Danzig, noch einmal

Vier Tage haben wir für diese schöne Stadt zur Verfügung.  Wir streifen kreuz und quer durch die Strassen der Altstadt. Die Häuser und Strassen sind stimmig. Keine modernen Fremdkörper, sieht man von der Insel gegenüber der Marina ab. Aber auch da sind die Formen der Häuser der Altstadt angepasst. Danzig ist schließlich Weltkulturerbe. Und gelegentlich muss man den Architekten auch freiere Hand lassen.

Wir besichtigen das Schiffahrtsmuseum und den historischen Dampfer, dessen Namen ich vergessen habe. Alte Mechanik, da fuhr noch ein Funker in seiner eigenen Funkerbude mit, umgeben von Röhrentechnik.

Ohne Ziel verlassen wir die Altstadt und gelangen zur alten Kaiserlichen Werft. Längst wachsen Büsche aus den Hallen, der Rost bestimmt die Farbe. 18000 Menschen verdienten hier einmal ihr Brot. Lech Walesa kämpfte da für bessere Arbeitsbedingungen, konnte aber den Untergang der Firma nicht aufhalten. Doch hier sprießt inzwischen Neues. Eine kleine Marina, Jachtbau, und andere Start Ups versuchen Ihr Geschäftsglück. Sehr gut, dass es so etwas gibt. Welch ein Glück, dass wir hierher gefunden haben, durch Zufall.

Jetzt, wo wir Polen bald verlassen werden, ist uns in jedem Ort aufgefallen: Junge und Alte sind sehr gläubig katholisch. Auch an ganz normalen Werktagen finden wir in den Kirchen immer Gläubige, die im Gebet versunken sitzen oder knien. 7 Gottesdienste an den Sontagen und wie wir sehen, sehr gut besucht. Sogar außerhalb der Kirche stehen oder knieen die Gläubigen. Auch mit einer Lautsprecherübertragung nach außerhalb.

 

Danzig, die Reiche

In 12 Tagen …308 Seemeilen

Segeletappe 17.-28. April

 

Wasserspeier und Bernsteinkettchen (Copy)

Von Wladyslawowo fahren wir bei gutem halbem Wind die lange Halbinsel Hel entlang. Wie die Zunge eines Chamäleons schiebt sich diese sandige, schmale Halbinsel ins Meer hinein. Im Hafen Hel genieße ich am Räucherstand die beste Makrele, saftig, butterweich, geschmackvoll. Regen am nächsten Tag auf dem Weg nach Danzig. Zum ersten Mal Begegnung mit der Großschiffahrt.

Danzigs Hafen zieht sich 3 Meilen auf der „Toten Weichsel“ ins Landesinnere. Gleich nach der Einfahrt macht die Westerplatte nachdenklich. Hier hat der 2. Weltkrieg seinen Anfang genommen. Vorbei an Fährterminals, Handelskais mit den mächtigen Kränen, an Werften und Trockendocks biegen wir genau gegenüber dem eindrucksvollen Krantor in den Sportboothafen ein. Wir liegen also sehr zentral und nur einen Steinwurf von der Altstadt entfernt. Auch hier ist der Hafen noch 3/4 leer. Die Saison beginnt gerade.

Danzig, die ehemalige reiche Hansestadt, haben die Russen im 2. Weltkrieg fast vollkommen zerstört. Jetzt zeigt sie sich, wieder aufgebaut, prachtvoll wie früher mit eindrucksvollen Backsteinhäusern und mächtigen Kirchen. Formenreiche Ziergiebel an den Bürgerhäusern begleiten die geraden, gepflasterten Straßen, die alle durch ein Tor zum Hafenfluss führen. Wir schlendern durch die Gassen und genießen die warme Sonne da und dort in einem Café. Das Schiffahrtsmuseum zeigt eindrucksvoll die Geschichte der Danziger Seefahrt. Vom Krantor ganz oben hat man einen Blick auf die vieltürmige Altstadt und die Dächer hinter den eindruckheischenden Zierfassaden. Am Hafen flattern die Fahnen aller Länder der EU, aber die EU-Fahne selbst fehlt. Was soll ich dabei denken?

Unsere EOS.. mit 45 Jahren! 17.-28. April

Von Stralsund bis Danzig hat uns die EOS in zwölf Tagen 308 Seemeilen sicher gebracht. Mal kein Wind, dann schönes Segeln, aber auch mal grenzwertig viel Gegenwind und Seegang…

Morgen gehen meine hilfreichen  Gäste von Bord. Danke! Auch ich  fahre im Zug heim und dann zu Erikas und Michis Hochzeit – im Allgäu. Ein paar Tage später kehre ich mit einem segelerprobten Freund wieder nach Danzig zum Boot zurück. Dann werden wir zu zweit unsere EO weiter in Richtung Tallin segeln. Wir sind gespannt auf die fünf Länder des Baltikums.