43. Wo Geld schwimmt

GERHARDS Betrachtungen, am 4.Sept.2011
 An der Boje im Nationalpark La Maddalena

Wer wie wir, vom östlichen Mittelmeer her kommt, bemerkt, dass sich die Schiffe, denen man begegnet, verändern. Sie werden größer. Dieses Phänomen erreicht hier an der Nordostküste Sardiniens seinen Höhepunkt. „Costa Smeralda“ heißt die Gegend mit den mächtigen Villen in gärtner-betreuten, grasgrünen Inseln inmitten felsiger und sommerlich dürrer Landschaft. Wir begegnen eleganten, 4 oder 5-stöckigen Motorjachten, 30, 50 Meter lang oder noch länger, 3-4stöckig. Und ebenso hochglanzgepflegte Segeljachten mit Masten, höher als die mächtigsten Tannen bei uns zu Hause. Die Farbe Weiß ist nicht mehr aktuell. Blau schon eher, dunkles Anthrazit, Schwarz, Silber oder gar Gold ist angesagt. Die Mannschaften folgen diesem Trend und hüllen sich in sportlich- legere Einheitskleidung, abgestimmt auf den Farbton Ihres Schiffes. Sieht man genau hin, entdeckt man Eigner, Gäste oder sonst wen wohlbeschattet auf dem Sonnendeck sitzend oder ruhend. Sie suchen ihresgleichen auch an den Ankerplätzen.
Wer ist die längste? Wer hat die meisten Salinge? Wen zieren die meisten und größten kugeligen TV-Empfangsantennen?

Nachts vor Anker wirken diese Schiffe wie kleine Dörfer und die angestrahlten Salinge an den Masten erinnern an beleuchtete Weihnachtsbäume. Die Segelyachten nutzen ihre Segel selten. Auch bei gutem Wind ziehen sie Motorkraft vor.

Uns fehlt der Einblick in diese Eignerkreise und ich konnte auch noch kein Mannschaftsmitglied sprechen. Die Kaufpreise werden im höheren zweistelligen Millionenbereich liegen. Eine Nacht Liegegebühr schlägt mit ca. 1500 Euro zu Buche und die Mannschaft, mindestens 2 oder aber auch 5, 6 und noch mehr Personen wollen auch bezahlt sein. Kapitalanlage? Kann ich mir bei diesen Unterhaltskosten nicht vorstellen. Eher das Hobby, das Geltungsbedürfnis: Gesehen werden, Eindruck hinterlassen. Vielleicht gerade darum das gesammelte Auftreten hier und entlang der französischen Südküste. Kann man die schwimmenden Paläste gar steuerlich geltend machen?

Es ist mir egal. Jeder hat hier seinen Platz, es ist genug Wasser da und schön anzusehen sind sie allemal. Es gelten die gleichen Wegerechte für unsere EOS mit ihren 10 Metern und die 5 mal längere ANDROMEDA. Man kommt sich auch kaum in die Quere, Die Riesen fahren  mit einigen Seemeilen Entfernung zur Küste.

Die „kleineren großen“ Motoryachten ärgern gelegentlich. Sie ziehen mit voller Geschwindigkeit teilweise rücksichtslos nahe an uns vorbei, mächtige Wellen hinterlassend. Das schaukelt die EOS arg und man sollte vorher den Tisch leerräumen, um Scherben zu vermeiden.  Blicklos, grußlos, aber nicht lautlos verschwinden sie in einigen Minuten, Stärke zeigend… Vom Büro auf Ihr Fahrdeck mitgenommen? Ich vermisse die griechischen Fischer, die aus ihrer Kajüte winken und lachen.

Die Bilder der Riesen:

2 Kommentare zu „43. Wo Geld schwimmt

  1. Die Schiffe sehen ja teilweise richtig futuristisch aus. Da ist die Eos vielleicht weniger schick aber sicher sch??ner anzuschauen. Beeindruckt w??re ich zumindest mehr von eurer Reise und euren Erlebnissen als von solchen jener Sonntagsfahrer. Gute Reise! Hoffentlich bis bald!!!

  2. Wenn einer von den Pott-Eignern noch einen Rest Abenteuerlust in den Adern hat wird er Euch wohl um so manchen stillen Ankerplatz beneiden.Gute Reise weiterhin!Gr????e aus Thun,Joachim 🙂

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