29 Monemvasia

29.MONEMVASIA

Gerhard, 2./3.Okt

Nächtlicher Landfall

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Sich nachts einem Land zu nähern ist immer spannend. Wir haben die Insel Milos am Mittag des vergangenen Tages verlassen und mittlerweile stehen wir kurz vor Monemvasia. Es ist 2 Uhr nachts. Den Hafen können wir nicht direkt ansteuern. Ein starkes Leuchtfeuer und ein elektronischer Wegpunkt leiten uns jedoch bis eine Seemeile vor den Hafen. Der Mond verbirgt sich hinter einer kleinen Wolkenbank. Kaum erkennbar hebt sich die Halbinsel, auf der die antike Stadt Monemvasia steht, vom Firmamant ab. Wir ändern den Kurs, als das Leuchtfeuer hinter dem Felsen verschwindet und gehen auf 270 Grad. Den Hafen können wir noch nicht ausmachen. Das Hafenhandbuch vermerkt den Kommentar: „Der Hafen ist nachts schwer zu finden“. Wir fahren mit Motor und langsamer Fahrt an den gelblichen Lichtern dieser alten Stadt am Hang entlang, erkennen die angeleuchteten Natursteinhäuser hinter den Zinnen der Stadtmauer – unser Blick wechselt ständig zwischen dem elektronischen Kompass, dem Tiefenmesser und der faszinierenden nächtlichen Landschaft. Das rote Blinklicht der Hafeneinfahrt erscheint. Dieses Licht ist nun unser Ziel. Was verbirgt sich hinter diesem nächtlichen Nichts? Es ist immer wieder ein Erlebnis, auf einen Ort zuzusteuern, den man nicht sieht. Wir umrunden das rote Hafenlicht und suchen einen Platz für den Rest der Nacht. Es ist 3 Uhr morgens. Alle Kaiflächen sind belegt, also binden wir uns vorsichtig und lautlos mit zwei Leinen an einem französischem Segler längseits fest.

Ruhe umfängt uns, nachdem der Motor schweigt. Ab und zu fährt ein Auto vorbei. Die Stadt schläft noch. Der erste Blick am Morgen wird uns mit dem Ort, den wir „blind“ umfahren haben, bekannt machen. Vorerst aber öffnen wir eine Dose Mythos Bier und legen uns dann schlafen. 4 Uhr.

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MONEMVASIA

Gerdi, Tip zum romantischen Einstimmen und Selber-Nachlesen, einfach anklicken 

http://de.wikipedia.org/wiki/Monemvasia

Nachdem wir ankernd vor der Kulisse der Inselstadt auf Milos nur die Ruhe der Nachsaison genossen und keinen Landausflug zur weißen Hügelstadt Plaka gemacht hatten, bleiben wir nun auf Monemvasia zwei Tage, um diese zauberhafte kleine Idylle, dieses mittelalterliche, liebevoll renovierte Kleinod eines einmaligen uralten Natursteindorfs aus dem 9.Jh. ausgiebig zu „erwandern“.

Vom Hafen aus laufen wir durch das „moderne“ Dorf rüber zu der einzigen Straße, die zu der 300 m hoch aus dem Meer aufragenden Felsen-Insel führt. In alten Zeiten war hier eine Brücke mit Steingewölben und in der Mitte eine Zugbrücke, die Feinde abhalten sollte. Hügelan wandern wir ca. 2 km und „tauchen“ ein in das große Tor, rechtwinklig durch die Felsgänge. Nur Naturstein, auch der gepflasterte Boden der engen Gassen zwischen den kleinen Häusern.

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Ab 1980 renoviert man detailgetreu die alten Mauern, Türen, Sprossenfenster, Keller mit Zisternen. Laternen an den Hausecken, steile Treppchen, oft nur hüftbreit und verwinkelt. Nicht selten ein Schild mit *****Hotel über einer unscheinbaren Holzpforte, drinnen kerzenerleuchtet eine niedliche Rezeption. Üppige Oleanderblüten an den Bäumchen in Pflanzkübeln, Bougainvilea, die sich in cyklamviolett und weiß wie ein Wasserfall über die uralten Mauern ergießt. Abseits der „Souvenir-Meile“ wandelt man ganz alleine durch die Gassen, einige Katzen, Stille. Mal ein Brunnen, eine alte Zisterne, unzählige kleine Kirchen, überhängende Gärtlein als winzige Café-Terrassen.

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Ich kann mich nicht losreißen von dem Anblick dieser alten Stadt, teils wie ein Zwergendorf, teils wie Rothenburg-Dinkelsbühl-Nördlingen, nur viel niedriger die Häuschen. Ich fotografiere, stumm sollen die Bilder nun Zeugen meiner Begeisterung sein. Gerhard stieg den steilen Bergpfad hoch zur Zitadelle mit der Kirche.. Hoch über dem Meer. Jana, die reizende Segelclub-Chefin, erzählt, dass sie im ähnlich schönen Nördlingen lebte, in Deutschland Architektur studierte, das halbe Jahr hier ein Häusle bewohnt – wie so viele (reichere) Leute und Romantiker aus Athen das zu tun pflegen.

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Während unsere Erika Tasmanien mit Bergstiefeln, Regenjacke, Zelt und Kamera erkundet, segeln wir an ihrem Geburtstag am 4.Okt. mit der „Dunarea“ und Michael und Vroni weiter nach Westen. So bekommen wir mal aktuelle Fotos von unsrer EOS unter Segeln in voller Fahrt. Beim Einlaufen in die Sandbucht auf der Insel ELAFONISOS begrüßt uns eine türkisblau leuchtende unglaublich kristall-klare weite Paradiesbucht SIMOS, zweigeteilt durch eine Nehrung, dahinter Sanddünen.

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Ein Traum. Wir wandern am 5.Okt. 5,5 km zum Ort und auch wieder zurück, kein Auto nahm uns mit. Die frittierten „small fish“ und Gerhards Moussaka aber waren fein. Gerhard trug mittels eines Stockes über der Schulter 5 kg frisch geerntete rote Äpfel zur Bucht, und ich die 2 Brote. In diesen drei Stunden hat der Wind gedreht, auflandig – und wir müssen die EOS flugs verlegen. Wir motoren in die geschütztere 2.Bucht, baden in dem traumhaften Wasser. Nachts schaukelt es aber gewaltig und ich schlafe wieder mal quer im Vorschiff, damit ich nicht nur hin und her rolle.

Früh nach 8 segeln wir los. Mittags frischt der Wind auf 6 auf. Zweimal hält der Anker kurz vor dem Kap Matapan am Ende des 2. Fingers des Peloponnes nicht. Erst vor 4 fällt er in der Bucht vor Punto Kaio, steile Felswände, heftige Fallböen schütteln Schiff und Crew. 6 Segler mit uns ankern hier. Wir erkennen die Taverne wieder und den Leuchtturm, wo wir 1994 von unsrer kleinen Ferienwohnung in Chrani aus einen Landausflug mit dem Auto gemacht hatten. Trutzige grausteinerne Wohntürme, die Festungen der verfeindeten Familien früherer Zeiten auf der Halbinsel MANI stehen drohend am Berghang.

Ich koche feine Tomaten-Gemüse-Soße zu Spaghetti, reibe Parmesan. Um halbzwölf ist unsre „Nacht“ rum, der Ankerwarner piept – 2,5 m Wassertiefe! Auflandig inzwischen der stürmisch aufbrisende Wind, hinter uns die Felsen. Gischt leuchtet auf im schwachen Schein der Salingleuchte. Raus mit dem Anker und nix wie weg. Gerhard will einen andren Ankerplatz suchen, ich fürchte dass er nicht hält und wir im Stockfinstern mehrmals ankern werden. So schlage ich vor, doch gleich rauszufahren. Statt früh um 4 gleich jetzt um Mitternacht. Der Bug arbeitet sich zwischen der Meerenge durch, Kap-Effekt: starke Böen, hohe Wellen. Ich schlüpfe in lange Hosen, Socken, Pulli, in Ölhose und -jacke, Hut über die Locken und raus! Bis um 4 Uhr verrichte ich meine „Nachtwache“ am Ruder im schaukeligen Cockpit, Blitze erhellen ringsum den Himmel, einige Kreuzfahrschiffe überholen mich. Gerhard findet auf seiner schaukeligen Koje auch keinen Schlaf drinnen, er macht Navigation, setzt das Großsegel. In seiner Morgenwache regnet es, Gewitterwolken verdichten sich, verdecken den wunderbaren Sternenhimmel.

Nach 7 fällt Sonne auf die uns von Landurlauben vertraute Mani-Küste, Dimitrios, Stupa, Pirgos, Kardamili Und am Gegenufer Chrani, Koroni. Gegen Mittag, um 13 Uhr, erreichen wir nach 51 Seemeilen (rund 100 km in 13 Stunden) die Stadt Kalamata, bekannt durch das Erdbeben vor ca. 20 Jahren. Ein gewaltiger Gewitterregen setzt alles unter Wasser, auch unsre Pantry, als das Fenster offen und wir in der Laundry der Marina waren.

Hier noch die Bilder als Show:

2 Kommentare zu „29 Monemvasia

  1. Wenn ich das richtig interpretiere ist habt ihr inzwischen etwa knapp 4000 km zur??ckgelegt! Toll dass ihr uns mit euren Berichten immer auf dem Laufenden haltet!

  2. Christian und ich haben mit Genuss euer Steak-Malleur gelesen, grandios beschrieben! Eure Bucht Simos sieht ??hnlich aus wie die Adventure-Bay auf Bruny Island / Tasmanien, hier ist sie nur ein bisschen gr????er 😉 Auch weiterhin noch alles Gute, es ist immer eine Freude euren Blog zu lesen – da freut man sich gleich nochmal ein bisschen mehr auf den n??chsten Internetzugang. Ganz liebe Gr????e!

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