41. Der Wind treibt uns nach Norden

41. VON CARLOFORTE AN DER BUCHTENREICHEN OSTKÜSTE HOCH

Segel-Freuden mit gutem Wind

Gerdi, Logbuch-Rückschau am 30.August 2011, Sardinien hinter Olbia

Der letzte blog-Bericht stammt vom 20. August: die schöne Zugfahrt ins Landesinnere, die Berge, die Wälder, weg vom Meer. Wir hatten keine Internet-Möglichkeit mehr zum Senden…

10 Tage ist das schon her? Und morgen ist bereits der letzte Tag des Sommermonats August. Die Italiener und Franzosen beendeten ihre landesweit einheitlichen  Betriebs- und Schulferien. In Deutschland haben nur noch die „Südländer“ Bayern und Baden-Württemberg schulfrei. Auch mein Segeltörn geht nur noch 4 Wochen lang….Crew-Wechsel für die Flußfahrt ab Marseille….Die EOS bekam die Heim-Hol-Bestätigung vom LKW-Transporteur ab Mulhouse im  Elsaß….Im Kalender steht nun lesbar Ende September „Herbstanfang“ und „27.9.Heimflug Gerdi Nizza“…

Hier ist seit Tagen bissiger Mistral, Nordwind, es kühlte ab auf 24°, Meer 22°, wir haben am Abend Finkenwerder Fischerhemd und Sweatshirt und auch mal lange Hose an….Die Italiener frieren, mit Anorak und Kapuze überm Kopf sitzen sie im Schlauchboot, die Damen mit Pullover. Strickjacke und Woll-Stola…in den Restaurants ist die Gaststube innen voll besetzt.

Am Morgen des 21. August, unsrem Start in ARBATAX, hatten wir noch gr. Probleme mit dem Internet. Es wollte an keinem Ort funktionieren, den Blog zu senden, die Fotos hochzuladen…ÄRGER! Auch Gerhards gute Foto-Kamera  verweigerte ab da ihre Dienste, schaaade, keine hochaufgelösten Photos mehr im blog. „Nur“ die von meiner kleinen „Canon digital IXUS 8015…“

BILDERBUCHSEGELN zu traumhaft schönen, türkisblau leuchtenden Ankerbuchten belohnen uns, noch buntes vielfältiges Urlauber-Leben und Strandfreuden am Sandstrand überall.

Wir steuerten Punta Nera vor La Caletta an, ankerten vor den rundgeschliffenen riesigen Granitfelsen, die aussehen, wie Riesenspielzeug. Viele Segler um uns, gute Musik nachts vom Land…

Gerefft_in_frischer_brise_2

Am 23. August segelten wir mit herrlichem Wind 4-5 aus Südost nur mit der GENUA flott nach Norden, das GPS leitete uns, östlich Punta Pietra Bianca ankerten wir nach 4 Stunden. Der Wegstreckenzähler zeigte nun 1700 Seemeilen an für diesen Törn 2011, das sind ca. 3000 km. Wir legten 1 Ruhetag ein.

 Am 25.8. erreichten wir nach 4 Stunden die Bucht Liscia della Saline. Immer noch Südostwind. Da hätten wir eigentlich ja doch die offene Westküste hochsegeln können :-)!….Aber nun meldete der Meteo den starken MISTRALE, den heftigen Nordwind aus Nord-Ost mit Stärke 8. Also lieber in einen geschützteren Hafen segeln, OLBIA bietet kostenlose Längsseitsplätze am Kai.

26.8.2011: 
Wir steuerten durch die mit dicken Bojen markierte“Wasser-Straße“ zwischen den roten und grünen hohen Seezeichen, viel Verkehr, schrecklich die hohen Wellen hinter den ital. ge. Motoryachten! Wenn gar eine große Fähre nahe kommt, drückt sie das Wasser weg und die Eos schaukelt wüst in den hohen Wellen…Ich band  den Glasschirm unsrer Petroleumlampe fest im Salon, es klingelte im Kühlschrank…Schnell die Luken dicht und das offne Fenster schließen über der Pantry, schwupp, schon schwappte das Meer über Deck…Die Passagiere johlten und fotografierten die hin- und her geworfene EOS von ganz hoch oben an der Reling…

Nach 1 Stunde sind wir da, OLBIA-Hafen. Längsseits am Kai an einem dicken, riesigen Kran-Reifen legen wir an, bringen alle Fender aus. Es soll Mistral 6-7 kommen! Die Steinmauer ist über 1 m höher als die Deckshöhe, ich hab Probleme beim Aussteigen, ohne Helfer geht da gar nix. Siehe Foto!

 

Hoher_kai_in_olbia

OLBIA: Hafentage im Mistral.
Freitag, 26.8. bis Sonntag, 28.8.

Colazione_pane_carasatu_guttiato_della_sardegnaknusperdunn
Touristen-Drehkreuz. Fähren von Korsika.Urlauberboote zu den Traum-Buchten.  Alle 2 Minuten ein Flugzeug. Landen. Starten. Große  Düsenmaschinen. Kleinere italienische Flieger. Hubschrauber. Pausenlos.
Am Kai mit heftig im Starkwind flatternden Röckchen die Urlaube
rinnen beim Spazierengehn, in der Shopping-Meile feine Läden, Markenkleidung, Juweliere, die Damen mit den dicken Geldbeuteln in den Krokotaschen davor, alle in irrsinnig hohen Schuhen, Stilettos oder Kunstwerke aus Korkabsatz und Plateaus. Schrittlänge max. 30 cm. Schmuck an Ohr, Arm und Hals. Sehr kurze Röcke. Schulterfreie ausgefallene Sommerkleider, stilvoll. Schick.
 Die Terrassen der vielen Lokale in der Fußgängerzone gut besetzt, am Abend geht ohne Vorbestellung eines Tisches GAR NICHTS. Je nach Sonnenstand sind die Bars und Eisdielen auf der rechten oder linken Straßenseite der Fußgängerzone voll oder leer. Man trinkt seinen Caffè, espresso, bis um 12 gibt’s auch Cappuccino (… danach wundert sich der italienische Kellner und denkt:“Ah, Ausländer“)
Im Internetcafé klappt der Internetzugang ab der hergestellten Verbindung wieder gar nicht. So  muß  der Zug-blog erneut warten…:-(
Es bläst mit Stärke 7, gut im Hafen vertäut zu sein. Am Abend gehen wir mal wieder zum Essen, leider kein Tisch zu ergattern in dem netten vom SHAOLIN-Käptn empfohlenen Lokal mit „giardino“. Also innen, 35°C, schwül, überarbeitete Kellnerinnen…Die Mies-Muscheln sind lecker, auch das scaloppino al limone( in sämiger gelber Zitronensauce) vorzüglich.
Schnell raus an die frische Nachtluft!
Zwischen zwei stattlichen Residenzen haben Musiker eine Bühne errichtet und ich genieße die hervorragende Live-Musik: Folklore aus Sardinien, Sänger, Sängerin, Laute, Gitarren, Percussion, Geige, Querflöte, Okarina, 3 Maultrommeln, eine Art Schalmei , die näselt wie ein Krummhorn, weil ein Kuh- oder Ziegenhorn vorgesetzt ist. Man steht auf der Piazza, hört zu, genießt. Und vom Wind spürt man zwischen den hohen Häusern fast gar nichts.

*Foto:Innenhof mit Palmen, wunderbarer Schatten unter Laubbäumen, 6 ° kühler als davor in der Sonne
 

Kujoer_innenhof_in_olbia_hinten_ein_altes_vw-kafer-cabriolet
Die Muscheln, auf ital. „cozze“, werden in der großen Bucht vor Olbia gezüchtet! Wie eine Armee von schwarzen, blauen, roten Kegel-Bojen! Hunderte im dichten Feld, ragen sie aus dem Wasser, geerntet wird im Flachwasser oft von Tauchern (mit Flaschen), die Fischerboote sind meterhoch (wie schwarze Berge) angefüllt mit den glänzenden, schwarz-schaligen Muscheln. Aber auch Austern werden hier gezüchtet.
Mit Rucksäcken machen wir uns am 2.Windtag auf zum Supermarkt. Gerhard erwischt eine Tüte ZIEGENMILCH!!! Die trinke ich nun, sogar im Kaffee. Alles Gewohnheit. Das Foto von der Ziege ist einfach hübsch beim Anblick!
 

Ziegen-milch_so_nett_verpackt
Wie schon oft in Sardinien sind die Metzger-Angebote hervorragend und köstlich frisch. Ich hole Rind und mache später Stifado, ein griechisches Goulasch.Die Steaks werden gleich mariniert, die heben wir für den Grill auf, in einer Bucht.
Wir wandern zum öffentlichen Park von Olbia, künstlich bewässert, grüüüün! Danach gelingt es uns, mit Hilfe der Dame im Internetpoint, die geschickt auf unsrem Notebook auf WLan einstellt, doch noch ins Internet zu kommen. So senden wir blog und Fotos, auch die der alten Berichte…
Da wissen wir noch nicht, daß es ab da an Bord ab jetzt gar nicht mehr klappt, auch nicht übers Hy!!)
4 Polizisten jagen uns vom Liegeplatz weg, eine große Yacht käme gleich, 4 Segler müssen weg, aber „subito“. Hans von der „île des pines“ rettet die Situation, als ich ihn resolut um Hilfe rufe. „Hans! Hilf mir mal!“ ruf ich über 200 Meter….Er legt grad selber ab, spurtet aber sofort zu Hilfe!!

Danke nochmal fürs sofortige Einspringen. Hatten wohl doch Respekt vor dem standhaften deutschen Skipper…Gerhard war grad beim Brotkaufen…Zwar hab ich das Schiffsführerpatent, aber ob die in Uniform einer Frau das geglaubt hätten?? Die Männer hätten glatt die EOS ans andre Hafenende verlegt.)

 Wie viel Geld der Eigner der SY „Marietta“ wohl geboten hat, daß 4 Yachten für ihn alleine weg geschickt werden???!!!

Dann erwisch ich Gerhard doch noch am Hy.
Husch, husch, schon sind wir weg mittags um 12.4 Yachten.

*Foto der  Holz-SY Ile des pines Hans + Gabi
 

Ile_des_pines_von_hans_gabi

Mit der schönen, gepflegten Holz-Yacht „Ile des pines“ von Hans und Gabriela aus Freiburg (mit dem edlen jungen Wind-Hund Massimo) segeln wir mit frischem 4er Ostwind in die Bucht im Golf SPURLATTA. Mächtig erheb
t sich der Felsklotz der Insel TAVOLARA, der aussieht wie ein Riesenkarpfen.Wir ankern, baden, und urplötzlich dreht der Wind auf Süd, auflandig, heftig, böig. Schnell gehn alle Segelyachten „Anker auf“ –  und nix wie weg auf die Gegenseite der großen Bucht.

*Foto von Hans? Grillabend auf der EOS

 Porto San Paolo..Unser 2. Ankerplatz heute. Wir laden Hans und Gabi zum Essen an Bord ein, es gibt Rucola-Salat, den ich mit Sesamöl, Aprikosensaft, Birne- u. Apfelstückchen anreichere und mit geröstetem Sesam bestreue, Dann noch eine Schüssel griechischen Salat, das knusperdünne Pane Carasatu Guttiatu( hauchfein, ganz trocken, sieht aus wie Crêpes), Gabi bringt 4 leckere Spieße mit Lende und Zucchini mit und Hans einen eis-kalten Spumante Prosecco, ein FEST! Massimo verkroch sich unter Gabis Pulli, der Wind pustete nordwind-kühl, so daß wir Jacken und Decke überlegen mußten.

Exotisch das Bier: es kommt aus Gotha in Thüringen!

Img_2843

SMS-Gruß von Erika: Sie kam mit einigen Abenteuern noch gut heim aus Oslo von der 8-wöchigen Nordlandreise, Wandern und Kajak. Fjorde und Fjell, Museen und Oslo.

Montag, 29. August,
Mit viel Wind nochmal nach Olbia…Internet-Problem

Bei 5-6 Beaufort Wind segeln wir mit stark gereffter Genua 4 Stunden zurück in die Stadt Olbia. Die Mühen von Gerhard und der viven Dame im I-point waren vergeblich.

* Foto Yachten werden auf den Frachter verladen
 

Yachttransport_auf_dem_wasser

Wir segeln  noch 1 Stunde bei 5-6 bft weiter in die Bucht „Patron Fiasu“
Mein im Hafen schnell vorgekochtes griech. Goulasch schmeckt herzhaft und überwältigend gut. Leider zeigt Gerhard die Anzeichen einer ERKÄLTUNG! Husten, Schnupfen…Hat wohl im vielbesuchten Internetpoint Bazillen aufgegabelt!!
Eine zunächst „ruhige“ Nacht, aber um 3 fegt ein heftig aufbrisender Wind daher, die EOS reißt an ihrer Ankerkette, alles vibriert, „eiskalt“ im Cockpit…

Früh um 10 am 30. August segeln wir los, Südwind. Aber schon nach 1 Stunde 5-6 Windstärken. Wir reffen die Genua auf 1 Drittel, rollen das Groß teils ein, immer noch viel Krängung, Wasser über bis ins Cockpit, nass das Deck.

* FOTO EOS schräg mit Reff
Gerefft_in_frischer_brise_2

 

 Schneidig unser Schiff im Seegang. Ich versuche mal zu fotografieren, schwierig bei dem Gespritze. Mal sehn, ob das kleine Video ein wenig Segelstimmung rüberbringt. Wir kreuzen, immer gegenan, so brauchen wir die 3-fache Strecke. Auch andre Segelyachten heftig schräg gelegt, ein Rahsegler hat alles Tuch gesetzt, an 2 Masten, die oberen Rahsegel gebläht vorm Wind, am Klüver 4 Segel – ein wunderschöner Anblick. Zu weit weg für meine kleine Kamera…

Von 10 bis 16.15 Uhr forsches sportliches Segeln hoch am Wind. Endlich können wir „anliegen“ und steuern die Ferienbucht im Golf von MARINELLI an. Edle Großyachten, hochglanzpoliert, fein, meist britische Flagge, die schmucke „Black wood“ ganz in schwarz, auch die 2 Schlauchboote rabenschwarz.

Wir ankern im dicht belegten Feld, die flitzenden Laserjollen und Surfer müssen um uns rum wenden und halsen, sie üben nach Anweisung des begleitenden jungen Lehrers.
Es gibt meinen schmackhaften Linsen-Eintopf, Gerhards Erkältung wurde wenigstens nicht schlimmer. Der Wind beruhigt sich kaum. Auch jetzt um 23 Uhr bläst er, kalt ist’s.( In Dtld. hat es 12-19°, hier noch 22.)
Morgen geht es weiter nach Norden.  Zu den Inseln des Naturparks La Maddalena vor der  Straße von Bonifatio. Aber nach Korsika segeln wir erst, wenn sich der Mistral von 6 auf 4 beruhigt hat…

Wir können schon die Berge von KORSIKA sehen. Man spricht viel französisch auf den Schlauchbooten und Surfbrettern.
Sterne sehen wir wenige, fast geschlossene Wolkendecke.

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