Stürmische Tage bei Foca

FOCA [fodscha], 28.September 2014, EOS liegt schaukelig vor Anker, Höhe Izmir. Küste, Regen,Starkwind- GERDI

Hallo „DAHEIM“!
Heute ist Sonntag- das merkt man am Morgen am weichen Ei zum Frühstück …und natürlich am Simplify-Kalender. Der Abreißkalender hängt über Erikas schönem Fotokalender mit den Allgäubergen. Auf der rechten Seite der Tür zum Vorschiff hängt gerade Joachims Sept-Kal.Blatt „Monte Gamborogno/Tessin, mit den blauen Bergen und dem feurigen ersten Morgenlicht vorm Zelt. Drüber baumelt am Messinghaken die Strickjacke(!!), ich hab Skiunterwäsche (Langarm, Langbein) an und der Faserpelz liegt bereit, falls ich ins Cockpit geh. Die Füße wärmen die dicken Schafwollsocken und sogar der wettergegerbte Gerhard suchte seine rote Faserjacke und die Bordschuhe hervor….Ja, es ist kalt, denn der Meltemi, der eigentlich ab 15.Sept. vorbei sein sollte(mit Schulbeginn in der Türkei) gebärdet sich wild und kommt ja aus Norden. Eisigkalt empfindet man das nach den warmen 2 Monaten davor.
Ich lasse es mir aber nicht nehmen, im Meer zu baden, zumindest früh am Morgen, nur heute war das Meer windgepeitscht, der 5er heult und pfeift und solche Wellen machen es schwer, an der Badeleiter am Heck wieder an Bord zu steigen. Auch ist das Meer extrem salzhaltig, so daß man doch nach 1-2 Tassen Süßwasser verlangt zum Abspülen. Im Wind an Deck eine ungemütlich kalte Prozedur.
Rasch ein Rückblick ab Bozcaada:

Bozcaada, der Hafen Ehem.griech.Tenedos, Ausg.pkt. des Angriffs auf Troya
Am Donn. 25.Sept. brachen wir vom sehr schaukeligen Kai in Bozcaada, wo EOS an der Mooring riß und einen in der Koje „zackig“herumwarf, gerne nach 6 Uhr früh auf! Ziel war Ayvalik, aber nach fast 12 Stunden  Segelei (52 sm also x1,852 km) fiel der Anker dann auf der Insel Ciplak. Eisigkalt der Morgen, Handschuhe, Wollmütze, Schal, Ölzeug- erst ab 10 Uhr am Morgen war’s wärmer….Wir sind halt nicht im Süden wie bei unsren 2 Gulet-Törns im Oktober! Wunderschön aber am Abend der Sternenhimmel, die Milchstraße so hell, der Skorpion, den wir in Dtld. nie sehen.
Am Freitag,26.SeptCiplak… wieder war’s nachts ab 3 Uhr wild wellig, das Schiff ist sehr unruhig, auf und nieder, hin und her… Düstergrau und der Himmel bedeckt mit Regenwolken. 10 Uhr Anker auf.

Bft4

Das geliebte LESBOS blaugrau in Wolken, Griechenland! Wir weihen angesichts der griechischen Meeresküste die neu genähte Tischdecke ein, rot mit blauen Blümchen. Mit gerefften Segeln bei 3-5 Bft segeln und motoren wir auf sehr kabbeligem unruhigem Meer und starkem Wind 20 sm bis BADEMILI, es duftet nach Eukalyptusbäumen, sehr flach überall, wieder mal Grundberührung… Ich schwimme im Meer, 22°C wie die Luft. Da die neu gekaufte Grillkohle feucht ist, gibt’s mit der Hühnerbrust Souflakis-Spieße aus der Pfanne . Erika meldet Seekrank-Gefühle von der Hurtigrouten bei 7 Windstärken….und schreibt : „Vom Schifflefahrn ham wir erstmal genug!“
Ich backe Pfannkuchen, dazu gibt’s Apfelmus.

Gerdis dünne Pfannkuchen!!Ankerplatz-Mahl
Samstag, 27.Sept.:Unsere Gedanken gehn zurück: gegenüber wär die griech. Bucht von Mythilini! Wir haben ungemütliche hohe Dünung gleich beim Start, die EOS wird stark auf die Seite gelegt, die Segel schlagen wild… Als wir das Groß im Roll-Container bergen wollen, springt beim Niederholen die Reffleine aus der kleinen Spule, nix geht mehr, mühsam kann ich das Schiff im Wind halten…Motor dazu, ..immer ein aufregender Akt in starkem Seegang…

Kein einziger Mooringplatz frei! 6-7bft, Regen,ankern
Stundenlang quält sich unser Schiff durch diese langen hohen Wellen, die ihre Macht zeigen… nur nicht 1 Moment un-aufmerksam sein beim Steuern an der Pinne.Am Abend hab ich Muskelkater und Schulterweh im rechten Arm! Der Autopilot schafft solche starken Wellen nicht mehr. Im Ölzeug stehn wir im Regen…

Wir beide im Regen

Kaum glaub ich dem Meteo, daß es nur 4 bft sein sollen…. Nach 5 Stunden steuern wir das Hafenrund von Foca an, die Festung grüßt, das Minarett- aber kein einziger Mooring-Platz ist frei, die haben wohl alle den Wetterbericht gehört!!! Wir müssen frei ankern, auf 15 m WT!!! Es schüttet, es wütet, es stürmt. Ich koch schnell eine Suppe mit Pfannkuchen-Flädle … Als es um 15 Uhr eine Regenpause gibt, pumpt Gh. das Schlauchboot auf, denn wir müssen an Land, Brot, Gemüse, Obst kaufen…Kaum drüben, regnet es wieder in Strömen. Die Türken tragen Anoraks und lange Hosen!! Große Pfützen überall, die Hunde und Katzen rollen sich eng zusammen unter Planen und Balkonvorsprüngen…Die Läden hängen alles mit Plastikplanen zu, auch das Gemüse verschwindet unter Persennings. Wir warten im Laden, trinken fröstelnd einen Cai in einer Bar, wo Einheimische unbeirrt Backgammon spielen, im Pullover…
Eine kleine Regenpause erlaubt das Heimpaddeln, der Rucksack unter einer Mülltüte geschützt. An Bord gibt’s eine große Schüssel mit Griechischem Salat mit Schafskäse…

Nachts werden wir mit 6-7 Windstärken recht scheußlich geschüttelt… Wenig Schlaf… Früh verläßt kein einziges Schiff den Kai, also bleibt uns nix andres übrig, als Anker auf zu gehn und zu verlegen an die dorf-ferne Felsküste bei den Surfern und Seglern. Keiner da…. Es schaukelt weniger, aber es soll noch mehr Wind geben als gestern…

Nachtrag zu den 3 Tagen und 3 Nächten in Foca:

Der Starkwind kam mit Macht! Keine Pause, immer noch eine Windstärke mehr zerrte an unsrem 27kg-Anker. Ein höllisches Geheul draußen, irre schnelle Wellen, die das am Anker schwojende Schiff überholen. Eos schwankt an 50 m Stahlkette, es lärmt, pfeift und rattert, es heult und rauscht. Wir bleiben eine 3. Nacht, kein Schlaf, Ankerwache im Cockpit, kalt, windgepeitscht. Wirre Träume. Ich kann kaum glauben, daß in einem derartigen Sturmgebraus ein 6 t-Schiff am Anker „stehen bleibt“.

Unser fixer Orientierungspunkt- Ankern vor Foca,3 Tg Starkwind

Aber die gelbe große Boje hinter uns, die sonst den Surfschülern als Wendemarke dient, ist ein guter Kontrollpunkt. Vor uns die flache Nehrung zw. Den 2 Inselteilen. ..ein Urlaubsparadies, jetzt sturmverblasen. Gegen 5 Uhr läßt der Wind nach…1. Schlaf… und nach dem Frühstück Anker auf.

Draußen vor den Inseln gleich wieder hohe Dünung, lange wilde Wellen.

Die Eos übt „instabile Seitenlage“, Ölzeug, Lifebelt, Schwimmweste… aber wir schaffen das!!! Tapfer wird gerefft (in den Wind gehen…!), gesteuert und unser Ziel hinter der IZMIR-Bucht, Insel Karaada, die Eselzüchterinsel, ist um 16.30 Uhr erreicht! Blau und türkis, wie 2009 und 2010. Der Eselbauer ist nicht da, aber 4 große Fischerboote. Ich spiele wieder mal Flöte in der Bucht. Dann koche ich Ratatouille und Pilav. Müde sind wir… um 21 Uhr in die Koje.

PS: 1. Oktober, wir sind inzwischen in Cesme.

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