52. Fahrt zum Festland und ein Abschied

Unser_letzter_sonnenaufgang_in

Unser Ankerplatz vor Calvi´s Kulisse war wohl der schönste der ganzen Reise. Hohe, felsige Berge, die Stadt mit ihrer Festung, davor der elegante Strandbogen und unter uns kristallklares, türkisfarbenes Wasser. Dazu die klare Luft nach der abgezogenen Wetterfront. Der GPS- Pfeil zeigt 315° nach Nizza an, bei 4 Knoten Geschwindigkeit meldet es 24 Stunden Fahrtzeit. Mäßiger Wind aus West macht einen Kurs hart am Wind gerade noch möglich. Mal schwächelt der Wind, dann hilft der Motor, dann geht´s wieder ohne Motor.

Zwischen_tag_und_nacht

Für unsere letzte Überfahrt zeigt der Sonnenuntergang all seine Pracht. Das Grau geht in ein flammendes Feuerrot über und erfüllt den gesamten westlichen Himmel. Dann wird der prächtige Streifen immer schmäler und der Himmel wandelt sich in ein dunkles Graublau bis der Horizont in Schwärze versinkt. Das GPS weist uns die Richtung und meldet Abweichungen vom Zielkurs. Wir korrigieren dann den Autopiloten.

Gerdi übernimmt die erste Wache. Es gibt nicht viel zu tun, mal den Kurs korrigieren, mal die Segelstellung verändern. Gelegentlich ein paar Lichter weitab. Ein Segler auf Gegenkurs passiert uns. Er und wir schaukeln ziemlich stark in der Dünung, die noch vom vergangenen Starkwind herrührt. Das ist auch der Grund, warum wir bei schwachem Wind den Motor zur Hilfe nehmen. Die Segel schlagen hin und her und können den Wind nicht fangen. Ab 2 Uhr nachts löse ich Gerdi ab. Sie wird wohl wenig Schlaf bei der Schaukelei finden. Keine besonderen Ereignisse. Einmal vermindere ich die Geschwindigkeit, als die EXZELSIOR, ein mächtiges Kreuzfahrtschiff knapp vor uns passiert. Es ist nicht ganz einfach, nachts zu erkennen, welchen Kurs so ein großes Schiff nimmt. Wie weit ist es weg? Kommt man noch vor ihm vorbei? Radar und Automatisches Identifikations- System (AIS) würde da Klarheit schaffen. Haben wir aber nicht.

Schon 3 Stunden vor dem Landfall kann ich den Blitz des Leuchtfeuers auf Kap Ferrat auszählen. Unser Kurs führt weiter geradeaus. Im Zeitalter der elektronischen Schiffsnavigation haben diese altehrwürdigen Leuchtfeuer an Notwendigkeit eingebüßt. Sie werden kaum mehr angepeilt um den eigenen Standort festzustellen und den Kurs eventuell zu korrigieren. Leuchtfeuer stehen jetzt als Satelliten unsichtbar am Himmel und der Peilkompass ist als Pfeil im GPS integriert.

Das erste dunkle Antrazit kündet den Morgen an. Es wird heller und nach einer Stunde treten die Landkonturen hervor. Ich entschließe mich, den Kurs nicht nach Nizza zu nehmen sondern um Kap Ferrat herum in eine Bucht. Um 7 Uhr verlöschen allmählich die Lichter an Land, um 7.30 zeigt sich die Sonne und etwas später schwenke ich in die Ankerbucht ein. Wir sind wieder bei den Megajachten, die hier ankern. St. Tropez, Cannes liegen ein paar Seemeilen westlich, Nizza liegt neben uns, Monaco, Imperia und San Remo sehen wir auch. Da ankern die schönen Riesenschiffe und sind unter sich. Die EOS ist auch dabei. Der Anker fällt vor einem Hügel, durchsetzt mit großartigen, alten Villen. Fleißige Hände sind dort zu Gange, öffnen die Fenster zur See, wässern die Gärten, bereiten Liegen und Getränke am privaten Badeplatz für die Herrschaft vor.

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Für Gerdi und mich liegt ein Abschied in der Luft. Sie wird in 4 Tagen heim fliegen, Gute Freunde aus Augsburgs Jugendzeiten werden mich dann weiter begleiten. Gerdi und ich hatten herrliche gemeinsame Sommer auf der EOS verbracht. Ich bin unserem Herrgott dankbar, dass er mir diese Zeit mit meiner Frau geschenkt hat. Ich werde sie auf der restlichen Reisestrecke vermissen. Die weitere Reise ist ein kleiner Neubeginn, bis unsere EOS in Mulhouse im Elsass festgemacht hat und dort auf den Landtransport an den Bodensee wartet.

 

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