7. Mit 7 Knoten durch die Dardanellen: Samothraki> Canakkale> Marmarameer

MIT 7 –8 KNOTEN RAUSCHT DIE „EOS“ DURCH DIE DARDANELLEN

Samothraki, Sonntag 21. Juni 2010 – GERDI

Für Dienstag werden von Meteo Poseidon 6, in Böen 7 Windstärken vorausgesagt. Also nix wie weg und rüber in die Türkei.

Um 5.30 Uhr Kettenrasseln am Kai, Gerhard löst die 5 Festmacher und gibt der Eos ihre Freiheit wieder.

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Wir verlassen Samothraki

Wir haben Wellen und Wind gegenan und motoren aufs Meer hinaus. Südwind, er soll auf West drehen. Um 9.30 können wir segeln, das Groß gerefft , 3-4 Bft, Wind zunehmend. Wir reffen auch die Fock , denn die EOS schiebt kräftig Lage, pflügt mit dem Bug durch die Wellen, das Meerwasser rauscht 10 m am Süll entlang und bildet im Heck Seen. Unser kräftiges Schiff schafft das aber gut, es erfreut das Seglerherz, wie sie den aufbrisenden Wind und die Wellen meistert. Ich steuere als „1.Offizier“ von Hand und der Käptn lobt seine Segelfrau, die zuverlässig Stunde um Stunde Kurs hält auch in starkem Wind und sich auftürmenden Wellen. Heute mal in vollem Ölzeug. Die Wellen spülen über den Bug bis zur Sprayhood.

Kabbelige See. Unruhig das Schiff, stark gekrängt, viel Schräglage also: Blickt man als Steuerfrau vom Cockpit hinunter in den Salon, sieht es aus, als hätte man das Schiff gekippt auf die Seite gelegt. Das Meer lärmt, in den Wanten pfeift der Wind, mittags gibt es „nur“ Käsebrote. Flotte Fahrt, immer 6-7 kn, Eos’ Rumpfgeschwindigkeit. Ich steuere mit Kraft die Pinne, der elektronische Autopilot schafft es nicht mehr gegen die Wellen.

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5 Bft

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Kap Mehmetcik, der Eingang zu den Dardanellen

Gegen 14 Uhr haben wir Kap Mehmetcik, den Eingang in die Dardanellen querab, ein eleganter Leuchtturm, ein britisches und ein türkisches Kriegerdenkmal. Wir verkleinern die Fock erneut, heftig wird das Schiff von den nun von achtern anrollenden hohen Wellen gejagt. 8, sogar 8,4 kn Fahrt, dabei surft der Rumpf. Von hinten kommt uns ein Großsegler immer näher, Typ „Gorch Fock“, 4 mächtige Masten, zig sauber aufgetuchte Segel auf den waagrechten Rahen. Ein Bild aus früheren Zeiten.

Spürbar die Strömung, der Wind achtern und immer günstig zum Durchsegeln. Ein Abenteuer! Wir schieben uns wachsam zwischen den großen Frachtern und Tankern der Großschifffahrt durch. Wegen des starken Schiffsverkehrs und des engen Fahrwassers müssen sie in den Dardanellen einen Lotsen an Bord nehmen.

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Ein Stückgutfrachter

Das Meer leuchtet mit einem unbeschreiblichen kräftigen Smaragd-Grün.

Steigt im Heck die Welle höher als das Deck steigt, kann man fast „durch-sehen“ durch das Grün des Wassers, wie grünes Glas – und husch, stürzt die 2m-Welle mit unsrem Schiff hinab ins Wellental, Die Wellen immer höher, geschätzte 6 Windstärken, nach Kursänderung aber nun mit Bremskraft der starken Gegenströmung, denn die EOS läuft inzwischen bei geborgenem Groß und doppelt gereffter Fock zeitweise nur noch 1,5 kn.

Wir steuern Canakkale an. Das wird übrigens am Anfang mit „tsch“ gesprochen (Canak heißt Topf, Schüssel). Die große Stadt breitet sich vor uns aus wie ein buntes Häusermeer – vom Strand den Hang hinauf, Die Wohnblocks in leuchtenden Pastellfarben: viel rosa, hellgrün, himmelblau, orange, violett. Fährbetrieb zur anderen Küste. Wir tasten uns bei viel Wind heran, bergen die Fock auf Höhe des Leuchtturms, steuern vorsichtig in den engen Hafen.

Dankbar sind wir! Heil angekommen.

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Regenwolken über Canakkale

Marina Canakkale. Man weist uns einen 11m-Platz längsseits am Kai an. Leinen über, 2 Springs gegen den angekündigten Starkwind, schwere Regenwolken über uns. Am Kai hinter dem Abtrenngitter viele Spaziergänger, meist europäisch sommerlich gekleidet, aber auch Kopftücher und diese langen weiten Orient-Hosen mit dem „Schritt“ auf Wadenhöhe…Heute muss ein Festtag sein, vielleicht ein Studienabschluß oder Abiturzeugnis-Tag. Junge Männer mit speziellen schönen Umhängen und seidenen Schals um den Hals, oft uns unbekannte Kopfbedeckungen. Fotoshooting und Treffs am Molenkopf mit Lunch-Paketen. Keinerlei Alkohol, keine Bierdosen, kein Raki, nur Wasserflaschen. Originell das türkische Wort für Mineralwasser: „Maden su“!

Ich koche mit Tomaten, roten Spitzpaprika, Zwiebeln, Gurke, Knoblauch und viel Chili eine gute Soße zu Pasta Tagliatelle.

Draußen Pärchen Hand in Hand, auf den Bänken aber keinerlei Zärtlichkeiten. Fröhliche leise Unterhaltungen.

Hätte es nicht um 22 Uhr mächtig geregnet, wäre der Abend wohl länger gegangen mit feiern. Wiederholt höre ich den Eurovisions-Sieger-Song von der deutschen LENA – und alle singen mit.

Dienstag 22. Juni bis Samstag, 27.Juni: GERHARD

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Vorbereitung zum Einklarieren

Einklarieren, in der Türkei, etwas umständlich aber interessant. Zum Hafenkapitän, der kassiert umgerechnet ca. 45 Euro, dann zur Gesundheitspolizei, jetzt mit dem Bus zur Hafenpolizei, 7 km außerhalb im neuen Fährhafen. Es war ein Erlebnis, ohne Türkisch-Kenntnisse den richtigen Bus zu erkennen und am rechten Ort auszusteigen! Und dann: Ich habe meinen Personalausweis noch in der Joggingtasche statt im Geldbeutel! Wieder zurück, Ausweis holen, mit dem Taxi nochmals zur Hafenpolizei, wieder zurück, noch mal zum Hafenkapitän und zum Zoll. F-E-R-T-I-G.

So lernt man Stadt , Menschen und den Busverkehr kennen. Alle, Beamte in den Amtsstuben, Leute im Bus sind außerordentlich freundlich und hilfsbereit, immer wird jemand geholt, der Englisch spricht, wartet man länger, wird Tee angeboten. Dann bekommen wir in bestem Englisch Tips für Häfen an der türkischen Küste: Vom Nachbarskipper, einem Armenier mit Großeltern aus Istanbul, fahrend unter französischer Flagge, Gäste aus Italien, in USA als Geschäftsmann gewesen, jahrzehntelang in Venedig gelebt.

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Alter Friedhof neben der Moschee

3 Tage streifen wir durch diese lebendige Stadt fast ohne Touristen und gewöhnen uns an die türkische Lebensweise. Wir besuchen Troja mit der Dolmusch, einem preiswerten Kleinbus, streifen durch die engen Gassen und fahren mit der Fähre ans gegenüberliegende europäische Ufer nach Kilibahir mit seiner außergewöhnlichen runden Festung. So bewegen wir uns in den Dardanellen an der Grenze zwischen Europa und Kleinasien. Das Wetter hat abgekühlt auf 19° und es regnet und gewittert zwischendurch kräftig.

Am Donnerstag entschließen wir uns weiterzufahren. Der griechische Wetterbericht meldet Nord 4, in Böen 5. Wir halten uns im östlichen Drittel ca. 10 km von der Küste, um der starken Gegenströmung und dem regen Verkehr der großen Frachter auszuweichen.

Im Strömungsbereich vermindert sich die Geschwindigkeit auf 3 Knoten, geraten wir aber in einen Neerstrom eilen wir mit 7 kn dahin. Segeln ist bei diesem Gegenstrom und Gegenwind nicht möglich. LAPSEKI hat einen Hafen, der eine Marina werden sollte. Die Arbeiten sind aber seit Jahren eingestellt und so versandet dieser geräumige Hafen. Wir finden aber mittendrin einen Ankerplatz.

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Lapseki, ein geräumiger Hafen, aber leider versandet

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Eintrag ins Logbuch, täglich nach Reiseende

Dieser Reiseabschnitt erinnert sehr an die Ostsee: Auf beiden Seiten bewaldete Hügel und große fruchtbare Felder bis zum Meer. Das kühle Wetter und der bedeckte Himmel verstärken diesen Eindruck. Gerdi fühlt sich an die Abiturfahrt mit dem Schiff von Linz nach Wien auf der Donau erinnert. Im Marmarameer verlässt uns der Wind, der Motor schiebt uns die Südküste entlang, vorbei an einer mächtigen Industrieanlage von der wir nicht wissen, was dort hergestellt wird. Dann wird das Land felsiger. Voraus erscheinen die Inseln Marmara und Avsa.

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Kap Karaburun, fast wie Kap Arkona auf Rügen

Wir fahren noch etwas weiter, steuern durch das betonnte Fahrwasser die geräumige Bucht vor der Insel Pasalimani an. Anker fällt, Motor aus und uns umfängt himmlische Ruhe. Die Insel hat nur eine Straße und die kleine Inselfähre ist mit 2 Pkws voll beladen. Nur die Stimmen der Menschen und das Gackern der Hühner dringt zu uns. Wir genießen diesen Frieden und bleiben an Bord.

26.Juni: GERDI

PASALIMANI

Wir bergen die Segel vor der Kulisse der sanften grünen Hügel und dem kleinen Dorf, gleiten geräuschlos auf die 3 kleinen Kaik-Fischerboote zu, steuern den stämmigen kleinen Turm des Minaretts neben der niedrigen Moschee an. Im Garten der Taverne sitzen Männer beim Tee unter ausladenden Baumkronen.

Wir waren mit unsrer EOS heute 10 lange Stunden unterwegs, als Motorfahrt in der Strömung. Lob unserem VOLVO-Motor, ein 100% funktionierender technischer Helfer. Und nun: Motor aus!

Absolute Stille, kein Wellenschlag. R U H E !!! Der Augenblick hat etwas Magische. Es lässt sich wahrhaftig schwer mit Worten beschreiben. Diese Geräuschlosigkeit nach einem langen Tag unter Motorengebrumm.

Die überwältigende Stille, wie die Erfüllung eines Traums, die ewige Sehnsucht nach Frieden! Wir schweigen. Beide. Lauschen in dieses Er-leben hinein.Vermissen nichts. Trinken die feierliche Einmaligkeit dieser Minute. Glück.

Eigentlich wollte Gerhard gleich das Schlauchboot aufpumpen, an Land, Brot holen, Wasser am Brunnen, der dort am Ufer sprudelt. Ich halte ihn zurück. „Bleib! Mach gar nichts. Schau einfach!“ Ich will überhaupt nicht an Land. An diesem wunder-baren Abend nicht. Morgen erst. Wir sehen voller Zufriedenheit in die rötlich angestrahlten Wolken, genießen die Farben des Lichtbandes auf dem Meer, als die Sonne in die Wolkenwand sinkt, ganz langsam.

Dann bereite ich im Wok das geschnetzelte Rindfleich zu, mariniert in Ingwer, Knoblauch, Tiriakisoße, Wein, Zucker, Sojasauce. In 3 Minuten ist es fertig. Dazu heißer duftender Basmati-Reis. Wir essen bedächtig wie die Asiaten mit Stäbchen. Und in dieser kühlen Nacht schlafen wir himmlisch.

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Ein vorzügliches Essen: Rind, Bohnen, Basmatireis

Am Morgen paddeln wir an Land, fragen nach „ekmek“= Brot. Der Ofen des Bäckers ist bereits gefegt und kühl, das Weißbrot noch warm. „iki! Zwei!“Dann versuchen wir zu erfahren, wo wir Melone, Tomaten, Gurken, Bohnen, Zucchini kaufen können. Sofort führt uns ein Mann hilfsbereit zum Nachbarhaus, die Frauen verstehen sofort: Aha, die wollen Gemüse kaufen. Wir folgen 200 m zu einem eingefallenen niedrigen Natursteinhaus, ein kleiner Hund springt uns entgegen, die Gemüsebauern zeigen uns voller Stolz all ihr frisch geerntetes Gemüse: Köstlich! Hier mangelt es nicht an Gießwasser, auch die Geranien blühen in koralleroter Pracht, gleich steckt mir der Mann die größte Blüte ins Haar, die Frau drückt mir einen schweren Erdetopf mit duftendem Basilikum in den Arm, ein älterer fröhlich lachender Bauer häuft kleine knackige grüne Peperoni in die andere Hand und dann bekomme ich einen Büschel frischer Pfefferminze unter die Nase gehalten.

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Das Geschenk der Bauern: Ein Basilikumtopf

„Nimm. Geschenk!“ Gurken („Nein, nein, nicht 5! 1 Kilo!“) eine Tüte reife rote Tomaten, eine voller hellgrüner Paprika, Bohnen. Alle lachen glücklich, stellen sich auf zum Foto! Wange an Wange, umarmt, als wären wir verwandt! Ein herzlicher Abschied, ich singe noch ein Lied und als ich mit dem Rucksack wie ein Esel rufe, ist man begeistert.

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Die Gärtnerei in Pasalimani

Beim Weiterlaufen findet sich erneut ein Mann (er arbeitete bei den Düsenjägern als Ingenieur), der uns bereitwillig ins Dorf führt zum kleinen Supermarkt. Wein, Bier, Käse, Wurst, (und Oliven und Honig geschenkt), Erdnüsse. Herrlich. Alles kommt per Paddelboot an Bord, und nach einem Vesper segeln wir noch 2 Stunden rüber zum nächsten Dorf, Ilhanköy, kleiner Hafen. Man sieht niemanden. Alle gucken TV: Fußballweltmeisterschaft!!!

Hier die Bilder:

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