30. Insel Aegina mit 39°C

Ritsche, ratsche, eins, zwei, drei,
riß das Fisherhemd entzwei,
was des Skippers liebstes Stück,
doch ich flick’s- er kriegt’s zurück.

Pastorenhemd 2 Pastoren-Hemd

Durch die Sonne, das Schwitzen, das viele Arbeiten im Lieblingshemd, dem gestreiften Finkenwerder Fischerhemd, riß es heute entzwei, als Gerhard sein „bestes Stück“ über den Kopf ausziehn wollte.
Ich flickte einen Streifen schwarzes Band drauf, vermißte meine Nähmaschine und den mitten durchgewetzten Stehkragen versah ich ebenfalls mit einem Band, wie bei einem Pastor, aber ohne Bäffchen.
Guckt mal, wie schön dunkelblau das Hemd ursprünglich vor Jahren mal war.
Am andren Bild seht ihr, wie ein Chromputzmittel heute die EOS wieder zum Glänzen brachte!!!! Wir schafften am Weg von Poros zur Insel Aegina beide 2 Std. lang mit Schwamm, Süßwasser und starbrite-Gel fleißig.

2 Std. Chromputzen, ...
2 Std. Chromputzen, …
Alles glänzt wieder...!
Alles glänzt wieder…!

Die Inselstadt Aegina emfpng uns mit tropischer Hitze, erst 36°, später 41°.

Kein Entrinnen, Wir haben in der Kajüte kein Oberlicht oder Lüftungsloch, die Schwüle bleibt gefangen wie im Keller… Also muß man sehen, wie man die heiße lange Zeit von 8 bis 8 rumkriegt, keine Rolläden, kein Ventilator, kein kühler Hof… An Schlafen da unten ist nicht zu denken, also pack ich eine der Bugmatratzen und leg sie ins Cockpit, leider habe ich eifrigen Schnakenbesuch ab 2 Uhr. Die Musik aus den Tavernen ist schlagartig um 3 Uhr still. Der Kellner unsrer nahen Segelclub-Taverne rollt seinen Einkaufswagen noch 3x mit Leergut und Müll den langen Kai entlang, dann weiterschlafen.Mit Autan und Citronella auf Kissen und Zudecke…

Ab 7 früh wieder heiß. Auf den Straßen ist es tagsüber fast still-Frauen am Motorroller zum Einkaufen, einige handwerker mit Werkzeugkisten… Männer mit kaltem Frappée im To-go-Becher…bis am Abend nach 18 Uhr. Dann wieder Kinderlachen, Autolärm, Corso- Spazierengehen im ersten Abendlicht, der Vollmond silberweiß, die Sonne wie eine Mandarine so blutrot… Jetzt sind alle Tavernen voll besetzt. Uns ist auch nicht zum „Kochen“ zumute (gestern noch hab ich Couscous-Taboulésalat gemacht…) und wir setzten uns in die Seglerkneipe und lassen uns im Halbdunkel ein kaltes Bier und einen Fischteller mit zartem Octopus, Kalamari, Sardinen und kleinen Sscampi (fritiert leider) schmecken. Vor 1 ist keine Freude am Boot… zu heiß.

Von unsrem Abendbummel hab ich einige Fotos ausgewählt:

IMG_9555
…aber es läuft noch!
IMG_9546
Die Fiaker! Wie vor 28 Jahren mit Martin+Jojo!
IMG_9556
Ayos Nikolaos. Zeit für ein Gebet für M.

IMG_9552 IMG_9551 IMG_9549 IMG_9548 IMG_9547 IMG_9545 IMG_9554

Hier weitere Bilder von Gerhard: Klick

…und hier noch die Strecke, die wir gefahren sind: Klick

29 Windärmeren Zeiten entgegen

Gestern am Abend fiel der Anker in Kythnos. So eine kahle Insel! Kaum ein Baum, nur die stacheligen Bodendecker. Erinnert an die braunen Zimtzöpchen in den griechischen Bäckereien. Um hier zu leben braucht man schon große Heimatverbundenheit. Weiße kleine Feriensiedlungen als Einsprengsel inmitten einer braunen Einöde. Nur unten an manchen Buchten etwas Grün. Bemerkenswert sind nur die Diskos im Ort. Die Bässe wummern bis zum Morgengrauen übers Dorf. Um diese Zeit haben wir auch die Insel wieder verlassen. Die Morgenstunden gefallen. Ruhe, angenehme Kühle. Der nächtlich belebte Ort ist zur Ruhe gekommen. Kompasskurs 275°.

Start im Morgengrauen (1024x683)

Etwas zusätzlich segeln, dann wieder Flaute. 100% Feuchtigkeit, schlechte Sicht. Ab und zu taucht ein Schiff auf und verschwindet bald wieder im Nichts.
Der Frachter verschwindet im Nebel (1024x683)
Hier sind die Schiffe nach und von Piräus unterwegs. Die langsamen Schiffe sieht man früh, aber die Speedrunner, die mit 55 km/h Fahrzeuge und Personen an ihre Ziele bringen, die sind unheimlich schnell. Hoffentlich hätt die Brücke gut Ausguck nach draußen und auf ihren Radarschirm. Der Nebel hält sich an der Oberfläche. Von den Schiffen sehen wir zuerst die Masten. Schräg vor uns an Steuerbord taucht die kleine Insel Agios Georgios auf. Auch nur der Gipfel. Den Rest veschluckt der Nebel.
Nebelbänke (1024x683)
Ein Containerfrachter taucht urplötzlich 300 m vor uns auf und verschwindet gleich wieder. Gerhard, pass auf, bleib ständig im Ausguck!
Die Insel zeigt: wir sind auf Kurs. Kein Hexenwerk. Die elektronische Seekarte auf dem Smartphone zeigt den aktuellen Standort und die Richtung in die wir fahren. Früher, noch vor GPS- Zeiten hat man den Kurs der Karte entnommen, ein paar Berichtigungen eingepflegt und danach gesteuert. Wurde dann eine Landmarke sichtbar, konnte man wenn notwendig, den Kurs korrigieren. Man tänzelte immer zwischen Peilkompass, Karte und Steueranlage hin und her. Richtige Arbeit war das. Heute: Blick auf die elektronische Seekarte, einen Button an der Karte drücken, das wars. Seefahrt unserer einfachen Art ist unkomplizierter geworden aber es ist die gleiche Sorgfalt wie früher notwendig.
Seekarten aus Papier und Pixeln (1024x683)
Jetzt kann man auch bei finsterster Nacht eine Bucht anlaufen und hat jederzeit den Ort und die Wassertiefe (nur unbeleuchtete Ankerer sind gefährlich). Die virtuelle Welt, in der wir uns bewegen.

Der Meltimi legt gerade eine Pause ein. Wir sind froh darüber. 3 Wochen immer Starkwind, das ist unangenehm und belastet auch die Seele. Dennoch schade, dass wir die Ägäisinseln verlassen. Ihre herbe Schönheit beeindruckt ebenso wie der kräftige Wind.

Wenn wir so mit 5 kn weiterfahren, dann werden wir in 7 Stunden in Poros auf dem Pepoponnes und damit im Saronischen Golf sein.

Hier alle Bilder, auch die von Poros: Klick

28. Auf der Urlaubsinsel Poros vor Anker

29. Insel Poros, Anker+Bojennacht
Poros. 26. Juli 2015, 67.Tag, Gerdis Blog

Delfine begleiteten uns, Kurs West, 270°… mit kleiner Fock…

die kleine Fock!
Traumhaft schön! Erinnerungen an meinen 62. Geburtstag 2010, als es so sintflutartig geregnet hat und die Markisen über den Tavernentischen wie Swimmingpools voll Regenwasser liefen… Heute also eine Ankunft im besonnten Nachmittag, nach 10 Stunden unter Segel und Motor. Entspannt freuen wir uns an der Dorfsilhouette, suchen das Marineareal, wo der Trompeter immer so schön den Zapfenstreich bläst. Um 17 Uhr tuckern wir mit unsrer Mini-microeos ans „andere“ Ufer, 1 eiskalter Frapée, etwas Obst kaufen. Am Abend nehmen wir das Fährboot, eine Art Vaporetto, maximal 8 m „lang“, 10 Personen dürfen mit, tocktocktock- nach 3 Minuten sind wir drüben in Poros „Stadt“, wo unzählige große Segelyachten im Päckchen liegen, mit langen bunten Wimpel-Girlanden in allen Farben von allen Staaten, Neuseeland, Canada, Schottland, Frankreich, Italien, Schweden, Dänemark, Norwegen, Briten,Malta, Polen- wunderschön dieser bunte flatternde Fahnenzirkus. Fröhliches Lachen, cheers, prost, yamas und skol! Es ist grad die „Aegaean Week“- ein großes Segler-Event.

Alles beflaggt Delfine hinter Kithnos die kleine Fock! Die nachgenähte Naht Vorliek unten Großsegel Kompasskurs WEST 270°
Wir bummeln über den Boulevard, die Promenade wurde 2010 damals neu gestaltet- die Baustelle ist also nicht mehr, Komliment den Griechen: breiter Weg an den Yachten entlang, 1 m tiefer die Straße, daneben die Tavernen mit den fast historischen (unbequemen) Holzstühlen, den quadratischen Tischlein, Teelichter im Glas- romantisch. Kaum einer ist unterwegs, erst ab 20 Uhr kommen die Menschen aus den „Höhlen“, schwirren die vielen Kinder mit ihren Dreirädle und Fahrrädern auf die Marmorplätze mit dem Denkmal mitten drin, eine tolle Rennbahn, fröhliches Schreien wie am Schulhof, hier fühl ich mich wohl. Zurück wieder mit dem kleinen Fährboot, ob es noch immer 35° Hitze hat? Die Nacht ist die erste un-erträglich schwüle, feuchte Nacht, ich „schwimme fast“ im Bug, Gerhard liegt im leichten Luftzug an Deck vorm Mast auf der ausgeklappten Gangway…;-) wie aufgebahrt,… Leider quälen mich ca. 87 gierige, durstige Schnaken, es ist trotz Autan ein Kampf, „flieg weg“ verstehn die nicht… Ich sitze von 1 – 3 im etwas luftigeren Cockpit, an Schlaf ist nicht zu denken. Nichts zu klagen, besser als Sturm…
Montag, 27,Juli. Poros.69.Tag:

WASSER- marsch!

IMG_9534
Um 12 verlegen wir unsere salzstachelige, fast kristallweiß versalzene EOS rüber an den Kai- zum Wasserhahn! Unsere Wäsche bringe ich schnell zur Laundry, sie Hat DENSELBEN Geburtstermin wie Lucis u. Martins Baby. Mitte Sept.
Die großzügige Süßwasserdusche mit dem Schlauch dauert 12 lange köstliche Minuten, ich schrubbe die EOS mit der Bürste aus Kiew ab und poliere Lüfter, Relingstützen und Bugkorb. Dann lassen wir noch das mit Korken verschlossene Cockpit voll laufen und baden alle Schoten und Fallen, Festmacherleinen. Ich trete sie wie Sauerkraut, reine Salzbrühe! Aber die Eos glänzt wie ein Chevrolet- die Fenster wieder klar, die Sprayhood hat durchsichtige „Scheiben“, wir hoffen, daß sich der grüne Markisenstoff nass dehnt, denn wir bekamen die Spanngurte kaum mehr zu. Der Tankmann kommt grad und wir tanken 30 l Diesel.
Wonnig: 1 l kaltes Cola und ein Magnum-Eis wie früher für unsre 3 Kinder, nett…Noch eine Volldusche mit dem Schlauch für beide Skipper und dann mototoren wir entlang des heute fast „leeren“ Betonkais und besucherlosen Tavernen an eine freie Boje. Raus mit dem Schlauchboot, herrlich frisches Obst und Gemüse, 2x 12m postgelbe neue Festmacher-Leinen, ein Chromputzgel,Honigmelone, Aprikosen, 3 Pfirsiche, Kirschen, Tomaten-Paprika-Gurke-Zwiebeln, Knoblauch, Marmelade, eine Wucht! Wir gönnen uns eine Pita und 1 griech.Salat zu zweit. Zunehmender Mond nach der purpurroten Sonne…
Echt romantisch das Dorf im Abendlicht. Nun sind alle Tavernen voll besetzt. Von 22 bis 2.30 Uhr Discomusik wie früher, Gh. auf seinem Deckbett wendet sich ab, ich könnte jubeln: KEINE Schnaken!
Aber früh sollen wir die Boje frei machen, na gut. Um 8 sind wir weg. Wir motorten nach sanfter Sandgrundberührung beim 2.Bojenversuch wieder rüber zum andren Ufer und ankerten früh. Da stehn die ersten auf den vielen französ.Booten grad auf und hechten ins ca. 26° warme Meer. Die Kanuten drüben trainieren, laute Kommandos: wie in Budapest vor 1 Jahr…auf der Donau.
Dienstag, 28.Juli, noch 1 TAG POROS
Gemütliches Frühstück, am Bug etliche Sonnensegel, Windfach-Ideen. Gh. fertigt kunstvoll aus einer alten Leine eine ovale Matte mit großen Schlingen. Die letzte war aus angeschwemmten Fischertauen – aus Dimitrios, als Gh mit der kleinen Banana in einer hohen Welle kenterte… Die mag uns nun Glück bringen.
Seil-Matte 2 Seil-Matte 1

27.(2) Kithnos + letzte Fotos v. Chora Serifos

Noch ein Nachtrag, weil grad das Internet mal funktioniert…das ist sooo selten:

einfach einige Fotos vom Abendbummel auf der CHORA in Serifos und ein 2. von Kithnos.

IMG_9509 - Kopie - Kopie

IMG_9506 - Kopie IMG_9507 - Kopie IMG_9500 - Kopie (2) IMG_9501 - Kopie IMG_9510 - Kopie - Kopie IMG_9511 - Kopie - Kopie

GepäckTRANSP=RT
GepäckTRANSP=RT

IMG_9513 IMG_9514

Am Ende Fotos, die uns an Bord an unsere Kinder erinnern.

Schönen Abend euch daheim- bei uns ist er golden, die Schnaken fehlen noch und die Sternenpracht zum Halbmond oben ist die Disco, die sicher ab 23 Uhr bis um 3 dröhnt, draußen grüne Bewaldung, die Pinien, ein laues Lüftchen und das Schwojen vor Anker… was könnte heut noch schöner sein, ich werde Lieder mit der Flöte spielen, und aus lauter guter Laune sogar Tangos!! Oh Donna Klara, Komm, schwarzer Zigeuner,….und Abendlieder

26 Windiges Serifos und eine Bergwanderung

Starker Wind auf unserer Überfahrt von Paros nach Serifos. Die Wetterberichte: Keine Änderung in den nächsten Tagen. Unser Ankerplatz in der Bucht ist zwar geschützt, aber den Böen mit Sturmstärke ausgesetzt. Können wir es wagen, unsere EOS mit dem Beiboot zu verlassen? Am Morgen fährt eine Jacht hinter der Mole aus. Diesen Platz steuern wir an und legen bei steifer Brise mit Hilfe freundlicher Nachbarn an. Ohne Anker. Beide Nachbarschiffe haben ihre Anker nahe beieinander gesetzt. Würden wir auch noch ankern, wäre die Wooling wohl perfekt. So machen wir mit unserem kleinen Schiff an den mächtigen Nachbarschiffen sicher fest.
So ein Anlegemanöver ist wie eine Theatervorstellung. Wie kommt die Crew zurecht? Ist Hilfe erforderlich? Was hat nicht geklappt? Bei uns gabs trotz Rückwärtsfahrt bei steifer Brise keine Probleme. Zuschauer kommen immer.
Man kann über den nicht nachlassenden Wind hadern. Segler wollen weiter! Aber haben wir das nötig? Wir haben noch einen Sack voll Zeit. Warum drängen wir? Bleiben wir doch, bis der Wind nicht mehr mag! Die Insel ist doch so schön und wir liegen im Schutz einer Mole. Wir haben alles was wir brauchen. So besuchen wir einen Abend die Chora, die sich bis zur Bergspitze hochzieht. Eine Kapelle krönt den Gipfel und wir teilen uns einen Salat in einer Taverne mit überwältigender Sicht.
um 5 Uhr am Morgen (1024x683)
5 Uhr morgens. Ich breche zu einer Bergtour in den Tag auf. Kein Mensch auf der bequemen Treppe hoch in die Chora, nur der dauernde Ruf eines Käuzchens. Goldener Schimmer am östlichen Himmel und der kühle Wind umschmeichelt.
Es tagt (1024x683)
Oben zweigt ein Wanderweg, rot/weiß gekennzeichnet ab und quert eine schräge Felswand, fein mit den flachen Granitsteinen der Umgebung belegt, breit wie eine Straße.
Der alte Weg (1024x683) Tiefblick (1024x683)
Und immer die weite Sicht! Einen Kilometer wunderbar, während die ersten Sonnenstrahlen die Berggipfel erreichen. Natürlich führt der Weg zu einer Kapelle und weiter zur Straße. Ich wähle aber den weglosen Abstieg in ein kleines Tal. Zuerst geht’s ganz gut auf Ziegenpfaden, dann wird das Gelände steil und mit stacheligen, hohen Büschen bewachsen. Weit unten eine Kapelle. Die Stachelbüsche sind mein Gegner. Immer wieder muss ich umkehren und bessere Möglichkeiten suchen. Einmal rutsche ich einen schrägen Fels ab und finde mich von allen Seiten von Stacheln umgeben. Aber auch diese Schlüsselstelle ist überwunden und es geht einfacher über verfallene Terrassen zur Kapelle. Mittlerweile sind alle Kapellen im Gegensatz zu früher verschlossen. Weite Terrassen, jetzt alle ungenutzt ziehen sich den Hang hinunter. Ich folge einer kleinen Wasserleitung, immer wieder Terrassenmauern abkletternd. Unten im Dorf hat das Leben begonnen. Die ersten sitzen in Cafés beim Kaffee und ich freue mich auf ein gutes Frühstück.

Hier alle Bilder der Tour: Klick

…und hier der „Weg“. Klick

.

26. Meltemi fortissimo: Paros-Serifos, 20.Juli 15

Gerdi schreibt rückblickend nach Logbuch,

am 22.7.,unsrem 62. Tag:
(schon 3 Tage u. Nächte stürmisch ohne Pause im Traumland der griech.Kykladen-Inseln)

Der kleinste Mast mit Radarwürfel ist die EOS
Der kleinste Mast mit Radarwürfel ist die EOS
Pfannkuchen mit frischern Pfefferminzblättern
Pfannkuchen mit frischern Pfefferminzblättern
Milkshake und Lemoncake
Milkshake und Lemoncake

IMG_9458

Griech.Salat im Bergdorf auf Paros
Griech.Salat im Bergdorf auf Paros
Huhn von Pepes Grill
Huhn von Pepes Grill

Paros,1.Mal Souflaki

Lahmacum im Strandlokal
Lahmacum im Strandlokal
Morgen soll der Wind auf 4 bft flauen...
Morgen soll der Wind auf 4 bft flauen…
Kali spera, Paros
Kali spera, Paros

Mit der schönen bunten Erinnerung an kleine Köstlichkeiten „an Land“ wie Milkshake, griechischer Salat, mein deftiges Ratatouillle, Pfannkuchen und ein gegrilltes Huhn wagen wir am Montagmorgen, den 20.Juli, bei Meteo Poseidon „etwas weniger Wind als 5 bft“ uns von unsrer sicheren Mooring in Paros los zu machen. Noch optimistisch an einen flotten Segeltag glaubend reffen wir die neu gesetzte kleine Fock und ziehen auch das Groß nicht ganz hoch. Doch es dauert keine Stunde und es packt uns der mit bösartigem Dröhnen und Heulen, die Wellen werden höher und wilder, kabbelig die schäumende See.

5 -6 Bft, sieht man nicht
5 -6 Bft, sieht man nicht

Sichern und einstemmen (800x533)
Weiter einreffen, Schräglage, Ölzeug anziehn im wild schlingernden Schiff, Schwimmweste drüber, raus ins Nasse, Wellen über, Lifebelt einklinken, Pinne packen, wieder in den Wind und voll in die steigenden Wellen, wo der Bug wie ein Schöpflöffel das Meer bunkert und uns zum Heck spült – wie ein See am achteren Luk… Reffen am Rollgroß… alles klappt. Trotzdem irre Krängung… Wellen über Sprayhood und- klatsch- über das über 2 m hohe Biminidach… Am Bug kommt von irgendwo wieder Wasser rein und läuft unter den Verzierplatten, die die türkischen „versehentlichen“ Schraubenbohrlöcher am Himmel verdecken sollen, aufs Bett. Meine Koje ist vorsorglich mit Plastikplane eingepackt, nun läuft es salzweiß auf die bb-Koje und auf das Ablagefach an stb…
Wir segeln tapfer, Meltemi fortissimo, alles fast von vorn, wie ein Frontalangriff auf unser niedriges mit 10 m für diese Seen zu kleine Schiff…Nach einer 10 minütigen Windpause braust der Meltemi mit neuer Kraft , 1,5 m hohe Wellen? Höher?… Um 15 Uhr notiert der Skipper lakonisch im Logbuch:6 bft, Motor dazu… Noch über 1 Stunde kämpfen wir richtig in dem Seegang- . fast mit Vollgas steuern wir an dem großen Buckelfelsen vorbei, mit gereffter Fock und Motor mit nur 2 kn , vorwärts, Meter für Meter gegenan… Dann quetsche ich die Pinne heftig nach Backbord zum Einbiegen in die Bucht vor Serifos, um die wunderschöne Insel SERIFOS zu erreichen mit ihrer dramatisch am steilen Felshang klebenden weißen Chora, der berühmten pittoresken Oberstadt .
Auch dann noch kräftig gegenan… ob wir’s schaffen? Stoßgebet zu unsrem Herrgott. Drinnen weißgischtig, aber etwas mäßigere Wellenhöhe. „Schützende Bucht“ ist bei dem Seegang etwas übertrieben….Schon viele Boote schwojen an den Ankern,, wir versuchen es 2x, dann hält unser großer guter Anker auf dem Sandgrund vor einem türkis-leuchtenden Meeresband und goldnem Strand… Am Steilhang neben uns ein Appartementbau, Pool, Bar, Blumen, Urlaub- keine Ahnung von Sturm…

Ankerblick, Bucht vor Serifos
Ankerblick, Bucht vor Serifos

Ab 16.15 zerrt die EOS wie wild an ihrer Ankerkette… Wir genießen den traumhaften Ausblick auf die Chora Serifos. Alle 30 Minuten fährt ein Bus die Touristen und Einheimischen hoch über die Serpentinen… Es wirkt rein optisch (!) fast filmreif und romantisch auf mich, doch ich höre, wie um uns der Nordwind heult und dröhnt. Gleich leg ich das salznasse Ölzeug ab und koche Risotto oder Reis-paprika-Pilav… Lecker. Danach kalte dunkle Kirschen aus Paros…Die ganze Nacht ohne Pause dieser Wind, fortissimo, presto… keine Minute Schlaf!!!! Ob es 6 oder 7 bft sind, wenn es so teuflisch pfeift und heult und das Schiff krachend und quietschend kreiselt, weiß ich nicht. Wie gerädert (auch vor Angst, daß der Anker ausbricht) kommt Gerhard früh an meine Koje: „Du, 2 Yachten sind aus dem kleinen Hafen raus, laß es uns versuchen, da rüber zu motoren.“
Mit Schräglage steuern wir rüber, ca. 1 km, mit 5 vorbereitet belegten Leinen und Anker und 8 Fendern in der Reling…. Im Höllenlärm des Sturms schreien uns Belgier am Kai zu: 1 Platz frei!!! Da!!!“ Helfende Hände sind bereit an Land. Wir zielen auf diese schmale freie Stelle zwischen großen Yachten, die hier ankern. Die Belgier schreien: „NO anquor! !!!!!“- denn dann wären wir mit Sicherheit „cross“ mit deren Ankern- also rückwärts in die schmale Lücke, am Bug schon fängt die Frau unsere Leine und hält uns fest im Gewell… Gerhard schafft es, die Heckleinen rüber zu werfen- gegen den Wind! Und dann schaffen es alle Männer und Frauen gemeinsam, die EOS festzumachen… Ich zurre die Vorleine nun am Bug fester, die am belgischen Nachbarn auf der Klampe befestigt ist. Gerhard springt auf den stilvollen 75 Jahre alten Zweimaster-Holzsegler an stb und legt einen Palstek auf dessen Bugpoller. Geschafft. Ohne Anker aber vom Heck mit 6 bft vom Kai weg geblasen liegen wir sicher, aber nie „still“ im Gebraus.
Schräglage, Sturmgeheul, Meer peitscht über den kleinen Betonkai. Gerhard läßt die an 2 Leinen an den Achterstagen aufgehängte Brett-Gangway ans Heck… Kurzer Ausflug auf festen Boden. Viele liegen schon länger da und warten auf weniger Wind… oft Charterboote, Polen, Russen, Österreicher, Holländer, Franzosen, Engländer, Deutsche….
1 cm Gin im Stamperl auf unsren nüchternen Magen, ein Morgengebet (Dank, und ein paar Kirchenlieder auf der Flöte für Martin!! Wer nur den lieben Gott läßt walten….)

Unser kl. Martin, vor 32 J., 4 Mon.alt. Jonische Inseln
Unser kl. Martin an Bord der 8m-MARION, vor 32 J., 4 Mon.alt. Jonische Inseln

Ganz liebe SMS von Vroni, Erika, Joachim, Martin, Micha. Ich sende das Foto von der weißen entzückenden Chora. Jeder wär gern hier…. Naja….lieber nicht. Es dröhnt und pfeift….

Serifos, Blick von oben auf den Hafen+Bucht
Serifos, Blick von oben auf den Hafen+Bucht
Drüben unsere vorherige Insel: Paros
Drüben unsere vorherige Insel: Paros

Frühstück um 11… heißer grüner Tee, 2 Tassen Eduscho-Bohnenkaffee, Käse und der Rest Rinderschinken von der Türkei, 2 kleine Birnen….
Die Bilge faßte wieder Seewasser, keine Ahnung wo. Gh hat inzw. Diesen 50×50-Heckluk-Deckel mit 5mm dickem Moosgummi abgedichtet und mit einem Splint niedergehalten… Im Salzwasser ist wohl unsrer Sprayhood Bj.2010 geschrumpft und wir bekommen die Riegel fast nicht mehr zusammen beim Spannen… Tapfer die Segel, hier laufen immer mal Skipper mit großen Segelsäcken zum Segelmacher, das Groß, die Fock…
Wir sind todmüde von der durchwachten Nacht und versuchen, bei dem Windlärm etwas zu schlafen.
Um 17 Uhr gibt‘s Nescafé und Honigmelone. Um 18 Uhr fahren wir mit dem Bus für 1,60€ in 12 Minuten hoch zur Chora. Wunderschön die weißen Würfelhäuser mit ihren hellblauen Fensterläden und Holztüren… Steil die Felsen, daran wie geklebt die App’s und Mini-Tavernen. Es bläst so heftig, daß mich Gerhard fest an der Hand führt, als wir die Stufen zur höchsten Kapelle hochsteigen. Traumhaft schön die engen Treppengässlein zwischen den winzigen Hauswürfeln… Unten die blaue Bucht mit den ca. 20 Ankerbooten und der EOS im winzigen Hafen des Dorfs neben dem Strand. Die Fähre tutet…

Sturmverweht erklimmen wir das Wegle zu der besucherlosen Taverne bei den 5 Windmühlen und trinken ein Bier und teilen uns einen köstlichen, knackigen Griechischen Salat mit Kapern und Feta. Das Brot dazu ist knusprig und schmeckt himmlisch.

Draußen Starkwind seit Tagen....
Draußen Starkwind seit Tagen….
Dem Felsen abgerungen
Dem Felsen abgerungen
Windmühlen neben uns
Windmühlen neben uns

Serifos, Windmühlen m.Gerdi Serifos, Windmühlen m.Gerdi, verweht

Abend in der windumtosten Taverne/ Chora
Abend in der windumtosten Taverne/ Chora

Dann geht die Sonne hinter die hohen Felsen und läßt die (ehemaligen?)Terrassenfelderstreifen am Hang rotbraun leuchten. Der Ortsbus um 20.30 Uhr bringt uns ins „Tal“, mutig in den Engstellen zwischen den vielen Rent-a-car-Autos am Rand.
Bei der 24 Std. geöffneten Bakery gönnen wir uns einen frisch gepressten Apfelsinensaft auf festem Boden, bevor wir wieder auf die schwankende EOS klettern…
Neue Yachten abenteuerlich am Anlegen… Der stürmische Wind mit Böen 8 soll bis Freitag anhalten, also keine „Linderung“ in Sicht.

Beten mit Meerblick...
Beten mit Meerblick…
Kapelle...leider zu
Kapelle…leider zu

So beschließen wir, mit den beiden Nachbarbooten auch bis Freitag oder Samstag hier auszuharren… -zur Schonung unsres schönen alten vergleichsweise winzig-kleinen Schiffes und auch meiner Nerven,die bei dem ewig gleichen Molto Fortissimo kaum Erholung spüren. Die Geduld-Reservoirs werden bei diesem Dauersturm nicht aufgefüllt- auch wenn ich hoffe, bete, flöte…
Ein Glas Retsina… Gerhard gelüstet es noch nach dem Rest Risotto, ich spiele einige Lieder auf der Mundharmonika, die aber nur ich allein höre in dem Windgebraus… Um Mitternacht zu Bett. Es stürmt die ganze Nacht und auch am Morgen. Die Wanderschuhe stehen schon bereit, Gerhard will um 5 früh vorm Sonnenaufgang zur Chora hoch wandern und beim Abstieg das Panorama ausgiebig genießen…