8. Griechische Tänze, türkische Küche, sagenhaftes Troja

Insel SAMOTHRAKI. Gerdi

Wir haben es hier ganz gemütlich, wenn auch oft stürmisch. Der 1611 mhohe Berg wälzt die Windmassen und lenkt sie ab oder wirft sie aufs Meer hinaus. Mit 5-7 bft. ist das Meer weiß begischtet und schäumend. Draußen ein Dorf, viele Bäume und Blumen, viele Menschen, sehr junge Mamis beim Ausfahren ihrer Kinderwagen. Sie treffen sich an der großen Fähre, um Ankommende zu begrüßen und small talk mit den (ledigen) Jungs zu pflegen.Das Dorf gefällt uns: lebendig, kleine Tavernen (mit Hendl, Schweinshaxe oder Ziege am Spieß). Es gibt nette Bars, besonders die mit dem Internet, ganz Italian style, orange und weiß die leichten Nylonstoff-Stühle, klare Linien, filigrane kleine Tische dazu, alles auf Holzpanneelen, mit Spots vertikal von unten sanft bestrahlt. Mittelpunkt ist ein Riesenbaum: Ein Gigant von Platane, der Stamm 3-armig hochgewachsen, unten 3 m Durchmesser, die „Arme“ je 50-70 cm!

Die Mädels, die bedienen, sind alle schick gestylt, Make-up, Frisur, modischer Schmuck, gewagte Décolletées an knappen Shirts mit vielen Pailletten,die Jungs in knackigen Flower-Bermudas in türkis, flieder und pink, dazu freche Muskelshirts. Am Abend kamen Helfer und stellten im Nu ca. 200 weiße Stapelsessel auf den großen Platz, wo schon die Bühne stand. Mikrofone, eine große bauchige Laute und eine Bouzuki, ein Geiger, ein Keyboard spielender Sänger. Gegenseitig flochten sich die Mädchen die langen Haare zu dicken Zöpfen im Nacken, steckten die kleinen runden Käppis mit Band aufs Haar über der Stirn, ein Amulett an den Ausschnitt. Gekonnt zupfte man die reich bestickten Folklore-Schürzen zurecht. Die Männer der Tanzgruppen tanzten in Hemden mit weiten weißen Blousonärmeln, mit schmalen schwarzen Westen, dazu ganz weite Pluderhosen, knielang, drunter weiße Strümpfe über schwarzen spitzen Halbschuhen, vorne die Spitzen hochgebogen.Die vielen Tanzgruppen führten sehr unterschiedliche Volkstänze vor (zu Live-Musik mit schon ziemlich türkisch-orientalisch anmutenden klagenden Geigentönen und Gesang. Ab 23 Uhr reihten sich immer mehr Zuschauer in die tanzende Menschenkette ein, jedes Alter, von 4 bis 90, Männer und Frauen, kleine Mädchen und Buben, gut verteilt. Es war unglaublich, die tanzten mindestens 30 Minuten ohne Pause, alle beherrschten die nicht einfache Schrittkombination mit Vor-Rück-Seit-Schritten, Wiegeschritt und schnellen Laufschritten. Echte Begeisterung zeigten da auch die disco-mäßig gekleideten Mädels, die Pailletten glitzerten und die goldnen Sandaletten der ganz Kleinen wirbelten tempo-richtig zwischen den großen Füßen, es gibt da ja kein Halten bei so einem in Schlangenreihen getanzten Kreis- oder Reihentanz. Keinerlei Ermüdung, die tanzten gemeinsam in heller Freude – und als der Geiger seinen Bogen senkte,waren die Tänzer richtig enttäuscht, aber nicht erschöpft! Die große bunte Menge aus Volk undFolklore-Trachten-Tänzern löste sich auf – aber die fröhliche Feierstimmung ging so weiter bis um 4 Uhr früh.

EINHEIMISCHE LOKALE KÜCHE:

AUF SAMOTHRAKI/ GRIECHENLAND

… entdeckten wir eine Taverna, in der große leckere Hühner am Spieß gebraten wurden. Bei uns wäre so was Feines ein „Bio“-Huhn. Unvergleichlich gut, nicht fett. Neu für uns war, dass die Köchin es mit Senf einreibt, und Rosmarin mag sie gar nicht. Man kann es auch nirgendwo kaufen! Nur den typischen „Rigano“, den wilden Majoran, Origano.

Vor dem Tanzfest drehte sich eine junge Ziege über den Holzkohlen. Das war genau das Richtige für den Bergwanderer: Ziege! Goldbraun und rösch die Haut, zart das Fleisch. Dazu gab es Weißkrautsalat, auch mit Senf und Kreuzkümmel.

IN CANAKKALE / TÜRKEI am Anfang der Dardanellen

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… blieb mein Blick beim Abendbummel im Regen an einem winzigen Lokal hängen: 2 Frauen mit blütenweißen Kopftüchern an der Kochstelle, Mehl am Tisch, Schüsseln voller kleiner Tortellinis vor sich: Die beiden formten mit flinken Fingerspitzen aus hauchdünnem Teigfladen eine Art Tortellini, 1 cm winzig. Zu dem warmen einfachen Tellergericht reicht man Ayran, die türkische Buttermilch, gemischt mit einem Schuß rot färbendem Tomatensaft und Schwarzkümmel.

Ich konnte auch zusehen, wie geschickt sie Teig hauchdünn ausrollten: mit einer Stange ca. 1,5 cm dick und 40 cm lang, wellten sie auf Mehl den Teig mit lockerer Bewegung und fast ohne Druck, dann Mehl drüber und – schwups – rollten sie diese Teigplatte um das Wellholz, rollten alles wieder auf ,legtenund die Stange 90° gedreht auf den Teig, alles ca. 20 mal. Gebacken wurde auf einer von 2 Gasflämmchen erhitzten runden Blechscheibe.

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Man stellte uns mangels Sprachkenntnissen voller Freude und Gastfreundschaft alle möglichen Speisen auf geblümten Tellern auf den Tisch: zarte Blättchen in Joghurt (wie Radieschensprossen), reisgefüllte Weinblätter (Dolmes), gebratene Paprika- und Auberginenscheiben, gefüllte rote Paprika, gegrillte Tomaten. Als Nachspeise „typisch türkisch“ gab es Reisbrei mit Zimtzucker. Ein kulinarisches Erlebnis für uns zwei Segler, die gerade auf Kleinasien, einem neuen Kontinent angelandet sind. Ein wenig kauderwelschten wir noch mit dem Opa, der 18 Jahre lang in Ulm bei Magirus in der Fertigung arbeitete.

IM „ALEMTA“ -am andern Ufer von Canakkale

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Mit der Fähre fuhren wir rüber und bestiegen die martialische Bastion, 10 Meter hohe Festungsmauern, kreisrund, gewaltig. In einem ganz schlichten Fischlokal kehren wir ein. ALEMTA (das heißt Fahne oder auch Spitze der Moscheekuppel). Von der vierseitigen Speisekarte verstehen wir kein Wort, außer „Sardinen“, die dann auch köstlich frisch in der Pfanne gebraten mit grobgeschnittenen Zwiebeln und Schwarzkümmel gebracht werden. Gerhard wählte etwas, das im Langenscheidt „Brei“ übersetzt wurde. Es entpuppte sich als jene chilischarfe Rohkost, die wir 2009 nach dem Moscheebesuch in Kusadasi kosteten: Feingeschnittene Zwiebeln, Petersilie, Chilischoten, rote Paprika – sehr scharf! Dazu gab es noch diese
winzigen 5 mm dünnen Rindfleischhack-Teilchen vom Grill, das berühmte „Köfte“, also gut bekannt von Mc Donald’s Rindfleisch-Burgern, nur viel kleinere Portionen. An Fastfood-Kneipen gibt’s diese flachgedrückten Dinger auf Holzspieße gesteckt, vom Gasgrill in die Hand.

TROJA – EIN AUSFLUG IN SAGENUMWOBENE VERGANGENHEIT

Mit dem kleinen Truva-Bus rasen wir über dem “Weltkulturerbe“ nicht ganz gemäße schlechte Straßen 35 km ins Hinterland. Eine fruchtbare, baumreiche Agrar-Landschaft mit Äckern, gelben Stoppelfeldern, Strohballenmauern, Tomatenfeldern, Zucchini, Olivenhainen, Weinhängen, Rosengärten, Gladiolen, leuchtend rosé-farbenen Malven (2-3 m hoch vor jedem Haus), ausladenden Feigenbäumen, Steineichen!!

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Gleich nach dem Entrée ein hölzernes Pferd, das Symbol für die Kriegslist der Hellenen.

Ein Modell der Ausgrabungen, Triumph der Archäologen. Über die Geschichte in Zahlen und Abläufen möchte ich hier nichts (Falsches) schreiben, das kann jeder bei Homer, im Lexikon oder bei Wikipedia nachlesen.

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Dank der Sponsoren-Gelder von Mercedes-Benz und Siemens konnte man vor Ort Ausgrabungen sichern, bedachen, einen wunderbaren Weg anlegen mit großen Stelen, auf deren Text-Tafeln eindrücklich und in vollendeter deutscher Sprache (neben türkisch und englisch) alles erklärt wird. Vom Stadion hat man einen Blick über die Felder und Wiesen bis zur hoch aus dem Meer ragnenden Insel Samothraki, dessen Kult mit Troja eng verflochten ist. Ein süßer Duft der Feigenbäume liegt in der Luft, Stille, Schmetterlinge, eine vor Tausenden von Jahren schon gefasste Quelle, Frösche quaken, Bienen summen und holen Nektar ein.

Diesen Ausflug möchten wir jedem empfehlen. Ein unvergessliches Erlebnis.

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7. Mit 7 Knoten durch die Dardanellen: Samothraki> Canakkale> Marmarameer

MIT 7 –8 KNOTEN RAUSCHT DIE „EOS“ DURCH DIE DARDANELLEN

Samothraki, Sonntag 21. Juni 2010 – GERDI

Für Dienstag werden von Meteo Poseidon 6, in Böen 7 Windstärken vorausgesagt. Also nix wie weg und rüber in die Türkei.

Um 5.30 Uhr Kettenrasseln am Kai, Gerhard löst die 5 Festmacher und gibt der Eos ihre Freiheit wieder.

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Wir verlassen Samothraki

Wir haben Wellen und Wind gegenan und motoren aufs Meer hinaus. Südwind, er soll auf West drehen. Um 9.30 können wir segeln, das Groß gerefft , 3-4 Bft, Wind zunehmend. Wir reffen auch die Fock , denn die EOS schiebt kräftig Lage, pflügt mit dem Bug durch die Wellen, das Meerwasser rauscht 10 m am Süll entlang und bildet im Heck Seen. Unser kräftiges Schiff schafft das aber gut, es erfreut das Seglerherz, wie sie den aufbrisenden Wind und die Wellen meistert. Ich steuere als „1.Offizier“ von Hand und der Käptn lobt seine Segelfrau, die zuverlässig Stunde um Stunde Kurs hält auch in starkem Wind und sich auftürmenden Wellen. Heute mal in vollem Ölzeug. Die Wellen spülen über den Bug bis zur Sprayhood.

Kabbelige See. Unruhig das Schiff, stark gekrängt, viel Schräglage also: Blickt man als Steuerfrau vom Cockpit hinunter in den Salon, sieht es aus, als hätte man das Schiff gekippt auf die Seite gelegt. Das Meer lärmt, in den Wanten pfeift der Wind, mittags gibt es „nur“ Käsebrote. Flotte Fahrt, immer 6-7 kn, Eos’ Rumpfgeschwindigkeit. Ich steuere mit Kraft die Pinne, der elektronische Autopilot schafft es nicht mehr gegen die Wellen.

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5 Bft

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Kap Mehmetcik, der Eingang zu den Dardanellen

Gegen 14 Uhr haben wir Kap Mehmetcik, den Eingang in die Dardanellen querab, ein eleganter Leuchtturm, ein britisches und ein türkisches Kriegerdenkmal. Wir verkleinern die Fock erneut, heftig wird das Schiff von den nun von achtern anrollenden hohen Wellen gejagt. 8, sogar 8,4 kn Fahrt, dabei surft der Rumpf. Von hinten kommt uns ein Großsegler immer näher, Typ „Gorch Fock“, 4 mächtige Masten, zig sauber aufgetuchte Segel auf den waagrechten Rahen. Ein Bild aus früheren Zeiten.

Spürbar die Strömung, der Wind achtern und immer günstig zum Durchsegeln. Ein Abenteuer! Wir schieben uns wachsam zwischen den großen Frachtern und Tankern der Großschifffahrt durch. Wegen des starken Schiffsverkehrs und des engen Fahrwassers müssen sie in den Dardanellen einen Lotsen an Bord nehmen.

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Ein Stückgutfrachter

Das Meer leuchtet mit einem unbeschreiblichen kräftigen Smaragd-Grün.

Steigt im Heck die Welle höher als das Deck steigt, kann man fast „durch-sehen“ durch das Grün des Wassers, wie grünes Glas – und husch, stürzt die 2m-Welle mit unsrem Schiff hinab ins Wellental, Die Wellen immer höher, geschätzte 6 Windstärken, nach Kursänderung aber nun mit Bremskraft der starken Gegenströmung, denn die EOS läuft inzwischen bei geborgenem Groß und doppelt gereffter Fock zeitweise nur noch 1,5 kn.

Wir steuern Canakkale an. Das wird übrigens am Anfang mit „tsch“ gesprochen (Canak heißt Topf, Schüssel). Die große Stadt breitet sich vor uns aus wie ein buntes Häusermeer – vom Strand den Hang hinauf, Die Wohnblocks in leuchtenden Pastellfarben: viel rosa, hellgrün, himmelblau, orange, violett. Fährbetrieb zur anderen Küste. Wir tasten uns bei viel Wind heran, bergen die Fock auf Höhe des Leuchtturms, steuern vorsichtig in den engen Hafen.

Dankbar sind wir! Heil angekommen.

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Regenwolken über Canakkale

Marina Canakkale. Man weist uns einen 11m-Platz längsseits am Kai an. Leinen über, 2 Springs gegen den angekündigten Starkwind, schwere Regenwolken über uns. Am Kai hinter dem Abtrenngitter viele Spaziergänger, meist europäisch sommerlich gekleidet, aber auch Kopftücher und diese langen weiten Orient-Hosen mit dem „Schritt“ auf Wadenhöhe…Heute muss ein Festtag sein, vielleicht ein Studienabschluß oder Abiturzeugnis-Tag. Junge Männer mit speziellen schönen Umhängen und seidenen Schals um den Hals, oft uns unbekannte Kopfbedeckungen. Fotoshooting und Treffs am Molenkopf mit Lunch-Paketen. Keinerlei Alkohol, keine Bierdosen, kein Raki, nur Wasserflaschen. Originell das türkische Wort für Mineralwasser: „Maden su“!

Ich koche mit Tomaten, roten Spitzpaprika, Zwiebeln, Gurke, Knoblauch und viel Chili eine gute Soße zu Pasta Tagliatelle.

Draußen Pärchen Hand in Hand, auf den Bänken aber keinerlei Zärtlichkeiten. Fröhliche leise Unterhaltungen.

Hätte es nicht um 22 Uhr mächtig geregnet, wäre der Abend wohl länger gegangen mit feiern. Wiederholt höre ich den Eurovisions-Sieger-Song von der deutschen LENA – und alle singen mit.

Dienstag 22. Juni bis Samstag, 27.Juni: GERHARD

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Vorbereitung zum Einklarieren

Einklarieren, in der Türkei, etwas umständlich aber interessant. Zum Hafenkapitän, der kassiert umgerechnet ca. 45 Euro, dann zur Gesundheitspolizei, jetzt mit dem Bus zur Hafenpolizei, 7 km außerhalb im neuen Fährhafen. Es war ein Erlebnis, ohne Türkisch-Kenntnisse den richtigen Bus zu erkennen und am rechten Ort auszusteigen! Und dann: Ich habe meinen Personalausweis noch in der Joggingtasche statt im Geldbeutel! Wieder zurück, Ausweis holen, mit dem Taxi nochmals zur Hafenpolizei, wieder zurück, noch mal zum Hafenkapitän und zum Zoll. F-E-R-T-I-G.

So lernt man Stadt , Menschen und den Busverkehr kennen. Alle, Beamte in den Amtsstuben, Leute im Bus sind außerordentlich freundlich und hilfsbereit, immer wird jemand geholt, der Englisch spricht, wartet man länger, wird Tee angeboten. Dann bekommen wir in bestem Englisch Tips für Häfen an der türkischen Küste: Vom Nachbarskipper, einem Armenier mit Großeltern aus Istanbul, fahrend unter französischer Flagge, Gäste aus Italien, in USA als Geschäftsmann gewesen, jahrzehntelang in Venedig gelebt.

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Alter Friedhof neben der Moschee

3 Tage streifen wir durch diese lebendige Stadt fast ohne Touristen und gewöhnen uns an die türkische Lebensweise. Wir besuchen Troja mit der Dolmusch, einem preiswerten Kleinbus, streifen durch die engen Gassen und fahren mit der Fähre ans gegenüberliegende europäische Ufer nach Kilibahir mit seiner außergewöhnlichen runden Festung. So bewegen wir uns in den Dardanellen an der Grenze zwischen Europa und Kleinasien. Das Wetter hat abgekühlt auf 19° und es regnet und gewittert zwischendurch kräftig.

Am Donnerstag entschließen wir uns weiterzufahren. Der griechische Wetterbericht meldet Nord 4, in Böen 5. Wir halten uns im östlichen Drittel ca. 10 km von der Küste, um der starken Gegenströmung und dem regen Verkehr der großen Frachter auszuweichen.

Im Strömungsbereich vermindert sich die Geschwindigkeit auf 3 Knoten, geraten wir aber in einen Neerstrom eilen wir mit 7 kn dahin. Segeln ist bei diesem Gegenstrom und Gegenwind nicht möglich. LAPSEKI hat einen Hafen, der eine Marina werden sollte. Die Arbeiten sind aber seit Jahren eingestellt und so versandet dieser geräumige Hafen. Wir finden aber mittendrin einen Ankerplatz.

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Lapseki, ein geräumiger Hafen, aber leider versandet

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Eintrag ins Logbuch, täglich nach Reiseende

Dieser Reiseabschnitt erinnert sehr an die Ostsee: Auf beiden Seiten bewaldete Hügel und große fruchtbare Felder bis zum Meer. Das kühle Wetter und der bedeckte Himmel verstärken diesen Eindruck. Gerdi fühlt sich an die Abiturfahrt mit dem Schiff von Linz nach Wien auf der Donau erinnert. Im Marmarameer verlässt uns der Wind, der Motor schiebt uns die Südküste entlang, vorbei an einer mächtigen Industrieanlage von der wir nicht wissen, was dort hergestellt wird. Dann wird das Land felsiger. Voraus erscheinen die Inseln Marmara und Avsa.

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Kap Karaburun, fast wie Kap Arkona auf Rügen

Wir fahren noch etwas weiter, steuern durch das betonnte Fahrwasser die geräumige Bucht vor der Insel Pasalimani an. Anker fällt, Motor aus und uns umfängt himmlische Ruhe. Die Insel hat nur eine Straße und die kleine Inselfähre ist mit 2 Pkws voll beladen. Nur die Stimmen der Menschen und das Gackern der Hühner dringt zu uns. Wir genießen diesen Frieden und bleiben an Bord.

26.Juni: GERDI

PASALIMANI

Wir bergen die Segel vor der Kulisse der sanften grünen Hügel und dem kleinen Dorf, gleiten geräuschlos auf die 3 kleinen Kaik-Fischerboote zu, steuern den stämmigen kleinen Turm des Minaretts neben der niedrigen Moschee an. Im Garten der Taverne sitzen Männer beim Tee unter ausladenden Baumkronen.

Wir waren mit unsrer EOS heute 10 lange Stunden unterwegs, als Motorfahrt in der Strömung. Lob unserem VOLVO-Motor, ein 100% funktionierender technischer Helfer. Und nun: Motor aus!

Absolute Stille, kein Wellenschlag. R U H E !!! Der Augenblick hat etwas Magische. Es lässt sich wahrhaftig schwer mit Worten beschreiben. Diese Geräuschlosigkeit nach einem langen Tag unter Motorengebrumm.

Die überwältigende Stille, wie die Erfüllung eines Traums, die ewige Sehnsucht nach Frieden! Wir schweigen. Beide. Lauschen in dieses Er-leben hinein.Vermissen nichts. Trinken die feierliche Einmaligkeit dieser Minute. Glück.

Eigentlich wollte Gerhard gleich das Schlauchboot aufpumpen, an Land, Brot holen, Wasser am Brunnen, der dort am Ufer sprudelt. Ich halte ihn zurück. „Bleib! Mach gar nichts. Schau einfach!“ Ich will überhaupt nicht an Land. An diesem wunder-baren Abend nicht. Morgen erst. Wir sehen voller Zufriedenheit in die rötlich angestrahlten Wolken, genießen die Farben des Lichtbandes auf dem Meer, als die Sonne in die Wolkenwand sinkt, ganz langsam.

Dann bereite ich im Wok das geschnetzelte Rindfleich zu, mariniert in Ingwer, Knoblauch, Tiriakisoße, Wein, Zucker, Sojasauce. In 3 Minuten ist es fertig. Dazu heißer duftender Basmati-Reis. Wir essen bedächtig wie die Asiaten mit Stäbchen. Und in dieser kühlen Nacht schlafen wir himmlisch.

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Ein vorzügliches Essen: Rind, Bohnen, Basmatireis

Am Morgen paddeln wir an Land, fragen nach „ekmek“= Brot. Der Ofen des Bäckers ist bereits gefegt und kühl, das Weißbrot noch warm. „iki! Zwei!“Dann versuchen wir zu erfahren, wo wir Melone, Tomaten, Gurken, Bohnen, Zucchini kaufen können. Sofort führt uns ein Mann hilfsbereit zum Nachbarhaus, die Frauen verstehen sofort: Aha, die wollen Gemüse kaufen. Wir folgen 200 m zu einem eingefallenen niedrigen Natursteinhaus, ein kleiner Hund springt uns entgegen, die Gemüsebauern zeigen uns voller Stolz all ihr frisch geerntetes Gemüse: Köstlich! Hier mangelt es nicht an Gießwasser, auch die Geranien blühen in koralleroter Pracht, gleich steckt mir der Mann die größte Blüte ins Haar, die Frau drückt mir einen schweren Erdetopf mit duftendem Basilikum in den Arm, ein älterer fröhlich lachender Bauer häuft kleine knackige grüne Peperoni in die andere Hand und dann bekomme ich einen Büschel frischer Pfefferminze unter die Nase gehalten.

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Das Geschenk der Bauern: Ein Basilikumtopf

„Nimm. Geschenk!“ Gurken („Nein, nein, nicht 5! 1 Kilo!“) eine Tüte reife rote Tomaten, eine voller hellgrüner Paprika, Bohnen. Alle lachen glücklich, stellen sich auf zum Foto! Wange an Wange, umarmt, als wären wir verwandt! Ein herzlicher Abschied, ich singe noch ein Lied und als ich mit dem Rucksack wie ein Esel rufe, ist man begeistert.

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Die Gärtnerei in Pasalimani

Beim Weiterlaufen findet sich erneut ein Mann (er arbeitete bei den Düsenjägern als Ingenieur), der uns bereitwillig ins Dorf führt zum kleinen Supermarkt. Wein, Bier, Käse, Wurst, (und Oliven und Honig geschenkt), Erdnüsse. Herrlich. Alles kommt per Paddelboot an Bord, und nach einem Vesper segeln wir noch 2 Stunden rüber zum nächsten Dorf, Ilhanköy, kleiner Hafen. Man sieht niemanden. Alle gucken TV: Fußballweltmeisterschaft!!!

Hier die Bilder:

6. Von Insel zu Insel: Von Thassos nach Samothraki

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17. Mai 2010, Insel Samotraki

Zufall?

Längseits am Kai in Thassos Stadt: Hinter uns liegt die UBENA aus Regensburg. Dieses kleine Schiff kommt mir irgendwie bekannt vor. Anderntags treffen die Besitzer aus Deutschland ein (Die UBENA hat hier überwintert). Im Gespräch ergibt sich, dass ich bei Würzburg auf diesem Schiff gesessen bin. Ich hatte einen Lehrgang dort gehalten und die UBENA kam über die französischen Kanäle und Flüsse vom Mittelmeer zurück nach Regensburg. Dem früheren Besitzer habe ich bei dieser Gelegenheit die Flusskarten für Frankreichs Wasserstraßen abgekauft. Das ist aber noch nicht genug: Dasselbe Schiff segelte früher auf dem Bodensee in Friedrichshafens BSB-Hafen, wo auch mein Eichenholzschiff „Louisa“, Baujahr 1929, lag. Und ich hatte damals ein Auge darauf geworfen: Ich wollte es kaufen. Daraus wurde nichts, andere Interessenten haben es vom Bodensee weggekauft. Zufall, oder? Nun segelt ein Regensburger, der durch die Donau schipperte, die UBENA nach Marseille und durch die Rhône zurück.

Unsere Bergtour auf der Insel Thassos

Der erste Ausflug führte uns zum Amphi-Theater, mit Nachtigallengesang.

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Sonnenaufgang vor der Busabfahrt um 6 Uhr

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Thassos - entdecken Sie die smaragdgrüne Insel

Thassos ist eine “grüne Insel“ mit viel Wald und schönen Wegen in der Natur. Gerdi und ich lassen uns um 6 Uhr früh mit dem Bus nach Agios Georgios fahren. Das ist eines dieser malerisch gelegenen Bergdörfer, die abseits der Küste erbaut wurden, um sich vor Piratenüberfällen zu schützen. Noch umfängt uns die Kühle des jungen Morgens. Wir suchen den Weg, finden ihn nicht und erst eine freundliche Bewohnerin zeigt uns den Startpunkt und die Abzweigung „nach der 2. Marmorfabrik“. Nun ist alles klar. Die Fabriken sind nicht zu übersehen, sie zersägen den hier abgebauten rein weißen Marmor zu Blöcken und Scheiben. Umgeben von dichten Laubbäumen, Platanen meist, hallt der Wald hier vom vielkehligen Gesang der Nachtigallen! Ein Zauber…

Es geht 2 Stunden leicht aufwärts und nach der Pause am höchsten Punkt sollte es wieder abwärts nach Thassos / Stadt gehen.

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Pinien oft mit vom Waldbrand verkohlten Rinden

Der Blick schweift weit über die Bergdörfer und in die hohen Berge, und auf der Nordseite gegenüber über liegt im milchigen Dunst das Meer und die Thrakische Küste.

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Das Bergdorf Rachoni

Der weitere Weg wird immer mühsamer. Die Sonne brennt. Eine Kurve folgt der anderen, was in der Landkarte als gerader „Karrenweg“ eingezeichnet ist, entpuppt sich als Sträßchen, das jedem Taleinschnitt folgt. Immer wieder Ziegen, die zu einer der Quellen kommen. Am Wegrand stehen Imkerkästen für die berühmten Bienenvölker mit dem Thassos-Honig.

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Ein liebevoll gestalteter Brunnen

Die Gegend ist sehr vielfältig, riesige Platanen breiten ihre Kuppeln über uns, Pinien oft mit vom Waldbrand verkohlten Rinden, aber oben grün austreibend, blühende Büsche und viele bunte Blumen, aber kein Wasser (wir haben genügend mitgenommen). Langsam wird aus dieser Wanderung ein echter „Hatsch“, der kein Ende nimmt. Eine Abzweigung führt uns endlich ins Tal und von dort dürfen wir noch kilometerweit auf der belebten Straße laufen, nur unterbrochen durch eine Einkehr auf ein kühles Helles in einer kleinen Strandbar am Meer. Also: Manche Wanderungen dauern länger als geplant und werden langweiliger als gedacht und billige Karten lohnen sich nicht.

Abends belohnen wir uns mit einem Teller Souflaki bei unsrem netten Wirt der kleinen Faros-Taverne, dessen Sohn hervorragend Deutsch spricht. Spezial-Sprachenschule.

Unser Ausflug mit der Fähre nach Kavala

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Unser Ausflug mit der Fähre nach Kavala

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Die Insel, der Berg und das Meer

Manche der nördlichen griechischen Inseln, wie Thassos, Samothraki oder auch die Halbinsel Ägion Oros mit dem Berg Athos erreichen eine Höhe von über 1500m. Hört man den Wetterbericht, dann liest man derzeit von schwachen Winden um 2 Bft aus unterschiedlichen Richtungen. Als wir um 7 Uhr von Fanari zur Insel Samothraki starten, wundere ich mich über eine Dünung aus Südost. Schon die ganze Nacht vor Anker war eine Schaukelei.

Wie kann das sein? In der Nordägäis sind überall schwache Winde vorausgesagt. Auch auf der Überfahrt nutzen wir zeitweise den Motor.

Um 13 Uhr etwa zeichnet sich vor uns im Dunst die Insel Samothraki ab und die Dünung wird immer heftiger. Jetzt nimmt auch der Wind zu und wir binden ein Reff ein. Das Wasser wird richtig ruppig. Hohe Berge stören den Wind auf seinem Weg über das Wasser, er wird eingeengt, folgt der Inselküste und nimmt an Stärke mächtig zu. Das Wasser vor der Hafenmauer ist mit Schaumkämmen übersät und ich bin überzeugt, dass 10 Meilen von der Insel entfernt nur eine Dünung an den starken Wind hier erinnert.

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18. 6. Samothraki

Von Gerdi:

Wir sichern das Schiff mit 5 Leinen, legen Kette vor, um ein Durchscheuern an der Kaimauer zu verhindern, bringen 7 Fender aus, setzen 2 Springs, und die EOS zerrt an ihren Fesseln. Am Abend dreht der Wind um 180°, aber er bläst angenehm kühl durch die Kajüte. Wir folgen beim Landgang im Dorf dem köstlichen Duft: am Spieß drehen sich 6 prächtige Hühner, sicher 2 kg schwer. (13 €)

Wir laden CHRIS, den 2.Segler von seiner britischen kleinen Westerly zum Essen ins Cockpit ein und er erzählt, dass er seit 15 Jahren hier segelt und im Winter Englisch unterrichtet und viel mit dem Rad fährt. Spannend. Er segelt allein, war schon im Libanon.

Am Freitag, 18. Juni fahren wir 2 mit dem Bus hoch in das idyllisch am Berg liegende Dorf Chora, kühl und vom Wind durchpustet, unglaublich viele Blumen vor den kleinen Häusern in den engen Gassen, rosa Horthensien, üppige Geranien in Pötten, rankende orangene Trompetenblumen, Kletterrosen, Dahlien, Jasmin, mal eine Quelle mit Platanen und wildem Wein, Oasen in schattiger grüner Laube, die Stufen der Steintreppen weiß gekalkt oder mit Marmor belegt, kleine Gemischtwaren-Läden, die keinen Schimmer einer Ähnlichkeit mit einem Supermarkt haben, ein buntes unüberschaubares Sammelsurium, dazwischen der Ladenbesitzer und seine kleine Rechenmaschine für den Verkaufsbon.

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Schattiges Plätzchen an der Quelle

Gegen 10 Uhr treffen sich die Dorfleute, auf einen griechischen Kaffee oder einen Frappé, mit der Gebets-Perlenkette in der Hand. Die Frauen kehren die Blätter und Knospen weg vorm Haus, alles soll blitzsauber sein. Und überall Katzen in allen Farben. Das Castell, auf Felsen errichtet. Dahinter noch weit rauf bis zum Bergeskamm. Wir genießen den Ort, die Kühle, das Fehlen der touristengemäßen Ferienwohnungen, die original belassenen Häuser.

Wunderbar die Ausblicke, gelbe abgemähte Felder, teils noch die im Wind bewegten Ähren vom Weizen. Grün aufleuchtend auch Weinfelder, Olivenbaum-Gärten, mitten im Feld eine große Schule.

Das Meer auch mittags noch weiß schäumend, die Wellen preschen mit langen Schaumkronen vom Wind gejagt zur Hafenmauer. Die EOS unruhig am Kai, Gerhard legt noch einige Ketten an die Leinen. Ich geh einen Laden suchen, keine Urlauber, nur Dorfbewohner. Die Tavernen gut besetzt.

Mit Orangen, Tomaten, Basmati-Reis für unseren Rest Huhn von gestern laß ich mich vom Wind zum Schiff „blasen“.

Samstag, 19, Juni, Gerhard

Top of Samothraki

2 Tage liegen wir hier im geschützten Hafen von Kamariotissa auf Samothraki und ich vereinbare mit dem Solo-Engländer Chris vom Segelschiff hinter uns eine Bergtour auf den Fegari, den höchsten Inselberg mit 1611m Höhe.

Anderntags um 5 Uhr früh bringt uns ein Taxi nach Therme an der Nordküste zum Ausgangspunkt. Wir folgen der Karte und einer Ortstafel und finden den Einstieg nicht. Nach 2 Versuchen kehren wir um und erfahren den rechten Weg von einem Bewohner. Tatsächlich 200 m über dem Dorf beginnt plötzlich eine hervorragende Markierung mit „E6“- Täfelchen und roten Punkten und Steinmännchen. Ihr folgen wir zuerst durch Maccia, dann durch lichten Steineichenwald und später wandern wir unter mächtigen, uralten Steineichen.

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Die uralte Steineiche

Vogelgezwitscher begleitet uns. Teilweise umgeben uns Wolken und ein angenehmer kühler Morgenwind umfängt uns. Trotzdem schwitze ich gewaltig und unsere Wasservorräte schrumpfen. Wir rechnen mit der Kalamithiriaquelle, in der Karte verzeichnet. Auf ca. 1000 m Höhe wendet sich der Pfad einem Tälchen zu und tatsächlich hören wir Wasser plätschern.

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Eine Quelle: Köstliches, kühles Wasser!

Aus Steinen springt es hervor, kalt. Jetzt wünschen wir uns nichts anderes, als daraus zu trinken. Wie wenig man doch braucht! Kein Bier, keine Cola nur dieses reine, kühle Wasser. Wir rasten und füllen unsere Wasserflaschen auf. Und ich schaue beeindruckt, wie das Wasser aus dem Stein fließt. Der Himmel bringt es, der Fels gibt es angereichert mit Geschmack wieder zurück. Jetzt verlassen wir den Wald und laufen durch Farnwiesen, dann sind auch diese zu Ende und über große Steinblöcke kommen wir langsam höher. 1600 Höhenmeter kosten Kraft. Da ist der Grat und wir sehen nach Westen zum Hafen, wo unsere Schiffe liegen. Noch ein paar Meter und wir sind am Gipfel.

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Auf dem Gipfel des Fegari, 1611m

Braungraue schroffe Grate umgeben uns, ganz, fast wie in den heimatlichen Bergen. Hier ist die Brotzeit fällig, ich mit Wurst und Brot, Cris mit Paximadi, das steinhar
te, getrocknete Brot, das erst mit Wasser zu essen ist.

Der Abstieg auf gleichen Pfaden zieht sich, 2 Biere unten in der Taverne schmecken wunderbar und eine Dose trinken wir auf dem Rückweg. Heute ist Wochenende und da fahren keine Busse. 12 km Rückmarsch oder Taxi oder Autostop warten auf uns. Wir entschließen uns für letzteres und schon der erste Autofahrer nimmt uns zu seinen Fischen auf der Pritsche mit. Glück gehabt.

Noch eine Anmerkung:

Cris vom Nachbarboot hat nur ein geliehenes Gummiboot als Tender. Wir haben ihm unsere MARONI geschenkt und er hat sie mit Freuden in Empfang genommen.

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Die MARONI, unser selbstgebautes Klappboot hat den Eigner gewechselt: Chris aus Southampton

Hier weitere Fotos. Um die Bildinformationen zu lesen klicke auf „show info“ am rechten oberen Bildrand

5. In 12 Stunden nach Chalkidiki und weiter nach Thassos

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Zwischen Insel Skiathos und Halbinsel Chalkidike

GERDI

Kali mera, guten Morgen daheim in Deutschland,es ist der 8. Juni, auf See geschrieben. Seit 5 Uhr früh richtet die EOS ihren Bug nach Norden, wir rauschen mit 5 Knoten durchs leicht bewegte Meer. Wie „schnell“ unsre hier absolut zu den kleinsten und schmalsten Schiffen zählende 10m-Yacht dann „fährt“? Das sind 5 sm/h oder 8-10 km/h ( für Landratten:  Geschwindigkeit von 1 kn=1 sm /h und 1 sm = 1,852 km)

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Die Hügelstadt Skiathos
Ich lese endlich  wieder mal eine deutsche, anspruchsvolle FAZ vom 5./6. Juni, „Futter fürs Hirn“. Fragt man in einem mit „International press“ beschilderten Laden nach deutscher Zeitung, gibt es meist nur die BILD-Zeitung. Vielseitig die Themen, grad bei Kultur, Geschäftsleben, Städtebau, Fußball-WM, neuer Bundespräsident.Noch ist es nicht richtig heiß, auch nicht an Land. Es hat oft geregnet, die unbebauten Brachen sind knallgrün und es blüht üppig, am Wegrand und hinter unbewohnten Häusern blüht die pinkrosa-violett gestreifte Urform der Geranie, Dazu lila leuchtende hohe Disteln, fuchsiarote Löwenmäulchen, wild auch kleinblütige rubinrote Geranien, orangefarbene Ringelblumen, natürlich überall Oleander, weiß, champagnergelb, rosa, koralle, tiefrot. An den Bäumen die Orangen, Zitronen, die Granatapfelbäume in voller Blüte, teils auch schon abgeblüht, mit dem sternartigen Ansatz für die Frucht. Schon auf 100 m Entfernung (und oft auch schon beim Ansteuern am Schiff zu erschnuppern) riecht es fast parfümhaft nach Jasmin, der über die Mauern und Zäune quillt.

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Bougainvillea
Unglaubliche Farborgien produziert die Bougainvillea, die sich oft bis in den 3. Stock an Balkons hochrankt oder aber an Felsen vom Garten oben runterwirft wie ein Wasserfall, auch an eindeutig leerstehenden Ferienwohnungen, die wohl erst ab Juli die Fensterläden öffnen. Gestern fanden wir, was ganz selten ist, einen Supermarkt am Rande des Städtchens, wo es mal ein etwas dunkleres Brot mit knuspernder Kruste gab, ein Fest, nach all dem weiß-gelben Weizenbrot. Auch konnte ich den Metzger überreden, die kleine Lammkeule, schlachtfrisch, mit dem Beil in 8 Scheiben zu hacken, was ihm natürlich das Herz brach, denn sie gehört im Ofen geschmort. Ich legte das köstliche Fleisch in Marinade ein:

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Nachbarcrew aus Ingolstadt

  • 500 g Lamm
  • Saft von 1 Zitrone
  • 1/2 Glas Retsina-Wein
  • Gyrosgewürz
  • Oregano
  • 1 Zweig Rosmarin
  • Salbei
  • 4 Knoblauchzehen
  • Salz, Pfeffer aus der Mühle
  • 1/2 Tl Chili-Samen
  • 1 Tasse natives Olivenöl

Den Deckel drauf und nur manchmal die Dose wenden. Schmeckte unserem Besuch (Nachbarcrew aus Ingolstadt, Radler, Bergsteiger) wunderbar, dazu Griechischer Salat mit Kalamata-Oliven, Schafskäse, und ein gekühlter Obstsalat! Als Krönung dazu die Musik mit Franzls chromatischer Mundharmonika, Wiener Lieder, die ich alle mit Text konnte, da sie seit Jahren zu meinem Geige-Repertoire gehören.Wir haben heute unsere erste Langstrecke vor uns, denn es werden je nach Kreuzen so 50 Seemeilen, also über 100 km sein, die wir hinter uns bringen müssen, um oben am mittleren der 3 Finger der handartigen Halbinsel Chalkidiki anzukommen. Nachmittags soll es frische 4-5 Beaufort geben.

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Silbrig metallisch schillernd: Der Bonito
Seit das Wasser über 500 Meter tief ist, begleiten uns Schwärme von silberblitzenden Bonitos, metallisch glänzende sportliche Langzeitschwimmer, bläulich aufscheinend wie ein Vollmond nachts oder wie Messerklingen, wie Thunfische, nur schlanker, stromlinienförmig, ca. 60 cm groß. Unglaublich, sie überholen die EOS nie, sie sausen neben ihr her, hintereinander, in Reihen nebeneinender, immer mit unserer Geschwindigkeit. Diese am Rücken mit Zebrastreifen gemusterten Fische weichen erst nach 11 langen Stunden von unsrer Seite.Samstag, den 12. Juni, Insel ThassosWir zwei segeln inzwischen vom Süden zum Norden der Insel Thassos, also auf Höhe Thessaloniki und Alexandropolis im Osten, was der nördlichste Punkt der griechischen Ägäis wäre. Der Wind meinte es gut mit uns, nicht zu viel gegenan.

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Einfach nur schön
Wir träumten eine Nacht in einer ur-romantischen Ankerbucht auf der Insel Diaporos, umgeben von grünem Wald, Olivenbäumen, lautlos Still und staunend lagen 3 HallbergRassy-Yachten verschiedenen Lebensalters wie Geschwister beieinander. Wir wanderten über die Hügel und hatten freien Blick nach zwei Seiten Meer. Die Insel Amouliani bescherte uns einen Gang durch ein zauberhaft blumenreiches Dorf, üppige Bäume an den ungeteerten Gassen, Schwalben überall, 10 Nester unterm roten Ziegeldach, und schon mal ein Karton mit Nest unter der Markise eines Gemüseladens aufgehängt. Glückliches Griechenland. Tags drauf segelte die EOS an der „verbotenen“ Küste der kleinen Mönchsrepublik des Heiligen Bergs ATHOS entlang. Nur auf 500 m darf man sich nähern, an Land nur Männer!

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Der Berg Athos, ein gewaltiger Berg, 2033 Meter hoch, wunderbar in seiner Form. Hunderte von Klöstern kleine und große – in steile Hänge und an unzugängliche Felsen geklebt. Im steilen Kar noch große Schneefelder. Wütend stürzen die Fallböen auf uns herab, wir reffen und stabilisieren die EOS mit Motorhilfe auf Kurs. Auch während unsrer 13- stündigen Überfahrt nach Thassos, bis 6 abends, bleibt der Heilige Berg majestätisch im Heck zu ahnen. Thassos, grün bewaldet, wunderbar die vielfach hintereinander geschlichteten Hügelketten, reizvoll auf halber Höhe sich an den Berg schmiegende Bergdörfer. Eine Insel zum Genießen.GERDI

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Klöster an den Fels geklebt

4. Zwischen zwei Küsten, wie durch einen Fjord. Ziel: Skiathos

Segeln wie in einem Fjord- zwischen 2 Küsten

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GERDI’s Blog-Bericht

29.Mai 2010

Das Tief aus Tunesien tobt sich derzeit bei Kreta aus, 8 Windstärken und hohe Wellen. Wir genießen noch einen „Wandertag“ in der verträumten ruhigen Bucht der Büffelherden: Boufalo Bay. Am Abend treffen sich die 4 deutschen Segler-Crews an Land, mit 4 ganz unterschiedlichen Bord-Grills, Steaks und Kartoffelsalat. Wir haben beste Stimmung, der Franz spielt wunderbar Mundharmonika und erst als der Vollmond um halb eins über den Windflügler-Hügel kriecht, paddeln wir zum Schiff zurück, alles natürlich pieksauber am „Lagerfeuer“ am Leuchtturm.

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30.Mai

Am Morgen laufen wir zwischen vielen brachliegenden ehemaligen Feldern in der weiten Ebene, Kamille, Mohnblumen, hohe Disteln, es brummt und summt von Käfern, kleinen Hummeln, Bremsen, Mücken, Bienen.

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Versiegte Tiefbrunnen in den Feldern, früher pumpten sie das Wasser noch aus nur 15 Metern, inzwischen müsste man 70 m tief bohren, um bewässern zu können.

Bald biegen wir um eine Kurve, Feigenbäumen nahmen uns die Sicht – nun weitet sich das breite Tal und gibt den Blick frei wie auf eine Arena, das „Schilfmeer“ des versumpften großen Sees liegt vor uns wie im Film „Herr der Ringe“ das Tal. Dunkelgrün, nur am Rand blitzt zwischen den Binsen Wasser auf. Bei einer Kapelle steht wie ein Gott ein riesenhafter uralter Olivenbaum.

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Oleander blüht, Eukalyptusblätter rascheln im leichten Wind. Wir genießen am Heimweg die Panorama-Aussicht auf die kreisrunde Ankerbucht und unsere EOS, essen Griechischen Salat in der Taverne, ein Fischer nimmt grad einen 70 cm langen Fisch aus, rosa Fleisch wie ein Lachs.

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31.Mai, 11.Tag auf See

ENDLICH um 11: Anker auf. Wunderschöner, raumer Wind, 3-4 Beaufort, 6 Stunden herrliches Segeln, Aufkreuzen, teils mit Bullentaille (Leine die den Großbaum bei achterlichem Wind am Bug fixiert, damit er nicht eine Gefahrenhalse startet und plötzlich 180° überkommt und über die Köpfe der Crew im Cockpit „sägt“). Noch vor 17 Uhr segeln wir zwischen den Leitbojen unter der großen Autobrücke (Klein-Puttgarden) mit den vielen Stahltrossen als „Aufhängung“ durch und legen am Betonkai der entstehenden Marina Chalkida an. 2 Springs, der Wind ist lebhaft.

Großeinkauf mit den 2 Bergsteigerrucksäcken. Lauter kleine Läden, Krämer, Gemüsehändler, Bonbonladen, Mandeln, Feigen, Nüsse, Karamelle, ein Weinabfüll-Laden. Der Fachmann erzählt von Messen und Fachtreffen in ganz Europa, er schätzt die feien deutschen Reben, Riesling, und hier sei ein Wein aus Deutschland, aus dem 4. Jahrhundert. Mönche brachten ihn übers Meer, kreuzten mit griechischen Reben, veredelten die Weine.

Hier sind die Kirschen und Aprikosen nun im Angebot, aber auch diese köstlichen Natur-Orangen, die Portokali – ein Augenschmaus und Gaumengenuss. Am Abend ertönt von der nahen Kaserne mit Trompetenklang der Zapfenstreich. Wir laufen ins Internetcafé „Breeze“, um den 3.Blog und die Fotos einzustellen. Auffällig schick und hübsch herausgeputzt die Mädels, Mini-Kleidchen, Zipfellook, sehr hohe Schuhe nach italienischem Chic, sie zeigen viel Bein und Décolletée, große Ohrringe, bunte Farben, Sommer eben, und Sonntag ist wohl der Flirt- und Ausgehtag. Man flaniert, sitzt in den sehr einladenden großen Cafés am Ufer, sehen und gesehen werden, Männer spielen Backgammon, das auf etlichen Tischen in schönen Intarsienholzkisten bereit steht. In Deutschland immer noch nass und kalt, viel Regen. Heizung an usw.

Nach unsrer Blog-Übertragung finden wir ein Ristorante-Pizzeria an der Promenade, Il porto di pasta, und die vegetarische Pizza u. Calzone sind vorzüglich, allerbeste frische Zutaten. Schon der Koch ist ein Hingucker, wenn er die Teigfladen hochwirft und kreisend drehend in der Luft sie ihre zauberhaft luftige Endform annehmen. Im Holzbackofen wunderbar locker und knusprig gebacken. Die Hälfte tragen wir in der Box heim! 20 € für 2 Tage feines Essen!

Nachts ab halbelf geht über uns ein heftiges Gewitter nieder. Es ist taghell von den pausenlos zuckenden Blitzen, gewaltige Donnerschläge erschrecken das Ruhe-verwöhnte Ohr, Einschläge wie Bombenlärm, es regnet und ¼ Stunde hagelt es aufs Deck. Es ist ein Lärm, dass man nicht mal mehr die pausenlos auch nachts röhrenden Schiffsmotoren der großen Frachter vom gegenüber liegenden Kai hört.

Vom Radio erfahren wir vom Rücktritt unsres Bundespräsidenten, die Tiefseebohr-Stelle in USA sprudelt weiterhin ungebremst, ein Hilfsgüterschiff für die Palästinenser wurde von den Israelis angegriffen mit 6 Opfern und politischer Isolierung Israels.

2.Juni: Nochmals ins Internetcafé, wir müssen Rechnungen bezahlen, lesen Post, die un
s Martin scannt und in die „Dropbox“ lädt. Ich finde endlich die ersten Ansichtskarten. An der Promenade scharenweise junge Leute, wohl mit Schulrucksäcken als Schüler zu erkennen, aber was machen die um halbzehn, um 11, um 12 alle hier? Sie rauchen, plaudern, essen Gyros-Pitá, trinken in den polstercouch-möblierten Cafés Cola und Frappé, den aufgeschäumten, gesüßten eiskalten Nescafé, auch Hausfrauen plauschend unter den Markisen der Lokale, bei Garnelen oder süßen Törtchen.

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Gegen 20 Uhr Leinen los und rüber zum Kopfbahnhof, wo wir bei den Fischern vor Anker gehen, die EOS quer zum Wind in der Strömung. Wir müssen standby liegen, um nach Mitternacht nach Funk-Aufruf durch die aufgeschobene Straßenbrücke zu fahren.

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Der Himmel färbt sich fast dramatisch gold-orange, die sich auflösenden Cumuli werden fast pinkrosa von unten angestrahlt, ein Schauspiel. Ich spiele Abendlieder auf der Flöte, die „Albatros“ und die „Erika“ neben uns.

3. Juni,Mitternacht:

Unter vielen Zuschauern neben der sich öffnenden Brücke schiebt sich die EOS unter Motor und meiner Pinnenführung durch die Engstelle, der Ebbstrom macht es uns heuer leichter als 2009. Wir motoren noch 3 Seemeilen nordwärts bis in eine große Bucht und ankern auf 8 m Wassertiefe neben der ALBATROS. Laut die Straße mit viel Schwerlastern und aufheulenden Motorrädern.

Fronleichnam in Deutschland, Blumenteppiche und weißgewandete Kommunionkinder hinter der Monstranz, Prozessionen, Feste

Herrlicher Sonne-Wonne-Morgen. Baden im kühlen Meer. 9 Uhr Anker auf und kreuzen unter prall gefüllten Segeln. Die Ufer zu beiden Seiten, als würde man in einem Norweger Fjord segeln. Die Festlandseite 100% landwirtschaftlich bewirtschaftet, Olivenbäume in Reih und Glied, oft neu angelegt in geometrischer Form, in Linien gesetzt und wohl bewässert und gepflegt, Weinhänge dazwischen, wie am Bodensee bei Meersburg. Oben Aufforstung, dazwischen richtiger grüner Wald, Pinien mit hohen Stämmen, Zedern, Laubbäume wie Steineichen, Eukalyptus, Pappeln,

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Wir segeln 7 ¼ Stunden lang auf leicht bewegtem Meer mit prachtvollem, zunehmendem Wind, flott und hübsch gekrängt, der Wind fast kühl. Es gibt Lores Geschenk, eine Ananas mit Mandeln, ein Glas Wasser.

Um 5 fällt der Anker in der Bucht vor THEOLOGOS, gegenüber die Insel Atalantis.

Samstag 5. Juni: GERHARDs blog

Wir ankern in der Orei-Straße am Kap Lichades, der östlichsten Ecke der Insel Euböa. Neben uns liegt wieder die Albatros. Der nächtliche Friede endet um 4 Uhr früh mit Gewitter und heftigem Regen.

Der Wind bleibt mäßig, sodass wir uns keine Sorgen um die Haltekraft des Ankers machen müssen. Wenn wir den Anker ablassen, dann geben wir 4 mal Wassertiefe Kette und fahren mit höchster Motorkraft rückwärts. Wenn der Anker dann nicht ausbricht, hält er auch starken Winden stand. Dicke Wolken begleiten heute unsere Reise. In der Orei-Straße bläst der Wind mit 4 Bft dagegen. EOS hat ihr altes Segel gesetzt und wir können schlecht aufkreuzen. Gegen Nachmittag briest es auf 5-6 Bft auf und so suchen wir nach nur 33 km eine kleine, enge Bucht auf. Ringsum entladen sich Gewitter und ich erwarte starken Wind aus unbestimmbarer Richtung. Darum packe ich das Beiboot mit 50+25 m Landleinen voll, um wenn notwendig, die EOS durch „ Landfeste“ am Abtreiben zu hindern. Der Regen war Gott sei Dank stärker als der Wind.

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Wir sammeln in Schüsseln unter der Solarzelle einige Liter weiches Regenwasser. Im Schlauchboot kann man ein Bad nehmen.

Sonntag 6. Juni

Heute verlassen wir das an einen Binnensee erinnernde Revier zwischen Attika und der Insel Euböa. Die Gegend erinnert an den Lago Maggiore, und ist genau so von hohen Bergen eingeschlossen. Auch die schmucken Dörfer an den Hängen erinnern ans Tessin.

Jetzt macht sich eine angenehme Dünung bemerkbar. Die EOS hebt und senkt sich. Der Wind kommt schräg von vorne und nimmt stetig zu. Zuerst binde ich ein Reff ins Großsegel. Als aus den „Katzenpfoten“ breite mittlere Brecher werden, ist auch ein Reff im Vorsegel notwendig. So rauschen wir trotz Reffs mit 6-7 Knoten unserem Ziel Skyathos Hafen entgegen. Ein herrliches Segeln, wie man es sich wünscht. EOS legt sich auf die Seite und hinterlässt eine schnelle weiße Schaumspur am Heck.

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Munter flattert die Nationale. Im großen Hafen von Skyathos gehen wir nicht an den Kai. Dort liegt eine Jacht neben der anderen und man kommt sich vor wie auf einem Parkplatz. Statt dessen ankern wir im Hafenbecken und benutzen unsere MICRO EOS, das Schlauchboot
als Shuttle zum Land. Die Landebahn des Flughafens beginnt unmittelbar am Ufer. Man darf wegen der Masten nicht in der Einflugschneise ankern. So donnern die Düsenvögel in doppelter Masthöhe knapp an uns vorbei. Viele kommen allerdings noch nicht. Vorsaison. Auch unter den Sonnenschirmen der Hotels liegen kaum Sonnenanbeter, keiner badet, Wasser 19-20°.

Am Abend treffen wir wieder Lore und Franz mit ihrer UTANA II und wir sind bei ihnen zum Abendessen eingeladen. Es wird ein netter, fröhlicher Abend. Nebenan liegt die EOS und zeigt Ihr mildes Ankerlicht. Die Stadt ist um Mitternacht ruhig, nur “Europas beste Disko“ donnert ihre Musik in die Nacht. Auch um 3 noch.

Hier anklicken, dann seht Ihr die Bilder:

3. Unter Segeln zur Westküste von Euböa

Porto Rafti, vor Anker 25. Mai 2010

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Mit einer weiteren Hallberg Rassy, der „Albatros“,  liegen wir nach einem sanften Nachmittagssegeln und herrlichem leichten Wind im Wellenschutz sicher hinter einer kleinen Insel. Das Meer leuchtet wie ein Smaragd grün-türkis im plätschernden Flachwasser am Felsensaum…

Ein Ausflug in die Politik:

2009 segelten wir ein halbes Jahr im Mittelmeer und  4 Monate davon in Griechenland,  und nun sind wir voraussichtlich wieder für weitere 6 Monate Gäste dieses Landes, das inzwischen von der EU aus dem finanziellen Disaster geholt werden muss.

Zeitung und Fernsehen berichten von Griechen, die über ihre Verhältnisse leben und jetzt, da die Geldvorräte des Staates aufgebraucht sind und Sparmaßnahmen beschlossen werden, sich erlauben, zu demonstrieren und zu streiken.

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In den Häfen, die wir anlaufen, habe ich nicht den Eindruck von großem Reichtum und wenig Arbeitswillen. Die Leute fahren ganz normale Autos, sind nicht teuer gekleidet und Häuser und Wohnungen deuten  auf keinen Luxus hin. Wir stellen fest, dass alles etwas langsamer abläuft und Pausen häufiger sind als in unserem Land üblich. Dafür kann man an 6 oder 7 Tagen einkaufen.

Uns fällt auf, dass in den Banken nicht nur das Geld streng bewacht wird, sondern auch die dort angestellten gleichfalls. Vor vielen Banken stehen kugelsichere Wachhäuschen und in jede Bank wird immer nur eine Person nach Aufforderung und wenn gleichzeitig eine weitere Person die Bank verlässt, durch kugelsichere Schleusen eingelassen. Wiederholte Anschläge sind der Grund dieser Maßnahmen. Kann es sein, dass nicht Einbrecher Geld stehlen wollen, sondern brutal eingestellte Landsleute mit den Verhältnissen unzufrieden sind? Weisen nicht die Verwüstungen gerade von Banken in den letzten Wochen darauf hin, wo eine Ursache der klammen Finanzlage liegen könnte, für die auch die weniger Reichen finanzielle Einschnitte hinnehmen müssen? Ich habe den Eindruck, dass die Menschen hier die klamme Lage ihres Landes deutlich erkennen und auch persönliche Einschnitte in Kauf nehmen. Aber sie klagen die Beamten und Wohlhabenden in den Großfirmen und die Politiker an, die ihrer Meinung nach Ursache des jetzigen Zustandes sind oder durch Vertuschung und Korruption zusahen, wie der Bankrott sich anbahnte. Wenn wir in einen Hafen mit großen, sauberen, weißen Jachten einlaufen, dann habe ich von deren Eignern doch gelegentlich den Eindruck von Hochnäsigkeit. Das ist aber eben nur ein un-gutes Gefühl, und eher selten.

Die liebenswerte Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft aber ist unverändert, der Monteur nimmt mich im Auto mit und erledigt spontan seine Arbeit, 8 € will er, und das ist eigentlich nur der Preis für den Dieselfilter.

Gerhard

Pfingstwoche, 26.Mai 10, Nähe Rafti: GERDI

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Ruhig blieb die Nacht. Am goldenen Morgen ein Bad im Meer…6 Stunden seidenweiches Segeln und 1. Sonnenbad an Deck mit einem Buch. Nach 16 Uhr fällt der Anker hinter der  Insel, die Bucht ein Juwel von blau und türkis bis hellgrün! Einige pompöse weiße Villen zwischen Pinien. Harzduft liegt in der warmen Luft des Nachmittags…

Ich koche 750 g Gulasch aus reinem Rindfleisch, so wenigstens entziffere ich mit Hilfe des Alphabets im Wörterbuch das Artikelschild mit den griechischen BuchstabenJ! Bandnudeln, Ruccolasalat mit reichlich Dill (der hier pfundweise gebündelt verkauft wird), Honigmelone.

Ein traumhaft roter Sonnenuntergang begleitet mein Flötenspiel, das mit Echo vom Inselrücken zurückkommt. Erste Sterne. Gelb die helle Venus. Gerhard studiert erstmals den neuen scheibenförmigen Sternatlas… Überm Mast steht der Große Wagen, und dann geht der Mond auf, fast voll schon.

Lautlos die Nacht, kein Wellenschlag, nur 1 Frosch quakt am Ufer. Auch der Morgen ist voller Zauber. Ich flöte „Die güldne Sonne“ und „Es tagt der Sonne Morgenstrahl, weckt alle Kreatur…“ und „jeden Morgen geht die Sonne auf und die schöne,scheue Schöpferstunde, jeden Morgen nimmt sie ihren Lauf.“ Ein Lobgesang. Auch für Vati, der nach einem Sturz auf Reha verlegt wurde in Nürnberg für 14 Tage.

27. Mai, 6 Stunden, meist unter Segeln

Wir nützen den Wind, der anfangs wieder voll dagegen weht, folgen der Inselküste, an der meist der lokale Wind entlangstreicht oder „der Küste folgt“, kreuzen auf, zählen die endlos in Reihen stehenden fleißigen Windflügler am Kamm. Kaum eine Segelyacht unterwegs. Doch dann: eine blaue kleinere. Ich sag so vor mich hin: Wär doch toll, wenn uns mal dieses junge Paar aus der Schweiz wieder treffen würden, das wir in Leuca („Stop! Don’t go out. 8 Beaufort and more!“) kennenlernten und die mit uns nach Ericousa segelten im stürmischen Seegang. Und da stoppt das Schiff, die rote Fahne mit dem Schweizer Kreuz drin, Rufe vom Bug, „Hey, EOS!!!“. Sie steuern zurück und kommen her, welch eine Freude des Wiedersehens. Sie kommen vom Norden, wo wir hin wollen, haben erneut Zeit bis Oktober. Ein Paar des Glücks.

Dann schwenken wir ein in die uns wohlbekannte Boufalo Bay, die uns am 4. Oktober 09 so friedlich umarmte nach heftigem Gebraus und Gewell. Das kleine Rund des Naturbeckens in der Bucht, die vertrauten paar Häuser, die gepflegten kleinen Kaiken der Fischer. Wir grüßen das Schiff „Prima vera“ mit der vermeintlichen Italienerflagge grün-weiß-rot am Heck mit „Buon giorno“ und schmunzelnd antwortet der bärtige Skipper: Okay, but that’s Ireland, my flag is green-white-orange, my port is DUBLIN!“ Ich flöte ihm nach dem Ankern „Should old aquaintance…“ und er freut sich sichtlich darüber.

Die Franzosen lauschen meinem „Au clair de la lune“ und „Au jardin de mon père les lilas sont fleuris“, ein Verstehen ohne Worte.

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An Land bummeln wir durchs Dorf und 3 alte schwarz gekleidete Frauen, die Jajas, Omas, erkennen mich wieder, die Frau mit der Flöte. Gut, dass mir alle
Zeilen des griechischen Textes vom Schäferlied einfallen: “Prowatakia stin plaja, aspra, mawra, kastana, din din din.“

Wir wandern den Hügel hoch, gesäumt von großen Olivenbäumen, hier blüht noch der stark und süß duftende goldgelbe Ginster, 2 Meter hoch. Daneben mannshohe Disteln, auf denen sich große,metallisch- schillernde grüne Käfer tummeln, gierig zu zehnt nach dem Nektar tauchend, taumelnd umflattert von weißen Schmetterlingen, gemustert wie bei uns der „Admiral“.

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Im nächsten Dorf erkennt uns in der kleinen Bar ein Fischer wieder, ja, Oktober, im letzten Jahr. Die Unterhaltung gelingt nicht recht, dann auch die 5 Frauen reden nur griechisch. Eine war in Tübingen, das verstehen wir. Aber dann kommt eine 15-jährige Schülerin, und die dolmetscht vorzüglich in Englisch. Das dicke Kompliment wird sie der Lehrerin erzählen.

Als wir am Abend im Cockpit im warmen Licht der Petroleumlampe unser Kotelett aus der Pfanne verspeisen, schallt von Land eine Flöte. Virtuos gespielt ein Stück. Ein liebes Geschenk. Ruhig die Nacht. Früh bekommt Gerhard beim Wasserholen einen 40 cm-Thunfisch geschenkt, 6 cm dick der silbrig glänzende Rumpf. Der kommt aufs erste Grillfeuer.

Abends schleicht noch der schmucke Taiwan-Klipper in die Bucht. Nun sind wir 5 deutsche Schiffe. Augsburger, Mannheimer, die mit 50 „aufgehört haben zum Schaffen“ und seitdem Nordsee, Kanal, Biscaya, Tunesien, Griechenland für jeweils 6 Monate besegeln. Nett das mit dem Wein immer fröhlichere Lachen im Cockpit. Man kennt sich, von der Winterlager.

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Am Morgen des 29. Mai kündigt der Wetterbericht für Montag / Dienstag ein kräftiges Tief aus Tunesien kommend an, mit 8-9 Windstärken und 3-4m hohen Wellen. Dieser Blog-Bericht bleibt wohl bis dann im Notebook gefangen, denn bis Chalkida haben wir kein Internet.Diesen Link für die Fotos anklicken