6. Von Insel zu Insel: Von Thassos nach Samothraki

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17. Mai 2010, Insel Samotraki

Zufall?

Längseits am Kai in Thassos Stadt: Hinter uns liegt die UBENA aus Regensburg. Dieses kleine Schiff kommt mir irgendwie bekannt vor. Anderntags treffen die Besitzer aus Deutschland ein (Die UBENA hat hier überwintert). Im Gespräch ergibt sich, dass ich bei Würzburg auf diesem Schiff gesessen bin. Ich hatte einen Lehrgang dort gehalten und die UBENA kam über die französischen Kanäle und Flüsse vom Mittelmeer zurück nach Regensburg. Dem früheren Besitzer habe ich bei dieser Gelegenheit die Flusskarten für Frankreichs Wasserstraßen abgekauft. Das ist aber noch nicht genug: Dasselbe Schiff segelte früher auf dem Bodensee in Friedrichshafens BSB-Hafen, wo auch mein Eichenholzschiff „Louisa“, Baujahr 1929, lag. Und ich hatte damals ein Auge darauf geworfen: Ich wollte es kaufen. Daraus wurde nichts, andere Interessenten haben es vom Bodensee weggekauft. Zufall, oder? Nun segelt ein Regensburger, der durch die Donau schipperte, die UBENA nach Marseille und durch die Rhône zurück.

Unsere Bergtour auf der Insel Thassos

Der erste Ausflug führte uns zum Amphi-Theater, mit Nachtigallengesang.

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Sonnenaufgang vor der Busabfahrt um 6 Uhr

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Thassos - entdecken Sie die smaragdgrüne Insel

Thassos ist eine “grüne Insel“ mit viel Wald und schönen Wegen in der Natur. Gerdi und ich lassen uns um 6 Uhr früh mit dem Bus nach Agios Georgios fahren. Das ist eines dieser malerisch gelegenen Bergdörfer, die abseits der Küste erbaut wurden, um sich vor Piratenüberfällen zu schützen. Noch umfängt uns die Kühle des jungen Morgens. Wir suchen den Weg, finden ihn nicht und erst eine freundliche Bewohnerin zeigt uns den Startpunkt und die Abzweigung „nach der 2. Marmorfabrik“. Nun ist alles klar. Die Fabriken sind nicht zu übersehen, sie zersägen den hier abgebauten rein weißen Marmor zu Blöcken und Scheiben. Umgeben von dichten Laubbäumen, Platanen meist, hallt der Wald hier vom vielkehligen Gesang der Nachtigallen! Ein Zauber…

Es geht 2 Stunden leicht aufwärts und nach der Pause am höchsten Punkt sollte es wieder abwärts nach Thassos / Stadt gehen.

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Pinien oft mit vom Waldbrand verkohlten Rinden

Der Blick schweift weit über die Bergdörfer und in die hohen Berge, und auf der Nordseite gegenüber über liegt im milchigen Dunst das Meer und die Thrakische Küste.

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Das Bergdorf Rachoni

Der weitere Weg wird immer mühsamer. Die Sonne brennt. Eine Kurve folgt der anderen, was in der Landkarte als gerader „Karrenweg“ eingezeichnet ist, entpuppt sich als Sträßchen, das jedem Taleinschnitt folgt. Immer wieder Ziegen, die zu einer der Quellen kommen. Am Wegrand stehen Imkerkästen für die berühmten Bienenvölker mit dem Thassos-Honig.

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Ein liebevoll gestalteter Brunnen

Die Gegend ist sehr vielfältig, riesige Platanen breiten ihre Kuppeln über uns, Pinien oft mit vom Waldbrand verkohlten Rinden, aber oben grün austreibend, blühende Büsche und viele bunte Blumen, aber kein Wasser (wir haben genügend mitgenommen). Langsam wird aus dieser Wanderung ein echter „Hatsch“, der kein Ende nimmt. Eine Abzweigung führt uns endlich ins Tal und von dort dürfen wir noch kilometerweit auf der belebten Straße laufen, nur unterbrochen durch eine Einkehr auf ein kühles Helles in einer kleinen Strandbar am Meer. Also: Manche Wanderungen dauern länger als geplant und werden langweiliger als gedacht und billige Karten lohnen sich nicht.

Abends belohnen wir uns mit einem Teller Souflaki bei unsrem netten Wirt der kleinen Faros-Taverne, dessen Sohn hervorragend Deutsch spricht. Spezial-Sprachenschule.

Unser Ausflug mit der Fähre nach Kavala

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Unser Ausflug mit der Fähre nach Kavala

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Die Insel, der Berg und das Meer

Manche der nördlichen griechischen Inseln, wie Thassos, Samothraki oder auch die Halbinsel Ägion Oros mit dem Berg Athos erreichen eine Höhe von über 1500m. Hört man den Wetterbericht, dann liest man derzeit von schwachen Winden um 2 Bft aus unterschiedlichen Richtungen. Als wir um 7 Uhr von Fanari zur Insel Samothraki starten, wundere ich mich über eine Dünung aus Südost. Schon die ganze Nacht vor Anker war eine Schaukelei.

Wie kann das sein? In der Nordägäis sind überall schwache Winde vorausgesagt. Auch auf der Überfahrt nutzen wir zeitweise den Motor.

Um 13 Uhr etwa zeichnet sich vor uns im Dunst die Insel Samothraki ab und die Dünung wird immer heftiger. Jetzt nimmt auch der Wind zu und wir binden ein Reff ein. Das Wasser wird richtig ruppig. Hohe Berge stören den Wind auf seinem Weg über das Wasser, er wird eingeengt, folgt der Inselküste und nimmt an Stärke mächtig zu. Das Wasser vor der Hafenmauer ist mit Schaumkämmen übersät und ich bin überzeugt, dass 10 Meilen von der Insel entfernt nur eine Dünung an den starken Wind hier erinnert.

GERHARD

18. 6. Samothraki

Von Gerdi:

Wir sichern das Schiff mit 5 Leinen, legen Kette vor, um ein Durchscheuern an der Kaimauer zu verhindern, bringen 7 Fender aus, setzen 2 Springs, und die EOS zerrt an ihren Fesseln. Am Abend dreht der Wind um 180°, aber er bläst angenehm kühl durch die Kajüte. Wir folgen beim Landgang im Dorf dem köstlichen Duft: am Spieß drehen sich 6 prächtige Hühner, sicher 2 kg schwer. (13 €)

Wir laden CHRIS, den 2.Segler von seiner britischen kleinen Westerly zum Essen ins Cockpit ein und er erzählt, dass er seit 15 Jahren hier segelt und im Winter Englisch unterrichtet und viel mit dem Rad fährt. Spannend. Er segelt allein, war schon im Libanon.

Am Freitag, 18. Juni fahren wir 2 mit dem Bus hoch in das idyllisch am Berg liegende Dorf Chora, kühl und vom Wind durchpustet, unglaublich viele Blumen vor den kleinen Häusern in den engen Gassen, rosa Horthensien, üppige Geranien in Pötten, rankende orangene Trompetenblumen, Kletterrosen, Dahlien, Jasmin, mal eine Quelle mit Platanen und wildem Wein, Oasen in schattiger grüner Laube, die Stufen der Steintreppen weiß gekalkt oder mit Marmor belegt, kleine Gemischtwaren-Läden, die keinen Schimmer einer Ähnlichkeit mit einem Supermarkt haben, ein buntes unüberschaubares Sammelsurium, dazwischen der Ladenbesitzer und seine kleine Rechenmaschine für den Verkaufsbon.

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Schattiges Plätzchen an der Quelle

Gegen 10 Uhr treffen sich die Dorfleute, auf einen griechischen Kaffee oder einen Frappé, mit der Gebets-Perlenkette in der Hand. Die Frauen kehren die Blätter und Knospen weg vorm Haus, alles soll blitzsauber sein. Und überall Katzen in allen Farben. Das Castell, auf Felsen errichtet. Dahinter noch weit rauf bis zum Bergeskamm. Wir genießen den Ort, die Kühle, das Fehlen der touristengemäßen Ferienwohnungen, die original belassenen Häuser.

Wunderbar die Ausblicke, gelbe abgemähte Felder, teils noch die im Wind bewegten Ähren vom Weizen. Grün aufleuchtend auch Weinfelder, Olivenbaum-Gärten, mitten im Feld eine große Schule.

Das Meer auch mittags noch weiß schäumend, die Wellen preschen mit langen Schaumkronen vom Wind gejagt zur Hafenmauer. Die EOS unruhig am Kai, Gerhard legt noch einige Ketten an die Leinen. Ich geh einen Laden suchen, keine Urlauber, nur Dorfbewohner. Die Tavernen gut besetzt.

Mit Orangen, Tomaten, Basmati-Reis für unseren Rest Huhn von gestern laß ich mich vom Wind zum Schiff „blasen“.

Samstag, 19, Juni, Gerhard

Top of Samothraki

2 Tage liegen wir hier im geschützten Hafen von Kamariotissa auf Samothraki und ich vereinbare mit dem Solo-Engländer Chris vom Segelschiff hinter uns eine Bergtour auf den Fegari, den höchsten Inselberg mit 1611m Höhe.

Anderntags um 5 Uhr früh bringt uns ein Taxi nach Therme an der Nordküste zum Ausgangspunkt. Wir folgen der Karte und einer Ortstafel und finden den Einstieg nicht. Nach 2 Versuchen kehren wir um und erfahren den rechten Weg von einem Bewohner. Tatsächlich 200 m über dem Dorf beginnt plötzlich eine hervorragende Markierung mit „E6“- Täfelchen und roten Punkten und Steinmännchen. Ihr folgen wir zuerst durch Maccia, dann durch lichten Steineichenwald und später wandern wir unter mächtigen, uralten Steineichen.

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Die uralte Steineiche

Vogelgezwitscher begleitet uns. Teilweise umgeben uns Wolken und ein angenehmer kühler Morgenwind umfängt uns. Trotzdem schwitze ich gewaltig und unsere Wasservorräte schrumpfen. Wir rechnen mit der Kalamithiriaquelle, in der Karte verzeichnet. Auf ca. 1000 m Höhe wendet sich der Pfad einem Tälchen zu und tatsächlich hören wir Wasser plätschern.

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Eine Quelle: Köstliches, kühles Wasser!

Aus Steinen springt es hervor, kalt. Jetzt wünschen wir uns nichts anderes, als daraus zu trinken. Wie wenig man doch braucht! Kein Bier, keine Cola nur dieses reine, kühle Wasser. Wir rasten und füllen unsere Wasserflaschen auf. Und ich schaue beeindruckt, wie das Wasser aus dem Stein fließt. Der Himmel bringt es, der Fels gibt es angereichert mit Geschmack wieder zurück. Jetzt verlassen wir den Wald und laufen durch Farnwiesen, dann sind auch diese zu Ende und über große Steinblöcke kommen wir langsam höher. 1600 Höhenmeter kosten Kraft. Da ist der Grat und wir sehen nach Westen zum Hafen, wo unsere Schiffe liegen. Noch ein paar Meter und wir sind am Gipfel.

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Auf dem Gipfel des Fegari, 1611m

Braungraue schroffe Grate umgeben uns, ganz, fast wie in den heimatlichen Bergen. Hier ist die Brotzeit fällig, ich mit Wurst und Brot, Cris mit Paximadi, das steinhar
te, getrocknete Brot, das erst mit Wasser zu essen ist.

Der Abstieg auf gleichen Pfaden zieht sich, 2 Biere unten in der Taverne schmecken wunderbar und eine Dose trinken wir auf dem Rückweg. Heute ist Wochenende und da fahren keine Busse. 12 km Rückmarsch oder Taxi oder Autostop warten auf uns. Wir entschließen uns für letzteres und schon der erste Autofahrer nimmt uns zu seinen Fischen auf der Pritsche mit. Glück gehabt.

Noch eine Anmerkung:

Cris vom Nachbarboot hat nur ein geliehenes Gummiboot als Tender. Wir haben ihm unsere MARONI geschenkt und er hat sie mit Freuden in Empfang genommen.

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Die MARONI, unser selbstgebautes Klappboot hat den Eigner gewechselt: Chris aus Southampton

Hier weitere Fotos. Um die Bildinformationen zu lesen klicke auf „show info“ am rechten oberen Bildrand

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