Faszination der Meere: Ozeaneum in Stralsund

Die majestätischen Kirchen in Stralsund lassen einen staunen, auch gern besichtigt von Busreisegruppen und Kunstkennern…Aber noch viel mehr Gäste zieht das neue Ozeaneum mit seiner teils gigantischen Meeresausstellung und den riesengroßen Wal-Skeletten und Präparationen an! Ein ewiges Kommen und Gehen, Junge und Alte, Kinderwagen und Tragetuch, Rollator und spielende Kinder, Schulklassen, alle sind dabei.

Hier einige Fotos (ohne Blitzlicht) von unserem Besuch.

 

Auf dem „Dach“ des originell gestalteten Museums tummeln sich mit bestem Blick über Kirchen und Dächer niedliche Kaiserpinguine!

Vorbei an der Gorch Fock nach Altefähr/Insel Rügen

Am letzten Abend koche ich wieder mal einen deftigen bayerischen Schweinsbraten.

 

 

In der DDR arbeiteten 6800 Menschen in der Werft, heute 1200..

Am Donnerstag aber machen wir um 11.35 Uhr die Leinen los in dem gemütlichen Seglerhafen Dänholm und tuckern durch die enge Rinne vor zur großen Werfthalle. Warten. Erst um 12.20 wird die riesige Klappbrücke hochgezogen, ein technisches Wunderwerk. Galerie anklicken!

 

 

Ein Kreuzfahrschiff, ein alter Kutter, die Eos und die Gorch Fock!

Die Stadtkulisse mit den roten Ziegelbau-Fassaden und mittendrin das kolossale weiße Ozeaneum…

 

Wir fahren durch die Hafeneinfahrt in Stralsund und segeln auf die Insel Rügen und Hafen Altefähr zu.

 

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Unser Liegeplatz mit trüber Aussicht.

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Eos wird fest angebunden an den Pfosten…nachts soll Wind kommen. Und Regen.

Dann hebt sich minutenlang die Nebelwand und wir können den Badeort Altefähr bei Sonne besuchen. Reetdächer, schöne Haustüren, das Pfarrhaus im Garten… Nachsaison, das Schiffle der Weißen Flotte fährt nur noch 2x am Tag…

 

Eindrucksvoll veranschaulicht ein Vries die Silhouette der Hansestadt Stralsund am Strandweg.

 

Als wir zurück kommen, zeigt sich kurz die Sonne und das Stadtbild erinnert an die Dresden-Ansicht von Canaletto…

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Am Abend brate ich den großen frischen Zander (vom Fischer in Dänholm) in Butter – ein Gedicht! Nach Mitternacht setzt böiger Wind mit Regen ein. Unruhig zuckt die Eos in den kurzen Wellenstößen 70 x pro Minute und ich finde kaum Schlaf. Früh kommt das Fährschiff nicht… Ein Schaden am Schiffsmotor. Wir können nicht übersetzen. Ruhetag. Grau. Regen. Demut gehört zum Segler-Leben 😉 Dann eben morgen…

 

Hansestadt Stralsund – 23.+24.9.19

IMG_6240Blick zur Neuen Rügenbrücke, Richtg. Altefähr (Copy)IMG_6239Beginn Stadtrundfahrt am Hafen (Copy)

Hansestadt Stralsund – 23. Sept. 2019

Die Nacht am Anker war ziemlich lärmig, der Wind hielt pausenlos an und der Anker ließ EOS schwojen wie beim Segeln. Um 6 Uhr schlug mein Skipper vor, gleich ohne Frühstück Anker auf zu gehen und vor Zunahme auf 4-5 bft raus in den Strelasund und rüber in einen näheren Hafen als Hiddensee (28 sm) zu segeln. Nur mit Vorsegel sind die 8,2 sm dann auch flott in guten 2 Stunden gesegelt. Raumer Wind und nicht nass im Cockpit:-) Wir tasten uns vorsichtig zwischen den Bojen in die enge Fahrrinne (ausgebaggert auf 2-2,5 m) des Seglerhafens Dänholm und bekommen einen ufernahen Liegeplatz unter hohen Laubbäumen angewiesen. Familiär, sehr friedlich. Gleich nebenan das NAUTINEUM und vor uns hinter der kleinen Straßenbrücke sichtbar die riesige 4,5 km weit gespannte neue Rügenbrücke, die an Hamburg erinnert, weil sie auch an harfenartigen fächerförmig ausgespannten schrägen Stahlseilen aufgehängt ist. Höchster Punkt von Stralsund mit 102 m am Pylon! Daneben die klappbare (alte) Rügenbrücke mit Eisenbahn und Fahrstraße. Der ICE fährt hier über den Strelasund bis Sassnitz! Wir staunen, wie alles klappt: erst der Zug, dann die wartenden Segelboote und ein Containerschiff.

Nautineum Dänholm (2) (Copy)Nautineum Dänholm (1) (Copy)IMG_6333 (Copy)

Am Nachmittag besuchen wir das Nautineum, eine ansprechende Ausstellung: Fischereiwesen, Schiffsbau, Unterwasserstation, Fischen vor 100 Jahren vor Spitzbergen, Taucherrettungsboote, Seezeichen, Unterwasserlabor… Einige Kleinkutter liegen da, eine Halle die sich dem Walfang widmet (mit SW-Stummfilm von 1935). Neu war für mich die Kunst der hier üblichen Zeesenfischerei: Ein voll besegelter Kutter liegt quer und an langen Stangen an Bug und Heck ist das spezielle Zeesennetz wie ein Trichter mit Scherbrettern angeleint, der Wind treibt das Boot seitwärts und so wird gefischt!

 

Wir fühlen uns im kleinen Seglerhafen von Dänholm-Süd so wohl, dass wir die große Stadt nicht mit der EOS anlaufen. Wie „Land-Urlauber“ wandern wir über die (geschlossene…) Brücke rüber und staunen über das Ziegelbau-Haus direkt unter der geschwungenen riesigen hohen neuen Rügenbrücke. Ein Relikt. Schön. Aber doch extrem. Dann kommen Neubauten nach 1989 in den Blick, kleine Villen mit Garten, Garage, Wintergarten, Handwerksbetriebe, Seglerbedarf, Edelstahl-Bearbeitung. An der Hauptstraße rote Fahrradstreifen… dahinter ein großes Asylanten- oder Flüchtlingsheim in endlosen Plattenbauten (aber am Dach 🙂 viele Solarzellen!). Daneben noch graue DDR-Blöcke, aber mit ganz neuen schneeweißen Sprossenfenstern in den khakigrauen Mauern.

Endlich ist wieder „Wasser“ um uns, Stralsund ist eine Insel wie Lindau, die Boote im Vorhafen von Stralsund liegen schräg an Pfosten, in den schmucken Altbauten locken nun Restaurants und Pensionen Gäste an.

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Blick nach Rügen, Altefähr

Noch ein paar Schritte und wir sind am Hafen. Da waren wir alle 5 schon mal 1992 mit dem Miet-Hymer-Wohnmobil. Damals waren hier noch so viele Ruinen, zerfallene Innenhöfe mit Galerien im Verfall, aber doch schon Gerüste und Planen, es ging los mit dem Wiederaufbau. Mich freut, dass soo viele Fassaden neu renoviert sind, mit Denkmalschutz-Auflagen und finanzieller Förderung von Land und Bund. Treppengiebel, Backstein, neue Fenster, Wandbemalung, alte Portal-Türen mit Verzierungen, oft auch die alten Handwerksbetriebe mit Namenszug belassen wie Maler und Tapezierer, Schreiner, Tuchwerkstatt, Faden, Garn und Wolle, Holzofen-Bäckerei usw.

Wie in Greifswald bin ich begeistert von den frohen bunten Farben an den Häusern. (Am Bodensee ist grad grau, anthrazit und schwarz modern…)

Viel Fußgängerzone, viele auch kleinere Läden, keine C&A-Kolosse, keine großen Einkaufscenter.

Am Hafen steht fast feierlich die weiße Gorch Fock I. Dahinter im Dunst der Kirchturm von  „Altefähr“ auf Rügen. Ein fast wagemutiger Neubau aber ist das schneeweiße OZEANEUM, neben den roten Ziegelhäusern… Der Busfahrer der Stadtrundfahrt erklärt uns, dass der Architekt mit den runden Mauern die geblähten Gaffelsegel eines Fischkutters nachahmen wollte… ???!!!! Die Stralsunder sagen, der Neubau sähe aus wie eine weiße ….Clopapierrolle!

Bei der Busrundfahrt setzen wir uns auf die Dachetage am Oberdeck. Stralsund ist nachweisbar mit dem Stadtrecht seit 1234! Wall- und Stadtmaueranlage sind noch in Resten vorhanden, nur noch 2 von 45 Stadttoren. Die ehem. Luftschutzbunker und später DDR-Überwachungsstationen sind nun Fledermauswohnungen…. Wir erfahren viel über die Geschichte, den rasch steigenden Bedarf an Wohnungen, die Kriege, Bündnis mit Schweden 1628, dann die Zeit von 1645-1815, als man sich samt Vorpommern zu Schweden bekannte. Viele ganz alte Straßenzüge sind erhalten, die Neubauten fügen sich harmonisch ein. Die Autos müssen meist „draußen bleiben“- gelungen! Nach der Rundfahrt bummeln wir durch die Altstadt, zu den 3 evangelischen Kirchen, nett die kleine „Heilgeist-Kirche“ am Frankendamm (Frank war ein Gönner der Stadt), eine ehem. Klosterkirche, ihre Fassade von einem 1000 Jahre alten Weinstock dicht berankt, gebaut für die Armen vor der Stadt..

Stolz und riesengroß erhebt sich vor uns die Nikolai-Kirche am Alten Markt. Der 2. Turm hat keine Zwiebelhaube, er ist nur flach abgedeckt. Aber im Inneren wird viel renoviert. Mir gefällt die barocke Überladung nicht. Die große Buchholzorgel von 1840 schwieg. Sie ist restauriert seit 2006. Seit ca. 30 Jahren wird gerettet, z.Zt. das riesengroße Dach. Man kann einzelne Dachteile als Spender erwerben… Direkt neben der Kirche steht auf dem großen Alten Markt-Platz (wie in Greifswald mit flachem „begehbarem“ Wasserbecken mit Springbrunnen) das stattliche rote Rathaus mit den 7 schlanken Türmchen, die die 6 filigranen Spitzgiebel-Mauern stützen, deren runde Rosetten den Himmel durchscheinen lassen. Wie 6 Kirchturm-Uhren nebeneinander, darunter Spitzgiebel-Fenster wie in einer gotischen Kirche, auch diese innen hohl zum Durchschauen. „Durchbrochenes Mauerwerk“ nannte Humboldt diese filigrane Spitzgiebel-Schaufassade.

Der Innenhof des Rathauses (inzwischen mit Glas überdacht) sieht aus wie ein stattliches Bürgerhaus, mit farbigeen hölzernen gedrechselten Galeriegeländern und Säulen mit verschiedenen bunt bemalten geschnitzten kunstvollen Holz-Ornamenten auf den Sockeln. Jede ein Einzelstück, wunderbar. Im Laden gibt es Stralsunder Marzipan: weniger Zucker, mehr Mandelgeschmack, umhüllt mit herber Zartbitter-Schokolade. Draußen Cafés, Hotels, Ristorante, alles gut besucht.

Die Fotos mögen einen Eindruck vermitteln von Stadtbild und Kirchen. Nikolai und Marienkirche. Auf Bildtitel hab ich verzichtet.

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Stadtmodell

 

IMG_6314 (Copy)Mein Dank-Zettele in der Kirche…

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Wir bummeln durch die Altstadt, kaufen Gemüse, Obst, ein Stück Kamm für einen Schweinebraten (aus dem Drucktopf) und laufen dann zurück zum Seglerhafen Dänholm. Kein Regen. Aber der Wetterbericht kündet von 8-10 Windstärken nächsten Dienstag… Vorher wollen wir nach Altefähr und Stadthafen Stralsund, um bis Montag wieder zurück in Dänholm sein, geschützt vor scharfen Böen und Seegang. Bis 4. Okt. peilen wir unsren Zielhafen Neuhof zum Mastlegen an… LKW-Transport am 7.Okt.

Möge alles so gelingen.

Schönes Ankern in Bucht vor Neukamp+ Glewitzer Bucht (20./21.9.)

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Oben die Galerie anclicken für Einzelfotoschau.

Um 10 Uhr lösen wir die Leinen in Greifswald und motoren den Ryck vor zur Klappbrücke. Gleich reffen wir draußen die Fock und drehen um 12 Uhr auch 2 Reffs in das Großsegel. 4-5 bft. Gischt legt Schaumstraßen aufs Meer. Eos segelt wunderbar weich durch die Wellen. Viele Segeler sind unterwegs, es ist fast wie bei einer Clubregatta.

Gegen 14 Uhr steuern wir einen Ankerplatz an vor Neukamp bei Lauterbach. 6m Wassertiefe. Raus aus Ölzeug und Wollmütze. Herrlich war’s. Ein Glas Wein und Räucherfisch aus Wiek als Festmahlzeit!

 

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Am Abend gibt’s Lachs aus meiner Pfanne mit selbst gerührter würziger Crème fraîche, Pellkartoffeln und Salat. Die Nacht wird windig. Lärm am Anker, um den Eos schwojt.

Am nächsten Morgen Anker auf. Wir segeln mit Reff weiter zur Glewitzer Wiek und unsrem neuen Ankerplatz, Rinder weiden, viele Wasservögel tummeln sich auf einer schmalen Nehrung. Ich sitze träumend am warmen Deck und sonne mich. Das Bad im Meer war nur kurz bei 14’C Wassertemperatur. Ein traumhaft schöner Sonnentag mit 22 °C. Am Abend wird uns ein zauberhafter Sonnenuntergang geschenkt.

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Glewitzer Wiek copy
Vogelhaken heißt die kleine Nehrung vor unsrem Ankerplatz
Sonnenaufgang 6.59 Uhr copy Glewitzer Wiek,Ankern (Copy) (1)
Vogelschwärme, in Formation

IMG_6224 (Copy) Auch der nächste Morgen beschert um 6.58 einen rosa Sonnenaufgang. Ein flaches Kreuzfahrschiff zieht langsam am Strelasund vorbei…

IMG_6227 (Copy)IMG_6228 (Copy) Wir bleiben noch… und der Sonnenuntergang wird wieder sooo schön.

Glewitzer Wiek copy IMG_6229 (Copy)IMG_6232 (Copy)IMG_6233 (Copy)

Unvergeßlich… daran erinnern wir uns noch mit 80…. 🙂

 

 

Wanderung zum Sturmflut-Sperrwerk Wiek, 19.9.19

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Ein großartiges Bauwerk, ein Meisterstück der Ingenieurskunst! Rettung des Dorfs vor Sturmflutschäden. Seit 2015 steht es zum Schutz der Region bereit. Wir wanderten auf dem nun erhöhten Weg auf dem Deich zum alten Dorfkern Wiek. Einige Reetdachhäuser stehen „noch“, wohl denkmalgeschützt. Teils liebevoll mit Blumen umgeben, einige aber auch noch ganz so wie zu grauen DDR-Zeiten… Hotelzimmer werden angeboten. Cafés locken Gäste an. Fischsemmeln gibt’s und frische Räucherfische in schmucken Fischläden.

 

Die Kirche hat ein großes Solardach! Suchet den Frieden und jaget ihm nach… Wie passend der Spruch der Bibel angesichts der Kriegsdrohung in den Nachrichten (Iran, Saudi-Arabien, USA) Die Mehmelorgel war leider wegen Restaurierungsarbeiten verborgen unter Planen. Selten gibt es so einen lebensgroßen JESUS in den Kirchen.

Am Rückweg ging es wieder über die hölzerne Klappbrücke von 1887 und dann 5 km entlang des Flusses Ryck am Deich zurück nach Greifswald. Bei den Museumsschiffen liegt die „Hedi“, auf ihrem Namensschild steht mein Geburtsjahr 1948.

 

IMG_6201 Der Ryck, 5 km Wanderung am Deich (Copy) Ein sanfter Sonnenuntergang bei 14°C wird uns am letzten Abend in Greifswald geschenkt. Morgen segeln wir den Fluss hoch hinaus auf den Bodden und wollen in der Nähe von Neuhof ankern. Frischer Lachs wird uns dort als Abendessen aus meiner Pfanne munden.

Stadtführung Altstadt Greifswald

Greifswald- eine Stadtführung durch die Altstadt 18.9.19

FOTO-GALERIEN AM ENDE DES TEXTES

Am roten Rathaus mit dem imposanten Treppengiebel treffen sich die Gruppen für die Führung (14 € f. 1 ½ Std.).

Informiert euch genauer: https://de.wikipedia.org/wiki/Greifswald/…. es lohnt sich!

Der große Marktplatz ist umgeben von stattlichen Häusern, teils noch im typischen Stil der Backsteingotik erhalten oder re-noviert, teils von den stolzen Besitzern in den Jahrhunderten umgebaut, höher oder mit neuen Fassaden, Giebeln, Erkern und Gaupen verändert errichtet worden. Im 30 jhr. Krieg nahm die Altstadt Schaden, Napoleon verwüstete die Altstadt, aber im 2. Weltkrieg blieb sie von Bomben verschont. Der Bürgermeister und eine Delegation übergab die Stadt im Mai 1945 kurz vor dem Einmarsch der Russen kampflos an die Rote Armee und rettete sie nachts um 2 Uhr… weiße Fahnen aus den Fenstern, die Stadt war gerettet. In DDR-Zeiten waren viele Häuser unbewohnt und heruntergekommen. Man ließ 52% der historischen Bausubstanz abreißen, um Wohnraum in Plattenbauweise zu errichten.

1456 war bereits die Universität gegründet worden – im Wettstreit mit Stralsund um den Standort. 1535 kam die Reformation und die Stadt wurde evangelisch. Seit 2005 heißt die Stadt auch wieder Universitäts- und Hansestadt Greifswald! Verlor sie nach der Wende ca. 12000 Einwohner durch Wegzug, so sind es inzwischen wieder fast 60.000 Einwohner und davon 10.000 Studierende! Eine sehr junge Stadt- mit grünem Bürgermeister(Bündnis mit SPD, Linke + Piraten). Die Straßen sind noch wie bei Stadtgründung, der Wind fegt durch die Stadt und es ist immer „frische Luft“. Viele Straßen sind mit kleinen quadratischen Steinwürfeln gepflastert, auch die Gehsteige, und sie sind autofrei, 44% der Bürger nutzen das Fahrrad täglich. So ist Greifswald Fahrradhauptstadt- noch vor Freiburg!

Wiek ist eigentlich die Dänische Wiek, eine Ausbuchtung der Küste, ganz flach, eine Lagune im 514 km² großen Bodden! Die Stadt liegt nur auf 3-7 m ü.MH. Der höchste Hügel ist 27 m hoch.. Keller gibt es nirgends, das Trinkwasser kommt von einem Ort aus ca. 5 km Entfernung, heute in Rohren, früher mit Fuhrwerken. Am Marktplatz erinnern 2 Säulen mit Trinkwasserhahn an diese Zeiten. Damals wurde für jedes Haus nach Braurecht Bier gebraut, das sparte Wasserlieferungen…. Auch gab es schon ganz früh Latrinen, kein Kot+Urin wurde (wie sonst noch üblich) auf die Straßen und Gassen gekippt. Auch entstand die erste Gebärstation, da ein Arzt erkannt hatte, dass die Frauen bei den Hausgeburten an Blutvergiftung starben. Der Wettstreit zwischen Geld (Kaufleute) und Klerus (Kloster, Kirchenobrigkeit) führte zu der verschiedenen Entwicklung der Stadtteile um St. Nikolai und Marienviertel. Die Universität wurde immer bedeutsamer, v.a. für Jura, Kirchenrecht und Theologie, Medizin, Physik+Mathematik, Sternwarte.

Ein berühmter Sohn der Stadt ist der Maler Caspar David Friedrich.

Beim Wiederaufbau bemüht man sich erfolgreich, den Stil der Gassen und die Art der früheren Häuser zu bewahren. Man findet noch alte runde Steinrosetten in neuen Hausfronten, man gibt den Häusern frische bunte Farben, die Fensterform wird nachgeahmt, die Türen aus Abbruchhäusern wurden wieder in neue Bauten eingefügt. Es gibt Gaupenreihen oder kleine Fensterchen in den 2 Obergeschossen, die aussehen wie früher die Lagerraum-Etagen der Kaufmannshäuser. Aus Grabplatten alter aufgelassener Friedhöfe baute man Steintreppenstufen.

Die Kirche St. Marien hat eine gotische Kanzel (aus 60 Holzsorten!), zu der man auch im Raum zwischen Kanzel und Altar in den neuen protestantischen Zeiten auf den Pfarrer oben sehen konnte, indem man die Rückenlehne drehbar gemacht hatte. In einem abendlichen Orgelkonzert mit Bach und Rheinberger waren wir begeistert vom zarten weichen Klang der Mehmelorgel der Romantik, die die Kantorin mit Bravour spielte und pianissimo und con brio herausholte-atemberaubend die Akustik in der hohen Halle.

Originell sind 2 ganz flach gehaltene Brunnen, die ein moderner Künstler am Rubenowdenkmal und hinter dem Rathaus gestaltete. Im Sommer ein Platz für planschende Kinder, mit Figuren aus Erz, Fischern, Fischerfrau mit Kind. Lebensnah.

Zum Ausklang lassen wir uns wieder Fischsuppe und warmgeräucherten Lachs mit Bratkartoffeln schmecken im Fischkutter Schwalbe II – im Fluß.

Hier nun die Bilder als Galerie: Die einzelnen Galerien anklicken und nacheinander betrachten.

IMG_5156 Stadtgeschichte (Copy)

Am roten Rathaus beginnt unsere Stadtführung, die 1 1/2 Std. dauert. Spannend!

Marktplatz Greifswald (1) (Copy)

IMG_6153 Nachempfundene Dach-Speicher-Lager (Copy)
Nachempfundene Speicher im Dach wie in alten Kaufmannszeiten
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Kunst mit gebrannten Lehmziegeln

Weitere Info: Link anklicken!

https://de.wikipedia.org/wiki/Greifswald/

Unter gerefften Segeln über den Bodden, bis Greifswald, 14.9.19

Aquarell am Abendhimmel, noch in Thiessow (2) (Copy)Aquarell am Abendhimmel, noch in Thiessow (3) (Copy)Abend in Thiessow, Gischt v. Sturm (Copy)

Nach der 25 Std.-Überfahrt Schweden-Sassnitz und dem stürmischen Tag im Hafen freuen wir uns auf ein schönes Segeln bis Greifswald. Um 10 Uhr Leinen los in Thiessow, der Hafen ist voller Gischt vom stürmischen Meer. Wieder tasten wir uns hinaus zwischen engen Pricken und müssen draußen gleich 2 Reffs einbinden in Groß und Focksegel. Dann aber segeln wir mit kräftigem Schub am Wind zur Ansteuerungstonne Greifswald.

Bodden-Segelüberfahrt n. Greifswald (Copy)

Beim Einbiegen kommt die blaue HANSE-SY „Happy our“ der netten Leipziger vor uns.Die Happy our (Copy)

Alle Boote müssen in den Fluß Ryck einfahren, bis zur Hebebrücke mit dem Hochwasserschutzbollwerk des Fischerdorfs Wiek. Wir fühlen uns fast wie auf der Donau 2014, da fuhren wir 80 Tage im Fluß-2200 km bis ins Schwarze Meer….

Vor uns das Hochwasser Sperrwerk des ryck (Copy)

Nach 1 Stunde Motorfahrt zwischen Schilfufern finden wir gegenüber dem himmelhohen alten (eingefallenden) Speicher mit dem großen Greif auf dem Ziegelmauerwerk einen freien Liegeplatz am rechten Ufer, am Innensteg. Ein Graureiher wartet nach unsrer Anmeldung beim Hafenmeister direkt am Steg vor der EOS!

Am Boot ein Graureiher!

Mich erfreuen bunte schmale Giebelhäuser in langer Reihe, fast wie die Grachtenhäuser in Amsterdam. Vor unsrem Boot entdecken wir „slubes“, winzige Betonwohnröhren, mit Stockbett, 2 ÜN f. 2 Pers. für 135 €…seltsam. Ohne WC oder Kochmöglichkeit.

GOTTESDIENST DOM NICOLAI (1) (Copy)

Beim Gottesdienst in der großen Domkirche St. Nikolai danken wir am Sonntag für die Bewahrung auf unsrer langen Seereise. Es findet eine Taufe statt und wir alle tragen ein Fläschchen Taufwasser zum Taufbecken und gießen es ins Taufbecken, auf dem alle Taufkinder-Namen eingraviert waren. Ein schöner Brauch.

Die Altstadt wurde nach der Wende wunderbar wieder hergestellt, auch Plattenbauten rückgebaut. Ein Schmuckstück! Man bemühte sich beim Wiederaufbau, die Eigenart der Stadthäuser zu bewahren, mit Fensterart, alten Türen, Gaupen am Dach, mit Lagerflächen im 3. Stockwerk, mit den hohen Parterres (mit Einfahrt f.d. Pferdekutschen und Lastenfahrzeuge mit Waren, die erst im Hinterhof entladen und an Kranhaken ins Dach gezogen wurden). Die Läden klein und abwechslungsreich, keine C&A-Riesen oder Mc Donalds-Einheiten…

Ein Augenschmaus sind die 45 historischen Museumsschiffe am Ufer der Ryck, meist renoviert und gepflegt, viele noch im Einsatz als Fischerkutter oder als große Gaffelsegler. Die Geschichten sind aufregend: gekentert, versenkt, gefunden, von Minen getroffen, von Fischern gehoben und wieder zum Fischen benutzt. Auch in der alten Werft floh der Besitzer 1953… aber als VEB ging’s weiter und heute werden hier die schönen alten Holzschiffe renoviert und auch neue gebaut.

Museumsschiffe+Speicher Greifswald (1) (Copy)Museumsschiffe+Speicher Greifswald (2) (Copy)Museumsschiffe+Speicher Greifswald (4) (Copy)Museumsschiffe+Speicher Greifswald (3) (Copy)

Beim Stadtrundgang besuchten wir auch die Kirche mit dem dicken Turm mit 4 m-dicken Mauern, genannt „dicke Marie“, die Marienkirche. Ein Wal war vor 500 J. gestrandet, verirrt im Ryck. Den malten die Bewohner an die Kirchenwand.

St. Marien, Greifswald, Backsteingotik (Copy)

 

 

Eine köstliche Matjessemmel oder warmgeräucherter Lachs mit knusprigen Bratkartoffeln im Fischkutter „Schwalbe II“ ersetzte uns täglich das Mittagessen. Dann fegte stürmischer Wind über die Stadt, es hagelte und regnete… Schwere Sturmböen meldete der NDR, Bahnverkehr teilweise lahmgelegt… wir werden 3 Tage hier ausharren und erst Freitag weiter segeln können…

Am Mittwoch werden wir eine Stadtführung mitmachen und ein Orgelkonzert mit Bach und Rheinberger in der Marienkirche besuchen. Ihr gotischer Altar besteht aus 60 verschiedenen Hölzern, deshalb bleibt sie unbeheizt, auch im Winter. Wunderschön die Wandbemalung in frischen Farben, spielerisch, romantisch, ähnlich der Kirche in Überlingen.