Unser kleiner Haushalt im Schiff

Blick vom Eingang zum Vorschiff Unser Wohnzimmer, Kajüte m.Ledercouch,vorn rechts Petr.lampe am Herd

Unsere Blog-Follower können sich sicher nicht vorstellen, wie der kleine Haushalt auf den 5m bewohnten Unter-Deck-Welt funktioniert. Ich habe eine Serie von Fotos gemacht, die zeigen, wo wir schlafen, kochen, wo die Teller+Tassen stehen, die Töpfe verstaut sind, wo Bierdosen lagern(unter den Bodenbrettern überm Kiel), wie winzig das Clo ist (der Fäkalientank ist unter meiner Vorschiffkoje eingebaut), daß hinterm Clo gleich der halbe Meter „Schrankraum“ ist. Man sieht, wo Medikamente und tägliche HHygieneartikel sind, wie’s im derzeit defekten Kühlschrank aussieht und wie sich der Salon präsentiert oder das dreieckige Schlafgemach im Bug…

Hier die Bilder:Klick

Das „kleine“ Meer- adieu Istanbul!

Istanbul verlassen wir auf den zweiten Anlauf. Gerdi hat mit ihren scharfen Augen einen Riss im oberen Großsegelbereich entdeckt, ca. 15 cm lang. Sollen wir ihn jetzt reparieren oder ohne Großsegel weiterfahren oder umdrehen und am Ankerplatz in ruhigem Wasser nähen? Wir entschließen und zum Umdrehen. Wir sind ja erst 1 ½ sm versegelt. Nach einer Stunde nehmen wir den 2. Anlauf. Langsam wird die Metropole kleiner und verschwindet im Regengrau.

Istanbul wird kleiner... (1500x729)

Wir erreichen den Ankerplatz für Frachtschiffe. Über 70 Einheiten liegen auf Reede. Wir schlängeln uns unter Segel durch und lernen alle möglichen Schiffstypen kennen. Schon interessant.

Vorbei an vielen ankernden Frachtern (1500x1125)

Istanbuls Vororte nehmen kein Ende. Yesiliköy, der Flugplatz: Wie auf einer Perlenkette schweben die Flugzeuge ein, alle Minuten ein neuer Jet. Weiter geht die dichte Besiedelung, Haus an Haus, Feriensiedlungen mit über hundert Häuschen. Dazwischen immer wieder die schlanken, an Bleistifte erinnernden Minarette. Übergangslos geht Istanbul in die Großstadt Ambarli über. Den Berg hoch Haus an Haus und oben am Horizont Wohnhochhäuser. Am Meer unten der Containerhafen. Auch hier Schiffe auf Reede ankernd. Alle Terminalplätze belegt. Hier brummt das Geschäft, die Lira rollt. Weiter Haus an Haus. In Silivri planen wir vor dem Hafen zu ankern. Wir laufen aber auf Grund und ankern daher mitten im Hafen (wir haben ja noch keine behördliche An Landeerlaubnis) Schönes Abendrot. Risotto und letztes Bier aus dem „Keller (der Bilge).

Unser Ankerplatz an der nordküste des marmara Meeres (1500x1125)

Früh am anderen Morgen, die Sonne geht gerade auf,  starten wir.  Jetzt erst lockert die Bebauung auf und Brachland begleitet das Meer. Schöner Segelwind. Voraus 400 m hohe Berge auf beiden Seiten den Dardanellen zu. Meine Vermutung trifft ein: Der Wind zwängt sich wie in einer Düse zwischen die Berge, nimmt zu und dreht auf achtern. Alle Segel verkleinern, dann Vorsegel einrollen. Die See beginnt zu rollen. Um eine Patenthalse zu vermeiden, nehmen wir auch noch das Großsegel weg und schaukeln uns die letzten Meilen zum Hafen von Mürefete unter Motor.

Bft 5-6 (1500x1125)

Einfaches Anlegen. Wir nehmen alle Fender an die linke Seite und lassen uns an die Kaimauer drücken. Ein besserer Platz ist nicht frei. Nachts legen sich noch 2 Fischer im Päckchen hinter uns. Wie sollen wir nur am Morgen von diesem Platz loskommen, wenn uns der Wind an die Mauer drückt? Aber der Wind lässt nach und vor uns verlässt die Yacht ihren Platz. Also umsonst gesorgt.

Der Wind verhält sich ruhig, nach kurzer Segelei hilft der Volvo. Wir nähern uns der Schifffahrtsstraße von Istanbul, halten uns aber am Rande außerhalb. Jetzt queren wir noch auf die andere Dardanellenseite und ankern im Hafen von Lapseki. Angenehm, schönes Wasser, ausruhen.

Sonntag. Essen wird knapp. Aber 2 Frühstückseier sind noch da. Dann mache ich noch die Deviationskontrolle der Selbststeueranlage und stimme sie mit dem GPS Kompass ab. Dann legen wir ab, queren den Schifffahrtsweg und lassen uns mit Motor und Strömung nach Süden tragen.  Viele Schiffe kommen uns entgegen und überholen uns. Aber nur ein einziges verursacht 2 Wellen, die EOS zuerst hochheben, dann in die 2, Welle drücken. Wasser kommt über Deck und Kajüte und ergießt sich durchs geöffnete Luk ins Vorschiff auch auf Gerdis Koje. Oh jeh! Vor Canakkale müssen wir nochmals queren. Das erinnert an das Queren einer belebten Straße. Einen Frachter aus Chile  passieren wir am Heck vor einer LKW Fähre und vor einem großen Frachter, der uns entgegen kommt.  Im Hafen Canakkale arbeiten die Behörden am Sonntag nicht. Noch einen Tag müssen wir mit Zwieback und Wasser und Spagetti auskommen.

Und zum Schluss alle Bilder hier:

und der Reiseweg hier:

Bosporus Tour … + Istanbul!

Alle Bilder hier:

( Klick oben auf das blaue Wort „hier“ !!)

und hier noch die Karte der Reise

(wieder Click auf das Wort „hier“!)

Der Bosporus begrüßt uns nach der nächtlichen Fahrt von Bulgarien mit den beiden riesigen Pylonen für die neue, dritte Brücke. Ein Ruhetag im Hafen von Poyraz. Bis hierher dringt noch die Brandung, die seit Tagen das Schwarze Meer – und uns – mächtig bewegt. Ein Schiff nach dem anderen schiebt sich langsam am Hafen vorbei. Wer hätte gedacht, dass wir jemals diese legendäre Wasserstrasse befahren würden, im eigenen Schiff?

Wir queren auf die rechte Seite. Kräftiger Wind und 2 Kn Strömung schieben uns. Wir nutzen den Motor. Der Wind käme in diesem mehrfach geknickten, tief eigeschnittenen Wasserweg zu unstet. Wald, locker bebaute Flächen. Große Schiffe kommen uns entgegen. Ein Bugsierschiff überholt uns rückwärts fahrend. Dann der erste Knick nach links bei Büyükdere. Im blauen Dunst vor uns die Wolkenkratzer Istanbuls. Hier aber, auf der europäischen Seite, kleine, große, mächtige Villen, sehr gepflegt, Jugendstil aber auch kantig modern. Täusche ich mich, oder residiert da nicht auch der deutsche Botschafter? Fahne, Wachpersonal und Mauer lassen das vermuten. Istanbul scheint ja wirklich ein gemütlicher Ort zu sein. Dann die erste Brücke. Die Villen darunter bräuchten eigentlich kein Dach, das würde die breite Fahrbahn direkt darüber besorgen.

Die südliche Bosporus Brücke (1500x1125)

Dann aber die geschäftige nächste Stufe. Restaurants, Wohnblöcke und jede Menge Anlegeplätze. Ausflugsschiffe kommen uns entgegen, wenige Fahrgäste. Es ist stark windig, nicht bequem auf offnen Ausflugsbooten… Und die Saison geht zu Ende.

Nach der zweiten Brücke öffnet sich der Blick auf das Zentrum. Keine Rede mehr von einem gemütlichen Ort. Nur Häuser und dahinter klotzige Hochhäuser.  Breit wird hier der Bosporus. Viel Wind mit uns, weiße Schaumkronen. Repräsentative Staatsbauten auf beiden Seiten. In der Ferne die Minarette der Aya Sofia Camii und die Kuppel der Blauen Moschee und das Topkapi Sarayi. Rechts neben uns die schöne Ortaköy Chamii, feinst verziert.

Ortsköy Cama (1000x750)

Jetzt wird der Schiffsverkehr lebhaft. Fähren fahren quer, Ausflugsschiffe kommen uns entgegen und überholen uns. Viel Wellen! Dazwischen schieben sich in langsamem Tempo große Frachtschiffe. Wir lassen EOS gemütlich laufen, wir wollen ja Eindrücke aufnehmen. Vor lauter Schauen, welches Schiff von rechts und links kommt, vergessen wir, wer von hinten aufkommt. Bis mich eine der schönen alten Fähren antutet. Kein Problem, ein Schlenker nach rechts und die alte, würdige Dame überholt mit freundlichem Gruß vom Kapitän.

Eine personenfähre (1500x1082)

Das goldene Horn liegt knapp rechts. Diese einmalige Silhouette bestimmt aber die MSC PREZIOSA, der Kreuzfahrer liegt breit und mächtig davor. Passt nicht recht hierher. Wir queren auf die asiatische Seite und ankern vor Fenerbahce vor dem bekannten Stadion.
Wollten wir diese 18 Millionen- Stadt von Land aus kennen lernen, dann müssten wir einen Hafen aufsuchen und einklarieren. EOS trägt ja immer noch die gelbe Flagge unter der Türkischen Gastflagge als Zeichen, dass wir noch nicht die behördliche Erlaubnis zum Anlanden haben. Für einen Tag in Istanbuls Häfen müssten wir mindestens 80 Euro berappen. Das Einklarieren (geht nur mit Agenten) soll mindestens 200 Euro kosten. Aber das Entscheidende: Wir haben keine Lust auf 2 Tage irres Stadtleben Für diese Megastadt soll man sich mehr Zeit nehmen. Vielleicht widmen wir ihr eine eigene Reise, ohne unsere EOS. So bleibt Istanbul für Gerdi und mich eine Metropole aus Wassersicht.
Anderntags holen wir bei wolkenverhangenem Himmel den Anker ein, kehren aber nach 2 Meilen wieder um und ankern ein 2. Mal: Segel gerissen: Gerdi erkennt von der Pinne aus eine geplatzte Naht im Großsegel. Nach einer Stunde Nähen legen wir erneut ab, queren jetzt nochmals den Bosporus, schlagen Haken um mächtige ein- und ausfahrende Frachtschiffe, schlängeln uns zwischen den  vielen Ankerliegern durch und erreichen die Nordseite des Marmara- Meeres. Istanbuls Zentrum bleibt zurück und löst sich im Regengrau auf. Nicht aber die Vororte, sie begleiten uns an Land noch stundenlang.