Blick zurück im Glück

Gerdis dankbarer Rückblick auf fünf Monate auf See im hohen Norden

Rück-Blick… -nach unserem 13. Segel-Törn, seit wir uns kennen…:  1980 Korsika, 1983 bis ’90 fünf mal je 3 Monate die Adria runter und rauf mit den 2 und 3 kleinen Kindern, nach Erikas Abitur nun je 6 Monate Törn: 2009-10-11 Rhône, Nizza, östl. Mittelmeer bis Marmarameer und retour, 2014-15-16 ab Regensburg die Donau abwärts in 80 Tg., Schw. Meer, Türkei, Ägäis, Albanien, …Sizilien… Marseille, Rhône Mulhouse…. 2019 Stralsund, Baltikum, Finnland, Schwedens Schären, Rügen.  Das sind zusammen 5 ganze Jahre Leben auf See….

Im Hafen von Zingst (Copy)

 

Es regnet (Copy)

 

Neuhof, Hafen, bei Stralsund, 5. Okt.2019

EOS liegt vertäut am Ponton im Seglerhafen Neuhof, 5 sm vor Stralsund. Es windet lebhaft, es dröhnt in den Böen. Eos zerrt an ihren 4 Festmacherleinen. Ob sie noch nicht genug hat vom Meer und dem Starkwindsegeln, Gischt und Ankernächten? Eos verdient ein dickes Lob, immer war sie zuverlässig, tapfer in allen Wetterlagen, auch der Volvomotor arbeitete vorbildlich, nur ein kleiner Riss im Vorsegel war zu flicken. Welch ein Glück.

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Mein Blick ruht auf meinem Mann. Dankbar. Ich bin stolz auf ihn. Mit fast 72 hat er zum 13. Mal eine wunderbare Törn-Planung hingelegt, mit Seekarten, dicken Hafenhandbüchern, Seestrecken-Beschreibungen, hat das Wetter beobachtet, mit Navionics am Smartphone die schwierigen Pfade durch die Untiefen Finnlands und Schwedens und die deutschen Boddengewässer erkundet und als Richt-Strahl vorprogrammiert, den Motor gewartet, die Elektrik repariert…

Mir blieb, mich vertrauensvoll auf Käpt’n und Boot zu verlassen, exakt zu steuern, gewissenhaft die Segel im Wind zu beobachten und 1000e von Pricken, Boje und Seezeichen zu sehen und zu achten. Lange Gespräche, auch mal lange stille Abende über einem Buch und der ZEIT. Am Morgen richtete Gerhard immer das Frühstück (mit einer Tasse Filterkaffee(!) für mich und 1 Liter Grüntee). Abends war es meine Aufgabe, für uns ein leckeres selbst gekochtes Essen zu zaubern; bei jedem Wetter gab es frisches Gemüse, Salat und Gerichte aus Wok, Pfanne und Schnellkochtopf. Das gemeinsame Einkaufen in Dörfern und Städten war immer ein Erlebnis, zu Fuß km-weit mit den Rucksäcken.

 

 

An schönen Morgen oder stillen Anker-Abenden erklang meine Flöte- zum Erstaunen der Zuhörer an Land, Fischer, Urlauber in den rot-weißen Holzhäuschen. Verzaubert saßen wir in den hellen langen Nächten in Finnland und Schweden im Cockpit und es wurde nie dunkel, kein Stern zeigte sich am lichtblauen Himmel.

Nachtfahrt ab Reposaari,23.+24.6 (1)Nachtfahrt ab Reposaari,23.+24.6 (3)Nachtfahrt ab Reposaari,23.+24.6 (12)

Beeindruckend war die lange Nachtfahrt von Finnland Riposari nach Vaasa und von Vaasa hinüber nach Schweden (Ümea): um 23 Uhr sank die Sonne als roter Feuerball auf den Horizont, um dort zu rasten. Nur 3 Stunden später erhob sich die Sonne auf dem flachen Bogen und ging im Hellen leicht östlich wieder auf… in einem rosa-türkisblauen Farbenmeer.

Wie aufregend war der Moment, als Gerhard nach 3 Monaten wieder die Venus, den ersten Stern über unsrem schwedischen Felsankerplatz über den Baumwipfeln entdeckte.

Waren unsere zwei ersten Versuche, das Boot direkt an einem Felsen festzubinden noch erfolglos, gelang uns das bald mit Heckanker und Landleinen und wir freuten uns über mehrere wundervolle Felsbuchten, wo die EOS mit Seilen um runde Schären-Felsen und Birkenstämme angebunden direkt am Ufer lag und wir durch den Wald wandern konnten..

Die 25 Stunden lange Überfahrt vom schwedischen Karlskrona bis Sassnitz mit Nachtfahrt in kabbeliger See, unaufhörlicher Schaukelei und Regen und schlafloser Freiwache bleibt unvergesslich. Geschafft. Zu zweit, im Team…

Fragt mich wer, wo es am schönsten war, fällt mir die Wahl schwer. Tallin? Die 1000 grünen Waldschären in Finnland? Die klaren hellen Nächte und die rosa Schärenfelsen in Schweden? Die freundlichen Menschen im hohen Norden? Greifswald! Die Backsteingotik an Häusern und Kirchen? Matjes am Kutter? Stralsunds Kirchen? Das Ozeaneum? Die unvergleichlichen Sonnenuntergänge in der Glewitzer Wiek?

Sonnenuntergang (Copy)IMG_6232 (Copy) 

Orgel in St. Nikolai (Copy)St. Marienkirche Strals (2) (Copy)

Erbaulich waren für mich die Festgottesdienste in großartigen evangelischen Kirchen: im Dom zu Helsinki mit 2 Chören und Orchester, ein Taufgottesdienst in Stockholm, ein Taufgottesdienst in der Unistadt Kalmar, ein Orgelkonzert in Greifswald, der Erntedankgottesdienst in St. Nikolai in Stralsund, ein Motetten-Chor-Konzert in Stralsunds Marienkirche.

So bleibt ein tiefes Glücksgefühl nach diesem Törn auf See. Ein inniger Dank gilt Gott, der uns auch mit über 70 noch einmal ein halbes Jahr Leben auf dem Meer geschenkt hat, bewahrt, reich beschenkt und gesegnet.

Vor Vaasa. Nachtfahrtende um 14 Uhr, 25.6.,Udfärdhamn - Kopie

Schwanensee,Gischtmeer, Ankern+ Zingst

Letzte Segeltage: Der Wind treibt uns nach Zingst… ins Vogelparadies 1.-3.Okt.

Am liebsten würde ich ja hierbleiben…im kleinen netten Hafen von – Dänholm, unter den hohen Kastanienbäumen, mit dem Rabengeschrei ab 18 Uhr, mit den Buben, die nachts in 1 Stunde 10 kleine Barsche angelten…Aber am 1. Oktober wollen wir noch einmal weiter und bis Zingst segeln!

 

 

Dänholm-I.Bock 1.Okt (Copy)

Dänholm-I.Bock vor Zingst 1.Okt (4) (Copy)

Dunst, Regen, wenig Sicht, kaum ein Segler an der Klappbrücke Stralsund. Den Wind haben wir gegenan, EOS wühlt sich durch die gischt-beschäumte See im Bodden bei der Insel Bock. Ganz flach ist es neben unsrem Schiff, der ausgebaggerte „Kanal“ ist grad mal 3 m tief und mit Bojen begrenzt. Neben uns gleich viele weiße Schwäne, die Hälse im Wasser bis zum Grund zum Futtersuchen. Die Boddengewässer zwischen dem endlosen Schilf ist ein Schwanensee, o,5m tief, Schwanenhalstiefe 😉 Naturschutzgebiet, Vogelschutzregion. Zieht über uns eine Keilformation und es schnattert laut, sind es Gänse am Weg nach Süden. Die Ausflugsschiffe Barth-Zingst laden ein zur Beobachtung der Kraniche, täglich 6x.

Zingst 2.Okt (6) (Copy)

 

 

Ich steuere an der Pinne durch dieses Paradies, es ist eisigkalt, die Wollsocken helfen in den Gummistiefeln nicht gegen die beißende Kälte im Wind. Nach 3 Stunden Anker ab… die Strömung läßt unsre EOS quer zur Windrichtung „stehen“ und schwojen, das irritiert uns Ostsee-Neulinge. Meine Eisfüße bekommen gleich eine heiße Wärmflasche, von innen wärmt der 1. Grog der Seereise. Dann back ich leckere dünne Pfannkuchen zu Heidelbeer-Marmelade und dampfendem Kaffee. Lesen. NDR-Klassik-Musik hören.

Zander!ganz frisch v.Fischer (Copy)

Am Abend brate ich den frischen Zander, wohl 600 g, in Butter. Dazu knusprige Mecklenburger Bratkartoffeln. Soooo delikat!

Zingst 2.Okt (1) (Copy)Enge Fahrrinne,1.Okt (3) (Copy)

Am Morgen des 2. Okt. gehn wir um 10 Uhr Anker auf. Kalter Wind aus NW, 4 bft, in Böen mehr. Heute steuert Gerhard, im offeneren Seeraum düst und spritzt es, EOS voll gegenan. Der Mast vibriert, der Motor hat viel zu tun…. Kabbelige See, ich bewundere die Fischer, die aufrecht in ihren kleinen Booten stehen und angeln.

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Nach 4 Stunden erreichen wir Zingst, den Kur-Bad-Ort – die dicken alten Dalben haben die DDR noch erlebt. Wir legen an der langen Reihe der Pfosten am Holzbrettersteg hinterm Deichdamm an. Der Ort sehr westlich, alles neu für die Touristen, schöne Häuser, auch Plattenbauten fröhlich farbig,  viele Modeläden, schicke Gehwege mit neuem Pflaster, zahlreiche Schmuck- und Souvenirläden, Cafés, Pizzeria, Fischlokale, Eisdielen, Ferienwohnungen, neue Parkplätze, auch am Edeka nur für 1 Std. Parken erlaubt, dann 10 € und mehr.

 

Wir pilgern zur langen Mole am Sandstrand, vorn ist eine silberne haubenartige Tauch-Gondel. Ein Naturschauspiel sind die lang anrollenden Brecher der Brandung… nur wenige Kinder schaufeln Sand für eine Burg… Wir klettern auf den Aussichtsturm am Hafen und können weit über das Schilfmeer mit den Vogelfamilien blicken.

Zingst, Liegeplatz Hafen.2.Okt (2) (Copy)Zingst, Liegeplatz Hafen.2.Okt (3) (Copy)Zingst, Liegeplatz Hafen.2.Okt (4) (Copy)Zingst, Liegeplatz Hafen.2.Okt (5) (Copy)

  • Am Schiff färben sich die Wolkenberge plötzlich orange-rosa…

Am Dienstag, 3. Okt. ist Tag der deutschen Einheit, viele Passagiere sind mit Ferngläsern auf den Ausflugsbooten und Raddampfern. Um 10 Uhr starten wir mit Wind unter dunklen Regenwolken. Die Isomatte (aus einem Sessellift) wärmt meine Füße von unten im Cockpit, diesmal in Goretex-Winterstiefeln. Heute sind doch etliche forsche Segler mit uns auf der schmalen Segelstraße unterwegs, fast wie bei einer Regatta. Herrliches Segeln, teils Wind von achtern und mit Fock und Groß als „Schmetterling“… da muß man ganz exakt nach Windrichtung steuern, auch in der schmalen Fahrrinne… Es ist eisig kalt, alle Segler sind doppelt so dick wie sonst, vermummelt mit Daune, Wollpullover, Ölzeug, Pudelmützen, Handschuhen.

 

Und dann breitet sich nach einem halben Sonnenstrahl noch einmal die Silhouette von Stralsund vorm Bug aus. Es hat NICHT geregnet.

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Zingst-Stralsund 3.10 (4) (Copy)Zingst-Stralsund 3.10 (12) (Copy)Zingst-Stralsund 3.10 (11) (Copy)Wir sind zu schnell gesegelt:-) denn grad schließt sich die 15-Uhr-Brücke.

Zum Warten an den Dalben(Klappbrücke) (Copy)

Am Dalben angebunden warten wir gar nicht ungern noch 2 Stunden mit heißem Grog, Nescafé und einem Croissant. Um 17.30 gleitet die EOS ein letztes Mal in ihrem und unsrem Leben durch die für uns geöffnete Klapp-Brücke und fast von selber fährt sie uns wieder nach Dänholm in den kleinen fluß-ähnlichen Hafen.

Rosenkohl deftig (Copy) Ich koche den Rosenkohl und dazu gibt’s geschmälzte Kartoffeln mit Speck. Gut geht’s uns. Am letzten Morgen warmer Sonnenschein, ich flöte im T-Shirt an Deck Morgenlieder. Dann geht die EOS auf ihre letzte Ostseefahrt… zum Hafen Neuhof mit dem Kran für den Lastwagen….. zur Heimfahrt an den Bodensee.

Stralsund II- und Erntedank-gottesdienst

Am Samstag segelten wir nun auf eignem Kiel nach Stralsund. Die Marienkirche lockte uns zur Besichtigung- und ein Chorkonzert mit dem Rostocker Motettenchor um 17 Uhr. Das ist immer ein besonderer Höhepunkt im Sporturlaub.

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Unser Ausblick vom Liegeplatz aus!

Und hier mal im Ölzeug rundum geschaut!

 

St. Marienkirche Strals (1) (Copy)

MarienkircheSt. Marienkirche Strals (2) (Copy)St. Marienkirche Strals (3) (Copy)

St. Marienkirche Strals (4) (Copy)
Es bleibt noch viel zu tun…

Schön, dass die Häuser wieder so aussehen.

 

Die großen majestätischen Kirchen in Stralsund waren bereits zum Staunen, auch bewundernswert die Restaurierung für sehr viel Geld, viel von Spendern, über 30 Jahre. Angesichts der nur 2 % regelmäßiger Kirchgänger kommt man ins Grübeln… Zur Ehre Gottes, zum Bestaunen der Kunstwerke vergangener Jahrhunderte, zum Hören der gigantischen Orgeln bei Konzerten-aber zu Gottesdiensten…?Beim Erntedank-Gottesdienst war aber die Nikolai-Kirche gefüllt von evangelischen Christen, fast alle „wandelten“ zum Abendmahl.

Festlich und fröhlich die Reden der beiden Pastoren, sogar mit Fragen an die sich meldenden Gemeindeglieder, zu denen der Pfarrer mit dem Mikrofon ging. Die Speisung der 4000, es ist für alle genug da..

Stolz erfolgte die erste Präsentation der neuen kleinen Truhenorgel, aus vielen Spendengeldern nach 11 Jhr. ermöglicht und im Auto transportabel. Festlich der Gesang des Bach-Chores, reichlich bestückt und mit Ährenkrone geschmückt der Erntedank-Altar. Voller Dank die Liedertexte…

Erntedank in St. Nikolai (Copy)

 

Orgel in St. Nikolai (Copy)  IMG_6454

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Ein munteres Lied aus Jamaica, vom Weltgebetstag mir bekannt:-)

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Faszination der Meere: Ozeaneum in Stralsund

Die majestätischen Kirchen in Stralsund lassen einen staunen, auch gern besichtigt von Busreisegruppen und Kunstkennern…Aber noch viel mehr Gäste zieht das neue Ozeaneum mit seiner teils gigantischen Meeresausstellung und den riesengroßen Wal-Skeletten und Präparationen an! Ein ewiges Kommen und Gehen, Junge und Alte, Kinderwagen und Tragetuch, Rollator und spielende Kinder, Schulklassen, alle sind dabei.

Hier einige Fotos (ohne Blitzlicht) von unserem Besuch.

 

Auf dem „Dach“ des originell gestalteten Museums tummeln sich mit bestem Blick über Kirchen und Dächer niedliche Kaiserpinguine!

Vorbei an der Gorch Fock nach Altefähr/Insel Rügen

Am letzten Abend koche ich wieder mal einen deftigen bayerischen Schweinsbraten.

 

 

In der DDR arbeiteten 6800 Menschen in der Werft, heute 1200..

Am Donnerstag aber machen wir um 11.35 Uhr die Leinen los in dem gemütlichen Seglerhafen Dänholm und tuckern durch die enge Rinne vor zur großen Werfthalle. Warten. Erst um 12.20 wird die riesige Klappbrücke hochgezogen, ein technisches Wunderwerk. Galerie anklicken!

 

 

Ein Kreuzfahrschiff, ein alter Kutter, die Eos und die Gorch Fock!

Die Stadtkulisse mit den roten Ziegelbau-Fassaden und mittendrin das kolossale weiße Ozeaneum…

 

Wir fahren durch die Hafeneinfahrt in Stralsund und segeln auf die Insel Rügen und Hafen Altefähr zu.

 

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Unser Liegeplatz mit trüber Aussicht.

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Eos wird fest angebunden an den Pfosten…nachts soll Wind kommen. Und Regen.

Dann hebt sich minutenlang die Nebelwand und wir können den Badeort Altefähr bei Sonne besuchen. Reetdächer, schöne Haustüren, das Pfarrhaus im Garten… Nachsaison, das Schiffle der Weißen Flotte fährt nur noch 2x am Tag…

 

Eindrucksvoll veranschaulicht ein Vries die Silhouette der Hansestadt Stralsund am Strandweg.

 

Als wir zurück kommen, zeigt sich kurz die Sonne und das Stadtbild erinnert an die Dresden-Ansicht von Canaletto…

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Am Abend brate ich den großen frischen Zander (vom Fischer in Dänholm) in Butter – ein Gedicht! Nach Mitternacht setzt böiger Wind mit Regen ein. Unruhig zuckt die Eos in den kurzen Wellenstößen 70 x pro Minute und ich finde kaum Schlaf. Früh kommt das Fährschiff nicht… Ein Schaden am Schiffsmotor. Wir können nicht übersetzen. Ruhetag. Grau. Regen. Demut gehört zum Segler-Leben 😉 Dann eben morgen…

 

Hansestadt Stralsund – 23.+24.9.19

IMG_6240Blick zur Neuen Rügenbrücke, Richtg. Altefähr (Copy)IMG_6239Beginn Stadtrundfahrt am Hafen (Copy)

Hansestadt Stralsund – 23. Sept. 2019

Die Nacht am Anker war ziemlich lärmig, der Wind hielt pausenlos an und der Anker ließ EOS schwojen wie beim Segeln. Um 6 Uhr schlug mein Skipper vor, gleich ohne Frühstück Anker auf zu gehen und vor Zunahme auf 4-5 bft raus in den Strelasund und rüber in einen näheren Hafen als Hiddensee (28 sm) zu segeln. Nur mit Vorsegel sind die 8,2 sm dann auch flott in guten 2 Stunden gesegelt. Raumer Wind und nicht nass im Cockpit:-) Wir tasten uns vorsichtig zwischen den Bojen in die enge Fahrrinne (ausgebaggert auf 2-2,5 m) des Seglerhafens Dänholm und bekommen einen ufernahen Liegeplatz unter hohen Laubbäumen angewiesen. Familiär, sehr friedlich. Gleich nebenan das NAUTINEUM und vor uns hinter der kleinen Straßenbrücke sichtbar die riesige 4,5 km weit gespannte neue Rügenbrücke, die an Hamburg erinnert, weil sie auch an harfenartigen fächerförmig ausgespannten schrägen Stahlseilen aufgehängt ist. Höchster Punkt von Stralsund mit 102 m am Pylon! Daneben die klappbare (alte) Rügenbrücke mit Eisenbahn und Fahrstraße. Der ICE fährt hier über den Strelasund bis Sassnitz! Wir staunen, wie alles klappt: erst der Zug, dann die wartenden Segelboote und ein Containerschiff.

Nautineum Dänholm (2) (Copy)Nautineum Dänholm (1) (Copy)IMG_6333 (Copy)

Am Nachmittag besuchen wir das Nautineum, eine ansprechende Ausstellung: Fischereiwesen, Schiffsbau, Unterwasserstation, Fischen vor 100 Jahren vor Spitzbergen, Taucherrettungsboote, Seezeichen, Unterwasserlabor… Einige Kleinkutter liegen da, eine Halle die sich dem Walfang widmet (mit SW-Stummfilm von 1935). Neu war für mich die Kunst der hier üblichen Zeesenfischerei: Ein voll besegelter Kutter liegt quer und an langen Stangen an Bug und Heck ist das spezielle Zeesennetz wie ein Trichter mit Scherbrettern angeleint, der Wind treibt das Boot seitwärts und so wird gefischt!

 

Wir fühlen uns im kleinen Seglerhafen von Dänholm-Süd so wohl, dass wir die große Stadt nicht mit der EOS anlaufen. Wie „Land-Urlauber“ wandern wir über die (geschlossene…) Brücke rüber und staunen über das Ziegelbau-Haus direkt unter der geschwungenen riesigen hohen neuen Rügenbrücke. Ein Relikt. Schön. Aber doch extrem. Dann kommen Neubauten nach 1989 in den Blick, kleine Villen mit Garten, Garage, Wintergarten, Handwerksbetriebe, Seglerbedarf, Edelstahl-Bearbeitung. An der Hauptstraße rote Fahrradstreifen… dahinter ein großes Asylanten- oder Flüchtlingsheim in endlosen Plattenbauten (aber am Dach 🙂 viele Solarzellen!). Daneben noch graue DDR-Blöcke, aber mit ganz neuen schneeweißen Sprossenfenstern in den khakigrauen Mauern.

Endlich ist wieder „Wasser“ um uns, Stralsund ist eine Insel wie Lindau, die Boote im Vorhafen von Stralsund liegen schräg an Pfosten, in den schmucken Altbauten locken nun Restaurants und Pensionen Gäste an.

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Blick nach Rügen, Altefähr

Noch ein paar Schritte und wir sind am Hafen. Da waren wir alle 5 schon mal 1992 mit dem Miet-Hymer-Wohnmobil. Damals waren hier noch so viele Ruinen, zerfallene Innenhöfe mit Galerien im Verfall, aber doch schon Gerüste und Planen, es ging los mit dem Wiederaufbau. Mich freut, dass soo viele Fassaden neu renoviert sind, mit Denkmalschutz-Auflagen und finanzieller Förderung von Land und Bund. Treppengiebel, Backstein, neue Fenster, Wandbemalung, alte Portal-Türen mit Verzierungen, oft auch die alten Handwerksbetriebe mit Namenszug belassen wie Maler und Tapezierer, Schreiner, Tuchwerkstatt, Faden, Garn und Wolle, Holzofen-Bäckerei usw.

Wie in Greifswald bin ich begeistert von den frohen bunten Farben an den Häusern. (Am Bodensee ist grad grau, anthrazit und schwarz modern…)

Viel Fußgängerzone, viele auch kleinere Läden, keine C&A-Kolosse, keine großen Einkaufscenter.

Am Hafen steht fast feierlich die weiße Gorch Fock I. Dahinter im Dunst der Kirchturm von  „Altefähr“ auf Rügen. Ein fast wagemutiger Neubau aber ist das schneeweiße OZEANEUM, neben den roten Ziegelhäusern… Der Busfahrer der Stadtrundfahrt erklärt uns, dass der Architekt mit den runden Mauern die geblähten Gaffelsegel eines Fischkutters nachahmen wollte… ???!!!! Die Stralsunder sagen, der Neubau sähe aus wie eine weiße ….Clopapierrolle!

Bei der Busrundfahrt setzen wir uns auf die Dachetage am Oberdeck. Stralsund ist nachweisbar mit dem Stadtrecht seit 1234! Wall- und Stadtmaueranlage sind noch in Resten vorhanden, nur noch 2 von 45 Stadttoren. Die ehem. Luftschutzbunker und später DDR-Überwachungsstationen sind nun Fledermauswohnungen…. Wir erfahren viel über die Geschichte, den rasch steigenden Bedarf an Wohnungen, die Kriege, Bündnis mit Schweden 1628, dann die Zeit von 1645-1815, als man sich samt Vorpommern zu Schweden bekannte. Viele ganz alte Straßenzüge sind erhalten, die Neubauten fügen sich harmonisch ein. Die Autos müssen meist „draußen bleiben“- gelungen! Nach der Rundfahrt bummeln wir durch die Altstadt, zu den 3 evangelischen Kirchen, nett die kleine „Heilgeist-Kirche“ am Frankendamm (Frank war ein Gönner der Stadt), eine ehem. Klosterkirche, ihre Fassade von einem 1000 Jahre alten Weinstock dicht berankt, gebaut für die Armen vor der Stadt..

Stolz und riesengroß erhebt sich vor uns die Nikolai-Kirche am Alten Markt. Der 2. Turm hat keine Zwiebelhaube, er ist nur flach abgedeckt. Aber im Inneren wird viel renoviert. Mir gefällt die barocke Überladung nicht. Die große Buchholzorgel von 1840 schwieg. Sie ist restauriert seit 2006. Seit ca. 30 Jahren wird gerettet, z.Zt. das riesengroße Dach. Man kann einzelne Dachteile als Spender erwerben… Direkt neben der Kirche steht auf dem großen Alten Markt-Platz (wie in Greifswald mit flachem „begehbarem“ Wasserbecken mit Springbrunnen) das stattliche rote Rathaus mit den 7 schlanken Türmchen, die die 6 filigranen Spitzgiebel-Mauern stützen, deren runde Rosetten den Himmel durchscheinen lassen. Wie 6 Kirchturm-Uhren nebeneinander, darunter Spitzgiebel-Fenster wie in einer gotischen Kirche, auch diese innen hohl zum Durchschauen. „Durchbrochenes Mauerwerk“ nannte Humboldt diese filigrane Spitzgiebel-Schaufassade.

Der Innenhof des Rathauses (inzwischen mit Glas überdacht) sieht aus wie ein stattliches Bürgerhaus, mit farbigeen hölzernen gedrechselten Galeriegeländern und Säulen mit verschiedenen bunt bemalten geschnitzten kunstvollen Holz-Ornamenten auf den Sockeln. Jede ein Einzelstück, wunderbar. Im Laden gibt es Stralsunder Marzipan: weniger Zucker, mehr Mandelgeschmack, umhüllt mit herber Zartbitter-Schokolade. Draußen Cafés, Hotels, Ristorante, alles gut besucht.

Die Fotos mögen einen Eindruck vermitteln von Stadtbild und Kirchen. Nikolai und Marienkirche. Auf Bildtitel hab ich verzichtet.

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Stadtmodell

 

IMG_6314 (Copy)Mein Dank-Zettele in der Kirche…

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Wir bummeln durch die Altstadt, kaufen Gemüse, Obst, ein Stück Kamm für einen Schweinebraten (aus dem Drucktopf) und laufen dann zurück zum Seglerhafen Dänholm. Kein Regen. Aber der Wetterbericht kündet von 8-10 Windstärken nächsten Dienstag… Vorher wollen wir nach Altefähr und Stadthafen Stralsund, um bis Montag wieder zurück in Dänholm sein, geschützt vor scharfen Böen und Seegang. Bis 4. Okt. peilen wir unsren Zielhafen Neuhof zum Mastlegen an… LKW-Transport am 7.Okt.

Möge alles so gelingen.

Schönes Ankern in Bucht vor Neukamp+ Glewitzer Bucht (20./21.9.)

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Oben die Galerie anclicken für Einzelfotoschau.

Um 10 Uhr lösen wir die Leinen in Greifswald und motoren den Ryck vor zur Klappbrücke. Gleich reffen wir draußen die Fock und drehen um 12 Uhr auch 2 Reffs in das Großsegel. 4-5 bft. Gischt legt Schaumstraßen aufs Meer. Eos segelt wunderbar weich durch die Wellen. Viele Segeler sind unterwegs, es ist fast wie bei einer Clubregatta.

Gegen 14 Uhr steuern wir einen Ankerplatz an vor Neukamp bei Lauterbach. 6m Wassertiefe. Raus aus Ölzeug und Wollmütze. Herrlich war’s. Ein Glas Wein und Räucherfisch aus Wiek als Festmahlzeit!

 

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Am Abend gibt’s Lachs aus meiner Pfanne mit selbst gerührter würziger Crème fraîche, Pellkartoffeln und Salat. Die Nacht wird windig. Lärm am Anker, um den Eos schwojt.

Am nächsten Morgen Anker auf. Wir segeln mit Reff weiter zur Glewitzer Wiek und unsrem neuen Ankerplatz, Rinder weiden, viele Wasservögel tummeln sich auf einer schmalen Nehrung. Ich sitze träumend am warmen Deck und sonne mich. Das Bad im Meer war nur kurz bei 14’C Wassertemperatur. Ein traumhaft schöner Sonnentag mit 22 °C. Am Abend wird uns ein zauberhafter Sonnenuntergang geschenkt.

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Glewitzer Wiek copy
Vogelhaken heißt die kleine Nehrung vor unsrem Ankerplatz
Sonnenaufgang 6.59 Uhr copy Glewitzer Wiek,Ankern (Copy) (1)
Vogelschwärme, in Formation

IMG_6224 (Copy) Auch der nächste Morgen beschert um 6.58 einen rosa Sonnenaufgang. Ein flaches Kreuzfahrschiff zieht langsam am Strelasund vorbei…

IMG_6227 (Copy)IMG_6228 (Copy) Wir bleiben noch… und der Sonnenuntergang wird wieder sooo schön.

Glewitzer Wiek copy IMG_6229 (Copy)IMG_6232 (Copy)IMG_6233 (Copy)

Unvergeßlich… daran erinnern wir uns noch mit 80…. 🙂