Hansestadt Stralsund – 23.+24.9.19

IMG_6240Blick zur Neuen Rügenbrücke, Richtg. Altefähr (Copy)IMG_6239Beginn Stadtrundfahrt am Hafen (Copy)

Hansestadt Stralsund – 23. Sept. 2019

Die Nacht am Anker war ziemlich lärmig, der Wind hielt pausenlos an und der Anker ließ EOS schwojen wie beim Segeln. Um 6 Uhr schlug mein Skipper vor, gleich ohne Frühstück Anker auf zu gehen und vor Zunahme auf 4-5 bft raus in den Strelasund und rüber in einen näheren Hafen als Hiddensee (28 sm) zu segeln. Nur mit Vorsegel sind die 8,2 sm dann auch flott in guten 2 Stunden gesegelt. Raumer Wind und nicht nass im Cockpit:-) Wir tasten uns vorsichtig zwischen den Bojen in die enge Fahrrinne (ausgebaggert auf 2-2,5 m) des Seglerhafens Dänholm und bekommen einen ufernahen Liegeplatz unter hohen Laubbäumen angewiesen. Familiär, sehr friedlich. Gleich nebenan das NAUTINEUM und vor uns hinter der kleinen Straßenbrücke sichtbar die riesige 4,5 km weit gespannte neue Rügenbrücke, die an Hamburg erinnert, weil sie auch an harfenartigen fächerförmig ausgespannten schrägen Stahlseilen aufgehängt ist. Höchster Punkt von Stralsund mit 102 m am Pylon! Daneben die klappbare (alte) Rügenbrücke mit Eisenbahn und Fahrstraße. Der ICE fährt hier über den Strelasund bis Sassnitz! Wir staunen, wie alles klappt: erst der Zug, dann die wartenden Segelboote und ein Containerschiff.

Nautineum Dänholm (2) (Copy)Nautineum Dänholm (1) (Copy)IMG_6333 (Copy)

Am Nachmittag besuchen wir das Nautineum, eine ansprechende Ausstellung: Fischereiwesen, Schiffsbau, Unterwasserstation, Fischen vor 100 Jahren vor Spitzbergen, Taucherrettungsboote, Seezeichen, Unterwasserlabor… Einige Kleinkutter liegen da, eine Halle die sich dem Walfang widmet (mit SW-Stummfilm von 1935). Neu war für mich die Kunst der hier üblichen Zeesenfischerei: Ein voll besegelter Kutter liegt quer und an langen Stangen an Bug und Heck ist das spezielle Zeesennetz wie ein Trichter mit Scherbrettern angeleint, der Wind treibt das Boot seitwärts und so wird gefischt!

 

Wir fühlen uns im kleinen Seglerhafen von Dänholm-Süd so wohl, dass wir die große Stadt nicht mit der EOS anlaufen. Wie „Land-Urlauber“ wandern wir über die (geschlossene…) Brücke rüber und staunen über das Ziegelbau-Haus direkt unter der geschwungenen riesigen hohen neuen Rügenbrücke. Ein Relikt. Schön. Aber doch extrem. Dann kommen Neubauten nach 1989 in den Blick, kleine Villen mit Garten, Garage, Wintergarten, Handwerksbetriebe, Seglerbedarf, Edelstahl-Bearbeitung. An der Hauptstraße rote Fahrradstreifen… dahinter ein großes Asylanten- oder Flüchtlingsheim in endlosen Plattenbauten (aber am Dach 🙂 viele Solarzellen!). Daneben noch graue DDR-Blöcke, aber mit ganz neuen schneeweißen Sprossenfenstern in den khakigrauen Mauern.

Endlich ist wieder „Wasser“ um uns, Stralsund ist eine Insel wie Lindau, die Boote im Vorhafen von Stralsund liegen schräg an Pfosten, in den schmucken Altbauten locken nun Restaurants und Pensionen Gäste an.

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Blick nach Rügen, Altefähr

Noch ein paar Schritte und wir sind am Hafen. Da waren wir alle 5 schon mal 1992 mit dem Miet-Hymer-Wohnmobil. Damals waren hier noch so viele Ruinen, zerfallene Innenhöfe mit Galerien im Verfall, aber doch schon Gerüste und Planen, es ging los mit dem Wiederaufbau. Mich freut, dass soo viele Fassaden neu renoviert sind, mit Denkmalschutz-Auflagen und finanzieller Förderung von Land und Bund. Treppengiebel, Backstein, neue Fenster, Wandbemalung, alte Portal-Türen mit Verzierungen, oft auch die alten Handwerksbetriebe mit Namenszug belassen wie Maler und Tapezierer, Schreiner, Tuchwerkstatt, Faden, Garn und Wolle, Holzofen-Bäckerei usw.

Wie in Greifswald bin ich begeistert von den frohen bunten Farben an den Häusern. (Am Bodensee ist grad grau, anthrazit und schwarz modern…)

Viel Fußgängerzone, viele auch kleinere Läden, keine C&A-Kolosse, keine großen Einkaufscenter.

Am Hafen steht fast feierlich die weiße Gorch Fock I. Dahinter im Dunst der Kirchturm von  „Altefähr“ auf Rügen. Ein fast wagemutiger Neubau aber ist das schneeweiße OZEANEUM, neben den roten Ziegelhäusern… Der Busfahrer der Stadtrundfahrt erklärt uns, dass der Architekt mit den runden Mauern die geblähten Gaffelsegel eines Fischkutters nachahmen wollte… ???!!!! Die Stralsunder sagen, der Neubau sähe aus wie eine weiße ….Clopapierrolle!

Bei der Busrundfahrt setzen wir uns auf die Dachetage am Oberdeck. Stralsund ist nachweisbar mit dem Stadtrecht seit 1234! Wall- und Stadtmaueranlage sind noch in Resten vorhanden, nur noch 2 von 45 Stadttoren. Die ehem. Luftschutzbunker und später DDR-Überwachungsstationen sind nun Fledermauswohnungen…. Wir erfahren viel über die Geschichte, den rasch steigenden Bedarf an Wohnungen, die Kriege, Bündnis mit Schweden 1628, dann die Zeit von 1645-1815, als man sich samt Vorpommern zu Schweden bekannte. Viele ganz alte Straßenzüge sind erhalten, die Neubauten fügen sich harmonisch ein. Die Autos müssen meist „draußen bleiben“- gelungen! Nach der Rundfahrt bummeln wir durch die Altstadt, zu den 3 evangelischen Kirchen, nett die kleine „Heilgeist-Kirche“ am Frankendamm (Frank war ein Gönner der Stadt), eine ehem. Klosterkirche, ihre Fassade von einem 1000 Jahre alten Weinstock dicht berankt, gebaut für die Armen vor der Stadt..

Stolz und riesengroß erhebt sich vor uns die Nikolai-Kirche am Alten Markt. Der 2. Turm hat keine Zwiebelhaube, er ist nur flach abgedeckt. Aber im Inneren wird viel renoviert. Mir gefällt die barocke Überladung nicht. Die große Buchholzorgel von 1840 schwieg. Sie ist restauriert seit 2006. Seit ca. 30 Jahren wird gerettet, z.Zt. das riesengroße Dach. Man kann einzelne Dachteile als Spender erwerben… Direkt neben der Kirche steht auf dem großen Alten Markt-Platz (wie in Greifswald mit flachem „begehbarem“ Wasserbecken mit Springbrunnen) das stattliche rote Rathaus mit den 7 schlanken Türmchen, die die 6 filigranen Spitzgiebel-Mauern stützen, deren runde Rosetten den Himmel durchscheinen lassen. Wie 6 Kirchturm-Uhren nebeneinander, darunter Spitzgiebel-Fenster wie in einer gotischen Kirche, auch diese innen hohl zum Durchschauen. „Durchbrochenes Mauerwerk“ nannte Humboldt diese filigrane Spitzgiebel-Schaufassade.

Der Innenhof des Rathauses (inzwischen mit Glas überdacht) sieht aus wie ein stattliches Bürgerhaus, mit farbigeen hölzernen gedrechselten Galeriegeländern und Säulen mit verschiedenen bunt bemalten geschnitzten kunstvollen Holz-Ornamenten auf den Sockeln. Jede ein Einzelstück, wunderbar. Im Laden gibt es Stralsunder Marzipan: weniger Zucker, mehr Mandelgeschmack, umhüllt mit herber Zartbitter-Schokolade. Draußen Cafés, Hotels, Ristorante, alles gut besucht.

Die Fotos mögen einen Eindruck vermitteln von Stadtbild und Kirchen. Nikolai und Marienkirche. Auf Bildtitel hab ich verzichtet.

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Stadtmodell

 

IMG_6314 (Copy)Mein Dank-Zettele in der Kirche…

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Wir bummeln durch die Altstadt, kaufen Gemüse, Obst, ein Stück Kamm für einen Schweinebraten (aus dem Drucktopf) und laufen dann zurück zum Seglerhafen Dänholm. Kein Regen. Aber der Wetterbericht kündet von 8-10 Windstärken nächsten Dienstag… Vorher wollen wir nach Altefähr und Stadthafen Stralsund, um bis Montag wieder zurück in Dänholm sein, geschützt vor scharfen Böen und Seegang. Bis 4. Okt. peilen wir unsren Zielhafen Neuhof zum Mastlegen an… LKW-Transport am 7.Okt.

Möge alles so gelingen.

Danzig, noch einmal

Vier Tage haben wir für diese schöne Stadt zur Verfügung.  Wir streifen kreuz und quer durch die Strassen der Altstadt. Die Häuser und Strassen sind stimmig. Keine modernen Fremdkörper, sieht man von der Insel gegenüber der Marina ab. Aber auch da sind die Formen der Häuser der Altstadt angepasst. Danzig ist schließlich Weltkulturerbe. Und gelegentlich muss man den Architekten auch freiere Hand lassen.

Wir besichtigen das Schiffahrtsmuseum und den historischen Dampfer, dessen Namen ich vergessen habe. Alte Mechanik, da fuhr noch ein Funker in seiner eigenen Funkerbude mit, umgeben von Röhrentechnik.

Ohne Ziel verlassen wir die Altstadt und gelangen zur alten Kaiserlichen Werft. Längst wachsen Büsche aus den Hallen, der Rost bestimmt die Farbe. 18000 Menschen verdienten hier einmal ihr Brot. Lech Walesa kämpfte da für bessere Arbeitsbedingungen, konnte aber den Untergang der Firma nicht aufhalten. Doch hier sprießt inzwischen Neues. Eine kleine Marina, Jachtbau, und andere Start Ups versuchen Ihr Geschäftsglück. Sehr gut, dass es so etwas gibt. Welch ein Glück, dass wir hierher gefunden haben, durch Zufall.

Jetzt, wo wir Polen bald verlassen werden, ist uns in jedem Ort aufgefallen: Junge und Alte sind sehr gläubig katholisch. Auch an ganz normalen Werktagen finden wir in den Kirchen immer Gläubige, die im Gebet versunken sitzen oder knien. 7 Gottesdienste an den Sontagen und wie wir sehen, sehr gut besucht. Sogar außerhalb der Kirche stehen oder knieen die Gläubigen. Auch mit einer Lautsprecherübertragung nach außerhalb.

 

Danzig, die Reiche

In 12 Tagen …308 Seemeilen

Segeletappe 17.-28. April

 

Wasserspeier und Bernsteinkettchen (Copy)

Von Wladyslawowo fahren wir bei gutem halbem Wind die lange Halbinsel Hel entlang. Wie die Zunge eines Chamäleons schiebt sich diese sandige, schmale Halbinsel ins Meer hinein. Im Hafen Hel genieße ich am Räucherstand die beste Makrele, saftig, butterweich, geschmackvoll. Regen am nächsten Tag auf dem Weg nach Danzig. Zum ersten Mal Begegnung mit der Großschiffahrt.

Danzigs Hafen zieht sich 3 Meilen auf der „Toten Weichsel“ ins Landesinnere. Gleich nach der Einfahrt macht die Westerplatte nachdenklich. Hier hat der 2. Weltkrieg seinen Anfang genommen. Vorbei an Fährterminals, Handelskais mit den mächtigen Kränen, an Werften und Trockendocks biegen wir genau gegenüber dem eindrucksvollen Krantor in den Sportboothafen ein. Wir liegen also sehr zentral und nur einen Steinwurf von der Altstadt entfernt. Auch hier ist der Hafen noch 3/4 leer. Die Saison beginnt gerade.

Danzig, die ehemalige reiche Hansestadt, haben die Russen im 2. Weltkrieg fast vollkommen zerstört. Jetzt zeigt sie sich, wieder aufgebaut, prachtvoll wie früher mit eindrucksvollen Backsteinhäusern und mächtigen Kirchen. Formenreiche Ziergiebel an den Bürgerhäusern begleiten die geraden, gepflasterten Straßen, die alle durch ein Tor zum Hafenfluss führen. Wir schlendern durch die Gassen und genießen die warme Sonne da und dort in einem Café. Das Schiffahrtsmuseum zeigt eindrucksvoll die Geschichte der Danziger Seefahrt. Vom Krantor ganz oben hat man einen Blick auf die vieltürmige Altstadt und die Dächer hinter den eindruckheischenden Zierfassaden. Am Hafen flattern die Fahnen aller Länder der EU, aber die EU-Fahne selbst fehlt. Was soll ich dabei denken?

Unsere EOS.. mit 45 Jahren! 17.-28. April

Von Stralsund bis Danzig hat uns die EOS in zwölf Tagen 308 Seemeilen sicher gebracht. Mal kein Wind, dann schönes Segeln, aber auch mal grenzwertig viel Gegenwind und Seegang…

Morgen gehen meine hilfreichen  Gäste von Bord. Danke! Auch ich  fahre im Zug heim und dann zu Erikas und Michis Hochzeit – im Allgäu. Ein paar Tage später kehre ich mit einem segelerprobten Freund wieder nach Danzig zum Boot zurück. Dann werden wir zu zweit unsere EO weiter in Richtung Tallin segeln. Wir sind gespannt auf die fünf Länder des Baltikums. 

 

Fische, Fische, Fische!

Wladyslawowo, wer kann sich den Namen dieses Ortes schon merken? Fischerschiffe, nichts als Fischerschiffe. Im hintersten Eck ein Platz für uns. Es riecht überall nach Fisch.

5 Angler kommen von der Angel-Ausfahrt zurück. Die Beute in großen Plastiksäcken über der Schulter und die Kühltaschen tragen sie zu zweit. Die großen Fischerboote entladen ihren Fang, nicht in Kisten, sondern mit Förderbändern und Saugrohren aus der Fischlast. Im Hafen schwimmen die vielen Fische, die in der Eile des Entladens über Bord gehen. Ein LKW wird mit gefrorenen Fischkartons beladen, eine Palette nach der anderen. Der Sattelschlepper ist nahezu voll. Wohin die Reise geht, möchte ich wissen. Nach Sapporo, Japan, steht auf den Labels.

Ich mag diese Orte.

Jetzt nach 22 Uhr läuft ein Fischkutter nach dem anderen ein. Sattelschlepper fahren vor. Kennt der Hafen eine Ruhezeit?

Es gibt auch noch die Stadt Wladyslawowo. Viele von uns, die wir alte gediegene Bauten kennen, mögen diese Orte nicht. Rechteckig, etwas ungepflegt für unsere Begriffe, mir fehlen die Worte, sie zu beschreiben, wie USSR, oder DDR-mäßig. Aber auch hier wohnen Bürger, die gerne hier sind und das ist ihre Heimat. Wir dürfen nicht über sie lächeln. Ihre Heimat ist ebenso wertvoll wie die unsere.

 

Sandküste

Ungewohnt, wir segeln einige Meilen entfernt die Küste in nordwestlicher Richtung längs und nie sind unter uns mehr als 15m Wassertiefe. An der Küste Wald und davor ein Streifen Sand. Kein Leben, kein Haus, kein Mensch. Auf der Meerseite kein Schiff. Uns gehört die ganze Gegend. Angenehmes Segeln hart am Wind, fast können wir unsere Ziele direkt ansteuern. Orte wie Dzywnow, Mrzezyno, Kolobrzeg (Kolberg). Wir laufen sie alle durch die Flussmündungen an.

Seit Tagen suchen wir einen Karton Wein. Ich durchkämme das Schiff von vorne (fast) bis zum Heck. Schließlich finden wir ihn ganz vorne hinter dem Ankerkasten. Ein Glas Wein beschließt immer unsere Abende. Die Heizung brummt und sorgt für angenehme Wärme. Tagsüber ists draußen kalt. Kein Wunder, die Ostsee zehrt noch vom Winter und der Wind bläst entgegen. Da zieht man alles an, was man hat. Vorteil: Es gibt jede Menge Platz in den Häfen.

Heute haben wir Kolberg verlassen. Draußen an Land wärmt die Sonne. Ostersonntag. Alles was Beine hat spaziert zum Ufer und zum Strand. Die Lokale sind gut besucht und die Souvenierbuden auch. Man sitzt im Freien beim Bier, weniger bei Limo oder Wasser.

Der Dom von Kolberg: Im Krieg zerstört, und wiederaufgebaut. Irgendetwas stimmt da nicht, etwas ist schief. Tatsächlich, manche der mächtigen Backsteinsäulen neigen sich.

Die Leute hier sind sehr gläubig. Die Kirche ist voller Gläubiger. Erst abends finden wir Gelegenheit zum Besichtigen. Kein Wunder. An jedem Sonntag werden 7 Gottesdienste gefeiert!  Schade, dass ich nicht bei der Familie bin. Ostern ist ein Fest für die Familie. Mit .Ostereierstrauß, Nester suchen, Hefekranz, Kirchgang, feinem Essen, Spaziergang. So gibt’s hier nur einen kleinen Lindt- Osterhasen und ein paar Schokoladeneier und das Eierduzzen. Einmal auf der spitzen Seite, einmal auf der stumpfen. Ich bin Duzzkönig.

Die ersten Tage hatten wir 4-5 Bft Wind. Jetzt weht nur noch ein Lüftchen und wir nehmen den Volvo 3-Zylinder zur Hilfe für die Fahrt nach Rügenwalde. Schon vor 7 Uhr laufen wir aus und frühstücken auf See. So werden wir früher ankommen und haben Zeit für den Ort. Der Automat steuert die EOS, wir lesen oder ich bearbeite den Laptop. Eine angenehme Zeit.

Unser Ziel Rügenwalde ist gewachsen an den Gästen. Modegeschäfte Souvenirshops, Restaurantstrassen, alles was der Gast so möchte. Die Ostsee zieht eben an.

Aber der Tag hat’s in sich. Er fängt mit leichtem Wind an und wächst sich zu 5 Bft aus. Mit verkleinerten Schwingen saust EOS über die Wellen, die sich zu Wogen entwickeln. Wir können Darlowo nicht anliegen und machen einen einzigen großen Schlag. EOS hebt und senkt sich mit den längeren Wogen. Zur vollen Stunde öffnet die Schiebebrücke vor dem Hafen von Darlowo. Auf Kanal 12 bitte ich den Brückenmeister um 5 Minuten Verzögerung. Etwas mehr Gas und wir schaffens noch. Die Gäste am Ufer winken uns zu. Klar, um diese Jahreszeiteit sind wir die einzige seegehende Sehenswürdigkeit. Der Hafen wieder leer. Und: Heute war der erste warme Tag!

Morgen peilen wir das alte Städchen Ustka an. Davor liegt ein Schießgebiet, das ausgerechnet morgen gesperrt sein soll. Aus den22 Seemeilen würden durch das Umfahren  40 Seemeilen bei Bft 5, wie alle Wetterberichte vorgeben und das dagegen. Wir laufen zur Hafenmeisterin und die gibt Entwarnung. Morgen wird nicht geschossen. Der Wetterbericht sagt Windrichtung schräg voraus vom Land voraus. Eigentlich erwarten uns beste Segelverhältnisse.

 

Jetzt geht’s los: 17.-18. April

Der Transport durch Deutschland, das Abladen hier in der Marina Neuhof, das Aufriggen und die vielen Kleinigkeiten… alles hätte kaum besser laufen können.

Unser erster Ankerplatz am Eingang der Glewitzer Wiek: Auf beiden Seiten Schilf und die  kleinen Wäldchen. Habe ich die weißen Berge über dem Bodensee schon vergessen? Nein, man geht eben in der neuen Umgebung auf. Die Dämmerung streckt sich in diesen nördlicheren Breiten. Kein Schiff weit und breit, ein paar schwache Lichter und die rot blinkende Boje P2 am Eingang zum Hauptfahrwasser.

Gegenwind am anderen Morgen. Schon um 07.30 heben wir den Anker.  Der Wetterbericht weissagt 5 Bft aus Nordost. So kommt es auch EOS bemüht sich, stampft sich aber immer in den kurzen Wellen fest. Unangenehm. Die Flachstellen liegen hinter uns, da setzen wir gerefftes Großsegel und das gereffte  Vorsegel. Jetzt wird es angenehmer und der Autopilot steuert gut. Kalt ist’s draußen im Cockpit! Im Salon wärmt unsre Dieselheizung…

Noch ein paar Kilometer fahren wir die Peene aufwärts. Ursprüngliche Natur wie sie der Bodensee verloren hat. Schilf, Vogelzüge. Auch wenn die Reste der Kriegsbauten mit den nagelneuen  Immobilienobjekte konkurrieren. Ein paar Schritte weiter und die Natur hat einen wieder.

Wir biegen nach rechts ab und die Marina Kröslin empfängt uns mit Internet, Duschen mit Chip und Lagerhallen für die modernen großen Jachten. EOS fällt hier etwas aus dem Rahmen. Aber wir können tanken.

Die wenigen Häuser des kleinen Ortes ducken sich hinter den Hallen der Marina weg. Kein Glockenschlag von der alten, kleinen Backsteinkirche. (Karwoche?).

Nach dem Abendessen finden wir endlich den verschollenen Karton Rotwein, den wir schon seit zwei Tagen vermissen.

Und immer wieder diese Wegekennzeichnungen

 

 

Vorbereitung zur Reise

Vorbereitungen für eine Reise ziehen sich hin. Seekarten und Hanbdbücher habe ich nacheinander gebraucht beschafft. Ersatzteile für eine rasche Reparatur liegen bereit. Kleidung, Wäsche und manches andere Notwendige für den Bodensee liegt zuhause im Keller. Gerdi hat alles für die Küche überprüft und aktualisiert. Die letzten Tage vor dem Transport wurde der Mast gelegt und stabil für den Transport verschnürt. EOS wanderte aufs Trockene zum Unterwasserschiff streichen und zum Reinigen der Bordwand. Die glänzt jetzt wieder. Und dann mussten das Beiboot, die Rettungsinsel und viele weitere Kleinigkeiten an Bord. Zum Schluss kam noch Essen und Trinken für die ersten Tage an Bord. Alles ging gelassen und in froher Stimmung. Das liegt auch an den fröhlichen und fachkundigen Hafenmeistern im BSB-Hafen und Bootsbauern in Seemoos.

Jetzt ist alles erledigt. Am Montag kann der Transporter kommen und EOS zur Marina Neiuhof  an die Ostsee bringen.