Zu neuen Ufern auf dem Weg zum Eisernen Tor

Die Flusskarte:Hier

Gerdi’s Bericht ab 27.Juli:

Begleiteten uns hinter Grocka und Mala Grokanske noch buschige grüne flache Ufer mit Sommerurlaubern, kleinen Fischerbooten, einfachen Häusern und Hütten, so finden sich nun auch neue Häuser mit roten Dächern, Terrassen mit Säulen und Steintreppen und Blumen in kleinen Gärten. Wir hatten nachts starkes Gewitter, tags viel Wind, Wellen und Gischtkämme, 9 kmh. Große Sandfrachter überholen uns, wohl 300 m lang! Dann tauchen Bastionen, Zinnen und schiefe Türme auf: die ehemalige Hauptstadt Serbiens: Smederevo (1427 wurde die imposante Festung fertig, knapp 30 J. später eroberten die Türken, die sie aufhalten sollte, die Stadt und besetzten sie 350 J. lang! Im 2.Weltkrieg stürzten die noch erhaltenen Mauern ein, als ein Munitionslager explodierte. Heute spielt man in den Ruinen Fußball und feiert Pop-Konzerte. Der berühmte Smederevska-Wein sei ausgezeichnet, unsrern aber (Jg.2013) mußten wir wegkippen, er war wie Essig.

27.Juli: Noch 1100 km bis zum Delta! Wir steuern am rechten Ufer in den Kanal von Kostolac. 4-5 m Wassertiefe, eng, Wasserlinsen und Schilf, vor uns ein Kohlekraftwerk…nicht romantisch! In der 1. rechtwinkligen Biegung kehre ich vorsichtig um und steuere im Kanal zurück zur Donau. Am Ufer hängt ein großer rostbrauner alter Sandfrachter. Gegen den Strom lege ich sanft an seiner Seite an, Gerhard befestigt mit Tauen und Spring die EOS. Wir klettern an Land und essen etwas Fisch mit kalten Kartoffeln+Zwiebelringen (!!) –dazu ein Jelen-Bier. Ein „Bicikl“Händler unterhält sich in Englisch mit uns, über Handelsprobleme, Schwarzgeld und Schule, die Tochter lernt Englisch und Italienisch! Sie wollen nach Wien, besser leben…

Mir bekommt der fritierte Fisch gar nicht. Wachliegen, um halbzwei wieder taghelle Blitze, Donnergrollen und scheppernde-prasselnder Regen.

Beim Anlegen muss man nehmen, was da ist (1000x750) Etwas breitbeinig wegen der Wellen (750x1000)

Anleger (1000x750)

28.Juli, gestern fast 40 km gefahren. Start um 9 Uhr früh, grau verhangen der Himmel, Wind, immer höher werden die Wellen und es ist Seegang wie am Bodensee. Die Donau weitet sich see-artig. Um 11 Uhr eröffnet sich der erste Blick auf die hohen Berge der Karpaten!  Der Wind brist auf, meer-iger Seegang, Gischt über Deck, Regen, 6 bft. Arbeit an der Pinne!! Gegen Mittag steuern wir die Ruinen der Festung RAM an.  Das Kastell wurde im 1. Jh. von den Römern erbaut und auf den Namen Armata getauft, zuletzt diente es den Türken als Bastion,2013 spendete die Türkei Scheinwerferbeleuchtung, sie ging nicht bei uns …Gegenüber die Theiß.

Das „Anlegen“ ist eine intelligente Kapitänsleistung, denn es gibt nur einen alten Fähreteil und an dem müssen wir quer zum Strom anlegen. Das kleine fest an ihm hängende Schubschiff macht uns nur wenig Platz zum Festmachen. Ich befolge Ghs Kommandos, Vorwärts-Rückwärts-Schub kräftig nach vorn, Ruder legen achte auf unseren Mast! Der nähert sich bedenklich dem Fähreanker, der bösartig hoch über der Reling aufgestützt lehnt…Millimeterarbeit…Gh. klettert von der Eos, vorne schon ist ihr Bug fixiert, aber hinten muß er nun gegen die starke Strömung das Heck der EOS an den Fährekoloss heranziehen…Und es gelingt. Wir werden ein Flußschiffer-Team!! Das Fährelokal ist in einem Bau, der aussieht, als wäre es eine Kirche gewesen, hohe Rundfensterbögen mit griechisch anmutenden Ziergiebeln drüber. Bei einem Turkish Kaffee senden wir mit wackligem Internet Mails und Bilder zum Blog (Belgrad). Wir gehen hügelan zum Dorf, die Häuser einfach(im Gegensatz zu dem monströsen Palazzo am Anleger!),finden den kleinen blitzsauberen Lebensmittelladen von der hübschen Marina(sie lacht, als ich ihr spontan den 60 Jahre alten Schlager vorsinge!) Ihr Schatz ist auf Urlaub, arbeitet in Wien. Es gibt das letzte Weißbrot, eine gute angeräucherte dünne Salami und Milch.Im Kastell Bauarbeiten, Wildnis, wunderbare bunte Blümle für den Strauß an Bord. Schafe mit Hirt weiden am Straßenhang. Ich röste Brotwürfel in der großen Pfanne, frischen Rosmarin und Salbei, Knoblauch dazu und mageren Bauchspeck (Budapest!), Wela-Brühe- fertig ist eine köstliche Brotsuppe. Nachts knarzen die Taue im Strom, die EOS stöhnt und die grünen Spanngurte brummen tierisch im Wind.

Dienstag,29.Juli, RAM

Schon früh um 7 aufstehen, Kaffee im Stehen, dann konzentrieren wir uns auf das knifflige Ablegen im Strom! Der am Bug vorstehende Mast ist immer gefährdet… Leinen vorn verlängern, dann hinten von hand locker führen, Vorwärtsgang damit das Heck nicht auf das alte Schiff aufläuft… Staunende Fährpassagiere vor ihren paar Autos…Geschafft. Nur weg! Die Donau wieder breit und mächtig, viel Wind und Wellen, dann ein gesunkenes Wrack… Aufpassen! Um 9 Uhr passieren wir die Grenzlinie, an der Rumänien sich den Fluß  bei der Insel Calinovac(rumän.) mit Serbien in der Mitte teilt. In Rumänien wäre es jetzt 1 Std. später (OEZ)! Nun ändert sich die Landschaft, wie in einem neuen Film ziehen am linken grünen hügligen Ufer Berge vorbei, bewaldet, beweidet, weiter unten Felder mit Mais, Kartoffeln, Wein, die Hausdächer alle längs wie der Strom, wohl Straßendörfer, kein Giebel grüßt uns, aber die barocken dominanten Kirchtürme recken fast lieblich ihre grünlichen Zwiebelkuppeln ins Grün der landwirtschaftlichen Flächen. Die Berge und Wiesenhänge erinnern an die Alb, an Oberfranken, später an die Holledau und die Gäuboden-Ufer in Bayerns Süden. Schroffe Schluchten bei kleinen Flüssen, Steinbrüche. Ab jetzt nah an Rumänien funktioniert erstmals unsere digitale Flußkarte am Tablet wieder, die in Serbien nicht zur Verfügung stand. Wir versuchen auszuklarieren in Veliko Gradiste, aber man schickt uns weiter.(km 1059)…

Und dann der große Moment: braunfelsig und senkrecht recken sich die hohen Felsen aus der Donau und bilden eine gespenstische Schlucht hinter einem großen weiten Staubecken: Der Eingang zum früher berüchtigten schwierigsten 110 km langen Flußabschnitt durch die Schlucht:

Das Eiserne Tor! Unglaublich- mit Worten kaum zu beschreiben: eine Enge wie die Fjorde in Norwegen, Weltenburg ist klein dagegen. Davor die serbische Stadt Golubac. Anlegen nicht möglich, der kleine „Hafen“ flach und grün von Bewuchs, nix wie weg. Wir motoren gegen den Strom zurück, 6 kmh statt 9. Vorsichtig steuere ich zwischen Untiefen und Insel, hier war mal die Heimat von 20000 Menschen, deren Dörfer samt Kirchturm versank im künstlich geschaffenen Staubecken. 40 m höher erbaute man neue Dörfer… Böiger Wind, wir versuchen in Abdeckung einer Sandinsel zu ankern, erst nah an den Seerosen weniger als 8m. Wir sind begeistert, ja sprachlos: auf kleinen teichähnlichen Buchten stehen Wasservögel, ein Graureiher erhebt sich schwerfällig wie in Zeitlupe und breitet sein mächtiges Gefieder mit wohl 2m Flügelspannweite aus… silbrig weiße Reiher staksen zwischen Seerosenblättern, Seemöven grüßen uns mit ihrem Ruf, braune Seevögel fliegen auf, Enten fliegen in Keilformation davon… Bei uns wäre das ein Naturreservat… Fast wagen wir nicht, den Anker auf 5m WT zu senken, überwältigt von der Naturschönheit. Über die Schilfinseln sieht man in die gischtweiße rumänische Flußseite… Ein Traum die hohen Berge davor, auf ihrem Kamm silbern die mächtigen ca. 15 himmelragenden riesigen Windflügler!!

Ein knackiger Krautsalat holt uns kurz aus der romantischen Stimmung. Ein Bad am Heck und ….:-) Das Leben ist so schön.

Vom Schiff aus blicken wir über die raschelnden Schilfhalme auf die senkrecht aus dem Stausee ragenden Felsen der Schlucht und die im 14. Jh. auf römischen Ruinen errichteten Burg nah der nach dem Stauseebau neu erbauten Stadt Golubac(die nun 40 m weniger hoch aus dem Donauwasser ragt). Auch diese Burg wurde 1428 von den Türken erobert für 250 Jahre.  Dahinter die nur 150 m schmale Enge mit den schroffen Felsen, wie ein Fjord in Norwegen…

Die früher gefährlichste Flußstrecke von 110 km ist nun mit meist 30 m WT weniger dramatisch für die Schiffer, aber es wird für uns ein großes Abenteuer, mit dem eigenen 10m-Boot hindurch zu steuern.  4 Strom-Engen werden passiert, vor dem eigentlichen Eisernen Tor breitet sich die DONAU zu dem weiten Becken von Orsova aus! Auf beiden Seiten ist ein Nationalpark, 100 km weit!

(PS: Wir hatten 36 Std. durchstehend Starkwind 7-8 (Meteo Romania) und es war eine Schaukelei wie am Meer, daß unser Anker das Schiff sicher am Platz hielt im Strom grenzt an ein Wunder, kaum Zug auf der Kette… ich schreib darüber einen extra Blog.

Hier alle Bilder: Klick

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