33. ROMANTISCHER ABEND IN PALERMO…und weiter zur Insel USTICA

Gerdi,29.-31.Juli 2011

Unser 2.Tag in PALERMO,  der großen Stadt am Meer.

Am frühen Morgen wird Gerhard wach von lautem Rufen, ja Schreien. Er macht sich auf die Suche nach der Quelle der ungewohnten Stimmen: Fisch-Auktion! Ein Erlebnis der besonderen Art für einen Binnenland-Bewohner!
Später bummeln wir wieder durch die engen Gassen mit den dicht beieinander stehenden hohen uralten, verwohnten Häusern, oft 4-6 Stockwerke, die kleinen Wohnungen mit schmalen Balkons, die auf je 12 schmiedeeisernen zu Schnecken gedrehten Eisenträgern ruhen, oft dicht berankt mit Kletterpflanzen oder bestückt mit Blumenpötten, auch Basilikum, davor flatternde Wäsche. Jeder kann dem Nachbarn reinschauen, und sicher auch alles mit-hören… In den ältesten un-sanierten, oft baufälligen  Altbauten (ohne Verputz, die Abflußrohre und Stromkabel außen an der Mauer befestigt), hausen sehr alte oder auch  sehr junge Leute, kinderreiche Familien, und viele dunkelhäutige Zuwanderer…Manche Fahne zeugt von deren ferner Heimat… Ob sie hier Arbeit fanden? Und bleiben können?

Stille_gasse_nachts

Auf freien Mauern viel Graffiti, ähnlich wie in den Hausbesetzer-Zeilen in Hamburg oder in Ur-Kreuzberg…
Fröhlich aber die Bürger, flanierend zwischendrin die italienischen Touristen. Vom 1. August an schließen fast alle italienischen Firmen, Büros, Fabriken ihre Tore, wie in Frankreich, und das Land macht gemeinsam Betriebsferien! Wir werden es zu spüren bekommen in Sardinien!
Zauberhaft das bunte abwechslungsreiche Durcheinander:
Spezialitätenläden, Vinotheken, Metzger, Geflügel+Eier, viele Motorrad-Werkstätten(unter freiem Himmel, dahinter eine 2 m schmale uralte Garage im engen „Haus“, das oft drüber leer, verfallend, unbewohnt ist.Zur „Siesta“-Zeit am Nachmittag  von 1-5 wird ein alles verbergendes Stahlrolltor runter gerollt, ein dickes Vorhängeschloß versperrt, man sieht nicht mehr, was sich dahinter am Abend präsentiert. Ein Schreibwarenladen, Second-hand-Klamotten, Fisch, Gemüse?

Die paradiesischen Obststände sind in italienischer Manier farbenfroh und appetitlich aufgebaut, sehr ordentlich, sehr einladend. Im Moment Gebirge von grünen, rotfleischigen Anguria, Wassermelonen, 40 cm lang, und gelbe süße kleine Birnen, orangen leuchtende Pfirsiche, reife rote Tomaten, meist die kleinen Strauchtomaten, die hier billig sind! Oliven aller Sorten in Fässern, geschälte rohe Kartoffeln in Wasser-Tonnen, Bündel von Origano, köstlich süße rot-violette Zwiebeln im Zopf geflochten, schneeweiße oder lila Knoblauchknollen, große gelbe Zitronen, Kokosnüsse, gelbe Honigmelonen…Himmlisch. Die Italiener wissen genau, in welche Cafés oder Bars man zu welcher Tageszeit geht, bei knallheißer Sonne drängen sie sich unter dicht belaubte Bäume in den herrlichen Schatten, der mit riesigen Marmorblöcken gepflasterte Gehsteig und die ebenso befestigte Straße davor wird mit dem Wasserschlauch blitzsauber gehalten und gekühlt! Auch vor den Läden! Man kauft mit Plastiktragetüten ein. Touristen erkennt man am Rucksack :-)…
Wir bummeln durch die Shoppingmeile, mit Läden wie in N.Y. oder Paris. In Hafennähe pulsiert der Wochenendverkehr über die Küstenstraße, an der eine Extraspur für Jogger und eine für Fußgänger abgeteilt ist. Auf der Landseite viele Bars, Gelateria, Pizzeria,…Am Abend wollen wir noch was Nettes finden für den Abschied von Sizilien.

Am Abend spazieren wir vorbei am nagelneuen Hafenareal, wo immer noch puppenhafte Bräute und die Olà-Welle der Hochzeitsgäste fotografiert werden…Der Rollrasen wird pausenlos mit Wasser besprengt, Kinder kugeln sich fröhlich die kleinen Abhänge am ultramodernen Ruder-Clubhaus herunter.
Gerhard hat am frühen Morgen ein romantisches Gartenlokal in der Altstadt vor einer Kirche entdeckt. Dahin wird er mich ausführen 🙂 und wir reservieren nach ital. Sitte rechtzeitig  für „alle otto una tavola per due persone“, al giardino.

Die Gasse wieder mit Marmorpflaster, ein Gehsteig daneben, ausgespart immer die Einfahrten zu den 6 m hohen Toren, in die früher die Fuhrwerke und Kutschen einfuhren. So manches Portal offenbart einen ‚Blick in ganz edle Treppenhäuser, hohe Wände, feine eichene Treppengeländer, Lüster. Oder ein Innenhof mit Kreuzgewölbe wie ein Kloster oder eine große Pfarrei.

Das_gute_restaurant_in_palermo
Img_1599

Dieses ur-alte Restaurant, eine FOCCACCERIA, gegründet 1832, ist eine echte Überraschung. Fein gedeckt, Gläser, Porzellan. Wir wählen als Antipast 3 verschiedenen Foccacce, mit Büffelmozarella, blattdünnen gegrillten Kalbsleberscheibchen, und Auberginen-Röllchen mit Füllung und Parmesan. Für mich kommt dann ein Escalope Palarmese, ein Kalbsschnitzel mit saftiger (!)Zitronen-Semmelbrösel-Panade, dazu ein Löffelchen gebratener Kartoffel- u. Auberginewürfel. Gerhard wählt dreierlei Fisch, gerollt vom Grill. Lecker. Als der Dessert-Koch auf einem Klapptischlein seine delikaten 8 Dolce präsentiert, werden wir schwach. Gerhard löffelt Wassermelonen-Gelee, ich ein Schälchen Zabaione mit eiskalten Erdbeeren….Noch ein Caffè- der Es
presso macht uns munter für den Heimweg durch die dunklen Gassen, wo an manchen Straßenecken sogar der Müll abgefahren worden ist!

An der Hafenpromenade unterm Sternenhimmel bummeln die Leute mit Kind und Kegel.
Palermo – am Abend nehmen wir Abschied. Mit freundlichen Gefühlen.

INSEL USTICA
 Am Sonntag segeln wir von 7 bis um 16 Uhr nach USTICA, einer einsamen unter Naturschutz stehenden Insel im Meer, am Weg nach SARDINIEN.

 

Auf_der_uberfahrt_nach_sardinien

Wir banden unsre EOS an einer der 35 roten Bojen am Steilufer fest, stiegen die vielen Stufen einer rostigen leiterartigen Treppe hoch und liefen zwischen hellgrünen Pinien und riesigen Hasen-Ohren-Kakteen auf braunen Wanderpfaden und auf schwarzem Lava-Stein-Pflaster zum Dorf. Reizvoll die kleinen Fincas, atemberaubend der Blick übers wirklich end-lose , azurblaue Meer.

An_der_boje_vor_ustica_vor_der_uberfahrt_nach_sardinien

Gebadet haben wir mal nicht. orange-rote Medusa-Quallen bevölkern die Bucht, die hinterlassen
schmerzhafte brennende Hautirritationen! Aber hübsch anzusehen sind sie.

Medusa-qualle

Ich schreibe im schwankenden Schiff, hohe Dünung, seit 11 Stunden sind wir unterwegs nach WESTEN, auf dem offnen Meer, fast einsam. 4 Fischer(nach 8 Std.), 3 große Meeres-Schildkröten, 3 Segler in der Ferne, Kurs nach Süden…

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