9. Nilufer, Walnuß-Wolle, Portulak

Gerdi, Bozburun am Anker, 5.Juni 2015
Geruhsam und ohne Termine hängen wir mit unsrer EOS seit 14 Tagen am Anker und starten auf Ventile für den Volvo-Motor. Es ist noch nicht heiß, keine 30°, viele Arbeiten können erledigt werden, Ölwechsel, Schrauben erneuern und nachziehen, das neue noch reh-braune Iroko-Holzdeck mit Meerwasser wässern, damit es grau(er) wird, Felshügel besteigen vorm Frühstück und Blog schreiben, häkeln, flicken, T-Shirts umräumen – ohne Schrank eine wahre Kunst. Heute hab ich mir die beiden Nähzeugkistle vorgenommen, ausbreiten, entsorgen (da sind Fäden drin von Muttis Nähkasten- 70 Jahre altes Garn, Knöpfe von meinen eignen Kinderpullovern und etliches von den Babytagen unsrer 3 Kinder…
Walnuß-Wolle...60 J.alt
Erikas Grundschul-Häkelnadel 2,5 und rote, orangene und die dunkelblaue Wolle von unsren ersten Strickröcklein von 1954 –schon häkelte ich eine lange Luftmaschenschnur für mein Mini-Täschle für kleine Schlauchboottouren … ein leuchtend-bunter Stoffbeutel einer Fairtrade-Kaffee-Verpackung aus Peru. Da klapperte plötzlich das Wollknäuel… Was? Aha, Mutti hatte beim Auftrennen der Röcke die Wolle um eine große Walnuß gewickelt… Ach, Mutti! Ein kleiner Gruß von oben?? Danke. So ist der Rock und später rot-blauer Ringelpullover nun nach 60 Jahren ein Schulterband für die kleine Umhängetasche „auf See“…
Nilufer?
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Gestern besuchten wir wieder das vom Weinlaub so schön schattige Gartenlokal am Hafen-Ende, um den köstlichen frisch gepressten Apfelsinensaft zu trinken, den uns die nette Wirtin macht- sie erkennt uns wie vor Jahren und fängt immer gleich an, Saft zu pressen. Dazu eine nette Geschichte: am Notebook erscheint als WLan-Verbindung immer das Wort Nilufer. Da wir gerne die CD mit den Commedian Harmonists hören, auf dem der Song vom Pharao am schönen blauen Nil ist, las ich „Nil-Ufer“. Eines Tages guckte ich im Türkisch-Wörterbuch nach, ob es dieses Wort gibt: Ja, es heißt Seerose. Als ich in den Springbrunnen dieses Lokals „Nilüfer“ schaute, entdeckte ich lauter bunte Seerosen darin- aus Plastik:-). Die Wirtin heißt „Nilüfer“, also Seerose.
1km Sandstrand+1 Wohnmobil
Vor unsrem Ankerplatz weitet sich die Bucht zu einem ganz leeren Sandstrand. Nur am späten Nachmittag kommen manchmal 4-6 junge Leute: Jungs mit Flossen kraulen neugierig zur EOS hin, gut gebaute reizvolle junge Mädchen im knappen (!)Bikini tollen im schultertiefen Wasser, tauchen sich unter, quietschen vor Vergnügen. Einmal war eine ganze Schulklasse (6. oder 7.?) da, alle tobten im Meer oder spielten Fußball und Volleyball am Strand.
Frauenfußball (2)
Nur 1 Mädchen blieb einsam voll bekleidet draußen stehen, weiße Bluse, heller Faltenrock, lange weiße Strumpfhosen, weiße Lederschuhe, Seidenkopftuch, eng gebunden… sie blieb abseits, durfte mal den Ball holen, und dabei hätte sie so gern Volleyball gespielt, auch Fußball konnte sie gut… Zu den Jungs traute sie sich nicht, die andren sehr wohl, adrett im Bikini, forsch die langen schwarzen offnen glänzenden Haare schüttelnd nach dem Bad im Meer oder im bunten Pareo in der Hängematte schaukelnd..…Ob die einsame eine Kurdin war? Täglich kommt eine Herde Ziegen her und knabbert Grünes, gucken ins Wohnmobil mit dem gelben aufblasbaren Kajak und dem Fahrrad rein… Frauen kommen vom felsigen Hügel mit großen Tüchern mit Haufen von gesammelten Wildkräutern und duftendem Salbei- auf den Rücken gebunden. Vor jedem Haus im Dorf sieht man auf Planen ausgebreitet viele Meter lang diese hohen Haufen von Kräutern, es duftet köstlich nach Salbei, der Origano wird abgerebelt, das können schon die kleinen Kinder. In Beutelchen liegt er in flachen Körben zum Verkauf an die Touristinnen aus England, Holland, Schweden.
Rauke , türk.Rokko (gr.blättr.Ruccola)

Portulak, gr.blättrig, Türkei
Inzwischen kenne ich den namen der beiden Salat-Arten: der mit den gefiederten Blättern ist eine Art unsres Ruccola, die RAUKE! Hier heißt sie Rokko. Und diese rundlichen dickblättrigen glatten Blättle an den saftigen Stängeln ist der PORTULAK. Ich hatte meine Bio-Bauern gefragt und prompt kann heute die Antwort-Email. Nett!
Nach viel Salat grillten wir gestern am Abend 3 Scheiben Rind, das als meterlange Keule schon seit 7 Tagen im Sicht-Kühlschrank baumelt beim Metzger. Mit dem großen Messer säbelt er ein Teil ab, löst die weiße Fettschicht/Haut, klopft sie zwischen Folie und verkauft sie über die Glastheke, in der nie was liegt. Es gibt nur Lamm und Rind, davon auch Hirn, Leber, weißliche Innereien undefinierbarer Art. Es riecht frisch und gut, nie „alt“- und es hat die 3x auch geschmeckt wie Biofleisch bei uns daheim.
Am Abend gab es eine musikalische Überraschung:
Am gegenüberliegenden Felsstrand Kumsal trafen sich ca. 6 Jugendliche. Als ich im Schein unsrer Petroleumleuchte mit der Flöte Abendlieder spielte, riefen sie herüber: I like it! Und gaben Applaus. Dann fing ein Junge an, türkische Popsongs zu spielen und sang dazu- ein Genuß . Ein Mädchen tanzte angefeuert mit Hei, hei, hei – großes Gelächter bei den Bauchtanz-Bewegungen. Der riesige Vollmond beschien die Tänzerin auf dem Holzponton und das Meer… Bei manchen sangen alle mit, auch mit diesem türkische Tremolo und Umsingen des Tones, sie klatschten im Rhythmus dazu und waren vergnügt. Um 23 Uhr sammelten sie alles ein und fuhren im Auto ins Dorf zurück.

8 Einkauf in MARMARIS + Markttag in Bozburun

Unsere Einkäufe v.1 Tag in Marmaris

Alle Abbildungen in guter Qualität findest Du hier: Klick

1.Juni 2015: Marmaris!
Vollmond. Juni. Sommerbeginn – erstmals ist die Sonne heiß(…auch in Deutschland nach dem kalten Mai). Wir motoren mit der kleinen „micro eos“ und einem großen Sack mit Wäsche an Land, bringen die Wäsche zur Laundry-Frau vom Restaurant Akvaryum und steigen Punkt 10 Uhr in den kleinen Linienbus nach Marmaris. Alle Fenster sind offen, frische Brise…
Unsere Einkaufsliste ist lang, Teile fürs Schiff, deutsche Unterwasserfarbe + Sikaflex-Abdichtmasse, wir suchen in ca. 20 Läden nach fehlenden Dingen, die es in Bozburun nicht gibt. Leider finden wir auch die 4 flachen Edelstahl-Abfluß-Trichter nicht (für das Ableiten des überkommenden Meerwassers an Deck), die beim Abbruch des alten Teakdecks zerbrochen sind. Auch eine Art Intervall-Zeitschalteruhr für den Kühlschrank gibt es in keinem der oft alle in einer langen Straße angesiedelten gleichartigen Elektroläden. Aber die Ausbeute unsres langen Einkaufstages ist doch beachtlich. Immer wieder erstaunlich, wie man die fehlende Sprache (auch Englisch wird selten verstanden) überbrücken kann…
Um 16 Uhr wartet der Bus zurück. Noch ein großes Glas frisch gepresstenApfelsinensaft am Busbahnhof… Schattenbäume, Oleander, viele Busse nach Fetiye, Bodrum, Izmir…Mit den knusprigen in Honig gebratenen und Sesam gewälzten Erdnüssen und einer neuen Nike-Bermuda für Gerhard steigen wir ein und genießen die grandiose panorama-Rückreise, oft mit atemberaubendem Blick auf blaues Meer, Buchten, Fels und weiße Segel.
2.Juni 2015: Dienstag ist Markt-Tag in Bozburun: BAZAR
Auf dem Markt in Bozburun 3
Auf dem Markt in Bozburun 5
Früh laufen wir ans Dorfende von Bozburun, vorbei an den Gärten mit Olivenbäumen, Rhizinus, Oleander, Hühnern, Ziegen und Schafen. Unter Planen reihen sich die Stände der Händler aneinander. Gleich beim ersten findet Gerhard eine „Camel“-Short, bald 2 kleine Körbe für Medikamente und Waschzeug. Kleider baumeln von den Schirmen, Werkzeug in Kisten, Geschirr, Töpfe, Backbleche- es gibt alles!
Auf dem Markt in Bozburun 2
Als wir beim Ziegen- und Schafskäse kosten, sitzt im Lieferauto das Baby, der Bruder steht auf der Küchenwaage und ist stolz auf deine 17 kg Gesicht! Erntefrisch in leuchtenden Farben ist das Obst und Gemüse aufgebaut. Ich kaufe Nektarinen, Datteln, 1 Zitrone frisch vom Baum, aromatischee Rokko-Salatblätter, gelbe Safranfäden , Sumak für Hackfleischgerichte, einen Bund frischen Dill, rote und grüne Paprika und knackfrische kleine Gurken. Wie aus der Ibele-Biokiste daheim…
Datteln, Nektarinen und CoAuf dem Markt in Bozburun 4
Die Oma vom kleinen Haus
Beim Rückweg über die Gärten mit Schafen, Hühnern und Disteln mit lupinenartigen Blütenstengeln (Foto im Anhang bei „Klick“) finden wir auch das kleine weiße Haus vom Oktoberwandern wieder mit dem Sofa davor… Gerne posiert die Oma fürs Foto, sie arbeitete 8 Jahre in Deutschland, nun wohnt sie wieder in der Türkei, bescheiden und glücklich wie die Tochter unter Ölbäumen und Weinlaubdach…
Gerdi unterm Oleander
Gegen 11 rasseln die Ankerketten, Aufbruch in einen neuen Urlaubstag. Wir aber sind schon 12 Tage hier- so lang wie ein deutscher Urlaub… Wir trinken einen Cai auf der Terrasse der Laundry-Frau und fahren zurück zur EOS. Da packen unsere Schätze aus, räumen alle frisch gewaschene Wäsche ein, beziehen die Kojenbetten neu und gehen im Meer schwimmen… Der Motormann meinte gestern, es dauert noch mit den Teilen aus Izmir… Wir haben ZEIT…

7 Sumak, Dill und Paprika für Köfte, Gurke, grüne Bohnen

Ankertage, Zeit zum gut Kochen an Bord. Im Schlauchboot bringen wir unsere Rucksäcke an Bord mit frischem Gemüse, köstlich. Mal bereitete ich ganz frische Bohnen zu ( Fasulj heißen sie- wie im Griechischen), mit deutschem Bohnenkraut, türkischem Olivenöl, Zitrone-5 Minuten im Fissler-Drucktopf.

Bohnen

Bei unsrer Wanderung fand ich an einer Mauer meterhohen saftigen Dill, der uns den Gurkensalat delikat würzte. Die kleine Straße führte uns zuerst ca. 3 km am Meer entlang, eine gepflegte Promenade, links die Appartementhäuser und Tavernen unter schattigem Weinlaub, umblüht von Oleander, Bougainvillea, violettblauen großen Winden-Trichter-Blüten. Vor einem Haus war meterweit Salbei zum Trocknen ausgebreitet, mit lila Blütchen duftete der Thymian am Straßenrand.
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Rechts bot sich ein umwerfendes Panorama aufs weite Meer zu den buchtenreichen Küsten dieser Peninsula, dieser traumhaften Halbinsel am südwestlichen Ende der Türkei. Wie auf einem Gemälde – ebenso schön wie der Blick von den Hügeln auf Bodrum! Gulets vor Anker, weiße Segel der Yachten auf der Suche nach einem der vielen Ankerplätze vor Bozburun…! Am Dorfende die Krankenstation, der Friedhof, ein Möbelgeschäft, die Moschee und die Tankstelle. Auf den Brachflächen zwischen den kleinen Häusern sind große freilaufende Hühner braune, schwarze-weiß gesprenkelte wie Perlhühner, stolze fast gans-große Gockelhähne, viele Junghühner, angepflockte Geißen mit ihren Zicklein, Schafe, deren frisch geschorene Wolle Frauen am Boden hockend zupfen zum Spinnen. Haushoch immer wieder die riesigen Gerippe halbfertiger Gulets, daneben der Kiel im Gebüsch. Zwischen modernen Appartmenthäusern plaudern Frauen mit weißen Kopftüchern fröhlich zusammen im bergenden Schatten ihrer Mandelbäume, Mistelbäume und Stein-Eichen.
Wir wandern am Rückweg die hochgelegene kleine Straße am steilen Hang entlang, immer mit schönem Blick hinunter aufs Meer! Nach 7 km erreichen wir Bozburun, kaufen kleine längliche grüne Paprikaschoten, Nektarinen und beim Metzger Rinder-Hackfleisch. Er verschätzt sich, es sind 800 g! IAuf der Terrasse des „Apéritif“ trinken wir bei fanzösischer Chanson-Musik Wasser+Bier. „Je t’aime“ aus dem Jahr 1966! Schmachtende Rumba- u. Tangomusik. An Bord beginne ich sogleich mit dem ganzen „Programm“ des Kochens der 4 Gerichte! Alles muß gut geplant sein bei den geringen Abstellflächen und den max. 2 Gasflammen.
Arbeitsablauf Kochen eines 3-Gänge-Menüs an Bord
1.Zwiebel+Knoblauch würfeln 2. Paprikaschoten u. Tomate würfeln 3. Wasser abmessen+ Salz,Reis, 4. Rinderhack würzen mit Sumac, Paprika, Pfeffer, Gyroskräutern 5. Tisch decken 6. Gurkensalat anmachen mit dem frischen gefundenen Dill 7. Große Eisenpfanne, 2 Töpfe aus dem engen Topfschrank unterm Herd rausfummeln 8. Reis kochen 9. Paprikagemüse dünsten m.Olivenöl, Knoblauch, Zitrone, 10. Fleischküchle formen für türkische „Köfte“ 11. Ca. 15 Stück braten
12. In vollen Zügen G E N I E S S E N !!! Porzellan, echte Gläser, Tischdecke, Oleanderblüten…
Wir essen typisch türkisch, aber selbst gekocht, an Bord. Sehr gut – samt Wein aus der Region.
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Und am Ende… GANZ GROSSES Geschirr- u. Töpfe-ABSPÜLEN- ZU ZWEIT. Alles sauber, nur der Duft bleibt zurück.

1.PS: Gestern hat es geregnet und es hatte abgekühlt auf 15°C.Alle Türken hatten lange Hosen an und Pullover-Winterkleidung!

Regen 2 Regen 1

Ähnliche Temperaturen könnte Erika beim Wandern zu den Kletterfelsen im ALPSTEIN-Gebirge Nähe Säntis/Schweiz auch gehabt haben.
2.PS: Gerhard erwarb einen kleinen Lautsprecher, der eigentlich auch Radio-Sender via smartphone laut spielen kann:  ! Unglaublich: sogar Bayern Heimat kann ich hören, mit Stubenmusik, Diatonischer Harmonika, Geigen, Flöten, Okarina, Zither und Harfe…)
Der Telefon+Elektronik-Laden befindet sich direkt im Gebäude der Moschee, die erst seit März 2002 steht, erst 2007 erbaute man dann auch des schlanke Minarett mit der ultra-marin-blauen Glasspitze, durch die am Morgen die ersten Sonnenstrahlen durchleuchten und das Blau fast himmlische Farben annimmt.
Wir genießen weiterhin in bester Laune unsere motor-bedingte Zwangspause wie einen Erholungsurlaub, das Schwimmen im Meer ist Wellness pur und die Ruhe sicher so heilsam wie ein Ayurveda-Seminar…( Ich lese inzw. S. 420 der 800 S. des so sprachlich so wunderbar geschriebenen Buches von Fabienne: „Noch eine Runde auf dem Karussell – vom Leben und Sterben“ des krebskranken berühmten Spiegel-Journalisten und Kriegsreporters Tiziano Terzani! Ich lese es nur an Bord, seit 2 Jahren. Aber zwischendurch las ich Romanas Buch einer Bengalin, die einen Sari-Laden in Seattle führt. Viel Tradition… viel Vorschriften im Leben- und am Ende der Befreiungsschlag: keine organisierte Hochzeit in Indien, sondern ein Bekenntnis zur „Liebe auf den 1. Blick“ .(Anjali Banerjee: „Der Hochzeitssari“, bei Weltbild)… Lesen ist Luxus…