63. Wilde Sturm-Nacht vor Anker und flott nach Sivota

Wir labten uns noch nichtsahnend an dem leckeren Hühner-Reis-Pilav, den ich nach dem Rausfahren in die große Bucht vor Anker gekocht hatte, da begann um 21 Uhr ein Pfeifen, Fauchen, Donnern, Blitzen und wildes Geschaukel. Die Eos bäumte sich auf wie ein Hengst vor einem Hindernis… immer wilder wurden die Böen, die Brecher donnerten von den Felsen draußen herein, der Wind kam auflandig und das Schiff riss und zerrte an der knarrenden Ankerkette. Kein Wetterbericht und Meteo-Bild hatte eine Warnung ausgespuckt: Regen, Wind 3-4 aus nördlichen Richtungen, also waren wir ja ungefährdet vor dem Sandstrand… Nun aber kam er aus Süden! Gift für Ankerlieger, ein zweites  Schiff mit deutscher und württembergischer.Flagge führte denselben irrwitzigen Tanz auf: Schräglage wie bei gesetzten Segeln, 30° oder mehr, mal nach der stb- Seite mal nach der Backbordseite sackte der Rumpf ins Meer und der Mast näherte sich den anrollenden Wellen, die  weiß beschäumt  auf uns zu rasten. Lautes Brausen, wildes Heulen, hohes Pfeifen und Singen, aufgepeitschte Wogen- das machen die Böen mit mehr als 7 Windstärken. Wir beide segeln seit 1974 und dachten, wir kennen das ja längst. Aber so ein unmäßiges Zur-Seite-Schaukeln (und zurück!!!!) in schnellstem Wechsel, wie eine Nußschale – das war auch uns neu. Der Wind kam von vorn, die Wellen aber warfen das Schiff von der Seite anpreschend fast um. Dann ein wilder Lärm am Bug… War der Anker ausgerauscht? Der Mast weg? Der Großbaum abgerissen? Gerhard im Lifebelt eilte zum Bug: die Ankerkette rauschte aus, die Ankerkralle, die die Ankerwinsch entlastet, hatte sich auseinander gebogen und gebrochen. 5mm dick sind die Stahlschenkel dieses Teils- aufgebogen als wär es Blech… Gh packte im Schein der Stirnlampe den Handhebel beim Ankerkasten, sicherte die Winsch und dann war die Kette wieder fix. Aber das wilde Taumeln und Schlagen ging bis um 1 Uhr. Taghelle Blitze rund um uns, Donnerschläge, dann fiel am Land der Strom aus. Finsternis. Nur die Wohnwagen hatten noch innen Licht. Wir saßen mit Ölzeug und Schwimmwesten im Cockpit, im Blitz sahen wir die Nachbarcrew genaus so. Der Wind blieb, aber drehte etwas auf Nord. Nun kamen die hohen Wellen nicht mehr so entsetzlich von der Seite…Stoßgebete… wir legten uns angezogen auf die 2 Liegen im Salon, bereit… Erst um 5 Uhr kurze Schlafphasen. Gerhard schmeckte um halbacht ein kleines Frühstück mit Grüntee, mir genügte ein Kamillentee, dann noch eine Mütze Schlaaaaf…

Fotos von dieser wilden Nacht haben wir nicht, nur 2 zur Erinnerung: Die Segeler legen die Montur ab…

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Endlich raus ausm Ölzeug…

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Am Morgen um 11 gehn wir Anker-auf und wagen es trotz des Seegangs mit achterlichem Wind nach Norden zu segeln.

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Die MINOAN LINES, die uns Spenglers so oft in den Süden brachte.

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Beim Ankern vor Sivota liegen viele vor Anker!

Es regnet. 24°C. Wir räumen nochmals alle Fächer aus, sprühen ein 2.Mal Ungezieferspray, putzen gleich das ganze Schiff samt Kielraum, Heck und dem weißen Himmel überm Petroleumherd, …es ist ganz still, als wir die Hühnersuppe löffeln- als würde sich der Wind schämen für die wilde Nacht. Friedlich der Abend. Gott sei Dank. Auch der „Kleine“ in Augsburg gedeiht…

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Alles muß raus- aus den Schapps und Fächern, unter den Bodenbrettern, unter den Kojen…( und danach alles wieder ordentlich rein) -Alarmstufe 1, Kerbtiere!!

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