25. Nachtfahrt 130 km: In 14 Std. von Gallipoli nach Crotone, von 19 bis 9 Uhr

Gerdi schreibt rückblickend am 14.6.

Crotone. Als wir am gestrigen Abend, Montag, den 13., in die Stadt Gallipoli gehen wollen, um einzukaufen, sieht das Meer ziemlich beruhigt aus… Spontan bleib ich stehen und schlage vor: Lass uns doch noch heute lossegeln!…? Übermorgen kommt wieder so viel Wind…

Und Gerhard bleibt stehen, checkt noch mal den Meteo. Das könnten wir machen. Also los, bezahlen (80€ für 2 Nächte) und schon sind wir umgezogen und es heißt Leinen los, Mooring frei und ich steuere zum großen Hafen, Arrivederci Porto Fontanella… Ciao Gallipoli!

70 Meilen Nachtfahrt erwarten uns. 19 Uhr…Noch blitzt es Richtung Leuca, bizarr erhellt sind die Wolken. Und dann beginnt es schon zu regnen. Ölzeug, Südwester, Gummistiefel. Dann rollen von stb die ersten hohen Wellen heran. Die Kämme der langen Wogen, die an Bug und Seite schlagen, verdecken die Kimm… Immer wilder rollen sie heran… Ich spreize die Füße waagrecht in den Niedergang, angegurtet mit der Lifeline an unsrem Rundum-Stahlseil… Gerhard macht die Navigation, „füttert“ das GPS-Gerät, wir reffen das 1. Mal das Groß. Geduckt hinter der Sprayhood, eingekeilt und fest mit einer Hand am kleinen Handgriff sitze ich an Steuerbord. Um 19.50 setzen wir den Motor als Hilfe ein, um Kurs halten zu können, das Segel schlägt, halber Wind, schralend,nur nicht einschlafen bei der Schaukelei, fast 30 ° nach der rechten, dann nach der linken Seite. Die Wolken werden lichter, der Halbmond wirft seine Lichtstraße aufs bewegte Meer. Mare molto mosso! Um 20.45 legt sich Gerhard hin, Freiwache. Ich werde jetzt 5 Stunden alleine im Cockpit steuern und Ausguck halten, zum Reffen bitte ich den Skipper aber zu Hilfe. Als Gh. mal kontrolliert, wo Wasser eindringt, sehen wir, daß überm Stb-Bett viel reinkommt, beim Akten-Fach, die Gläser im Geschirrfach laufen voll trübes salziges Meerwasser. Gh. schöpft aus der Bilge vorm Motorraum 3 Eimerle Seewasser, ich befördere es zurück ins Meer…. Oh ihr türkischen Bootsbauer in Bozburun, hättet ihr aufgepasst und nicht die GFK-Decke an so vielen Stellen durchbohrt und zerlöchert… Wo ein Loch ist, läuft es rein. Glück hab ich mit meiner Bärenhaut im Schrank. Auch meine Bug-Koje bleibt leidlich verschont.

Die Eos hat ab 1 Uhr mein Lieblings-Sternbild, den Skorpion, ist mein Ziel vorm Bug, zur späten Nachtstunde neigt er sich fast waagrecht zur Seite, an Stb hängt träge der große Wagen…. Ein paar trockenen Cracker gegen die Müdigkeit- um hlabzwei bitte ich Gh. sich noch 1x den im Meer versinkenden orange-gelben Halbmond anzusehen, Seemannsromantik. Und dann ist es finstere Nacht.

Nachtwache an der Pinne, wir segeln mit halbem Wind , er dreht auf raumen Wind, mal nur unter Segeln, mal mit Motor als Stütze. Dann ist es 2 Uhr, 7 Stunden sind wir inzwischen auf dem unruhigen Meer. Meine Wache endet, Gerhard schlüpft ins Ölzeug und löst mich ab. An Schlaf ist vor 4 nicht zu denken, wild gebärdet sich das Schiff, hoch und nieder, schlagend… Der Spinnakerbaum, längs am Mast fixiert, ruckt und schlägt, auch eine Deckenrolle und 2 Kissen stabilisieren beim Liegen nicht genug… Um halbvier frag ich den Rudergänger draußen: „Ist unsere Bugleiter eigentlich drin- oder noch vorn am Bug??? Es klappert was…!“

Sie hielt sich tapfer da vorne, 9 Stunden in den den anpreschenden Wellen. Stahl, Bavaria-Wertarbeit aus Deutschland, Gerhard klinkt sich die Lifeline ein und hangelt sich vor zum Bug, um sie abzubauen und zu bergen. Als sie aufgeräumt ist im Heck, kann ich endlich eine Runde schlafen. Irrlichter schwirren in wachen Momenten hinter dem kleinen Fenster, Sterne, sausen wie im Kreis, die EOS ist sehr unruhig. Gh. stopft Frottéehandtücher an die Stellen, wo das Wasser- leider mehr als sonst- reinläuft. (Die in Bozburun haben davon keine Ahnung!!!)

 

Um 8 Uhr kommt Gh. in die Bugkoje: Du, wir sind in einer halben Stunde in CROTONE…!

Schnell ist man angezogen, nun ohne Ölzeug, strahlender Sonnenschein, Wind 2-3 bft… Scheinheilig still das Meer beim Einiegen in den Hafen. Ich lege an der Tankstelle an. Eine 45er Bavaria aus Wien auch, der Skipper fragt, ob wir mit dme Rollreff (im Baum, nicht im Mast) zufrieden sind… Ja, zu 80%, das letzte Stück zieht Gh. am Mast stehend von Hand hoch, weil es seit heuer schwer hochgeht.

Buon giorno! Ich fahre vorsichtig den Steg vor Lega Navale an. Einer der STUFF hilft, mit den 2 Moorings und unsren Festmacher-Leinen, sehr freundlich. Gh. meldet mit unsren Schiffspapieren die EOS an, 25€, ab der 2. nur noch 20€. Das ist passabel. Leider bekommen wir – wie in Gallipoli- eine Absage für die Mitgliedschaft in der Lega Navale. So schade. Wir sind noch 2 lange Monate in Italien, es wäre preisgünstiger als Mitglied, in den Häfen.

Dann schnell umziehen, Stb-Koje aufklappen zum Trocknen, ich spüle alle salzwasser-vollen Tassen+Gläser…. Dann ziehe ich zur Feier der Nachtfahrt erstmals ein Kleidle an, stecke mir eine Blume ins Haar- Gh. lädt mich ein zu einem Cafè lungo im Club-Restaurant. Ein großes Croissant, ein Glas Wasser, und ein junger Cantieri an der Bar, sicher Student, mit derart blauen Augen, daß ich wegsehn muß, um kein Kompliment zu outen.;-) Wir sitzen wie Crotoner Bürger auf der Terrasse, etliche ital.Rentner auch, daneben sind Schulkinder 1.+2.Klasse, die Segelunterricht bekommen und ihre Opti-Boote vorbereiten.

Zurück an Bord frischt der Wind merklich auf, wir wischen die nassen Schapps aus. Dann überfällt Gh. die Müdigkeit nach der langen Nachtfahrt. Er liegt auf seiner Koje und ganz schnell hör ich ihn neben mir schlafen:-[..;-). Ich tippe den Blog in meinen surface-Laptop, mit Hy-Internet kann ich evtl. auch versenden. Draußen erstrahlt die Stadt vor den inzwischen braunen Bergen im Morgensonnenlicht, wir finden, sie ähnelt der albanischen Stadt Sarande, davor das Blau des „scheinheiligen“ Meeres…. Neben uns ist eine formschöne Yacht, von der deutschen Werft Rebell, ca. 9 m, so ähnlich wie unsre ehem. Stahlyacht „Marion“ (Typ Skorpion, Holland), 2 große und 2 kleiner Fenster wie die Marion sie hatte, ein niedriges Cockpit mit Eichenholzumfassung, aber mit Achterkajüte am Heck. Sehr schön, 30 Jahre alt.

Crotone muß noch ein wenig warten auf uns, der Jetlag nach einer 14stdg. Nachtfahrt hat uns erwischt. Draußen heult der Wind.

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