24. Orikum/ Vlores: Residenza-Marina in Albanien!

5.Juli, Orikum:
Gerade lese ich, daß unsren blog inzwischen schon bis zu 330 treue Leser lesen :-).

Wir machen in 1 Std.  „Leinen los“ für die Über- und Nachtfahrt nach Italien, 12-14 Std. quer über die Adria.

GERDI, am 4.Juli 11

ORIKUM; nahe Vlores

Am Abend schlief der Wind ein. Kühl und sehr angenehm war es an Bord.Keine 20°C!! Eine Wonne.
Wir stöberten Erika via SKYPE beim Lernen für ihr Examen auf, bewunderten ihre Kletterfortschritte(Stufe 7+ !!), hatten mal Zeit für einen CHAT :-). Inzwischen erfuhr ich, daß ich 1 Woche später als gedacht, erst am 27. Sept. um 14 Uhr ab Nizza, via Düsseldorf nach Stuttgart  heimfliege, da die Männer der Rhône-Tour am 20.9. noch nicht kommen können…89 € Umbuchungsgebühr , zum Ticket, das im April 105 kostete.  Prima, alles o.k. Um 17.35 Uhr ist dann vorerst mein Abenteuer nach 3 Jahren zu Ende.

Wir schlafen wunderbar im ganz ruhigen Schiff – wie daheim im Bett. Das gab es nun 2 Wochen lang nie mehr….Am Morgen genießen wir eine warme Dusche (2Toiletten  u. 2 Duschen, die kann man nicht abschließen!).
Neugierig wandern dann am staubigen Straßenrand 2 km in die Stadt ORIKUM. Die Autos sind rasant unterwegs.

Viele Plattenbauten. Teils sind sie fröhlich mit bunter Farbe aufgefrischt worden :-). Im Internet lasen wir, daß es oft Stromausfälle gibt(das alte bulgar.Atomkraftwerk wurde abgeschaltet, Strom wird zum gr.Teil aus Wasserkraft gewonnen) und die letzten Jahre wenig Niederschläge fielen, daher herrscht  Wassernot in manchen Regionen. 60% der Bevölkerung seien noch in der Landwirtschaft beschäftigt, teils unter primitivsten Bedingungen. 2-3 ha mit 6-8 Personen zu bewirtschaften, gilt hier nicht als „Armut“. 14% Arbeitslosigkeit. Beste Zuwachsraten hat der Tourismus. Und eine teure 4-spurige Autobahn Richtung Kosovo ist erbaut, mit 6 km Tunnel!!
Von der schönen Tracht, der wohl wunderbar gepflegten Volksmusik auf Lauten, Kniegeige, 10 saitigen Zupfinstrumenten, Tamburin, Trommeln, dem polyphonen Gesang der Albaner kriegen wir natürlich nichts mit. Lest das mal in WIKIPEDIA nach. Auch die Geschichte ist sehr interessant, auch daß Albanien so lange unter ital. Herrschaft war. Viele Albaner antworten spontan auf Italienisch, die feschen Kellner in einem rasanten Tempo fließend in der Sprache der Nachbarn „überm Meer“, daß man 2x nachfragen muß, was er meint. „Scusi! Piano, piano…per favore.“ Dafür ist ihnen Englisch fremd. Aus den Lautsprechern erklingen ausschließlich italienische Schlager, im alban. Rundfunk eine sehr angenehme Mischung mit Ohrwürmern aus 4 Jahrzehnten, international, teils ganz aktuelle hits.

Große Gegensätze: alte primitive unverputzte Ziegelwohnblöcke, verwaschene Wäsche auf Leinen am Balkon, grün-gelb gestrichene Hotels, neue Beton-Etagenblocks, noch grau im Rohbau…Freundliche Bürger, in den Cafés fast nur Männer.

 Eine breite, beidseitig von Bäumen gesäumte Hauptstraße, viele kleine Bars, italienisch bestuhlt( fast nur Männer..), Sanitärläden, Frisöre klein wie ein Zimmer,  Lampengeschäfte, viele einfache „Markets“ mit schönem, frischem Obst, Salat, Gemüse( Okra, gelbe Bohnen, Tomaten, hellgrüne Paprika, Gurken, Zucchini, kl.Auberginen, Spinat, Salbeitee, Petersilie). Die kleinen Läden sind gut sortiert, liebevoll wird das Obst drapiert, Im Kühlregal hinter Schiebetüren steht sogar deutscher Zott-Fruchtjoghurt neben Eziren, einer alban. Dickmilch, ital. Danone-Activia und Parmalat-Fruchtsaft aus Milano, belgische Butter. Die albanischen Produkte überwiegen. Den verlockenden 4 weißen „Raffaello“-Kokospralinen kann ich nicht widerstehen. Wahrer Luxus! Eine Tafel lila Milka-Schokolade mit ganzen Haselnüssen landet neben alban.Olivenöl und 1 Kilo dunkelroter Kirschen im Rucksack. Mit korrektem Englisch rechnet der junge Kaufmann alles zusammen, wiegt das Obst ab, zählt die Lek genau, er lernte Englisch in der Schule. Stolz ist er, zu recht.
Foto Obst

Wir laufen stadtauswärts. Niedrige winzige Häuser ducken sich neben die Straße, man wohnt 3 m unter Straßen-Niveau…Unten aber Lauben aus Wein mit Trauben, Tomaten an Stöcken, etwas Mais, Kartoffeln. Die Fenster und Balkonanbauten teils vergittert, gegen Diebe (wie wir das in Kiew auch früher gesehen hatten), aber auch schon neue Kunststoff-Fenster. In noch so armseligen Fenstern leuchten  Blumen, blitzen weiße Gardinen mit Spitze und Gold-Borte…und viele winzige Baby-Hemdle und Hösle trocknen an der Leine vorm Küchenfenster… Oft ist hier wohl ein Kind der größte Schatz, nicht das Geld…

Winzig

Daneben baut man eifrig neue Mietshäuser, die Architekten haben albanische Namen. Mustafa, Ibrahim…
Zwischen einer Krankenstation und einem ehemaligen Wachposten-Verschlag weiden im Schutt 2 Schafe, bei einem Metzger (mi=Fleisch) kommt ein Kunde mit einem steifen in Plastik und Zeitung eingewickelten ganzen Lamm die Treppe runter.
Wir machen Rast im Schatten einer Bar vor Rathaus und Polizei.

Der_albanische_adler

Ich bewundere den albanischen Wappen-Adler auf dem Uniform-Hemd des höchsten Polizisten, singe als Dank für das Foto die albanische Nationalhymne. Ah, Tedesce!! Er führt uns zu seinem Auto und zeigt stolz die Banderole „Deutschland“ mit dem aufgestickten Fußball. Ein Anhänger unsrer Fußballer- in Albanien…“Miro padschim“, Adieu!

Blick_zu_den_alban

Beim Rückweg überqueren wir den Fluß über eine weiß gekalkte Brücke. Unten hat einer ein Uferdreieck als Garten liebevoll üppig angepflanzt, direkt am Fluß! Unser Blick schweift über große leere Flächen mit gelben Disteln und Wegwarte, zu den braunen Bergen, deren Hänge aussehen wie ein in Falten gelegtes Tuch aus Samt. Davor teils grüne Terassenhänge, Wein? Ein Marmorwerk, Fliesenstapel, auf einem Auto steht „GIPSI“ 🙂 , aber es heißt nicht Zigeunerin! Es ist ein Gipser und Stukkateur. Es fahren hier viele rein deutsch beschriftete Lieferwagen, die  noch jahrelang brav ihren Dienst tun.
Frauen tragen ihre Einkäufe in blauen Plastiktüten, als Witwen ganz in schwarz gekleidet. Der Rock kniekurz. „Mir dita!“ Ein Lächeln fliegt über ihr Gesicht, als ich sie grüße. Die Haare der älteren Frauen oft ganz locker mit einem weißen oder schwarzenTuch bedeckt. Ganz weich und fast elegant übers Haar gewunden, aus Musselin oder Häkelware.Keine Muslim-Kopftücher. Keine langen Röcke oder gar Mäntel…
Originell ist, wenn man nur 10 Wörter kann auf albanisch:

po=ja, jo= nein, falim-en’dérit=danke! mir=gut! Haa= essen, pi= trinken, Buk=Brot, mi=Fleisch, pesch=Fisch, moo= Wetter…
Als ich das Wort sage, das uns das Internet für „Auf Wiedersehen“ lehrt: „lamtumir“, lachen alle Albaner laut los: „Nein, nein, das heißt gestorben, für immer gegangen:-), du mußt „miro padschim“ sagen. Große Heiterkeit…
Ach, lieber Gjiergji aus Palermo am Kai, ich hätte noch mehr albanisch von dir lernen sollen 🙂 !!

Solche_autobesitzer_residieren_auch_im_hotel

Zurück in der Marina noch immer Leere. Der Wächter am Tor hat nicht viel Publikum! Nur 6 Schiffe(alle ital.,1 aus Turku, Finnland) ;die EOS ist die kleinste Yacht, 3 kleine Motorboote aus Italien, 2 auffallend feine, mit je 3 riesigen Yamaha-Motoren à 350 PS, die rasen also in gut 1 Stunde über die Adria nach Italien. Die Flächen vor den „Studios“ der schloßähnlichen Residenza mit 4 turmartigen Ziegelbauten als Krönung, sind nur mit Schotter-Kies statt mit Rasen oder Blumen bedeckt, einsam 3 junge Palmen mittendrin. Auch vor dem simplen Dusch-WC-Block nur Kies und Staub, wenig einladend. Wenn ich da an die feine Marina im türkischen CESME denke!!!!Blumen, Keramik im Bad, bemalte Wände, Terracotta-Pötte mit Goldrand, handgemalte Hinweis-Schilder, nette kleine Lokale. Siehe blog ca. Juli 2010 🙂

Hinter dem Appartementbau und dem „Parkplatz“ für Autos eine große freie Fläche für Trockenlager von etwa 100 Schiffen….Keines da…

Die Poller im kleinen Hafenbecken dagegen vom feinsten Stahl und Chrom (Chrom ist der wichtigste Exportartikel Albaniens!).
Wehe aber, wenn man sich als Segler die glitschige Mooring in die Hand geben läßt bei Ankunft…(das Seil mit dem am Meeresboden verankerten Gewicht zum Befestigen der Yacht anstelle des eignen Ankers). Es ist voller spitziger Angelhaken, die sich beim 10 m Durchreichen vom Bug zum Heck in die Finger schlitzen. Im Hafen angeln, auch vom Ponton, ist ein Hobby der Albaner…

Die gewaschenen Bettbezüge sind längst trocken vom Wind. Wir räumen alle Güter ordentlich in den Bauch der EOS. Wenn der Wind günstig ist und nicht aus Süden kommt, werden wir morgen die Überquerung der Adria nach Italien starten. Unsere erste Fahrt am offnen Meer auf diesem Törn 2011. Otranto? 50 Seemeilen, ca. 85 km. Dann kreuzen wir unser Kielwasser vom Törn 2009!

Die Bilder:

 

2 Kommentare zu „24. Orikum/ Vlores: Residenza-Marina in Albanien!

  1. Hallo Segler,sch??n schon so schnell wieder von Euch zu lesen. Das h??rt sich zugleich abenteuerlich und ein Bisschen bekannt an. Die Zeit scheint dort unten wohl etwas langsamer zu vergehen. Genie??t es!Und viel Gl??ck auf der ??berfahrt!Gr????e aus Thun,Joachim 🙂

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