Cernavoda – Eindrücke von GERDI

Die Bilder von Gerdi: Klick

Vor Anker in einem der vielen Nebenarme (um eine schmale Flußinsel der Donau herum)…40km nördlich von Cernavoda, wo wir nah am Atomkraftwerk lagen und ich dauernd „Cernobyl“ statt Cernavoda(Schwarzes Wasser ) „dachte“, eine unheimliche Stadt, nachts sahen die ca. 10 aneinandergebauten Plattenhochhäuser aus wie ein Hundertwassergemälde, weil die Fenster beleuchtet waren, aber tags doch marode, geflickt und zusammengeschustert mit Mörtel, Alufolie und Abfallholz, die Fenster oft kaputt und mit Klebeband geklebt. Viele viele Strampelhösle an den Leinen vor den Fenstern, Denn Kinder „kriegt man immer“- um Adenauer zu zitieren…

Cernavoda

An den Müllplätzen tummeln sich Katzen aller Farben und Lebensalter, akrobatisch heben sie zum Sprung an und mit bangem Blick prüfen sie, ob sie oben in den tiefen Schlund des Stinkemülls runter sollen, aus Hunger, aber wie wieder hoch und raus? Man hat immer 4 Müllcontainer, wohl eigentlich für Plastikflaschen, Metalldosen, Papier und Restmüll (ménagerie)…aber man trennt fast nicht…Ähnlich ist es im Taxi: man hat Gurte, vorn und  hinten, aber keiner außer uns legt einen an.

In Cernavoda war Stadtfest, wohl 3 Tage ab Mariä Himmelfahrt… und dann goß es einen halben Tag wie aus Kübeln, Wasserfälle sprudelten über die maroden Straßen, auf den  Kanaldeckeln stand das Wasser, bald waren Plätze, Höfe und der ganze Park 50 cm unter Wasser, nur noch die Bühne mit der toll aufgebauten Diskoband schaute raus. Abbruch der Veranstaltung…. Die Straßen hatten am Sonntag Mulden und Abbruchstellen mit ausgespülten Gräben, 50 cm breit, 30 cm tief, nur noch Geröll. Der Taxifahrer lapidar: That’s Romania!!! Am Morgen Fortsetzung des Fests: Kühlschränke wieder raus, Grillfleisch in Wannen hergeschafft, Sonnenschirme aufgeklappt,  dann wischten alle geduldig die 100 Bierbänke, bauten ihre Grillroste wieder auf und ein Junge schippte mit einer Schneeschaufel (!!) das Pfützenwasser vorm Trampolin in einen Putzeimer u. Papa kippte ihn auf die nahe Straße. Der Sonntag war gerettet, nachts um 10 gab’s sogar 10 Minuten Feuerwerk.

An Bord der EOS war auch nicht alles wie sonst: Erstmals zeigte unser liebes Schiff Alterserscheinungen. Nein..keine Falten, aber Inkontinenz! Das 40 Jahre treu dienende Teakdeck hielt nicht mehr überall die Verbindung zum GFK der Schale, das herabprasselnde Regenwasser im Hagelunwetter suchte sich einen Weg „unten durch“ und im Nu war auf dem Bug-Bett ein gr. Fleck, wie ihn nicht mal unsere 3 Kinder je machten. Dann ging alles ganz schnell, es lief an einer Stelle munter wie aus einem kl. Schlauch, Schüssel drunter, Gerhard kämpfte wacker mit Lappen und Schwamm gegen das eindringende holzbraune Wasser.

Am Vorschiff zeigt sich entlang der Bugkante des Aufbaus, daß da die allererste, 80 cm lange Sicaflex-Fuge nicht mehr dicht ist, es regnet in Strömen, tritt man auf diese 1 Planke, sprudelt es leicht in Blasen. Aha. Stelle entdeckt. unteriridisch dann rein und durch die Lämpchen fließt es wie ein kl. Bach.

Auch in der Küche lief es hinter dem Topffach an der inneren Bordwand entlang und ich merkte es, als ich beim Kochen auf einem schwamm-nassen Teppich stand… Bei uns an der Marienschlucht hatte es auch schon lange Stunden Regen, aber die „Marion“ war nur „draußen“ nass und nicht innen! Bei näherem Untersuchen zeigte sich gesplittertes GFK, schon mal in den Ecken notdürftig vom Vorbesitzer nachgeklebt…Auch im Schrank lief Wasser rein und „ergoß“ sich über die paar Kleider auf den Bügeln. Bei Meerwasser wär alles voller Salzränder… Gh. klebte aufgeschnittene, großflächige Mülltüten unter das „Dach“, auch da scheint das Deck undicht zu werden.

Nun macht uns Sorge, daß bald Salzwasser beim Segeln in den Meereswellen reinkommt. Gerhard hat nun kleine Mahagoni-Holzkeile formgerecht „geschnitzt“ und mit Sicaflex in diese maroden Ecken geklebt… Müßte dicht sein. Wären wir schon in der Werft ( in Fischbach) auf diese marode Stelle unterm Bug-Luk aufmerksam geworden oder auf das doch nicht mehr gute Teakdeck, hätten wir so bequem alles neu machen lassen… nun aber? Törn unterbrechen? Eine türkische Werft finden, die Gulets baut? Wir überlegen…

Nicht vergessen möchte ich, daß alle alle Rumänen unbeschreiblich freundlich sind, hilfsbereit, ja sie fahren einen mit dem eignen Auto dahin, wo Hilfe möglich sein könnte…aber sie nehmen niemals einen Geldschein oder Zigaretten als Dank , sie lehnen Bier und Slivovitz ab („im Dienst“, freuen sich riesig, wenn sie ihr bissele Deutsch anwenden können („Ich gearbeitet in Deutschland!!“) und sprechen ein gewandtes Englisch. Ein junger Forstingenieur hat sogar in Dtld. studiert (in engl.Sprache) und seinen Ing. gemacht. Fließendes Englisch. Sie wollen immer helfen, und sie behandeln uns wie Bruder und Schwester! Ist wohl wirklich eine Sache der Gene bei den südöstlichen Völkern. Die können gar nicht anders.

Heute sind wir ein sehr originelles Donaustück gefahren, 40 km stromab – nun umgibt uns die Dombrudscha, eine Steppenlandschaft mit Sandufern senkrecht fast aus der Donau ragend, hellgelb und fremdartig, das andre Ufer grün von Erlen und Weiden, alle Stämme stehen metertief im Hochwasser. Im Steppenland viele Pferde, Rappen,. Schimmel, oft braune Fuchsstuten. Ohne Zaun weiden sie an den Ufern, besuchen die Rinderherden, die brusttief im Fluss baden. Einmal war eine dicke Sau mit rosa Ohren beim Baden am Ufer, dahinter giebeldach-artig geschichtete braune Heublöcke.. Eine neue Farm hatte nun bereits wie bei uns jene zu riesigen Rollenwalzen aufgerollten Grasballen, gestapelt unter einem Blechdach.

Wir hatten heute 5-6 Windstärken, fuhren mit Motor gegen meterhohe aggressive Wellen an, dazu hatten wir Fischerhemd und Pulli an, denn nach Tagen mit 40° war die Temperatur sturzartig auf nur 20° gefallen!!! Weiße Gischtkämme zierten die Wellen, das Steuern war echte Arbeit und ich fühlte mich fast wie am Meer. Gerhard telefonierte mit einer Werft in GALATI, die unsren Mast stellen soll. Geht nicht, aber man vermittelt uns eine 2.Werft am Ort. Scheint doch sehr selten zu sein, daß ein Segler kommt!

Heute möchte ich mal was Nettes zitieren:

Auf einer Tafel „HEIDI“-Schokolade (wie die feine Lindt-Orangen-Schokolade dark 85% Kakao aussehend) eines rumänischen Herstellers stand folgender Vers:

HEIDI Dark Orange is about seeing the colours

    where others only see shades of grey“

 

Über die Dombrudscha-Landschaft steht im Donau-Flußführer:

Die Dombrudscha erstreckt sich bis zum Schwarzen Meer und behindert die Donau auf ihrem Weg nach Osten.

Ihre grasbewachsenen Sandhügel kann der müde gewordene Fluß nicht durchbrechen. Er fließt deshalb weiter nach NORDEN (!!),

um schließlich gen Osten ins Meer zu münden. (Das ist für uns in Sulina)

Wären wir an Land, kämen wir nun durch in der öden mit feinem Gras bewachsenen Steppe an kleine Lipowanerdörfer mit ihren weißen Kirchen und den silber-glänzenden Kuppeln . Die Lipowaner wurden im 18 Jh. vom Zar aus Russland vertrieben, strenggläubige Orthodoxe, mit blonden Haaren, blauen Augen, dicken Zöpfen  und langen Bärten. Sie leben in ärmlichen Hütten,  sind aber gute Fischer, auch im Delta.

Wir ankern gerade nahe dem Dorf TOPALU. Leider sind die Wellen zu hoch und der Wind zu heftig, um an dem im Fluß sooo seltenen Anlegerponton festzumachen, zu gefährlich mit dem am Bug lang überragenden Mast! So ankern wir in einem Flußarm, wenige Wellen nur, um 2 machte ich eine gr. Schüssel frischen knackigen Weißkohlsalat mit Estragon und roter Zwiebel, wir leben ähnlich wie die Flußleute: Kohl und Weißbrot. Aber ein Ruderer in einem teerschwarzen Kahn verstand uns: „Du willst Fisch? OK. Warten. du schlafen hier? Gut gut!“ Auch er hat mal in Dtld. gearbeitet.

Wie immer: freundlich und zu jeder Hilfe bereit.

Noch 260 km bis zum Meer…

(Die Fotos sind ganz am Anfang 🙂

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