Episoden aus Samos

GERDI’s Geschichten ab 2. Sept. Agathonisi bis Samos

WASSER VOM HIMMEL

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Auf der Insel Agathonisi überraschte uns diese bläulich-violett-anthrazitgraue Wolkenbank, eine Schicht über dem Meereshorizont. Von unsrer türkisblauen Lagune vor dem türkischen Flachufer, das mich an die Gestade er Elbe in Hamburg bei Blankenese und „Erikas“ Hotel Louis Jakob erinnerte, breitete sich jenes dunkle Band plötzlich über der Kimm aus, wie bei Bora in Kroatien!!
Dann begannen hohe Wolkentürme zu quellen, wuchsen empor, Cumuli, ich fotografierte sie, denn seit meinem Geburtstag auf Poros hatten wir ja, außer ein mal über Euböa, keine Wolken mehr gesehen. Der Wetterbericht kündigte zwar Regenschauer an, aber als wir uns in der Bucht von George’s Bay zum Ankern klar machten, öffnete der Himmel seine Pforten. Es schüttete, ein Wolkenbruch ohne Blitz und Donner, schwarz der Himmel. Beschäftigt mit Steuern und Ankern dachten wir beide nicht an das offene neue Küchenklappfenster. In Bächlein rann das Wasser ungehindert ca. 10 Minuten lang nach innen, das Feuerzeug in der Ablagerinne soff ab, die Backskiste mit den Vorräten daneben lief 1 cm voll, der Petroleumherd war voll süßen Regenwassers- aber so was macht uns keinen Kummer. Wir fröstelten in den nassen Shirts, aber die Haare waren seidenweich nach dieser Naturdusche.

Wo ist „HUTTHURM“?

Unsere Leser erinnern sich sicher an das Bier aus dem schönen Bayerwald, das wir in Ali’s Wald-Taverne bekamen im Süden der Türkei. Aber wo ist Hutthurm überhaupt? Ich fragte per SMS unsren Sohn Martin, dessen Freundin aus der Passauer Gegend stammt. Die Antwort kam prompt und liest sich originell:Hutthurm ist ein paar Kilometer von Passau Richtung Bayerischer Wald. 6000 Einwohner, Nachbargemeinden Brennschinken,Wimperstadl, Rußöd.“ Danke, Martin, amüsant. Urige kernige Ortsnamen im schönen Bayernland.

WENN DIE EOS HUPT

In den heißen Wochen segleten wir fast immer mit dem Bimini, dem Schattendach am Heck. Nun war es das erste Mal eingerollt. Und was war das? Es hupte. Fast pausenlos. Irgendwo hinten am Schiff. Wir fahnden nach der Quelle des Tons. Wie eine Autohupe. Oder wie der tiefe Ton einer Panflöte. Als wir eine Wende machen, ist der Ton weg. Und da fällt mein Blick auf die (wegen der Hitze wochenlang leere) Blumenvase im Aachterstag, eine seil-umwickelte kleine Flasche, oben offen. Das war’s! Der Wind blies über den Flaschenhals und so hupte die Eos uns was vor…

DER  SCHÖNE LADEN AUF SAMOS

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Zum 3.Mal sind wir auf der griechischen Insel SAMOS zu Gast. Nachsaison. Leere Tavernen. Junge Eltern mit Buggy und kleinen Kindern. Ältere Herrschaften, 70 Jahre und mehr. Many british people. Wir bummeln die „Hauptstraße“ hoch, gesäumt von grünen Bäumen, uralte Steinplatten, blankpoliert von 1000en von Füßen, nur Taxis dürfen hier fahren. Beidseitig kleine Lokale, frisch gepresster Apfelsinensaft, aufgeschäumter Frappée. Kalter Nescafé im hohen Glas mit Eis, Zucker, Strohhalm. Boutiquen mit den letzten Bikinis, Sandalen, nun schon lange Pantalons, Hosen, langärmelige Hemden, Blusen, Strickpullover. Theken mit warmen dreieckigen Teigtaschen mit Spinat und Schafskäse, Männer mit kleinem griechischem Kaffee in Mini-Tassen vor sich. Ein Buchladen mit der neuen ZEIT, der FAZ, der SÜDDEUTSCHEN, Juweliere, und dann: Der schönste Laden der Welt!

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Über dem Eingang das von Hand geschriebene, bemalte, von grünem Laub gesäumte Firmenschild, Jg. 1929. Von innen erklingt klassische Musik, italienische Oper, bei früheren Besuchen war es mal Vivaldi und  Mozart und einmal auch Jazz in hervorragender Tonqualität. Der feine Herr mit Silberhaar und gepflegtem Bart sieht eher aus wie ein Star-Dirigent oder Altphilologie-Professor denn wie ein Verkäufer von Schiffsausstattung, Schrauben und Angelbedart. Er spricht ein überwältigend gutes, richtig feines Deutsch, mit einer derart erlesenen Wortwahl („Es ist auf Samos seit Mittwoch geradezu ein wenig winterlich geworden mit Regenschauern und Morgenkühle“), dass ich fast ehrfürchtig lausche. So lange schon kauderwelschen wir nun auf Englisch – und nun höre ich unsere Muttersprache von einem gebildeten Griechen so fehlerlos und wunderbar. Kompliment.

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Im Laden gibt es alles. Man muß nur beschreiben, was man sucht. Gerhard braucht für die Reparatur des Ruder-Lagers aus Mahagoni, dessen Schrauben viel zu kurz waren, nun rostfreie Niro-Maschinenschrauben in der seltenen Länge von 15 cm. Und Beilagscheiben, Muttern, Epoxi-Leim fürs Holz, wasserfest, einen faltbaren, stabilen, aufhängbaren  20-Liter-Kanister fürs Duschwasser nach dem Salzwasserbad im Meer. Es findet sich ALLES in dem umfangreichen Fundus des Ladens.

Nur jenes Lack&o
uml;l einer deutschen Firma, das wir für die Mahagoni-Scheuerleiste rund um die EOS gebraucht hätten, nein, die ist leider derzeit nicht vorrätig, wird so selten gebraucht, aber „Sehen Sie, hier auf Seite 267 im Katalog, in 3 Tagen kann ich sie beschaffen!“

Er ist unschlagbar gut. Ich seh mich um. Weiter hinten im Laden neben der Holztreppe, die schräg nach oben führt, finde ich zwischen Uhren und Elektrosachen eine Bimmelglocke, wie ich sie als Lehrerin im Klassenzimmer bei 49 Schülern 1970 benutzte. Vorn steht eine alte Balkenwaage, auf der der nette Herr größere Mengen Schrauben abwiegt (Dreisatz-Rechnung:„Wenn 10 Schrauben x-Gramm wiegen, dann sind 100 g soundsoviel mal x Schrauben“).
Hoch oben über den Rettungsringen „schwebt“ unter der Laden-Decke ein Rah-Segel-Boot, ein Windjammer-Modell. Ach, dieser Laden ist ein TRAUM. Nur der Ser Sonnenuntergang toppt diese Romantik!

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Es tut mir richtig leid sagen zu müssen „We will never come back!“ Denn wir segeln bald gen Westen, die EOS wird nie mehr vor SAMOS ankern. Englisch kann der Herr selbtstverständlich auch perfekt….Dann macht Gerhard noch ein Abschiedsfoto. Wir hoffen, dass sich eines Tages in 20 Jahren ein Nachfolger findet. Es wäre ein Verlust für Samos und die Segler, wenn dieses Geschäft nicht mehr wäre. Unvergesslich!

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Jetzt die Bilder:

Ein Kommentar zu „Episoden aus Samos

  1. Wunderbar, dieses Bericht ??ber den sch??nsten Laden der Welt. Aber…….ich als die Angetrauten dieses wirklich gebildeten Herren hoffe doch sehr, dass sich schon lange vor Ablauf der n??chsten 20 Jahre ein geeigneter Nachfolger finden wird!!!!!!! Vielleicht haben Sie ja jemanden in Petto?

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