Donaudelta Weltkulturerbe -Exkursion mit dem Kahn / Gerdis Fotos/ 2.Aug.2014

Hier die schönen Fotos: Klick

CRISAN. Wir fahren unter Motor aus dem Altarm von Mila 23 heraus und suchen eine Möglichkeit, unsere Blogs ins Internet zu senden. 3 vergebliche Anlegversuche, nirgends Wifi. Dann überqueren wir den Kanal und legen an einem hübschen einladenden überdachten Fischlokal-Ponton an. Freundliche Begrüßung, herzlich Willkommen!

Das Internet war extrem langsam, wir luden in 30 Minuten 8 Fotos hoch…L Gh. verkleinert daraufhin alle schönen Fotos und setzt sie in sein Flickr-Fotoalbum. Netter Besuch von Luka an Bord, er spricht fließend und akzentfrei Deutsch, ein ernsthafter Junge, der eine deutsche Schule besucht. Hervorragend auch das Englisch der Mama! Um 20 Uhr speisen wir in einem verblüffend schön ausgestatteten „richtigen“ Restaurant mit Holzmöbeln und deltatypischer Deko ganz frischen Fisch: Fischsuppe, im eignen Steinbackofen frisch gebackenes Brot, Fisch mit delikater Knoblauchsoße, Grillfisch-Scheiben… Am Tisch machen wir die Bekanntschaft mit der deutschsprechenden Diane, einer reizenden Gynäkologin, und ihrem künftigen Mann, einem Architekten serbischer Abstammung. Wir erfahren viel über Rumänien, über das mangelnde Bedürfnis, die Ukraine zu besuchen (Visumpflicht), über die Zeit nach Ceaucescu und den starken Willen, neu anzufangen. Deutschland interessiert, viele kennen Frankfurt, Nürnberg, Düsseldorf… Diane war sogar in Nürnberg und Konstanz. Sie lädt uns ein, am nächsten Tag  mit ihnen eine Kahn-Expedition ins Schilf zu machen, um Pelikane zu sehen. Leider zeigte sich bei dieser Kahn-Fahrt keiner…aber Stork, der hellbraune Vogel, der auf den glänzenden Seerosenblättern stehen kann, Seeschwalben, große weiße Seereiher, graue Kraniche, Kormorane, die mit ihrem Kot die Brut- und Rast-Bäume zum Absterben bringen. Im Lipowaner- u.Ukrainerdorf steigen wir aus dem Boot aus und fahren nun in einem VW-Pritschenwagen weiter, sehen die kobaltblauen Häuschen der aus Rußland hergeflohenen tiefgläubigen orthodoxen Lipowaner, die leuchtend grün gestrichenen Giebelhäuser der ukrainischen Minderheit. Überall bestimmen dichte Zäune das Bild. Man wohnt in nur zwei Zimmern, die Küche befindet sich im Freien, gegen Regen überdacht, da bleibt der tägliche Fischrauch draußen! Es gibt Strom fürs Licht, aber keinen Komfort wie Waschmaschine oder Staubsauger. Eine kleine Schule, eine kleine Wirtschaft im Freien… Die landwirtschaftlichen niedrigen Scheunen sind wie die Wohnhütten mit 30 cm dickem Schilf gedeckt wie ein Reetdach in Mecklenburg oder Holstein. Kühe grasen, wir sehen frei laufende wilde Pferde. Kinder laufen barfuß auf den Sandwegen. Unsere Touristen-Autos empfinde ich als massive Störung in diesem Dorf, in dem die Menschen wohnen wie in alten Zeiten: 1907,1919, 1927 ist mit Holzbrettchen am verzierten kleinen Giebel der kleinen Häuser zu entziffern. Dann bringt uns das Auto an einen versperrten Zaun, das Naturreservat, Unesco-Kulturerbe. Hier erzählt der (ehem.Mathematik-)Professor über prähistorische Pflanzen, über die nur noch hier vorkommenden Lianen an riesigen Bäumen, führt uns zu einem 400Jahre alten mächtigen Stamm von 6 Metern Umfang, eine Eiche! Wir laufen durch die Waldpfade zu einer 15 m aufragenden Düne aus feinstem Sand, das sei typisch im gesamten Delta- Zeugen der Dunarea vecha, diese Dünen zeigen noch heute, wo die Ur-Donau vor allen menschlichen Eingriffen(Kanalbau, Deich, Damm…) ihre Flußrinnen zog, er zeichnet das Delta in den Sand, die 3 heutigen Hauptarme, die nach Osten strebenden Dünen wie ein Fächer. Auch endemische Urzeitpflanzen sind nachweisbar. Dann gibt’s Picknick, mit selbst gesammelten Pilzen und Ei einen Auflauf, in breite Sauerrampferblätter gewickelte Hackfleischbällchen, Tomaten aus dem eignen Garten, Fisch in Mehl-Ei-Hülle, Apfelstrudel.

 Der Rückweg irritiert mich, denn das Boot „rast“ durch diese einmalige Idylle…die Möwen fliegen hysterisch und aufgeregt voraus… Herr Kersting vom Naturschutzzentrum daheim in Eriskirch am Ried wäre entsetzt… Am Abend kredenzt uns das Fischlokal nochmal Fischsuppe und Pfannenfische. Wir unterhalten uns mit Diane, ihr Mann ist fasziniert von Gh’s App mit den Sternennamen auf dem Smartphone. Das muß der seinem Vater zeigen, ein Professor, ein Astronom! Am Mittwochmorgen starten wir um 9 und suchen uns nach Seemeile 9 einen neuen Altarm der Danube. Schon nach 12 km fällt der Anker in zauberhaftem Seerosenland. Ein Fischer holt seine 15m-Reuse und bietet uns 2 noch sehr lebendige Hechte an… Sie landeten am Grill am Heck.Lecker.Viel Wind in der Nacht… Die Kunde vom Segelwind am Meer.

Auf dem Sulina- Arm ins Delta: Vorbei an Moldawien und leider auch der Ukraine

Gerdi: 27.-29. August 14

Verlassen der Stadt Galati bis Lipowanerdorf Mila im Delta

Nach windiger Nacht wie am Meer, mit Gebraus und Gewell Frühstück um halbacht. Wir wollen alle Restarbeiten erledigen, damit wir endlich segeln können.

  1. Alle Schoten und Fallen einscheren, Segel setzen. Mastrutscher ölen
  2. Grünes Markisen-Dach, das Bimini überm Cockpit, montieren
  3. Blaues 6m-Schattendach neu fixieren.

Um 13 Uhr mit dem Taxi zum Dedeman, einer Art OBI am Stadtrand. Verblüffend groß das Angebot an Bau-,Reparatur-, Metall+Holzsachen, Closchüsseln, Whirlpoolbadewannen,  Gardinen, Gartenartikeln, Klebstoffen,nur das Sicaflex, das Gh. sucht gibt’s nicht . Aber was fast Gleiches. Ich suche Fliegengitter und Klettband-selbstklebend. Einer der jungen Burschen kann Englisch, und er ist sehr bemüht zu helfen: „Wait a second!“ Und schon spurtet er los und findet was wir suchen. Auch die 2 Aluschienen mit 90°-Winkel. Damit wird Gh. die Befestigung unsrer Solarzelle am Stahlrohr am Heck verstärken. Super.

Weiter geht’s zur Wäscherei, alles frisch, herrlich nach 6 Wochen nur Handwäsche! Besonders die Bettbezüge und Frottéelaken sind „wie neu“ und die verschwitzten T-Shirts der heißen Wochen mit über 40° sind nun wieder „rein“. Gerhard werkelt mit Handbohrer, Metallsäge, Schraubenzieher und Lineal im Cockpit und am frühen Abend ist die Verstärkung fertig. Prima. Ich hab inzw. Hosengummis in 30 J. alten Jerseyhosen erneuert, Knöpfe nachgenäht, Shirts geflickt und die 5 kg wieder verstaut!!! Am Abend gehen wir auf ein kaltes Starenpramen-Bier aus Prag und eine Pizza ins Marco Polo und bald zu Bett.

Am Donnerstag, 28.August Leinen los in GALATI bei fast deutschen 22° und wolkigem Himmel…erstes Mal SEGELN seit 11.Juni (am Bodensee):„Heiß auf die Segel“- zum 1. Mal nach 2400 km Motor-Reise mit dem zuverlässigen VOLVO! Wir segeln unter Genua und das recht flott: 12-15 kmh! Die Ukraine und Rumänien teilen sich den Fluß, die Grenze verläuft – unsichtbar!- in der Mitte der DONAU. Links viele Wachtürme, Soldaten mit Feldstechern und Gewehren, Kasernen, Stacheldraht…. Ich schreibe an Anya in Kiew eine SMS. Eigentlich wollten wir uns auf ukrainischem Boden treffen, ihr Urlaubsort Odessa wäre nur knapp 200 km weit weg… Meine Brieffreundin seit 1992!

Um 11 Uhr haben wir die Grenze von Moldawien erreicht, die nur 700 m lang am Donauufer verläuft. Der Wind nimmt zu, wir drehen ein Reff ins Vorsegel, setzen den Motor ein wegen der Böen und Kurven.

Zitat aus der SMS in die Heimat: „2400 km gefahren auf der DONAU! Hatten deftige 6 Windstärken, weiß von Gischt die Wellen im braunen aufgewühlten Fluß. Stadt und Hafen RENI hinter uns…Das Delta ist nah.“ Wir flüchten nach 56 km um 16 Uhr in einen Donauarm hinter einer kleinen schmalen Insel Nähe Isaacea, ankern da auf 10m Wassertiefe, die Bäume stehn im Wasser, drüben ein Kran, 4 Männer- ohne Arbeit. Ich spiele ihnen ein Abendkonzert auf der Blockflöte. Die Wolken verziehn sich… Abendröte. Der Wind bleibt, wir liegen geschützt. Am Ufer Bienenkästen in Reih und Glied… Rinder…Schnakenfreie aber kühle Nacht. 2. Decke!

Freitag, 29.Aug. 2402 km auf der Donau gefahren

Um 9 Anker auf. Wolkenlos, kaum Wind. Um12.25 biegen wir erstmals in den SULINA-ARM ein! Ab jetzt beidseitig Rumänien. Der Ukraine kehren wir den Rücken, die Nachrichten über die Waffengänge im Osten sind beunruhigend… Links Lehmufer, ca. 50 cm trockenfallend nach dem Hochwasser. Als ich Nudelsalat mache, sieht Gh. ein !!Segelboot (ohne Mast) am Ufer, hochgeholter Schwertkiel, toll. 2 Männer an Bord, einer spricht etwas Deutsch, er handelt mit GEWÜRZEN! Begeistert sieht er in meine üppige Gewürzschublade: ah, Fuchs, Ostmann- kennt er alles. Er sei oft in Deutschland. Seine Gewürztüten haben nur den Aufdruck „ALEX“! Er kommt an Bord, bietet uns himmlischen roten Wein aus Schattenmorellen an, läßt mich sein köstliches Chili dulce und Chili hot probieren, sehr aromatisch und fruchtig. Auch die Kräutermischung für Fischsuppe und Borscht schenkt er mir. Und seine Emailadresse: alexandrescu_danaie@yahoo.com

Weiter geht’s, die Kräne, Schlöte und Windflügler von TULCEA sehen wir schon, aber wir müssen noch eine 180°-Kurve fahren, wie an der Mosel! In Tulcea (sprich: Tultscha) muß Gh. die Permit, die Erlaubnis zum Befahren des Sulina-Arms durchs Delta, kaufen.

EOS flirtet mit dem Donau-Grund…

Es ist kein Ponton frei, keine Möglichkeit, irgendwo im Fluß anzulegen, Ankern geht nicht: 25 m Wassertiefe. Wir versuchen es bei einem Motorschiff, auf dem uns ein Mann herwinkt, längsseits zu kommen. Ich fahre weit links von einer kleinen roten Boje, keine Ahnung, was sie bedeutet… Ich übergebe die Pinne an meinen Käptn, denn er will die EOS seitlich an das Dickschiff anlanden… Ich mache die Vor- und Heckleine klar, da schlingert unser Schiff und ich sehe braunes Wasser rings um uns…Auf Grund gelaufen…bei 20 m Wassertiefe??? Kunstvoll kann Gh. die EOS wieder freibekommen. 2. Versuch. Der Mann zeigt uns, daß wir ganz nah bei ihm entlangfahren sollen. Gerhard steuert langsam hin…und wieder sitzt der Kiel fest. Kein Freimotoren klappt, kein Gewichtverlagern. Ein Motorboot kommt heran, nimmt unsere Heckleine, schleppt uns frei… Neben uns ein großes 150 Personen-Ausflugsschiff, alle an der Reling und zugucken, wie eine deutsche Segelyacht nicht mehr weg kommt. Der Kapitän ruft: I must go now. I cannot wait!!

Da drehn wir ab und steuern die Tankstelle und dann einen Ponton am Ende der Stadt an, der mit den Lettern Marina wirbt-…Irre wildes Gewell durch unzählige Vollgas fahrende Motorboote und all die Ausflugsschiffe ins Delta…8 Fender und 2 Motorradreifen sichern die BB-Seite der EOS, es quietscht und schabt und schaukelt bei jedem Vorbeifahrer…Wir wandern den nahen Hügel zum Superlior-Denkmal mit dem Obelisk und geflügeltem Löwen hoch und genießen die grandiose Panorama-Aussicht. An der Promenade unten hat man die Plattenbauten in Pastelltönen bemalt, Springbrunnen, Museen mit Fisch- und Vogelwelt. Heute ist ein „FEST“: die Ruderer feiern und nach der Jazzsängerin gibt’s Reden in Englisch, serbisch und rumänisch. Zurück am Schiff keine Schnaken!!! Zum 1. Mal können wir  ohne Schnakennetz im Cockpit sitzen, die Sterne am Firmament bewundern und dem roten untergehenden Sichelmond zuschauen. Erika sieht nun den gleichen im hohen Norden am Meer in Norwegen. Und sie sieht sogar grüne Nordlichter!!!

Samstag, 30. August: TULCEA-Mila 23

Nach 9 Aufbruch, bevor all die Ausflugsboote und schnellen Flitzer uns durchschütteln. Nach  einer guten Stunde biegen wir in den SULINA-Arm und ins Delta ein. Ab hier wird nur noch in Seemeilen gemessen, das Schwarze Meer ist nur noch 45 cm tiefer als wir. Anfangs etwas kanalartig… Aber als wir um 14 Uhr abzweigen in den Delta-Arm Dunarea Veche sind wir wie verzaubert von der Schönheit der urwüchsigen Natur…Kleine Gehöfte mit niedrigen Dächern aus Reetdach, denn Schilf gibt es in Massen hier. Graue hochbeinige elegante Kraniche stehen im Schilf, picken rasend schnell ins Wasser nach Schlangen, wie uns ein Einheimischer später erklärt. Es gäbe viele davon. Störche bilden große Wolken am Himmel, erst weiß das Gefieder in der Sonne, dann schwarz alle beim Fliegen der Kurve. Lang die roten Beine, kaum ein Flügelschlag. Runde fast stehende Vogelschar, nie so gesehen. Sicher sammeln sie sich, um zu den Dardanellen und nach Afrika zu fliegen. Geheimnisvoller Vogelzug. Faszinierend. Hinter gelben Seerosenknospen staksen silberweiße Reiher, aber wenn ich den Kranich fotografieren will mit seinem Augenfleck und dem roten Punkt, dem schwarzen Halsstreifen und der weißen Linie am Brustgefieder…husch fliegt er auf, und ich hab ihn WIEDER NICHT erwischt.

60 km bis ins Paradies gefahren

Wir fahren unter Motor langsam und staunend bis zum Lipowanerdorf MILA und machen bei Seemeile Nr. 23 an einem behäbigen Motorschiff fest. Überall Fischerkähne am Ufer, kleine Lokal-Terrassen auf einfachen Pontons. Dahinter liebevoll farbig bemalte kleine Häuser der Lipowaner, Holzverzierung an den Giebeln, himmelblaue Fensterkreuze, leuchtend grüne sauber getünchte Wände, üppiger Blumenschmuck an den einfachen Sandpfaden, in den Gärten Tagetes zu Hauf, Rosen, meterhoher weinrot blühender Rhizinus (früher gab es riesige Felder hier), Sonnenblumen… eine Pracht. Wir kaufen in 2 winzigen Läden ein, Tomaten gibt’s keine. Da vermittelt uns ein engl.sprechender Rumäne eine Frau, die für uns in ihrem Garten einen Eimer voll erntet. Ganz frisch, große Ochsenherztomaten, kleine knallrote Tomaten, 2 Paprika. So lecker wie vom Biobauern. Als wir –von Hand gezogen- die Glocke der kleinen Kirche läuten hören, gehen wir dem Klang nach. Drinnen wird das Abendgebet vorbereitet. Alte Männer nur. Im Allerheiligsten der 2-Ton-Singsang eines Popen, im mittleren Raum bei den vielen Heiligenbildern bekreuzigt sich ein Alter mit langem weißen Bart3x schlägt er mit großer schwingender Bewegung das Kreuzeszeichen, dann zündet er feierlich mit einer handgezogenen Kerze die vielen Öllampen an. Ein 2. Alter kommt, auch er mit dem bunten Gebetsgürtel um die Taille über einem Hemd. Vorne nun 3 Männer im Wechsel. Dann tritt eine Frau (Rock, Jacke, Blumenkopftuch) an das Pult, das sie in die Mitte getragen hat und beginnt aus der uralten Bibel zu lesen. Neben uns liegen auf der einzigen einfachen hellblauen Holzbank diese zauberhaften Gebetskissen, Patchwork aus Damast und Seide. Die Frauen dürfen wohl nur im hintersten Raum der Kirche beten…Tief beeindruckt laufen wir die schmalen Sandwegle zurück. Roter Sonnenuntergang. An Land Musik wie in Griechenland… Wohl eine Hochzeit.

Hier die Flusskarte bis Sulina, Klick

und hier alle Bilder: Klick

 

 

 

Stadtbummel durch Galati

GERDI- 26.-27.Aug.14

Hier die Bilder, erst am 6 September gibts ein Internet am „Ende der Welt“ in Sulina.

Klick Hier

2350 km ist die EOS unter Motor gefahren, Sonderlob für den alten Volvo, ca. 12 Jahre hat er auf dem Buckel. Meist sind wir ja nur gesegelt, und die 3 Törns 2009+2010+2011 am Mittelmeer fast 80% von den 22.000 km Segelreise. Nun also ist der Mast gestellt, die Schoten und Falle eingeschoren, das Bimini mit seinen Alustangen versehen, die Solarzelle bekam eine Rahmenverstärkung mit Hilfe von Vierkant-Alustangen, ein 2. Fliegengitter fürs mückenreiche Delta ist gesucht und gefunden, nur die Montage macht noch Kopfzerbrechen am gewölbten Vorschiffsluk…überm Bett. Schnaken finden mich IMMER L…

Sensation nach 9 Wochen: Wir haben eine Wäscherei gefunden!!! Wunderbar, die Frottéelaken+Bettbezüge, die Hand- und Geschirrtücher, die verschwitzten x-mal von hand gewaschenen T-Shirts, Spültücher, Shorts, Arbeitskittel, die 2 Tischdecken, 2 Kleidle,…Nach 24 Std. holen wir unsere Wäsche wieder sauber ab, nur 1 Reißverschluß an einem Kissen hat den Trockner nicht überlebt…

Bummel durch GALATI

Wir klettern über die 3 anderen Schiffe, meist unten rostig, oben nett angemalt für die Angler. Adrett und ordentlich aufgeräumt, nur Fisch haben sie keinen gefangen! Die Stadt ist lebendig und voller (fast neuer) Autos, an die maroden Plattenbauten haben wir uns längst gewöhnt, uns erfreuen die freundlichen Menschen. Es gibt große gepflegte Parkanlagen, viele bunte Blumen, Springbrunnen aller Art, mal Mosaik, mal eine Nixe als Skulptur, eine schlanke Mädchengestalt zwischen den Bäumen. Wir treten in eine griechisch-orthodoxe Kirche ein, entziffern die griechisch geschriebenen Namen der Apostel und Jünger unter den großen Glasfenstern. Draußen bin ich beeindruckt von etlichen von Hand gemalten Theaterplakaten mit wunderschönen kalligraphischen Buschstaben in Silber und Gold. Luci hätte ihre Freude dran. Echt kunstvoll. Sie laden ein zu Kindervorstellungen wie Der gestiefelte Kater, Der kleine Muck, Aschenputtel und Pinocchio, sooo liebevoll mit Farbpinsel gemalt. Abseits der breiten Straßen bummeln wir in den Seitengassen, wo so mancher vefallener Barockbau mit kunstvollen Simsen und Figuren an alte Zeiten erinnert, als die Bürger noch Herrenhäuser bauten mit Säulen, geschwungenen Balkons und Freitreppen vor großzügigen Portalen, Blick in längst verschwundene eigne Gärten. Vorbei.

Auch eine der ganz alten Holzgebäude entdecken wir- rumänische Baukunst mit walmartigem Holzschindeldach und verzierten Fronten ganz aus Holz.

Am Abend kehren wir ein in einem historisch angehauchten Lokal „Marco Polo“. Holzbalken an der Decke, Gewölbe, große Gemälde an der Wand: Pferde im Innenhof einer Karawanserei, Meer mit hohen Wogen, Reiter und Gesinde vor arabischen Palästen.

Mich fasziniert das Ornament des Boden-Mosaiks am Eingang. Das Essen war aber nicht dem guten Eindruck entsprechend, ich hielt die Tocchata eher für Whiskasbröckele vom Schwein in Dosentomaten, dazu Polenta mit einem ! Spiegelei drauf und geriebener salziger Hartkäse… Zu spät entdeckten wir hinter dem pausenlos laufenden Fernseher (Telenovelas mit rumän. Untertiteln, nonstop) das Holzofen-Feuer für die Pizza. Am 2. Abend haben wir sie verspeist, gut.

Mit dem Taxi waren wir ca. 6-7 km vor die Stadt gefahren zu einer Art „OBI“, der Dedeman-Markt hatte echt alles! Gerhard konnte an Bord gleich loslegen und reparieren und anbauen, wo nötig (Solarzelle).

Nachts beständig starker Wind von vorn, mir blies er direkt in die Koje, kühl und frisch. Es gurgelte und plätscherte derart laut von den Donauwellen, daß ich einen Schlafwandler-Traum hatte: Ich stellte mich auf die Matratze, guckte raus, sah direkt neben der EOS ein grünes Positionslicht, sah voraus die riesige PERSEUS, unser Vorstag und das Motorschiff ganz nah, wir mit Seilen irgendwie dran fest… Als ich voller Schreck Gh. wecken wollte, weil ich meinte, wir hätten uns in einem Schiff verfangen und das fährt nun mit uns dran weiter, kam die Erinnerung: Ah, wir sind ja festgemacht an einem stillgelegten Schiff…nur die starke Strömung der Donau machte mir den Eindruck, daß wir „beide“ flott fahren… Schon witzig, was das Gehirn nachts alles „denkt“.. Hallunzinationen seien meist bei Menschen mit viel Phantasie, erklärte mir mal ein Psychologe. Am Morgen rief der Nachbar“ „Don’t be panished! I will just go one or 2 meters forward with my boat, ok?…motor check!“ Und ich antwortete:”Of course, do it. I just had the same dream!!”