24. Nachtrag: Von Leuca nach Gallipoli

11.6. Gerdi, Leuca

Start um 9.30 Uhr. Ab halbzwölf legt der Wind zu. Eine Schildkröte, ca. 50 cm groß, kommt im Gegenverkehr!

Greece2

Um 12 Uhr der gr. Leuchtturm vor der „Trockenen Ebene“, also seichte Stelle über Kilometer: Leuchtfeuer Secche di Ugento querab. Kurs West, immer höher die Wellen, 4 Bft. – Groß und Genua. Vor 14 Uhr Reff ins Groß. Gut, daß der Wind und die Wellen von achtern aufs Boot treffen… Wind bald mit 5-6 bft. Dieses Jahr haben wir fast immer das Ölzeug an… Tapfer sticht EOS ihre Nase in die Seen, schnell ist sie, schon ein wundervolles Schiff. EOS meistert alles, hätte sie die Bohrlöcher der türkischen Decksverlegung vom Herbst 2014 nicht, wäre es eine Pracht mit ihr auf dem auch stürmischen Meer zu fahren. Aber dadurch lassen wir uns die gute Laune und Segelfreude nicht verderben, höchstens trüben…:-). Wir genießen die vorm Wind ausgestellten 2 Segel, und die EOS sieht aus wie ein riesiger Schmetterling.

Heftige hohe Dünung, gut aufpassen, auch vor Gallipoli sind ausgedehnte gefährliche Untiefen! Kaum ein weiterer Segler unterwegs. Gegen 15.30 steuere ich nach stb und gleich wird das Meer zahm, statt 6 nur 3 bft. Sicher biege ich zum Hafen nach rechts und umschiffe den dicken großen roten Leuchtfeuerturm. Drinnen zeigt die Logge 30 Seemeilen an, mehr als die Hälfte unter Segeln. Brave EOS, gute eingespielte Crew. In beiden angefragten Seglerhäfen weist man uns ab, belegt, voll. So tuckern wir ins hinterste Eck, Porto Darsena Fontanelle, geschützt, eine kleine Werft dabei, fast nur große Motoryachten.

Sofort nach Anmeldung im Officio gehen wir auf die Suche nach einer Möglichkeit, unsere Wäsche nach 4 Wochen wo zu waschen(Bettzeug, Frottées, Geschirrtücher, also 60°) . Wir müssen durch ein stockdinkles Tunnel mit  1,80 m Höhe laufen, es stinkt nach verwesendem Fisch, es sprudelt Wasser aus einer defekten Leitung, drüben wieder hoch, nun hat man den Bahnhof unterquert. Auf zur prachtvollen von Bäumen gesäumten Magistrale, typisch italienische Boutiquen, Mode, Nippes, Bambini-Konfektion…

Man schickt uns nach Süden und Norden, jeder weiß eine andere Piazza, mal Roma, mal Cantucci. Ein ehem. in Deutschland arbeitender attraktiver Italiener begleitet uns ein Stück, er sieht aus wie Vico Torriani in seinen besten Jahren, dabei sei er 70!!! Um 19 Uhr ist die Blue Ballo-Lavanderia (Münzapparate) gefunden, aber ich hab kein Waschmittel dabei. Also spurtet Gh. zurück zur EOS und bringt meine Neutralseife mit.. Ob am Samstag länger offen ist ? Keine Ahnung… Dann füttere ich nach Anleitung nur in ital.Sprache sowohl die Maschine als auch den Geldautomaten. Warten. Inzwischen holt Gh. eine italienische Vodafone-Simcard, 2 Doppelrollen für den Flaschenzug am Heck, der unsere Gangway, ein 2m-Holzbrett, hochzieht wie eine Zugbrücke. Er läßt sich zu einem Laden leiten, der Petroleo bianco führt, also haben wir endlich wieder Brennstoff für unseren Optimus-Kocher! 5 Liter. Sein Ausrutscher auf dem glatten Marmorstein bleibt ohne Verletzung…Gottseidank. Als ich den Trockner fülle, kommt eine ältere Dame, sehr redselig, alles nur italienisch. Sie hat auch einen Sohn in Dtld, eine Tochter in Polen. Als ich ihr im Hy meine Weihnachts-Biscotti/Lebkuchen zeige, schreibt sie mir ihr Lieblingsrezept auf, wohl Schokoladekugeln. Rezept d. Luci aus d.Waschsalon Der Rückweg durch das nachtschwarze Tunnel wird ab und zu erhellt von grellen Lichtfingern, Autoscheinwerfern, die Autos passen so grade durch die Engstelle, wohl eine Abkürzung.

Gallipoli, Tunnel ohne Licht unter Bahngleisen
Düster, ohne Beleuchtung nachts, kaum Stehhöhe, Autos kommen auch entgegen…

Denn inzwischen ist Corso angesagt, 1000e von fein gekleideten Bürgern gehen spazieren, Kinder, Buggys, Omas, Rentnergruppen sitzen rauchend in den Straßencafés, Schlangen vor der großen Eisdiele(man bekommt nach dem Zahlen eine Nr., die leuchtet hinter der Eistheke auf, wenn man drankommt!Gallipolis Gelati+Pasticceria (4)

 

Gallipolis Gelati+Pasticceria (2)Gallipolis Gelati+Pasticceria (1)Gallipolis Gelati+Pasticceria (3)

Total von Autolawinen verstopfte Nebenstraßen, unglaublich, wie so ein Verkehr funktioniert! Die Magistrale ist eine Einbahnstraße und endet als Sackgasse am Castell. Es ist heftige Wahlwerbung, viele Lautsprecher- rumoroso- in fahrenden Autos blöken die Namen der Politiker. Touristen lassen sich in Blumengirlanden-geschmückten Dreirad-Autos durchs Centro fahren.

 

Endlich finden wir Zeit für das erste Gelato! Mmmmh. Gelato piccolo 2 €. Gerhard findet Lakritze im Caramelle-Shop:

Inzwischen ist stürmischer Wind, um 21 Uhr finden wir die nette Pizzeria „Pizza che Mamma“ hinter dem 2. Fußgängertunnel (kennen wir von 2011, Rückfahrt vom Marmarameer/Türkei/Peloponnes…Marseille…). Es bläst aber die knusprige Pizza Capricciosa ist schnell verspeist, köstlich.

Sonntag, 12. Juni: 2.Tag Gallipoli

 

junge Katzen unten
12 Meter tief unten warten die jungen Katzen, die Mutter kletterte die Mauer hoch….

 

Starkwind 6. Das Meer prescht an die Felsen, 10 m hoch. An einer der hohen Schutzmauern sehen wir tief unten in den begischteten Felsen viele junge Katzen, die Katzenmutter erklimmt die Mauer und legt sich oben zum Trocknen. Alle Lokale sind leer, die Plastikrollos sollen schützen, keinen zieht es an der Windseite rein. Aber die Möwen betteln gierig in einer etwas windgeschützeren Lokal über dem Strand und landen zwischen den Fackeln und Gläsern und Tellern auf der Mauer. Frech und groß. Die Fußgänger sind beim Gehen eingeschränkt, auf der Festung soll man die Kinder an der Hand führen. Wir hören viele Glocken läuten, das Castell wurde in nur 6 Monaten 2014 zugänglich gemacht und mit Informationstafeln bestückt. Bei der Lega Navale macht man uns klar, daß sie wohl keinen aufnehmen.

Am Abend sehen wir in einer Mini-Pizza-Bäckerei die deutsche Fußballmannschaft mit den Ukrainern einlaufen. (2:0) Die Pizza kommt mit Laufschritt an Bord.Der Wind soll mit 6 zunehmend anhalten.

Montag, 13. Juni Gallipoli

Wir bummeln wieder zur Lega Navale, ohne Erfolg. Neben der Burganlage lassen wir uns eine Menta mit Eiswürfeln munden. Zurück an Bord mach ich Nudelsalat, aus dem Rest Fussili, Paprika, Tomaten und Ketchup aus Turgut Reis in der Türkei.

 

Am Abend wollen wir zum Einkaufen. Da sehe ich, daß das Meer keine Riesenwogen mehr hat. Ich schlage spontan vor: Laß uns doch fahren, eine Nachtfahrt.

Und so zahlen wir die 80€ und 15 Min. später starten wir um 19 Uhr. Ziel 70 Seemeilen Crotone, ca. 130 km und ca. 14 Stunden Nachtfahrt…

Der Segelbericht ist einen Artikel später hier drin zu sehen.

 

 

 

 

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