4. Zwischen zwei Küsten, wie durch einen Fjord. Ziel: Skiathos

Segeln wie in einem Fjord- zwischen 2 Küsten

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GERDI’s Blog-Bericht

29.Mai 2010

Das Tief aus Tunesien tobt sich derzeit bei Kreta aus, 8 Windstärken und hohe Wellen. Wir genießen noch einen „Wandertag“ in der verträumten ruhigen Bucht der Büffelherden: Boufalo Bay. Am Abend treffen sich die 4 deutschen Segler-Crews an Land, mit 4 ganz unterschiedlichen Bord-Grills, Steaks und Kartoffelsalat. Wir haben beste Stimmung, der Franz spielt wunderbar Mundharmonika und erst als der Vollmond um halb eins über den Windflügler-Hügel kriecht, paddeln wir zum Schiff zurück, alles natürlich pieksauber am „Lagerfeuer“ am Leuchtturm.

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30.Mai

Am Morgen laufen wir zwischen vielen brachliegenden ehemaligen Feldern in der weiten Ebene, Kamille, Mohnblumen, hohe Disteln, es brummt und summt von Käfern, kleinen Hummeln, Bremsen, Mücken, Bienen.

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Versiegte Tiefbrunnen in den Feldern, früher pumpten sie das Wasser noch aus nur 15 Metern, inzwischen müsste man 70 m tief bohren, um bewässern zu können.

Bald biegen wir um eine Kurve, Feigenbäumen nahmen uns die Sicht – nun weitet sich das breite Tal und gibt den Blick frei wie auf eine Arena, das „Schilfmeer“ des versumpften großen Sees liegt vor uns wie im Film „Herr der Ringe“ das Tal. Dunkelgrün, nur am Rand blitzt zwischen den Binsen Wasser auf. Bei einer Kapelle steht wie ein Gott ein riesenhafter uralter Olivenbaum.

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Oleander blüht, Eukalyptusblätter rascheln im leichten Wind. Wir genießen am Heimweg die Panorama-Aussicht auf die kreisrunde Ankerbucht und unsere EOS, essen Griechischen Salat in der Taverne, ein Fischer nimmt grad einen 70 cm langen Fisch aus, rosa Fleisch wie ein Lachs.

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31.Mai, 11.Tag auf See

ENDLICH um 11: Anker auf. Wunderschöner, raumer Wind, 3-4 Beaufort, 6 Stunden herrliches Segeln, Aufkreuzen, teils mit Bullentaille (Leine die den Großbaum bei achterlichem Wind am Bug fixiert, damit er nicht eine Gefahrenhalse startet und plötzlich 180° überkommt und über die Köpfe der Crew im Cockpit „sägt“). Noch vor 17 Uhr segeln wir zwischen den Leitbojen unter der großen Autobrücke (Klein-Puttgarden) mit den vielen Stahltrossen als „Aufhängung“ durch und legen am Betonkai der entstehenden Marina Chalkida an. 2 Springs, der Wind ist lebhaft.

Großeinkauf mit den 2 Bergsteigerrucksäcken. Lauter kleine Läden, Krämer, Gemüsehändler, Bonbonladen, Mandeln, Feigen, Nüsse, Karamelle, ein Weinabfüll-Laden. Der Fachmann erzählt von Messen und Fachtreffen in ganz Europa, er schätzt die feien deutschen Reben, Riesling, und hier sei ein Wein aus Deutschland, aus dem 4. Jahrhundert. Mönche brachten ihn übers Meer, kreuzten mit griechischen Reben, veredelten die Weine.

Hier sind die Kirschen und Aprikosen nun im Angebot, aber auch diese köstlichen Natur-Orangen, die Portokali – ein Augenschmaus und Gaumengenuss. Am Abend ertönt von der nahen Kaserne mit Trompetenklang der Zapfenstreich. Wir laufen ins Internetcafé „Breeze“, um den 3.Blog und die Fotos einzustellen. Auffällig schick und hübsch herausgeputzt die Mädels, Mini-Kleidchen, Zipfellook, sehr hohe Schuhe nach italienischem Chic, sie zeigen viel Bein und Décolletée, große Ohrringe, bunte Farben, Sommer eben, und Sonntag ist wohl der Flirt- und Ausgehtag. Man flaniert, sitzt in den sehr einladenden großen Cafés am Ufer, sehen und gesehen werden, Männer spielen Backgammon, das auf etlichen Tischen in schönen Intarsienholzkisten bereit steht. In Deutschland immer noch nass und kalt, viel Regen. Heizung an usw.

Nach unsrer Blog-Übertragung finden wir ein Ristorante-Pizzeria an der Promenade, Il porto di pasta, und die vegetarische Pizza u. Calzone sind vorzüglich, allerbeste frische Zutaten. Schon der Koch ist ein Hingucker, wenn er die Teigfladen hochwirft und kreisend drehend in der Luft sie ihre zauberhaft luftige Endform annehmen. Im Holzbackofen wunderbar locker und knusprig gebacken. Die Hälfte tragen wir in der Box heim! 20 € für 2 Tage feines Essen!

Nachts ab halbelf geht über uns ein heftiges Gewitter nieder. Es ist taghell von den pausenlos zuckenden Blitzen, gewaltige Donnerschläge erschrecken das Ruhe-verwöhnte Ohr, Einschläge wie Bombenlärm, es regnet und ¼ Stunde hagelt es aufs Deck. Es ist ein Lärm, dass man nicht mal mehr die pausenlos auch nachts röhrenden Schiffsmotoren der großen Frachter vom gegenüber liegenden Kai hört.

Vom Radio erfahren wir vom Rücktritt unsres Bundespräsidenten, die Tiefseebohr-Stelle in USA sprudelt weiterhin ungebremst, ein Hilfsgüterschiff für die Palästinenser wurde von den Israelis angegriffen mit 6 Opfern und politischer Isolierung Israels.

2.Juni: Nochmals ins Internetcafé, wir müssen Rechnungen bezahlen, lesen Post, die un
s Martin scannt und in die „Dropbox“ lädt. Ich finde endlich die ersten Ansichtskarten. An der Promenade scharenweise junge Leute, wohl mit Schulrucksäcken als Schüler zu erkennen, aber was machen die um halbzehn, um 11, um 12 alle hier? Sie rauchen, plaudern, essen Gyros-Pitá, trinken in den polstercouch-möblierten Cafés Cola und Frappé, den aufgeschäumten, gesüßten eiskalten Nescafé, auch Hausfrauen plauschend unter den Markisen der Lokale, bei Garnelen oder süßen Törtchen.

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Gegen 20 Uhr Leinen los und rüber zum Kopfbahnhof, wo wir bei den Fischern vor Anker gehen, die EOS quer zum Wind in der Strömung. Wir müssen standby liegen, um nach Mitternacht nach Funk-Aufruf durch die aufgeschobene Straßenbrücke zu fahren.

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Der Himmel färbt sich fast dramatisch gold-orange, die sich auflösenden Cumuli werden fast pinkrosa von unten angestrahlt, ein Schauspiel. Ich spiele Abendlieder auf der Flöte, die „Albatros“ und die „Erika“ neben uns.

3. Juni,Mitternacht:

Unter vielen Zuschauern neben der sich öffnenden Brücke schiebt sich die EOS unter Motor und meiner Pinnenführung durch die Engstelle, der Ebbstrom macht es uns heuer leichter als 2009. Wir motoren noch 3 Seemeilen nordwärts bis in eine große Bucht und ankern auf 8 m Wassertiefe neben der ALBATROS. Laut die Straße mit viel Schwerlastern und aufheulenden Motorrädern.

Fronleichnam in Deutschland, Blumenteppiche und weißgewandete Kommunionkinder hinter der Monstranz, Prozessionen, Feste

Herrlicher Sonne-Wonne-Morgen. Baden im kühlen Meer. 9 Uhr Anker auf und kreuzen unter prall gefüllten Segeln. Die Ufer zu beiden Seiten, als würde man in einem Norweger Fjord segeln. Die Festlandseite 100% landwirtschaftlich bewirtschaftet, Olivenbäume in Reih und Glied, oft neu angelegt in geometrischer Form, in Linien gesetzt und wohl bewässert und gepflegt, Weinhänge dazwischen, wie am Bodensee bei Meersburg. Oben Aufforstung, dazwischen richtiger grüner Wald, Pinien mit hohen Stämmen, Zedern, Laubbäume wie Steineichen, Eukalyptus, Pappeln,

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Wir segeln 7 ¼ Stunden lang auf leicht bewegtem Meer mit prachtvollem, zunehmendem Wind, flott und hübsch gekrängt, der Wind fast kühl. Es gibt Lores Geschenk, eine Ananas mit Mandeln, ein Glas Wasser.

Um 5 fällt der Anker in der Bucht vor THEOLOGOS, gegenüber die Insel Atalantis.

Samstag 5. Juni: GERHARDs blog

Wir ankern in der Orei-Straße am Kap Lichades, der östlichsten Ecke der Insel Euböa. Neben uns liegt wieder die Albatros. Der nächtliche Friede endet um 4 Uhr früh mit Gewitter und heftigem Regen.

Der Wind bleibt mäßig, sodass wir uns keine Sorgen um die Haltekraft des Ankers machen müssen. Wenn wir den Anker ablassen, dann geben wir 4 mal Wassertiefe Kette und fahren mit höchster Motorkraft rückwärts. Wenn der Anker dann nicht ausbricht, hält er auch starken Winden stand. Dicke Wolken begleiten heute unsere Reise. In der Orei-Straße bläst der Wind mit 4 Bft dagegen. EOS hat ihr altes Segel gesetzt und wir können schlecht aufkreuzen. Gegen Nachmittag briest es auf 5-6 Bft auf und so suchen wir nach nur 33 km eine kleine, enge Bucht auf. Ringsum entladen sich Gewitter und ich erwarte starken Wind aus unbestimmbarer Richtung. Darum packe ich das Beiboot mit 50+25 m Landleinen voll, um wenn notwendig, die EOS durch „ Landfeste“ am Abtreiben zu hindern. Der Regen war Gott sei Dank stärker als der Wind.

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Wir sammeln in Schüsseln unter der Solarzelle einige Liter weiches Regenwasser. Im Schlauchboot kann man ein Bad nehmen.

Sonntag 6. Juni

Heute verlassen wir das an einen Binnensee erinnernde Revier zwischen Attika und der Insel Euböa. Die Gegend erinnert an den Lago Maggiore, und ist genau so von hohen Bergen eingeschlossen. Auch die schmucken Dörfer an den Hängen erinnern ans Tessin.

Jetzt macht sich eine angenehme Dünung bemerkbar. Die EOS hebt und senkt sich. Der Wind kommt schräg von vorne und nimmt stetig zu. Zuerst binde ich ein Reff ins Großsegel. Als aus den „Katzenpfoten“ breite mittlere Brecher werden, ist auch ein Reff im Vorsegel notwendig. So rauschen wir trotz Reffs mit 6-7 Knoten unserem Ziel Skyathos Hafen entgegen. Ein herrliches Segeln, wie man es sich wünscht. EOS legt sich auf die Seite und hinterlässt eine schnelle weiße Schaumspur am Heck.

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Munter flattert die Nationale. Im großen Hafen von Skyathos gehen wir nicht an den Kai. Dort liegt eine Jacht neben der anderen und man kommt sich vor wie auf einem Parkplatz. Statt dessen ankern wir im Hafenbecken und benutzen unsere MICRO EOS, das Schlauchboot
als Shuttle zum Land. Die Landebahn des Flughafens beginnt unmittelbar am Ufer. Man darf wegen der Masten nicht in der Einflugschneise ankern. So donnern die Düsenvögel in doppelter Masthöhe knapp an uns vorbei. Viele kommen allerdings noch nicht. Vorsaison. Auch unter den Sonnenschirmen der Hotels liegen kaum Sonnenanbeter, keiner badet, Wasser 19-20°.

Am Abend treffen wir wieder Lore und Franz mit ihrer UTANA II und wir sind bei ihnen zum Abendessen eingeladen. Es wird ein netter, fröhlicher Abend. Nebenan liegt die EOS und zeigt Ihr mildes Ankerlicht. Die Stadt ist um Mitternacht ruhig, nur “Europas beste Disko“ donnert ihre Musik in die Nacht. Auch um 3 noch.

Hier anklicken, dann seht Ihr die Bilder:

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