Impressionen von fremder Sprache, Stimmungsbilder bei Nacht und Tag(Gerdi)

7.-11.August.

Da mein Gespür für Sprachen eher über Klangfarbe und Vokale Emotionen auslöst, notiere ich heute mal einige besonders musikalische Insel- und Ortsnamen aus diesem mir fremden Rumänischen. Eindeutig verwandt ist es zur romanischen „Sprachfamilie“, wenn ich auch kein Wort auf rumänisch sagen kann (auch kein Wörterbuch habe oder gar eine Art Lautschrift mir sagt, wie z.B. dieses flotte „Guten Tag“= „Buna ziua“ ausgesprochen wird!!), kann ich doch mit einigen französischen Wörtern und Sätzen oder italienischen Begriffen mich verständlich machen, ein Leuchten im Gesicht, ein Auflachen zeigen, dass das Gegenüber, ebenfalls keiner Fremdsprache mächtig, verstanden hat. Ein netter hilfreicher Selbstversuch! Frigatore defetto, der Kühlschrank ist kaputt. Merci=Danke, Cu plâcere=bitte, Mi piace=ich mag…es gefällt mir(ital.) Scuze=Entschuldigung.(Im Italienischen ruft man den Ober auch „Scusi!“ Ciao= Auf Wiedersehn, Tschüss(oder „la riverdere“ wie im Italienischen.

Gestern wollte ich mit einem Glas Apfelsaft(der Hafenbeamte verweigerte Schnaps und Bier=Alkohol im Dienst) dem andren zuprosten, also „Naroc!“ auf rumänisch. Großes Gelächter! Naroc nur bei alkoholischen Getränken, aber – hahaha!-doch nicht bei Saft oder Limo!! „Da!“ heißt“ ja!“ wie im Russischen+ Serbischen und „Nu“ nein. „Ajutor!“ Wie im Ital. Ajutare für Hilfe! „Cât costa“ Was kostet es? Weltsprache „nota“ für Geldnote oder „Zahlen bitte“. Intrare=‘Eingang, aber Ausgang ganz anders: Jesire.

In Vidin sah man  hinüber nach bulgar. Simeonovo/Botevo. Wie Musik! Noch einige Inselnamen:  Belene, Milka, Berzina Mica, Goliama Berzina, Gradina, Cioara, Papadia. Im bulgar. Oriahovo ließ man uns nicht ohne vorher in Rumänien auszuklarieren an Land. Also werden wir nur noch ankern auf der bulgar.Seite, die Donau ist internationale Wasserstraße! Die letzte Anlegestelle hieß ZIMNICEA!

Im Stromarm Papadia hatten wir auf 7,5 m Wassertiefe ankerten wir mitten im Strom. Es rauschte wie ein Wasserfall um die EOS, obwohl sie vor Anker ja „still steht“ wie auf einem Parkplatz. Die Strömung war mit 4 kmh derart stark, daß man schon sehr aufpassen musste an der Badeleiter beim Baden, festgekrallt an den runden Stahlstäben! Ein unbedachter handgriff, eine Wespe die sticht, man wär im Nu weg getrieben, der Partner könnte den Anker aufholen, wenden, Motor an und in die Richtung des abtreibenden„Verlorenen“ nachfahren… Ein Schreckensbild… Im Stromarm abseits der von langen Frachtern befahrenen Fahrrinne zu ankern, ist immer ein großartiges Erlebnis! Die Ufer oft steil und düster, beim Hochwasser stehen die Baumstämme im Strom. Fast immer ruft der Pirol seinen typischen Septim-Ruf mit dem neckischen Auftakt. Als ich klein war, lernte ich in der eisig kalten fränkischen Schwarzach das Schwimmen, Höhlen im Prallufer, auch da der Pirol in den Kiefernkronen. Das Gebüsch ist mit allerlei nur hörbarem Getier bewohnt, Schlangen wären lautlos, aber die Frösche, die unvermittelt alle auf einmal ihr Quak-Konzert starten oder die nimmermüden Grillen, die hoch tasteten unsrufenden eleganten Seeschwalben, die sich am Mast der EOS die dicksten Spinnen holen , ein Häher, ein Reiher im Ufergrün…

Unvermittelt kann aber das Donau-Ufer plötzlich seine eintönige Buschufer verwandeln: steile Sandfelsen, senkrecht wie beim Kloster Weltenburg, rötlich oder weiß wie die Kreidefelsen auf Rügen oder vor Dover(gesehen bei der Studien-Ende-Fahrt 1970). Sogar eine Kapelle entdeckte ich in einer 10 m überm Felsfuß gelegenen Felshöhle, mit Glasfenster. Die rumänischen Strände erinnerten an Sardinien+Italien: laute Discomusik, Autos, Sonnenschirme. Ruhe dagegen am bulgar.Ufer… Wir tasteten uns am 9.8. bedachtsam hinter ein Inselchen, tuckerten auf 5-6m Wassertiefe grad so weit vor, bis wir einen traumhaften Ausblick auf diese pittoresken steil aus der Donau aufragenden Felsen hatTauben flatterten mit rasselndem Flügelschlag auf, der Pirol rief, flinke Schwalben umschwirrten unsre EOS. Draußen im Fahrwasser zieht das schon mehrfach gesehene Kreuzfahrschiff AURELIA unter der roten Schweizer Flagge vorbei… Dann erhob sich wie aus dem Meer der riesige silberne Vollmond! Ein schmales glitzerndes Lichtband wanderte über den Fluß zu uns. Ein Zauber! Kein Laut mehr, nur kurz die Frösche im mindestens 1 m im Wasser stehenden Laubwald der Insel. Wären nicht die lüsternen Schnakenheere, wäre solch eine Nacht ein Traum…Ganz schnell das große Moskitonetz ausbreiten und am gelegten Mast fixieren…!!!!!!

Km 590! Keine 600 km mehr zum Delta! Große Strudel kreiseln um das Schiff, heben und senken es im Trudel als würde ein Wassergeist den Kiel heben… Gespenstisch. Viele Untiefen und Inselchen, die Flußkarte „stimmt nicht mehr“, ganz neue Fahrrinnen wurden gelegt mit an ganz andren Stellen gesetzten Untiefentonnen. Plötzlich muß man südlich um die langgestreckten Donau-Sand-Inseln herum oder ganz nah an ein Waldufer fahren und fast 80° an einer Tonne wieder abbiegen… Fährt ein langer Frachter vor mir, sieht es aus, als läge er „quer“ und versperrt die Wasserstraße völlig…!! „Ändert sich oft! Nur Tagfahrt!!“ schrieb der Flußkapitän schon 2008 in die handgezeichnete Flußkarte.

Bäume „fahren“ mit uns, etwas langsamer als die EOS. Peng! macht es am Bug, wenn ein kleiner Ast mal unter Wasser noch an seinem Stamm hängt!! Es braucht schon riesige Bagger und Kräne, um die Donau schiffbar zu halten! Vor Zimnicea ankerte ein großer Schubverband, am frisch weiß lackierten (statt toatal rostig-braunen) Kajütaufbau erkennt man sofort, wenn es ein deutscher, österreich. oder niederländ. Frachter ist. An Deck der „KREMS“ stand ein wohl 25 m hoher neuer gelber Kran!

In Zimnicea kündete das Handbuch von einem Anleger. Alles belegt durch 3 Polizeiboote, eine große weiße Yacht und eine ähnlich edle gepflegte 15m-Motoryacht… Als ich deshalb in heftiger Strömung an einem Rostfrachter anlegte(immer ein Nervenkitzel, weil am Bug ja 2m lang der Mastfuß vorsteht!!!)und alle 8 Fender „rollten“, folgte ich meinem Skipper mit bangem Blick, als er von Bord kletterte und an Land zum Polizeiposten lief. EOS tänzelte wie ein Araberhengst in der aggressiven Strömung von vorn, Pinne legen, zurück, ein Kampf. Aha, wir müssen da weg, aber an der großen Yacht, die wohl dem Agro-Magnaten gehört, dürfen wir längsseits gehen. Gewagt, gewagt… doch der für all die Schiffe verantwortliche Capetan versteht seinen Job, er hilft fachmännisch, die EOS zu vertäuen, daß der Mast NICHT in das edle silbernglänzende Relinggestänge spießt…Er besorgte uns Voda potabile, denn Trinkwasser gibts hier nicht. Mit dem Auto bringt er Skipper und 2 20l-Kanister zur Tankstelle und zurück. Uns fährt er noch zum Supermarket. Auf dem breiten Boulevard promenieren die Einheimischen, es gibt nur ein einziges Lokal wo man was essen kann. Nur Spaghetti… Da der Ober keine Telefonverbindung zum Taxi hinkriegt, laufen wir von 21 bis 22.15 Uhr im Stockfinstern eine enge Straße zum Hafen, bedrängt von kolossalen Erntefahrzeugen… Gespenstisch. Und schwülheiß.

Fische auftauen Flußfische in Alu f.d.Grill, mit Butter+Dill Gemüse rüsten f.d.Fischsuppe Gut gewürzt, auch am Schiff Leckere Fischsuppe zu Mittag

Zum Abschied schenkt uns der Hafenmann 6 Fische. Früh um 9 koche ich Fischsuppe, köstlich. Um 4 tauen wir die restl. gefrorenen Fische auf, sie wandern in Alu auf den Grill…

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