Ungewöhnlich

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1. In die nächste Stadt, kein Problem
Bozburun liegt am Ende der Welt und die Shipyard noch ein Stückchen drüber hinaus. Die Dinge des täglichen Bedarfs, auch die für den Yachti kann ich hier kaufen, aber für alles Weitere ist die Reise nach Marmaris notwendig, das sind etwa 50 km. Ich laufe einen guten Kilometer zur Hauptstraße und wenn der Bus mit dem Schild MARMARIS (es gibt nur diese eine Linie) kommt, dann mache ich mich bemerkbar und steige ein. So geht’s immer wieder,Daumen hoch und ein- und aussteigen, ohne Haltestelle. Der Bus wartet sogar, falls ein Gast etwas abliefern muss und nach 10 Minuten wieder zurückkommt. Die Fahrt ist schön. Sie beginnt am Meer, serpentiert sich zu einem Pässchen hoch, die schöne Bucht liegt rechts weit unten, wunderbar. Auf der anderen Seite breitet sich unvermutet die ebenso schöne Bucht von Selemye aus. Jetzt schraubt sich der Bus wieder abwärts, dem Meer zu und umfährt sie. Links die blaue Bucht und dahinter felsbewaldete Berge. Die Straße windet sich durch ein Tal und erklimmt wieder eine Anhöhe. Noch einmal nimmt eine reich gegliederte Bucht mit bewaldeten Hängen den Blick gefangen. Orhanye. Viele Boote überwintern dort.
Der Bus fährt schnell, durchgezogene Mittellinien sind ohne Bedeutung, auch erkenne ich den Sinn von Zebrastreifen nicht. Querende Fußgänger scheinen völlig rechtlos. Bei meiner vorletzten Fahrt war ich Teilnehmer an einer Wettfahrt mit einem Leichtmotorrad. Dessen Fahrer mit der schönen Sozia (beide ohne Helm) gelang es auf ebener Strecke den Bus zu überholen, auf Steigungen hatte aber unser „Bus“ mehr Schwung zum Vorbeifahren. So ging das hin und her, bis ein Fahrgast aussteigen wollte. Rennen verloren.
Dann der Höhepunkt der Fahrt: Der Bus gewinnt langsam an Höhe und mit einem Mal liegt die Stadt Marmaris an der schönen sichelförmigen Bucht vor uns! Ein traumhafter Anblick. Rechts die fast geschlossene Bucht und links, hohe kiefernbewaldete Berge durchsetzt mit rostbraunen Felsen und in der Mitte die Stadt. Wikipedia informiert: 35000 Einwohner.
Der Bus nimmt auch gewisse Umwege, wenn Fahrgäste das wünschen. So hat er einmal eine Mutter mit ihrem kranken Kind direkt zur Klinik gefahren und am Nachmittag dort wieder abgeholt. Das Kind war fest in Decken eingewickelt und schlief wohl die Narkose aus. Heute auf dem Rückweg bog der Fahrer kurz vor meinem Ziel ab und steuerte ein Dorf in einem anderen Tal an (Gerdi, das Dorf, das wir beim Wandern besucht hatten) um einen Fahrgast abzusetzen Ich bin überzeugt, er würde wieder umdrehen. Stattdessen fährt er weiter direkt nach Bozburun. Muss ich jetzt mit dem schweren Rucksack eine Stunde zur Shipyard laufen? Auf meine Frage: „How can I come to the Shipyard?“No Problem. Und er fährt mich wieder den Weg zurück bis fast an mein Ziel.
Die „Busse“ übernehmen auch so einen Art Lieferdienst. Alle möglichen Pakete liegen neben den Sitzen. Ich habe mal ein geliehenes Fahrrad transportiert. Auch ein Motorroller war schon drinnen. Heute Abend hat er gestapelte Hocker dabei. Ich denke erst, auch das ist Liefergut. Aber als immer mehr Fahrgäste zusteigen, nehmen sich diese jeweils einen Hocker als Sitzgelegenheit. Irgendwie muss das aber doch grenzwertig sein, denn es entspannt sich eine angeregte scharfe Diskussion mit dem Fahrer, in der immer wieder das Wort „Jandarma“ fällt.
Die Busse sehen aus wie Sprinter, haben etwa 10 Sitze (ohne Hockerplätze) und fahren nach festem Abfahrtsplan. So eine Fahrt ist zwar ein Erlebnis, aber eines mit Risiko. Als ich Gerdi vom Flugplatz abgeholt habe, kam ich an einem Unfall mit einem Kleinwagen und einem dieser Busse vorbei. Beim Kleinwagen war die Fahrerseite auf Höhe der Rücksitze stark eingedrückt  und dem Bus fehlte die Frontscheibe. Wie es wohl den Fahrgästen auf den Hockern ergangen ist?

2. Shopping in Marmaris
Marmaris gefällt mir. Eine überschaubare Kleinstadt. Bin ich dort, so muss ich für unsere EOS etwas kaufen. Das Feine: Alle Schiffsausrüster liegen in 3 oder 4 kurzen Straßen. Werde ich beim einen nicht fündig, dann finde ich es bei einem anderen. Bisher habe ich dort ALLES bekommen (außer einem ganz besonderen deutschen Lacköl). Bei größeren Beträgen lässt sich auch handeln, aber nicht so wie auf dem Bazar. Doch 10% sind meistens drin… Obwohl ich das Feilschen nicht liebe. Irgendwie sind immer Leute in den Geschäften, die nur reden, aber nichts kaufen. Es scheinen Freunde zu sein. Dann und wann kommt ein Kellner mit dem besonderen türkischen Messing-Hängetablett mit den zierlichen, tulpenförmigen Teegläsern drauf. Geraucht wird aber draußen.
Neulich habe ich mir eine Jeans gekauft. Unser Größensystem ist dort unbekannt. Ich will immer wieder gehen, weil nichts Passendes zu finden ist, aber der Verkäufer zieht immer wieder  eine neue Hose heraus, bis mir eine gefällt. Nur die Beine sind zu lang. In einer halben Stunde soll ich die geänderte Hose abholen. Ich verlasse den Laden nach rechts, der Verkäufer mit der Hose nach links und nach einer halben Stunde kann ich meine neue Jeans anziehen.
Zeit für einen Kebab oder eine Suppe in einem Döner Salonu muss immer sein. Ich sitze, bestelle und nach einer Minute steht der Döner vor mir. Als ich spät abends hungrig vom Flug aus Deutschland ankomme, gibt’s kurz vor Mitternacht auch noch einen Wrap, serviert von einem freundlichen – sagt man da Wirt -? Er hat bis Mitternacht auf und in der Früh ab 7 Uhr, er selbst bedient, macht das Essen zurecht, 7 Tage die Woche. Wo sind denn die Frauen? Nur einmal bin ich von einer Frau bedient worden und hinter der Theke sieht man sie auch selten und beim Döner-absäbeln nie.
Für Metallarbeiten muss man ins Industriegebiet. Nur ¼ Stunde zu gehen. Das hat wenig gemein mit unseren Hallen. Vielmehr wird hier in größeren Garagen- und davor -auf ein paar Maschinen gearbeitet. Autowerkstätten haben ihren Bereich, Sanitärleute, Schlosser und Edelstahlschlosser auch. Ich will kleine Kerben in Abflußstutzen machen lassen. Der Edelstahlschlosser setzt die Flex an, glättet mit der Feile und poliert am Polierbock. Die Stutzen glänzen wie neu im Laden gekauft, einwandfrei!
Zum Busbahnhof ist’s nicht weit und meistens bleibt noch gut Zeit für ein Glas Tee.

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