26. Blog. Von Paros nach Santorin

24. September 2010 in Santorin geschrieben

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Insel PAROS: Junges Blut an Bord

GERDI

Vom kleinen touristisch noch ruhigen Serifos bringt eine Fährewährend des roten Sonnenuntergangs unsere 2 lieben Gäste mit nach Paros: Sohn Martin (27) und Luci. Mit schmalem Rucksack, Flipflops und strahlendem Lächeln laufen sie mir in die Arme. Seit 6 Monaten haben wir uns nicht mehr gesehen.

An Bord gibt es teuflisch scharfes Ratatouille mit Reis. Ich verwünsche die winzig-kleinen 5 Peperonischoten, die ich im Wok als Gewürz zufügte. Die leuchtend rosarote Wassermelone ist willkommen als neutralisierendes Dessert.

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Am Montag segeln wir nach sehr gemütlichem Bordfrühstück mit Leichtwind und mäßiger „Schaukelei“ von 10 bis 5 Uhr zur Insel Ios. Martin und Luci gehen an den nahen Sandstrand. Abends in der Taverne urplötzlich:  alles stockfinster, der Hafen dunkel, das Dorf, auch die hochgelegene Chora, die Hügelstadt am Berg oben, alle Straßenlampen sind aus, nur vereinzelt Autoscheinwerfer, die sich wie Strahlen in die nachtschwarze Dunkelheit bohren. Im Hafen schummrige Lichter auf den Segelyachten. Nur das Kind der Schweden am Nachbartisch guckt weiter „Pipi Langstrumpf“ auf Papas Laptop, batteriebetrieben. 

Die Gäste in der Taverne warten geduldig auf Licht. Keiner motzt. Stromausfall auf der ganzen Insel, wohl 20 Minuten lang. Leider sah auch der Koch nicht, dass der von Luci so ersehnte erste Octopus am Rost angekohlt war. Wir hätten bei dem in Essig und Öl marinierten „Octopus-Salat“ bleiben sollen. 

„TÖPFCHEN STEH!!“

Ich will für Luci und Martin Zucchini-Küchlein backen, mische 6 Eier, Milch, Mehl, Pfefferminze, Zucker. Als ich aber den Schöpflöffel eintauche und das Öl schon in der Pfanne brutzelt, höre ich, dass Gerhard mit einem Gulet-Kapitän debattiert. Der hat seine 2 schweren Anker über unsere Heckanker-Kette geworfen, über Kreuz! Der Berufskäptn‘ gibt nicht nach, seine amerikanischen Gäste wollen nun auf weißem Damast tafeln, Dinner! Gerhard bittet, dass er früh um 8 „Anker-auf gehen“ soll, weil wir die EOS im kleinen Hafen an eine Mooring legen wollen. Es droht 2 Tage Starkwind und wir wollen einen Landausflug machen.

Die frisch gehobelte Zucchini im Teig zieht „Wasser“, macht den Ausbackteig zur Brühe, immer suppiger schwappt es in der Schüssel. Ich füge Löffel um Löffel Mehl dazu, rühre mit dem Schneebesen. Küchlein ade! Das gibt höchstens noch Pfannkuchen.

1 Stunde lang backe ich tapfer 40 dünne knusprige Pfannkuchen, teile sie in je 4 Teile, damit sie aussehn wie „Zucchini-Küchle“. Gerettet!

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OHRWURM
TULPEN AUS AMSTERDAM

1,2,3 –1,2,3-Tulpen aus Amsterdam! So klingt der berühmte Walzer aus dem Bordradio. Ob wir jemals die vielen erlernten „Figuren“ aus unserem Tanzkurs „wiederbeleben“ können? Ferne Erinnerungen an Schrittkombinationen. Noch den ganzen Tag „verfolgt“ mich die Melodie wie ein Ohrwurm. auch noch als wir am fast menschenleeren Strand von MANGANARI im feinen Sand liegen. Martin drückt mit den froschgrünen Schwimmflossen Riesen-Entenfüße in den Strand. Und neben Lucis kleinen Füßen blüht eine weiße Strandlilie, 25 cm hoch : „Tulpen aus – IOS!“

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WER FÜRCHTET SICH VORM SCHWARZEN MANN? NIEMAND! „Wenn er aber kommt? Dann laufen wir davon“!  

Das alte Kinder-Fange-Spiel wird wiederbelebt: Wir „laufen vor dem Wind davon“! Der Wetterbericht meldet Windstärke 6, Böen 7. Dann machen wir eben einen Landausflug!  Wir verlegen die EOS früh in den Hafen von IOS, machen sie an einer dicken Mooringleine fest, mieten uns ein kleines rent-a-car-Auto für 30 € und starten zur Inselrundfahrt zu viert. Mag der Win
d wüten, wir genießen von oben prachtvolle Ausblicke über Felsenketten und blaues, gischtweiß gesprenkeltes Meer ringsum. Ein Pfad mit unzähligen „Steinmännle“ führt uns zu „Homers Grab“! Im 5,Jh.v.Chr. schrieb Herodot, dass hier das Haupt des edlen Dichters ruht.

Die Insel ist ein Stein-Meer. Wild, fast wüstenhaft und vegetationslos, kein Busch, kein Baum, nur an der Straße künstlich angepflanzte, mit Drahtgitter geschützte Jungbäume, Zypressen. Bizarre Felsformen, wie Ungeheuer, wie Skelette, wie meterhohe Tierschädel in den Himmel ragend, von Erosion und starken Winden verformt, wie zerfetzt. Mittendrin ein schneeweißes Kloster, im Klostergarten Blumen und Bäume, Oleander, Rosen, Bougainvillea! Kleine Zellen, die Türen mit Vorhängeschloß versperrt, Fliegengitter vor offenen Fensterchen, durch die man die golden strahlende Monstranz im Kirchlein glänzen sieht. Feuerstellen, Waschbecken, Steintische und –bänke im Garten, die bei Festen wohl für 150 orthodoxe Gläubige Platz und Mahl bieten. Eine Zisterne daneben. Erika-farben leuchtet blühendes Heidekraut am Wegrand, zahllose Imkerkästen für die Bienen.

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In einer Strandtaverne mit wundervollem Ausblick auf die türkisblaue Bucht genießen wir Joghurt mit Honig von der Insel, im Ofen gebackenen Schafskäse im Tontöpfchen…Wir baden im kristallklaren Meer…UUUUrlaub!

Im Bergdorf mit weißgekalkten engen Gässchen kaufen wir ein riesiges 2,5-kg-Huhn, dazu Lauch, Karotten, Zwiebeln, Kartoffeln, Tomaten, Knoblauch …Im Schnellkochtopf zaubere ich mit Rosmarin, Zimt und Nelke ein köstliches Eintopfgericht. Festlich serviere ich auch unsere Vorspeisen beim „Abschiedsessen“ an Bord:

  • Dolmades = mit Reis gefüllte Weinblätter
  • Feta mit Kalamata-Oliven
  • Ezme=türkisch: Zwiebeln in Zitrone+Petersilie+Chili

Mit Retsina-Wein, Pistazien und Kürbiskernen neigt sich der letzte Abend. Am Morgen gehen unsre zwei lieben Gäste von Bord der EOS und reisen mit der Fähre weiter zur nächsten kleinen Kykladeninsel: Folegandros. Schön war’s mit den beiden. Wir aber setzen den Kurs ab zur Inselgruppe von SANTORIN, wo der Vulkan neue Inseln schuf. Aber vorher ankern wir noch eine Nacht in der „Badebucht“ vor Manganari, Insel IOS, wo wir den Abend genießen. Mit riesigem silberhellem Vollmond und drei Yachten, die mit uns im Meer schaukeln.

Die Höllenmaschine

Schon Maxxx, unser Begleiter und Koch vergangenes Jahr auf der Flussstrecke von Basel ans Mittelmeer, weigerte sich standhaft, unseren Petroleumkocher in Betrieb zu nehmen. Dieses Gerät sei ein Werk des Teufels und würde die EOS in Brand setzen. Tatsächlich lassen sich dem Kocher nur bei ganz bestimmtem Verhalten gleichmäßige Flammen entlocken. Man setzt den Kocher mit einer Pumpe unter Druck, füllt Spiritus in das Vorheizgefäß, entzündet es – und nach einer Minute wird der Hahn aufgedreht, druckstark heizt dann die Flamme; soll. Tatsächlich beginnt der Kocher nach dem Aufdrehen zu rülpsen, gelbe, rußende Flammen schießen zur Decke, ein wirkungsvolles Schauspiel, besonders bei Dunkelheit. Mahagonimöbel und die weiße Schiffs-Decke färben sich grau. Immer wieder muß geputzt werden. Jetzt sofort abdrehen, das beendet den Effekt. Langsam aufdrehen und das Spiel wiederholen, bis sich der Kocher ausgerülpst hat. Da braucht man gute Nerven und darf die Ruhe nicht verlieren.

So_brennt_die_flamme_schlecht

So soll der Brenner nicht zünden

So_soll_der_optimus_brennen

Nun kann der Betrieb an Köchin oder Koch übergeben werden. Nahezu alle Ersatzteile habe ich getauscht, immer wieder Brenner und Zündapparat gereinigt, den Brennstoff ausgewechselt,  den Tank gereinigt (Dabei brach die Flaschenbürste und blieb im Tank drinnen). Martin hat sogar neue Steinwolle zum Vorheizen mitgebracht!. Gestern war wieder Reinigungstag für Gerdi (Decke und Kajütwand mit Neutralseife wischen) und für mich (Kocher). Jetzt arbeitet die Maschine auch nicht besser. Ich bin mit meiner „Weisheit“ am Ende. Die Wartungsfirma in Hamburg antwortet mir leider nicht auf meine Mails. Es gibt auch niemanden, der mich beraten könnte. Diese Art von Heizgerät ist am Mittelmeer gänzlich unbekannt. Auch die Beschaffung des gereinigten Petroleums ist in der Türkei und in Griechenland, wo es „Kerosin“ heißt, eine zeitraubende Angelegenheit. Nur wenige Tankstellen führen es. Petroleum zum Kochen und Beleuchten ist eben hier nicht mehr aktuell.

Trotz allem: Noch nie blieb die Küche wegen des Kochers kalt. Wie bin ich froh, dass sich nur der Kocher so anstellt und nicht der Motor! Mein grüner Tee am Morgen beruhigt meine Nerven wunderbar….

Gerhard

Hier die Bilder:

Hier die Reisestrecke unserer EOS bis Santorin.

EOS im Mittelmeer 2010 auf einer größeren Karte anzeigen

2 Kommentare zu „26. Blog. Von Paros nach Santorin

  1. Ich hab die Zucchinik??chlein nochmal nachprobiert. Mit zus??tzlich ein paar Wurzelgem??se-Julienne drin. Ich hab extra die Zucchini in saz eingelegt und austropfen lassen, die haben aber trotzdem sp??ter noch ordentlich gesaftet. Keine Ahnung was man dagegen machen k??nnte…

  2. Wenn man aufgehalten wird, am besten die gehobelten Zucchini auf ein Abtropfsieb geben, Sch??ssele drunter, Und nicht salzen, das hast du nun mit der Aubergine, der man Bitterstoffe entziehen will, verwechselt. Die legt man aber dann, gesalzen, auf ein Geschirrtuch…

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