ 11. Ca. 15 Stück braten
12. In vollen Zügen G E N I E S S E N !!! Porzellan, echte Gläser, Tischdecke, Oleanderblüten…
Wir essen typisch türkisch, aber selbst gekocht, an Bord. Sehr gut – samt Wein aus der Region.
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Und am Ende… GANZ GROSSES Geschirr- u. Töpfe-ABSPÜLEN- ZU ZWEIT. Alles sauber, nur der Duft bleibt zurück.

1.PS: Gestern hat es geregnet und es hatte abgekühlt auf 15°C.Alle Türken hatten lange Hosen an und Pullover-Winterkleidung!

Regen 2 Regen 1

Ähnliche Temperaturen könnte Erika beim Wandern zu den Kletterfelsen im ALPSTEIN-Gebirge Nähe Säntis/Schweiz auch gehabt haben.
2.PS: Gerhard erwarb einen kleinen Lautsprecher, der eigentlich auch Radio-Sender via smartphone laut spielen kann:  ! Unglaublich: sogar Bayern Heimat kann ich hören, mit Stubenmusik, Diatonischer Harmonika, Geigen, Flöten, Okarina, Zither und Harfe…)
Der Telefon+Elektronik-Laden befindet sich direkt im Gebäude der Moschee, die erst seit März 2002 steht, erst 2007 erbaute man dann auch des schlanke Minarett mit der ultra-marin-blauen Glasspitze, durch die am Morgen die ersten Sonnenstrahlen durchleuchten und das Blau fast himmlische Farben annimmt.
Wir genießen weiterhin in bester Laune unsere motor-bedingte Zwangspause wie einen Erholungsurlaub, das Schwimmen im Meer ist Wellness pur und die Ruhe sicher so heilsam wie ein Ayurveda-Seminar…( Ich lese inzw. S. 420 der 800 S. des so sprachlich so wunderbar geschriebenen Buches von Fabienne: „Noch eine Runde auf dem Karussell – vom Leben und Sterben“ des krebskranken berühmten Spiegel-Journalisten und Kriegsreporters Tiziano Terzani! Ich lese es nur an Bord, seit 2 Jahren. Aber zwischendurch las ich Romanas Buch einer Bengalin, die einen Sari-Laden in Seattle führt. Viel Tradition… viel Vorschriften im Leben- und am Ende der Befreiungsschlag: keine organisierte Hochzeit in Indien, sondern ein Bekenntnis zur „Liebe auf den 1. Blick“ .(Anjali Banerjee: „Der Hochzeitssari“, bei Weltbild)… Lesen ist Luxus…

6 Rund um den unbekannten Berg

EOS liegt noch am Anker und wartet auf die Ersatzteile zum Motor. Wenn wir schon auf dem Wasser nicht mobil sind, dann wenigstens auf dem Land. Gestern durchliefen wir das ganze Dorf zur Tankstelle um den Kraftstoff für den Suzuki zu ergänzen. Auf dem Rückweg nahmen wir die „Umgehungsstraße hoch über dem Dorf mit der schönen Aussicht auf das stahlblaue Meer, die vielen Gulets und das Dorf.

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Der Morgen, die schönste Zeit. Die Sonne hat die Berge noch nicht erklommen, spiegelglatt liegt das Meer, keine technischen Geräusche, nur die Vögel zwitschern, die Hühner gackern und ab und zu meckert eine Ziege. Und vor allem, die Kühle schmeichelt der Haut. Da durchbricht das Knattern des Beiboot- Motors diese Stille. MICRO EOS bringt mich in den Hafen rüber. Sonntag ist hier Werktag und alles ruht noch. Nach dem Dorf windet sich das Sträßchen höher über eine Ebene und weiter. Plötzlich wirft die Sonne einen Schatten vor mich und die angenehme Kühle weicht einer noch angenehmen Wärme. Bis zu einem knorrigen, alten Baum laufe ich hoch. Letztes Jahr vesperten Gerdi und ich auch hier.
Jetzt steige ich ab in diese Ebene unter mir. Libellen fühlen sich durch mich gestört und fliehen. Auch die braunen Grashüpfer haben Angst vor meinem tödlichen Schuh und setzen zum weiten Sprung an. Felder durchzeihen diese Ebene, getrennt durch Steinmauern. Maschinen haben diese Bauernarbeit schon vor langer Zeit unrentabel werden lassen. Die Steinmauern lösen sich auf, die entsteinten Felder werden nicht mehr bestellt und die Terrassen, die sich weit den Berg hochziehen ebenso.

Aufgegebene Felder

Was muss das früher für ein Leben gewesen sein. Jetzt stehen von den Häusern nur noch die Mauern. Auch der Pfad durch das enge Tal abwärts trug einst viele Bauern zu ihrer Arbeitsstelle. Die Steine glänzen im Sonnenlicht. Die vielen Füße haben sie abgeschliffen.

Der alte pfad

Jetzt bin ich wohl einer der ganz wenigen, die diesen Pfad hoch über dem Meer nutzen. Der moderne türkische Bauer hier knattert mit dem Roller die neue und unbefestigte Straße hoch, seine Frau als Sozia im Damensitz. Aber viele Familien ernährt dieses weite steinige und bergige Land nicht mehr.
Jetzt wieder im Dorf ist die frühmorgendliche Stille einer gelassenen Geschäftigkeit gewichen. Auf mein Schnalzen winkt Gerdi vom Schiff. Ich kehre mit der MICRO EOS zurück. Ein feines Frühstück wartet.

Und nachher das Frühstück Die EOS bei Botburun

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5. Ruhige Ankertage vor Bozburun

Da liegt die EOS am Anker
Die EOS ankert als letztes Boot links hinten in der Bucht-ein traumhafter Platz zum Bleiben für einige Tage

Gerdi, am Donnerstag,28. Mai 2015
Ich bin im türkisblauen Meer geschwommen und gönnte mir zum Abduschen einen Liter Süßwasser aus dem Kanister, der am Mast hängt. Die ersten warmen Sonnenstrahlen lassen die Ufer hell aufleuchten. Gerhard ist an Land mit dem Schlauchboot und holt frisches warmes Brot. Bald werden auch die Spät-Aufsteher mit ihren  Dingies zum Hafen rattern…Die Nacht war ruhig, aber noch ist das ganze Deck gelbbraun besprenkelt von gestern, als der Gewitterwind von den Bergen im Norden plötzlich um 180° drehte, das Schiff wie ein wendendes Auto herumriss und der Scirocco heftig wehte, dass es eine unruhige wilde Karussellfahrt am Anker gab und lebhafte Wellen… Am Morgen war alles voller feinstem Sahara-Sand, Luken, Teakdeck, das ehemals weiße Kajütdach, Baum, Fock…GELB bespritzt vom Regen.

Warum wir noch nicht los segeln? Unser guter alter zuverlässiger Volvo-Motor, der uns 80 Tage brav die ganze lange Donau runter bis ans Schwarze Meer brachte, braucht 3 neue Ventile, Einspritzdüsen. Die müssen in Istanbul bestellt werden und nun liegen wir „manövrierunfähig 10 Tage vor Anker am schönsten Ort der Türkei :-). Aber wir haben Zeit und Geduld. Seit 2 Tagen schwojen wir deshalb schon vor dem Fischerdorf Bozburun, was übersetzt „Graue Nase“ heißt, denn die Felsen des vorgelagerten Kaps sind schroffe, senkrecht aufragende graue steile Felsen, die mich an unsre Fränkische Schweiz bei Eggloffsstein oder an die Sächsische Schweiz an der Elbe erinnern.
Traumhaft umgibt uns eine Kulisse wie gemalt: grüne Hügel, bräunlich-graue Felsen, ziegelrote Walmdächer, mit ockerhellen Felsplatten verbrämte Hausmauern, Geranien, Palmen, leuchtende Hibiscusbüsche, rosa Wolken von Oleander, weißer duftender Jasmin. Beim Einkaufen glänzen koralle-rot die kleinen Blüten der Granatapfel-Bäume, die im Herbst die 8cm-großen glänzenden Granatäpfel tragen werden, Symbol der Fruchtbarkeit mit ihren 740 saftigen knallroten Beeren im Innern. Die Lokale sind noch leer, nur Osman’s Place ködert die Briten, die oft mit 12 gleichen Charterbooten mit ihren roten Fock-Persennings am Hafenkai festmachen wie in Reih und Glied angetretene Soldaten. Bei den 2 Metzgern hängen in einem mannshohen Kühl-Schrank (hinter der leeren Auslage der Glasvitrine, es gibt NUR Frischfleisch) die kopflosen Körper der Schlachttiere: Lamm, Hammel, Bulle in riesigen Teilen…

Der Metzger
Bei ihm kauften wir eine Lammkeule, die er in 4 Teile hackte, war köstlich am Grill und auch im Kochtopf mit oriental. Gewürzen.

Lammkäule, sehr zart
Am Morgen erwacht man mit dem Blöken der Schafe und Lämmlein, frei m Fels hüpfend, dazu das raunende Zweiton-Gurren der Ringeltauben. Der Immam ruft 5x am Tag mit immer neuen Melodien seine Suren vom erhabenen Allah. 4 gewaltige Lautsprecher hoch oben am Muezzinbalkon des Minaretts lassen den arien-ähnlichen Gesang in alle Himmelsrichtungen erschallen. 2 Minuten wohl. Wenn ich auf der Flöte christliche Morgen- und Abendlieder spiele, kennt er den anbetenden Text ja nicht. Aber die Briten klatschen schon mal Beifall, freuen sich über Greensleeves, Yesterday oder ein slawisches Schlaflied. Gestern erklang vom englischen Nachbarboot ein spanischer Flamenco, klassische Gitarrenmusik. „It’s your turn!“ bat er mich um Fortsetzung des Abendkonzerts an Bord. Danach bekam ich von Gerhard eine Überraschung: „Komm, jetzt fahren wir an Land und gehen zum Döner Salonu Köfte essen!“ Da gehen nur Einheimische hin, gleich an der Moschee. Er hatte auch Ezme, dieses chilischarfe Mus aus frischen Zwiebeln, Peperoni und Petersilie.

Die Kneipe ohne AlkoholEinfach und gut

Die glänzenden, klebrigen Leckereien vom Imülleri, dem Konditor, haben wir noch nicht probiert. Backlava usw., schwimmend in Zucker, Honig und Öl, winzige Röllchen mit Pistazien in dünnstem Teig.
An Bord gab es Suppe mit restlichen Perlgraupen, mit Zwiebel-Knoblauch-Ingwer angebraten, scharf gewürzt mit India-Curry, Sojasauce, Sambal manis und Chiliflocken. Früh überraschte ich Gerhard mit der wieder gefundenen Erdnußpaste zum letzten eignen Quittengelee. Am Abend werde ich die frischen, grünen Bohnen (Fasulj-wie im Griechischen!) in 5 min. im Drucktopf zubereiten.
Köstlich schmecken- wie im Mai 2011 in Sarande/Albanien am Markt- die reifen kleinen, weißfleischigen Nektarinen. Neu für uns sind in der Schale gerösteten in grobem Salz „panierten“ Mandeln. Da unser nur 2 Jahre junger Kühlschrank trotz neu eingebautem Thermostat wieder nur im Dauer-Lauf funktioniert (bei 1 Solarzelle zu viel Stromverbrauch), leben wir wieder mal „ohne“ gekühlte Butter, Milch, Joghurt und trinken warmes Efes-Bier, denn in der Bilge hat es ja auch Meertemperatur, also 25°C.Gerhard sucht in Marmaris nach einer Art Zeitschaltuhr, die automatisch nach 1 Std. das Gerät abschaltet. Uns genügt eine Temperatur von 15°.
Wir genießen die ruhige Zeit hier sehr: herrlich ist der Rundumblick, auf Hügel und die kleinen Häuser an deren steilen Hängen, die vielen schmucken Gulets in Reih und Glied, der menschenleere Strand (nur 1 Wohnmobil parkt da, Erika!) Die kleine runde Insel mitten in der Bucht und die beiden Untiefen sind ein pittoresker Ausblick, es gibt keinen italienischen Musiklärm, nur Ruhe, … Nur wenn ein Gulet ausläuft, brummt der gewaltige Dieselmotor seine männliche „Ansprache“ und die oft 50 m lange Kette knarrt, wenn sie wohl 75m lang in den Schiffsbug eingesaugt wird. Fischer führen ihre kleinen Holzboote heim, mit frischem Fang. Nachts wölbt sich ein un-vorstellbar dunkler Himmel über uns und zeigt die unermessliche Fülle von funkelnden Sternen, über unsrem Mast steht neben dem Top-Licht in dieser Jahreszeit der Große Bär. Venus und Jupiter strahlen hell, ein Halbmond ziert dieses göttliche Himmelsgemälde. „Weißt du wieviel Sternlein stehen an dem großen Himmelszelt? Gott, der Herr, hat sie gezählet…“ spiele ich sanft auf meiner neuen Hohner-ECHO-Mundharmonika.

Der nächtliche Hafen
Unser näcchtlicher Blick auf die Palmen am Hafenrund

4 Den Ulusuluk Dag, wer kennt den?

Gestern war der Motorman auf der EOS und hat die Ventile neu nachgestellt.

Motorman stellt die Ventile nach

Heute, noch vor Sonnenaufgang rattert mich der Suzuki an der MICRO EOS ans Ufer und ich schlängle mich zuerst auf Ziegenpfaden um den Berg, dann weglos über Fels und durch hartes Gestrüpp auf den Ulusuluk Dag. Der ist nur 209m hoch. Sagt nicht, das sei kein Berg! Für hier ist er hoch und er schenkt eine Aussicht in das weite Rund aus Wasser und Land.

Panorama. Ganz hinten die Insel Simi Da liegt die EOS am Anker

Angenehme Morgenkühle erleichtert den Aufstieg. Die Vögel zwitschern und die schönen kleinen Röslein halten ihre Köpfe noch geschlossen. Lavendel bleibt an Schuhen und Hosen hängen und verbreitet einen angenehmen Geruch. Der Aufstieg ist nicht so heftig wie zu unseren Gipfeln aber dennoch wunderbar. Gelegentlich bietet sich ein Ziegenpfad an, sonst gehts vorsichtig über trittfestesten Kalkstein und durch hartes Gestrüpp. Wegen drohender Fehltritte ist der Blick streng nach unten gerichtet. Da fallen die winzigen Blüten und die kleinen Spinnennetze und die Grashüpfer bei ihren weiten Sprüngen auf.

Zu Gast auf der Blume Schönheit im Fels Blühender Lavendel (2)

Unsere saftigen, bunten Alpen-Matten sind kraftvoller und bieten mehr Lebensraum für kleine Tier-Geschöpfe.
Nach dem Gipfel gehts langsam mit Händen und Füßen über den harten Fels abwärts zur Micro-EOS und wieder zum Schiff zurück. Ein Bad im warmen Meer und Frühstück mit Gerdi. Der Tag beginnt angenehm.
Erika hat so schön geschrieben: Liebe Mama, ich wünsch Dir alles, alles Gute für das kommende Jahr. Auf dass ihr gesund bleibt und in guter Stimmung auf dem Meer herumschippert. Behaltet euch immer im Kopf, dass es ein riesiges Privileg ist – nicht nur dass ihr auf solch eine tolle Art Reisen könnt, sondern auch, dass ihr so gesund seid und euch gegenseitig habt. Das ist so viel wert! Habt eine gute Zeit und genießt jeden Tag.

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Wer Googe Earth hat, kann hier den Track der Tour ansehen: Klick

3 „Es soll ihn geben,…

…den wirklich guten Bootsbauer, ich habe ihn hier nur noch nicht gefunden“, sagt mir ein deutscher Gulet- Eigner, der sein Schiff in der Werft überholen lässt.
Hier an diesem Ort begegnen sich 2 Kulturen. Die Deutschen, auf saubere Arbeit, korrekte Absprachen und Sicherheit bedachten und hier die liebenswerten Bootsbauer, die manches vergessen und bei denen eine wirklich schöne Arbeit nicht ganz oben steht. Aber unser Deck ist gut geworden und war preiswert.

Manche Schwachstelle nehmen wir in Kauf: Die Löcher im Bootshimmel zum Beispiel, die Überraschung, dass Wasser in der Bilge steht, weil Relingstützen nicht fest angezogen sind und der Traveller, der beim Ziehen an der Schot hoch springt, weil bei den Schrauben die Mutter fehlen. Die innere Verkleidung, die man sauberer befestigen könnte. Kleinigkeiten im Gesamtbild, das wir in Kauf nehmen.
Gestern wurde unsere EOS wieder zum Wasserfahrzeug. Das geht nicht so einfach, wenn der 5-Achser Transportwagen unter das Schiff fährt und immer wieder Transportstützen entfernt werden.

Klarmachen zum Wassern 6 Klarmachen zum Wassern 4 Klarmachen zum Wassern 3 Klarmachen zum Wassern 2 Klarmachen zum Wassern 1

Die Leute leisten gefährliche Schwerarbeit zwischen Schiff und Wagen. Aber irgendwann sitzt alles und der Schaufellader zieht das Ganze, gesteuert mit viel Kraft an Seilen. An der Schräge ins Wasser stößt der Vorderlader mit einem langen Naturbalken den Wagen ins Wasser und bremst gleichzeitig mit einem dicken, zerschlissenen Stahlseil. Nicht auszudenken, wen mal der Balken weggeschleudert wird oder Stahllitzen in eine Hand dringen oder ein schweres Rad über Sandaletten und Fuß fährt. Was macht ein Rücken nach 30 Jahren Schwerarbeit? Aber schließlich rollt die Chose von selbst ins Meer, ich starte den Volvo, ein letztes Winken zur Landmannschaft und dann wird die Werft achteraus immer kleiner.

Zurechtgerückt Die Mannschaft am Wasser EOS fährt ins Wasser

Ich hatte eine schöne interessante Zeit mit den freundlichen, offenen Arbeitern dort aber jetzt bin ich froh, dass Gerdi wieder aufs Boot kommt und die Arbeit abgeschlossen ist. Wir ankern neben dem Ort, den wir lieb gewonnen haben beseitigen den Staub innen und außen und machen EOS wieder seeklar.

2 Unsere EOS schwimmt- im Mittelmeer vor Bozburun!

Am 21. Mai wurde früh mit dem Autokran der Mast gestellt!

Dank-Menü mit den Werftarbeitern Nail u. Mustafa
Dank-Menü mit den Werftarbeitern Nail u. Mustafa

Nachdem wir an meinem Geburtstag mit den Werftarbeitern Nail und Mustafa beim „Fisherman“ frischen Fisch vom Grill und köstliche Vorspeisen gespeist hatten, piesakten uns nachts die Schnaken, die unter den Türen (ohne Schwellen) reinkamen, die schönen Fliegen-Schutz-Schiebefenster halfen da wenig…

Gerhard radelte früh mit einem geliehenen Schiffsklapprad die 7km zur Werft. Mit sehr ungewöhnlicher Technik, einem Monster von Radlager und viel Vertrauensvorschuß wurde die EOS ins Meer gezogen. Ich packte im Appartment die 3 Rucksäcke, trug sie auf die Sonnenterrasse vor der Pension YILMAZ und gegen 14 Uhr kam unser liebes Schiff stolz angeschwommen! Das Fahrrad wurde rasch am Gulet der Friedrichshäfler Freunde („Carolin“) übergeben, dann legte Gerhard ganz kurz am Badesteg an und übernahm Gepäck und mich.

Anker ab in der schönen Bucht, leichter Wind, dann 4 Stunden Einräumen, Umräumen, Aufräumen. Die EOS ist wieder unser Nest für die nächsten 4-5 Monate…

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Die Eos in ihrem Element
Die Eos in ihrem Element

23.Mai: PUTZTAG… alles ist mahagoni-staub-braun, innen und außen, allein die vielen vertieften Knöpfe im Nappa-Ledersofa mit den vielen Fältchen…die Lampen, alle Gläser, Tassen, Teller, Betten, der Staub durchdrang jeden Winkel… Aber ich mach es gern. Zwischendurch Baden imMeer…Am Abend gibt es den ersten Bauernsalat, davor  Rindsbouillon mit Grieß, Weißbrot, ab nun immer:-(

Leider spinnt unser Bord-Kühlschrank erneut. Erst 2 Jahre ist er alt, die Garantie liegt daheim! Wir hatten gehofft, der im Herbst neu eingebaute Thermostat wäre die Rettung, denkste.

Der Muezzin ruft „Allah akbar! Allah ekmez!“ Ich spiele „Großer Gott wir loben dich!“ auf der Mundharmonika.

Gerhard hat einiges „ausgesondert“, auch die 3 Feststoff-Schwimmwesten werden wir verschenken. Morgen werden die Ventile am Volvo-Motor neu eingestellt,… der Monteur hörte ein leises Klopfen, auch würde er dann leiser laufen und noch weniger Sprit verbrauchen. Recht so…

Wir haben 33°C in der Kajüte, das Schwimmen im Meer ist himmlisch bei wohl mehr als 20°und in Deutschland hat es 10°, die Kachelöfen sind angeheizt…und es regnet… Ihr Armen.

Hier blüht der Oleander, die  Geranien sind ein Farbenmeer und die Leute suchen den Schatten unter den großen Sonnenschirmen. Jetzt gönnen wir uns nach dem Putztag einen ANGORA-Wein aus der Region. Den kennen wir von den beiden Oktoberurlauben mit JAN auf dem Gulet.

Sternklar, zarter Sichelmond. Wie der auf  Moschee-Kuppel!

Die Eule ruft pausenlos.Stille. Vorsaison…

1. Auf Flügeln zum Start

Unser Abenteuer beginnt am Montag, den 18. Mai- 8 Wochen nach meinem Armbruch.

Das Flugzeug startet um 16 Uhr in Friedrichshafen, wir genießen die herrliche Sicht auf die grafischen Muster der fruchtbaren landwirtschaftlichen Flächen, die dunklen deutschen Wälder, die sattgrünen Weiden im Allgäu, da ist der Grünten, darunter Erikas Wohnort Rettenberg… Dann wie gemalt die noch schneebedeckten Gipfel der Alpen… Salzburg? Bald die Donau. Kaum eine Wolke versperrt den Blick auf unsere große 80-tägige Flußfahrtstrecke mit unsrer EOS 2014: Österreich,Ungarn, Bulgarien, Rumänien,… Bei der Zwischenlandung in Istanbul schweben wir über die 3 Bosporusbrücken, unter denen wir selber schon mit der EOS durchgefahren sind! 3 Stunden Warten. Verspätung. Gate-Wechsel von 102 auf 111- aufregend! Unser moderner Airbus ist fast voll besetzt, neben mir eine Frau, müde von 24-Std-Flug ab San Francisco über Nürnberg! Die Monsterstadt Istanbul ein Lichtermeer…! Kurz vor Mitternacht landen wir in DALAMAN, ein riesiger Flughafen, wo wir mit dem Bus zum Transitgepäck kutschiert werden müssen! Im Taxi geht’s zu unsrem einfachen kleinen Hotel in der Stadtmitte. Keinerlei Touristen hier. Gerhard wird wie ein Freund umarmt-man kennt sich vom Herbst. Duschen im offnen WC-Raum, alles nass, aber wir fühlen uns frisch, schlafen gut – es gibt noch keine Schnaken;-)
Nach dem schlichten Frühstück lässt Gerhard eine türkische Simcard in sein Zweit-Handy einsetzen. Im Taxi gehtszur Busstation, von da im neuen Mercedes-Bus nach Marmaris- auf einer neuen 4-spurigen Autobahn, Pinienwälder, Obsthaine, kobaltblau strahlt das Meer aus der Tiefe… In Marmaris steigen wir in einen kleinen Dolmusbus um, an Ständen bieten die Obstbauern Portokali an, reife Orangen in großen Steigen. Rosa blüht der Oleander, Bougainvillea rankt sich pinkrot an den Hauswänden hoch. Zauberhaftes Kleinasien.
In Bozborun bietet uns der Wirt vom „Fisherman“ ein Zimmer in seiner neuen Pension an. 2.Etage, direkt am Meer(viele Schnaken nachts…unterm Türspalt durch, trotz Moskitonetz also), wir hätten sogar 25 Liegen auf einer Paneelplattform auf den Felsen, aber mir fehlt der Badeanzug. Im Haus quirliges Leben, viele Verwandte mit kleinen Kindern sind aus traurigem Anlaß aus Leutershausen, Ansbach , Nürnberg und Berlin gekommen: Todesfall.
Ich kann zusehen, wie Börök zubereitet wird: ein ganz leichter Teig aus Mehl und Wasser wird hauchdünn mit einem Besenstiel x-mal ausgerollt, bis er durchsichtig ist. Schon die 6-Jährige beherrscht die Kunst, die tuchartige Teigplatte auf den Stiel zu hängen, zurück auf den niedrigen Holztisch zwischen den Beinen (bedeckt mit einem weißen Laken)zu werfen und immer wieder zu rollen. Dann wird Spinat und und zerbröselter Schafkäse aufgestreut und mit einer zweiten hauchdünnen Teigplatte abgedeckt. Mit dem Holzschieber wandert der Fladen auf den glühend heißen Steintisch im vorne offenen Holzbackofen.

...hängend auf dem Stiel und erneut auf die Platte werfen...
…hängend auf dem Stiel und erneut auf die Platte werfen…
-zig mal neu ausrollen
-zig mal neu ausrollen
Spinat+Feta
Spinat+Feta
Fertige Börök
Fertige Börök
Mein 67.Geburtstag mit 25°,Kirschen,Aprikosen, Orangen
Mein 67.Geburtstag mit 25°,Kirschen,Aprikosen, Orangen

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Der Nürnberger Krankenpfleger kommt an unsre Tür und schenkt mir mit ur-fränkischem Leutershäuser Dialekt ein Börök-so köstlich. Am Balkon genießen wir ein Glas Rotwein, sehen die helle Venus und den strahlenden Jupiter, Castor und Pollux und die erste zarte Mondsichel am Himmel…
Türkisches Frühstück: grüne Gurke aus dem Beet nebenan, geschälte Tomaten, 1 hart-gekochtes Ei, Pecorinokäse und Feta, Butter, Honig, selbst kandierte dicke Orangenstücke statt der total flüssigen käuflichen Orangenmarmelade, 2erlei Oliven, Nescafé und Cai, Weißbrot (=ekmez).
Gerhard läuft am Morgen die 7 km zur Werft, duscht die EOS ab, entdeckt ein einziges „vergessenes“ Loch (der Atlas im stb-Schapp ist wieder mal nass, diesmal Süßwasser 🙂  und er sucht vergeblich nach fehlenden Schrauben, die die Heckreling fixieren müssen. Müssen wir in Marmaris kaufen… Am 21. Mai, meinem 67.Geburtstag, kommt der bestellte Autokran aus Marmaris und stellt in 1 Stunde den Mast an Deck. Alle Wasserbehälter werden aufgefüllt mit dem kostbaren Nass. Ich bleibe an meinem Geburtstag  im Appartement, lese, gucke stundenlang auf diese zauberhafte Bucht. Gh kann sich bei einem Deutschen aus Friedrichshafen dessen Klapprad ausleihen und ist um 17 Uhr bei mir. Heute früh kaufte ich beim Bummeln im Dorf ein. Statt Geburtstagskuchen essen wir am Balkon unter der schützenden Markise rote Kirschen, reife Aprikosen, gelbe Birnen zum Nescafé…Um 20 Uhr sind wir verabredet mit Nail und Mustafa von der Schiffswerft: Wir 4 gehen zu Yilmaz ins „Fisherman“ zum Essen. Gemischte Vorspeisen mit Sardellen, Auberginen mit Pinienkernen, rote Bohnenkerne, grüne Bohnen, Tomaten, reisgefüllte Paprikaschoten, Börök, Am Nachmittag gefangener Fisch.Dazu ein kühles Efes-Bier. Als Abschluß türkischen Mokka in zierlichen Silbertässchen mit Deckel.

Der Segeltörn kann beginnen. Traumhaftes Wetter, vor uns ankern inzwischen wohl 18 Segler, der Hafen ist fast voll. Paradies pur…Morgen wird die EOS ins Wasser gezogen!

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