Monat: Juni 2016
17. Die EOS küsst den Sandboden vor Butrinti
Schönes Segeln am 2. Juni, der Regen des Vortags ist vergessen, das Ölzeug getrocknet. Wir tasten uns vorsichtig in die Lagunen-Einfahrt vor Butrinti. Das hat die EOS schon 2x gut gemeistert. Ich an der Pinne wundere mich, wie gebirgig zerklüftet der Meeresgrund ist: 60 m, 40 m, 7,5 m, 4,5 m, 2,8 m-… und da steht unser Schiff…!!! Grundberührung. Trotz GPS, Aufpassen, langsam motoren, Ausguck. Türkis leuchtet es unter uns, man sieht den Grund. Vorher nicht!
Gerhard holt den 5 Meter langen Bootshaken, der am Mast entlang angeklemmt ist. Er versucht, die EOS abzudrücken, aber 6 Tonnen sind keine leichte Masse. Dann holt er vom Bug den dort an Deck befestigten Stock-Anker, senkt ihn behutsam in unser kleines Beiboot, ich mache die Leine am Heck fest, Gh. steigt über die Reling in die Micro Eos und rudert samt Anker ca. 10 m weg vom festsitzenden Schiff. Zurück an Bord versuchen wir, die EOS an der Ankerleine zu verholen, sie dreht sich, aber verharrt.Leichtes Gas-Geben, vorwärts, rückwärts, Ziehen an der ausgebrachten Ankerleine- ein stilles Gebet… Und dann zeigt das Echo-Lot 0,4m, 0,8m, 1,2 m, ich weiß wohin ich „zurück“ muß- man sieht noch unsre Kiellinie. Gespannte Aufmerksamkeit… Und bei 4,8 m Entspannung. Ich will nicht mehr in das wunderschöne Lagunen-Paradies, nein, weg, lieber an die so nah u sehende griechische Korfu-Küste. Gleich setzen wir beide Segel und segeln voller Freude mit ein paar Wenden ins blaue Meer hinaus. Hinter uns Albanien und Ksamil, unser nächtlicher Ankerplatz.


PS: Vor Anker buchten wir meinen Rückflug Palermo-München am Mittwoch, den 13. Juli, 16.15 ab Palermo, Ankunft 18.05 in München. Die beiden Augsburger Freunde reisen mit Zug und Fähre als neue Crew am 13. an.
16. Bücher auf See
Zur Taufe unsres 1. Enkelkindes schenkte mir die Großmama Nr. 2 das Buch von Rafik Schami: Das Geheimnis des Kalligraphen, 550 S.
Ein Genuß, so ein gutes Buch zu lesen, ein Geschenk, so viel Zeit zu haben. Damit ihr daheim einen kleinen Einblick in diese große Kunst haben könnt, füge ich einige Fotos bei, die von dieser hohen Kunst und Kultur zeugen:






15. Porto Palermo-Sarande-Ksamil +Ankerbucht
Am 1. Juni 2016, Gerdi schreibt in Albanien (Blick auf Korfus Küste)

2011 hatten uns bissige scharfe Fallböen, die von den 1800 m Bergen herab stürmten, drangsaliert, alle verfügbaren Leinen hatten wir über das (innere) Hafenbecken gespannt, zwei große Fischkutter aus Italien lagen mit uns- eine ungemütliche Nacht. Diesmal aber war es eine ganz friedliche, windstille Nacht unter Sternenmeer und Hundebellen- und das echoartige Glucksen des Meeres unter den hohlen Kai-Teilen..

Am Morgen zwitscherten die Schwalben ihre Reportagen, wir lösten kunstfertig unsere 4 Leinen vom Schiff aus von der hohen Mauer über uns, höher als Großbaum und Bimini! Die flinken Schwalben bleiben zurück, flitzende Flugkünstler allemal. Hier meine gemalte Seite aus unsrem Logbuch:



Es nieselte leicht. Bedeckter Himmel. Ich steuerte langsam aus der großen Bucht. Wie erwartet, blies der Wind mit 2 bft von vorn, also motoren. An Stb zeigten sich bald die 3 griechischen Inseln Erikousa, Othoni und Mandraki mit der Felsklippe davor- gestern nur schemenhaft zu sehen. Mittags gab’s die restlichen Oliven vom Markt in Sarande, dann schlug ich vor, die Segel zu setzen. Mit Fock und Groß sind wir genauso schnell wie unter Motor, herrlich. Die Anek-Lines-Fähre brummte hinter uns an dem Felseninselchen vorbei, tückisch schaut davor ein Stein 1 m über die wellige Wasseroberfläche… Nur 1 einziger Segler außer uns…! Nach einer Stunde schönem Segeln bog ich ein in die Bucht vor dem Badeort Ksamil, da ankerten wir schon vor 10 Tagen. Noch sind keine Touristen in den Hotels, aber man werkelt eifrig an Häusern, Gartenanlagen, Strand. Große Sandhaufen hatte ein Laster angeliefert, mit der Schaufel verteilt ein Mann geduldig den feinen Sand neben dem Strand, für die Fläche der Liegen und Sonnenschirme (aus Riedstroh) der Touristen. Wir ankerten um hlabvier. Es regnete wieder…
Um 17 Uhr pumpte Gh. das Schlauchboot auf, mit Rucksack und Schirm paddelten wir zu einem Badesteg am Strand. Die Restaurants und Gärten der Pensionen werden angelegt, gerodete Flächen werden durch Frauenhände mit rotbrauner Blumenerde zu Beeten, die üppigen Feigenbäume werden von den Männern radikal beschnitten, damit man darunter sitzen oder liegen kann. Bananenstauden, Geranien, duftender Jasmin über den Zäunen, schneeweiß gekalkte Mauern, frisch gestrichene Geländer. Die Straße noch wie ein Feldweg, frischer Teer glänzt über verlegten Kanalrohren zu neuen Gebäuden. Es gibt schon viele Hotels, nun öffnen kleine Fast-Food-Kneipen, Crèperie, Patisserie, Dönerstuben- im Regen kehrten wir in eine ein, trinken ein Tirana-Bier und Gh. gönnt sich einen Döner, das ist eine „offene Pita“ für 180 Lek., ca. 1,50 €. Auf unserem Regen-Spaziergang sahen wir in 15 Minuten 5 Supermärkte. Im kleinsten in Nähe Strand war es dunkel. „Open or closed?“ frage ich. Die Verkäuferin lacht: „… open“… und dann knipste sie das Neonlicht im Laden an. Kleines Angebot, aber es gibt das Alltägliche, Clopapier, Küchenrolle, Hühnerbrühwürfel, Bier, Joghurt, H-Milch, Shampoo, Wasser, eine Wurst. Eier aber nur lose-ohne schützenden Karton. Ab 7 früh kommt frisches Brot!

Vor einer Pasticceria hängt ein Firmenschild, das aussieht wie unsere Lackbildchen im Poesiealbum vor 60 Jahren…
Beim Müll finde ich zwischen gelbblühenden Disteln und hellblauen Wegwarten ein paar Blumen für unsre EOS, im Haar hab ich schon den Duftjasmin, den ich so liebe.
An Bord suchte ich unter der Steuerbord-Liege den türkischen Pilav-Reis. Mit Zwiebel, Knoblauch, Paprikaschote, 2 Tomaten, Hühnerbrühe, Nelken, Sumak, Chili-Samen, 2 Tl Paprikapulver vom Markt in Sarande kochte ich einen köstlichen Pilav, ein Risotto ohne Wein. Es regnet. Schnaken an Bord… Ein ruhiger Abend wie auf der Hütte, die EOS liegt ganz still.
Hier füge ich noch Gerhards Flickr-Album von Porto Palermobei:Klick (schöne Fotos!!!Schwalben, Kai + Landgang in Porto Palermo)
(Ich wagte das Auf-die-Mauer-klettern nicht, obwohl die am Poller aufgehängte Bugleiter eine Hilfe gewesen wäre…)