54. "Endpunkt Nizza"…

Am 24.-25.September ankerten wir friedlich in einer Bucht in der „Kniekehle“ hinter dem Kap Ferrat, vor dem edlen Badestrand „Paloma“(mit schneeweißen Voile-Gardinen, Ledercouchen zum Sonnen, viele aus Monaco, vorwiegend italienische Damen in knappen schicken Bikinis…)
Unser Ausblick geht auf 2 Palazzi, mit zinnen bewehrten Türmchen, neugotischem Maßwerk an 3 m hohen Spitzbogen-Fenstern, Portalen aus Eiche, Bronzelöwen, pfeilschießenden Amor-Figuren, modernen Skulpturen, Pavillons, Schwimmbad unter Schirm-Pinien, überall eifrige Gärtner, Diener, Mamsells mit Tabletts und Drinks, früh die Liege mit weißen Frottées und Tischlein für die Herrschaft, aufmerksam der Wachhund, ein riesiger Schäferhund…Mit uns ankern viele, meist blitzende große Motoryachten, deren Schlauchboot hinten in die Heckplatte hineinschlüpfen, goldene Yachten mit Dinner an Bord im Kerzenschein, 4 Diener, aber auch große schnittige, flache 25-Meter-Segelyachten…Zur Belustigung und Animation rasen diese Wasserscooter herum, die ich Schneebesen nenne, weil sie so viel Schaum schlagen und hohe Wellen machen. Das störte mich ganz besonders beim Kässpätzle -schaben und beim Rösten der Zwiebeln…

Cap_ferrat_eos_an_meinem_letzt

Dieses Foto zeigt die Eingangsseite des Palastes, vor dem wir mit der EOS ankerten. Ein „sehr bissiger Hund“ ist hier der Wächter des riesigen Privatbesitzes…Alle Mauern waren mit 20 cm-Spießen bewehrt, wie ein Gefängnis….

Huh_sehr_scharfer_hundbewacht_

Wir paddelten noch ein Mal ein Land, für mich die letzte Beiboot-Fahrt mit der „micro eos“…Von weit oben sehe ich auf mein schwimmendes Zuhause hinunter, das nun 3 Jahre mein Heim war. Dankbar. Glücklich…Die EOS schaukelt heftig, als würde sie mir „ADIEU“  winken. Schade, daß sich das Video nicht hochladen ließ…
Ein Bummel zwischen Villen, Bougainvillea-Mauern, Appartementhäusern, feinen internationalen Hotels. Nein, kein Neid.

Mein_letztes_kap_nach_3_jahren

 Um 10 geht es Anker auf. Ich steuere von Hand an der Pinne, mein allerletztes Kap dieser Reise wird unter Fock umsegelt…Der Himmel grau und wolkenverhangen…Per Funk bekommen wir im „Port de plaisance“, dem hübschen Stadthafen von NIZZA, einen Platz zugewiesen. Vor uns haushohe Mega-Yachten, die die ganze Häuserzeile der Straße verdecken…Und die kleine EOS mittendrin. Man poliert Chrom, schrubbt Schlauchboot, Sitzkissen, schäumt die Lackmonster ein, spült mit Unmengen Wasser alles blank. Es duftet nach Waschmittel, schon kommt der Diener mit meterhohen weichen Frottéehandtuchstapeln…

Ich aber muß packen. Ich räume den Schrank leer, die Fächer, das Zeug verschwindet unter der Backbordkoje…Platz schaffen für die Männer-Crew, die im Nachtzug Straßburg-Nizza anreist..
Der Rucksack wird 2/3 voll. Am Abend tauchen wir ein in das méditerrane Flair der „Cité historique“, das verwinkelte Altstadtviertel mit den engen Gäßchen, deren Straßennamen immer zweisprachig sind auf den Tafeln an der Hausecke. Fotos clicken vor den handgemalten Schildern über Boulangerie, Crèperie, Gemüseladen.Man ißt frische Austern, bergeweise, Muscheln in schwarzen Emaille-Töpfen, Zwiebel-Quiche, Fisch…
Ich genieße als Vorspeise Muscheln mit Wein und Thymian, 4 Sardinen vom Grill, Crème caramel..
Am Montag gibt’s, da mir die Fischle nicht grad gut bekommen sind, meine letzte selber gekochte Suppe: Lauch in Hühnerbrühe. Wir dürfen zu meiner großen Freude die EOS noch an den kleinen Ponton E inmitten der kleinen Boote verlegen, drüben bei den Fischern it ihren farbenfroh bemalten Holz-Kähnen. Herrliche Aussicht auf die roten Stadthäuser mit Blumen am Balkon…

Genau hier ging MEINE REISE vor 3 Jahren los, 16 000 km sind es geworden auf dem weiten Meer. In der Capitanerie  erinnert man sich sofort an die EOS. Sie ist noch im PC gespeichert. Ein freundliches Bonjour, welcome!

Finale_im_hafen_v

Ich danke Gott für seinen Schutz, die Gnade, keine Verletzung erllitten zu haben, bin voll der Freude, dieses Abenteuer mit allen Sinnen und genügend ZEIT erlebt zu haben. Dankbarkeit, Demut, ein volles Herz, ein Schatz an Bildern und Eindrücken… von ungezählten Inseln, Stränden, kleinen Häfen, reizvollen Städtchen, lebhaften Menschen, die Ohren noch klingend von deren Sprachen – so verschieden im Klang.

Der Zauber der Sternennächte,  die Wunder der Sonnenaufgänge, unbeschreibliche Sonnenuntergänge vor sagenhafter Kulisse, ja, auch wilde See und stürmische laute Winde, ewige Schaukelei beim Schlafen und beim Kochen. Das Einkaufen mit Beiboot( wir sind die einzigen ohne Motor)  und schwer beladenen Rucksäcken, das Wasser-Organisieren, das penible Aufräumen an Bord zu jeder Zeit, das geteilte Erledigen der Hausarbeit, das zeit-lose Bleiben an einem Ankerplatz, das wetterbedingte rasche Aufbr
echen an schönen Orten, auch mal mitten in der Nacht , das Richten nach der Natur, die das Ziel bestimmt, oder auch mal ewig nicht erreichen läßt…
Ich hoffe, daß auch die Männer-Crew viel Freude und ein paar sportliche Segeltage Richtung St.Tropez und Marseille erlebt. Erhebt mal euer Glas mit dem guten Côte-du-Rhône auf mich, wenn ich im lieben Deutschland bin. Bon voyage!
GERDI

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