23. Mai 2009Die südliche Landschaft und auch die heiße Sonne begleiten uns auf denen letzten 100 Kilometern zum Mittelmeer. Eben haben wir bei Viviers den Durchbruch der Rhone durch felsiges Ufer hinter uns gelassen, die Ufer öffnen sich und werden wieder flach.Bei St. Jean de Losn haben wir den schmalen Rhein- Rhone Kanal verlassen und sind in die Saone eingebogen. Nun können wir den Blick vom Tiefenmesser nehmen, wir haben fast ständig über 3 Meter Wassertiefe. Träge wälzt sich der Fluss in seinem natürlichen Bett, um uns wilde Ufer, gelegentlich ein paar Häuser oder ein Dorf. Untiefen werden durch Boien und Baken gekennzeichnet. Wir ankern gelegentlich an der Einmündung eines Seitenarmes außerhalb der Fahrrinne, denn auch nachts fahren Frachtschiffe aber hauptsächlich große Kreuzfahrtschiffe vorbei. Der Anker hält gut und die Stille des Abends umfängt uns. Wir baden – das Wasser hat 18°C- Max macht Salat, ich brate Nürnberger Bratwürstl (ja, die gibt?s hier) und trinken Bier dazu. Am Morgen liegt Nebel über dem Wasser, aber die Sonne vertreibt die Schwaden bald und nach dem Frühstück gehen wir Anker auf. Der Motor arbeitet einwandfrei mit 1300 Umdrehungen und mit Strömung sind wir etwa 6 Km/Stunde schnell. Gelegentlich unterbricht eine Schleusung den Reisefortgang. Üblicherweise steht das Einfahrtsignal auf „rot“ und wir warten. Der Schleusenwärter sieht uns und bereitet die Schleuse vor. Wir erkennen das am Signal „rot und grün“. Das Schleusentor öffnet sich, falls Frachter oder Kreuzfahrer auch warten, müssen wir sie vorlassen und wenn wir noch Platz haben dürfen wir auch rein. Das Schleusentor schließt sich, das Wasser wird abgelassen, das untere Schleusentor öffnet und der Reihe nach verlassen wir die Schleusenkammer. Viel Verkehr ist nicht auf dem Wasser. Meist schleusen wir alleinig.Schon viele Kilometer vor Lyon sind die Ufer stark bebaut, Industrieanlagen stehen an den Ufern. Lyon ist eine Millionenstadt, wir legen längseits am Kai an und schlendern durch die Straßen. Der Verkehr erschlägt uns fast. Eine Stadt dieser Größe öffnet sich dem Besucher erst nach ein paar Tagen. So viel Zeit wollen wir aber diesem Moloch nicht widmen und verlassen anderntags den Kai. Jetzt mündet die Saone in die Rhone und wird zum breiten Strom. Küstenmotorschiffe können bis hierher fahren. Die Strömung ist kräftig und hilft uns zu einer Durchchnittsgeschwindigkeit von 10 Km/Std. Der Verkehr nimmt zu, die Schleusen werden riesig, sie senken uns um bis zu 23 Meter ab. Ist man in der Schleuse abgesenkt, sieht man den Himmel nur senkrecht oben, fast beängstigend. Breite und tiefe Kanäle wechseln sich mit gut gekennzeichneten Flussabschnitten ab. Auch Segler mit gelegten Masten und Motorbootfahrer begegnen uns jetzt häufiger. Meist fahren sie flussauf nach Belgien, Dänemark, Norddeutschland. Interessante Langzeitfahrer lernen wir kennen, meist Rentner wie wir. Manche sind die Donau abwärts gekommen und haben sich für die Strecke bis hierher über die Türkei, Griechenland und Italien jahrelang Zeit gelassen. Während der Winterzeit blieben die Schiffe im Süden, die Besatzung reiste nach Hause. Einer hat sogar Albanien besucht. Man hilft sich gegenseitig mit Rat und auch Tat. Unsere Flusskarten waren gefragt und wechselten zu den „Bergfahrern“ Wenn sie zu Hause sind bekommen wir sie wieder. Leider hatten wir bei Viviens eine unangenehme Grundberührung. Ein Unterwasserdemm war zwar verbal in der Flusskarte in französischer Sprache vermerkt, aber ausgerechnet hat für diese wichtige Information die deutsche Übersetzung gefehlt. Die Uferlieger wollten uns noch warnen, aber es war zu spät. Ich bin runtergetaucht um den Schaden zu besichtigen. Er ist nicht groß. Eos hat jetzt eine Delle am Kiel. Einen weiteren Halt und einen Ruhetag legten wir in Avignon ein. Man liegt ganz friedlich längseits am Kai im ehemaligen Flussbett der Rhone. In dieser Stadt beeindrucken der mächtige Papstpalast und die enge verwinkelte Altstadt. Hier starteten wir zu unserer letzten Etappe nach Port St. Louis. Nach der letzten reinen Flussschleuse sammelt der Strom zum letzten mal all seine Kraft und strömt rauschend an den Brückenpfeilern vorbei. 16 Stundenkilometer schnell sind wir dort. Nach Arles wird der Strom immer breiter und träger. An den Ufern sehen wir nur noch Bäume, gelegentlich mal ein Haus. Vor Port St. Louis scheint das Wasser als hätte es all seine Kraft verbraucht und weist kaum noch Strömung auf. Die letzten Meter der Rhone sind nicht schiffbar da sich beim Eintritt ins Meer unberechenbare Untiefen bilden. Die letzte Schleuse überwindet nur noch einen Hub von 5 cm, dann fahren wir in Salzwasser ein. (51 Kilometer und 136 Schleusen hat die Eos und ihr guter Vovo Penta Motor geleistet, 17 Tage waren wir unterwegs.Morgen werden wir voraussichtlich den Mast stellen und ab dann ist Eos ein „richtiges“ Segelschiff.
Kategorie: Reisen vor 2014
Eos- Mittelmeer- Segeltörn, 6 Monate 2009
Die Reise mit der „Eos“ startet am 4. Mai in Friedrichshafen Seemoos mit dem Straßentransport bis Rheinfelden. Dort lassen wir das Schiff zu Wasser und werden über die Kanäle und Flüsse Frankreichs nach Marseille fahren. Von dort planen wir die Weiterreise – jetzt unter Segel- über Korsika, Sardinien und Sizilien in die Ägäis. Für den Törn haben wir ein halbes Jahr vorgesehen.Die Kanal- und Flussstrecken werden wir mit Motorkraft und gelegtem Mast zurücklegen. Die Teilstrecken:
- Rheinfelden bis Niffer auf dem Rhein abwärts: ca. 30 km,
- Niffer bis bis St. Symphorien auf dem Rhein- Rhone Kanal und der kanalisierten Doubs, 236 km und 114 Schleusen. Mit diesen Schleusen wird ein Aufstieg von 230 m und ein Abstieg von 179 m bis zur Mündung in die Saone bewältigt.
- St. Symphorien bis Lyon auf der Saone flussabwärts: 213 km, 5 Schleusen
- Lyon bis Port st. Louis am Mittelmeer, flussabwärts: 310 km, 13 Schleusen.
Die Strecke von Rheinfelden bis ans Mittelmeer begleiten mich Jörg Pieper aus Friedrichshafen und Max Bartl aus München. Ab Nizza begleitet mich dann meine Frau Gerdi.
Zum Schiff: Die „Eos“- eine „Mistral 33“- wurde in der Werft Hallberg Rassy (Schweden) 1974 gebaut. Nr.154!
Länge 9,98 m, Breite 3,0 m, Tiefgang 1,5 m.
Alles was zum fahrenden Leben gebraucht wird, ist an Bord.Hier einige Bilder von Mannschaft und Schiff:
Die Reise:Der Transport über die nächtlichen Straßen verlief vollkommen problemlos und das Einsetzen in den Rhein auch. Normalerweise werden hier nur große Binnenfrachter entladen, und gelegentlich Plaisierschiffe. Die Reise flussab in starker Strömung und Schleusungen mit großen Schiffen ist uns allen neu und dankbar lauschen wir den vielen Informationen vom Kranchef. Bei den großen Rheinschleusen haben wir uns mit Handy angemeldet und fuhren immer nach den Berufsschiffen ein. Es ging immer so 15 m in die Tiefe und ohne Probleme. Basel sahen wir mal aus anderer Sicht von unten nach oben wie einen langsamen Film vorbeiziehen. Vor und nach Basel kommt mächtige Industrie. Nach Basel zweigt der breite Grand Canal d`Alsace links ab. und nach 10 km etwa wiederum der Rhein- Rhone Kanal nach Mulhouse und weiter. Nach Basel wird das Land flach, weiter weg sieht man den Schwarzwald und die Vogesen mit Schnee auf den Kuppen. Auch hier ist der Kanal für große Schiffe gebaut. Vor Mulhouse wird er Kanal dann ganz schmal und ist nur für kleine Schiffe zu befahren. Hier lagen wir die zweite Nacht im Hafen. Manche Häuser dieser Stadt sind bemalt mit Fenstern und Menschen drauf, so unglaublich echt. Max kocht ganz fein und wir beide stehen ihm zur Seite und sorgen für den Abwasch. Jetzt wird es ganz ländlich. Wie im Film gleitet die Landschaft vorbei, ruhe verbreitet sich, man kann ja nur schauen und alles ist langsam. Kleine Dörfer rechts und links, Felder, Weiden und in der Ferne immer die Vogesen. Die Leute rufen uns vom Ufer aus zu und schalten sofort auf Deutsch, wir sind ja im Elsass. Alle paar Kilometer fahren wir in eine Schleuse, werfen die Leinen den Schleusenleuten zu, das hintere Tor wird automatisch oder von Hand geschlossen, Wasser strömt ein und 10 Minuten spöter öffnet sich das obere Tor und weiter gehts. 2 Leute der Schleusengesellschaft fahren per Rad, Roller oder Auto mit, bereiten die Schleusen vor und schleusen anschliesend. von 12.30 bis 13.30 ist Mittagspause, auch für uns. Um 11 Uhr wird uns drei immer schlecht und um des Schweinegrippe vorzubeugen, trinken wir einen Finger hoch Brandy, dann ist uns wohler In Dannemarie fuhren wir die Eos in den Schlick am flachen Ufer und banden sie für dei Nacht fest. Die Bewohner hier sind außerordentlich freundlich, auch die Jungen grüßen auf den Straßen, wir sind halt auf dem Land. Nach Dannemarie kommt eine Schleusentreppe. 12 Schleusen auf einer Länge von nicht mal 3 Kilometern überwinden 32 Höhenmeter. Das dauert einen halben Tag. Jetzt haben wir den Scheitelpunkt erreicht und nun schleusen wir nur noch abwärts. Die Schleusenbegleiter werden jetzt durch ein elektronisches Kästchen ersetzt. Vor der Schleuse drückt man 3 Knöpfe, wenn das rote Licht auf grün wechselt, fährt man ein, schiebt eine Stange nach oben, das obere Tor fährt zu, die Schleusenkammer leert sich, Tor unten öffnet sich und man fährt raus, alles automatisch und kinderleicht. Jetzt ist man zeitlich ungebunden, das Trinkgeld für die Schleusenequipen entfällt, aber die netten Leute leider auch. So liegen wir nach wohlverbrachter Nacht in Mulhouse, So geht es weiter bis L´Isle- Sur- Le- Doubs. Jetzt verleuft das Fahrwasser im Doubs. Das ist zwar kein mächtiger Fluss, die Fahrrinne ist schwer zu finden und die Kennzeichnung durch Bojen spärlich. Der wechselt ständig zwischen Echolot zum Fluss. Mal haben wir 3 m unterm Kiel, dann wieder nur 10 cm. Es fehlt uns auch die Erfahrung. Das führt zu Grundberührungen auch auf felsigem Grund. Dann loten wir mit der langen Stangen und suchen tieferes Wasser. Mit 1,5 m Tiefgang haben wir größere Probleme als flache Motorboote und kleine Penichen. Die Landschaft wird immer felsiger. In großen Bögen schlängelt sich der Doubs zwischen bewaldeten und felsigen Ufern durch. Gelegentlich führt das Fahrwasser in Kanäle, die sind schmal und weniger tief als die im Elsass. 10 bis 30 cm unterm kiel, manchmal noch weniger lassen nur geringe Geschwindigkeiten zu. Nach Schleuse Nr42 bei Ougney-Les- Champs legen wir uns für die Nacht an einen Steg und sind froh, diese kritische Strecke hinter uns zu haben. Das GPS informiert uns: Tagesleistung: 44km, Gesamte Strecke: 191 km, Durchschnittliche Geschwindigkeit: 4,5 km/Stunde. Fußgänger können da mithalten.