Der Reisekreis hat sich geschlossen

Eine Mail an die Begleiter auf der Reise

Die Ansteuerungstonne „Ariadne“ schaukelt einsam mitten im im Boddengewässer zwischen Rügen und Greifswald.

Liebe Reiseteilnehmer,

gestern hat uns EOS an dieser Tonne in flotter Fahrt vorbei gesegelt. Ein besonderer Augenblick, denn als wir im April zu unserer Ostseereise gestartet sind, haben wir am zweiten Tag diese Tonne auf dem Weg nach Polen passiert. So hat sich dieser „Reisekreis“ hier und jetzt geschlossen. Drei Wochen möchten wir in diesen Gewässern noch segeln, dann werden wir am 7. Oktober die Reise in Neuhof bei Stralsund beenden.

Jan und HaJü, ihr hattet mich auf dem kältesten Teil der Reise begleitet und dazu noch bei heftigem Gegenwind. Das war alles andere als angenehm. Kein Wunder, dass uns die Ostsee alleine gehört hat. Es gibt eben nicht viele „harte Hunde“ dieser Art. Dann waren da noch die Schießgebiete als Relikte vergangener Verteidigungsstrategien. Nach Kaliningrad haben diese Millitäreinrichtungen nirgends mehr eine Rolle für uns Segler gespielt. In Danzig fand dann Euer Reiseteil noch ein kulturelles Ende. Ob Ihr wohl vor Reisebeginn mit diesen widrigen Wetterverhältnissen gerechnet habt? HaJü, da ist selbst ein nordschwedischer Kälteanzug überfordert. Herzlichen Dank, dass Ihr mich auf diesem ersten Kälteteil begleitet habt!

Rainer, wir haben in Danzig einige Tage auf gutes Wetter gewartet, dann ging’s rüber nach Hel und von dort bei nahezu Windstille weitab von russischem Staatsgebiet in einer Nachtfahrt nach Klaipeda. Was wohl aus dem „Goldfisch“ geworden ist, der das gute Zeitfenster verstreichen ließ? Und es hat sich auch nie geklärt, warum er in Kolberg(?) aus einem komplett leeren Hafen vertrieben wurde, während wir bleiben konnten. Hafenmeister-Ideen können seltsam sein. Dann hat uns wieder Gegenwind empfangen und auch wir wurden nicht von Kälte und Spritzwasser verschont. Etwas ruhiger wurde es dann zwischen den estnischen Inseln. Leider blieb auf dem Weg dorthin mein guter Bügelanker auf steinernem Meeresgrund. Vor Tallinn mussten wir dann wegen sehr unangenehmem Gegenwind vorzeitig noch einen geschützten Ankerplatz neben einem Fährhafen ansteuern. Tallinn war dann Bunkerstation für Bier. Die Dosen haben dann auch monatelang in Finnland und Schweden gereicht. Rainer, danke dass Du dabei warst!

Mit Gerdi ging es dann am 7.6. von Tallin neben der Fährroute nach Helsinki, ein Tagestrip. Ab dann die Kardinalbetonnung mit den Farbkombinationen Gelb und Schwarz. Verwirrung wenn man nicht weiß in welche Himmelsrichtung man gerade fährt. Aber man gewöhnt sich schnell daran wenn der Kompass ständig sichtbar ist und und die Richtungsbedeutung der Farbkombinationen auf einem Zettel in der Plicht sichtbar ist. Von Helsinki nach Hanku war dann die gesamte Schärenpalette geboten. Fröhliches Fahren durch enge und weite Fahrwasser, vorbei an 1000 Pricken, vor hohen Wellen geschützt, aber auch in den flachen, baumlosen Außenschären ohne Windschutz mit ganz kleinem Vorsegel zwischen schmalen roten und grünen Torpricken durch und um viele viele gelb/schwarze Untiefen-Pricken herum. Fehler darf man sich hier keine leisten und immer ist nur das flache Wasser zwischen 3 und 10 Metern unterm Kiel! Dösen an der Pinne nicht erlaubt. So konzentriert ging’s dann nahezu die ganze Reise nach Norden und rüber nach Schweden. Der GPS-Strahl war unsre Leit-Linie. Außer an den „Hohen Küsten“ in Schweden. Dort sind die „Berge“ bis 300 m hoch und die Fahrwasser tief und die Ankergründe gut. Die Schweden werfen gerne den Heckanker und machen mit dem Bug an steilen Schären fest. Das hat bei uns anfangs nicht gut geklappt. Aber dann fanden wir’s auch gut, direkt vom Schiff an Land steigen zu können.

An der Ostsee weht der Wind viel kräftiger als bei uns am Bodensee. Ab September war er dann ein richtiges Hindernis. Immer aus Süden, wohin wir wollten. Manche Tage verbrachten wir im Hafen. Und bei der 25-stündigen Überfahrt von Karlskrona nach Sassnitz wehte es ausgerechnet stark direkt von achtern. Eine wilde Schaukelei mit einer Regendusche im Morgengrauen. Wenn ich mich recht erinnere war das der einzige richtige Regentag der ganzen Reise. Wasser kam eher von der See hoch.

Jetzt in Greifswald warten wir wieder auf weniger Wind. Wir haben noch viel Zeit bis zum Auswassern. Gerdi und ich, wir beide sind ein eingespieltes Team. Gerdi steuert viel exakter als ich. Ihre Anlegemanöver sind vorsichtig und sicher. Und zu zweien ist das Leben auf dem Schiff doch einfacher und die Bordküche gut. Schön, dass Du dabei bist. Ohne Dich hätte ich die Reise wohl nicht unternommen. Eigentlich müsste ich Dir jeden Tag danken.

Jetzt genießen wir noch die letzten Seemeilen an der Küste, werden noch da und dort ankern und kleine Häfen besuchen, bis am 7. Oktober EOS aus dem Wasser gehoben wird. EOS hat uns nie im Stich gelassen. Sie ist klein aber stark. Wir haben uns nie unsicher gefühlt. EOS gehört zum Team.

Gestern war die Ostseerunde beendet und heute am Sonntag haben wir den riesigen St. Nikolai-Dom zu einem Dank-Gottesdienst besucht. Eine lange Reise, keine ernsthaften Probleme. Gottes Segen war mit uns.

Herzliche Grüße mit viel Dankbarkeit sendet Euch

Gerhard

Abschluss der Reise in Deutschland

Der Reiseweg in den Boddengewässern bis sich der Reisekreis geschlossen hat

Reiseweg(4)

Der gesamte Reiseweg bis zur Rückfahrt in die Boddengewässer


GERDI:

Dank sage auch ich meinem Mann, dem Navigator der langen See-Reise mit ca. 4800 km über mehr als 5 Monate. Er hat mich immer ermutigt, wenn ich -trotz all meiner Segelerfahrung!- ein wenig zaghaft wurde angesichts des starken Windes. Auf dem Törn reparierte er wo nötig alles selbst (bis auf das eingerissne Vorsegel in Nynäshamn) und war der zuverlässige Frühstücksboy. Unsere Rucksack-Einkaufstouren waren stets spannend… Ich gab mir als Smutje alle Mühe, abwechslungsreich und gesund zu kochen, denn gutes Bordessen hält Leib und Seele zusammen.

Seit 1981 segeln wir nun gemeinsam, das schmiedet aus 2 Ehepartnern ein gutes harmonisches Team. Seemannschaft ist an Bord lebensnotwendig, und um Gottes Hilfe betete ich nicht vergeblich. So geht dieser für uns zwölfte große mehrmonatige Segeltörn bald zu Ende und wir wissen um die Gnade, solche Reisen unternehmen und meistern zu können- ohne Schaden an Mannschaft und Boot. Unsere EOS ist nun 45 Jahre alt und wir führten sie in das Land ihrer Erschaffung zurück, nach Schweden.. Auch das war ein Erlebnis. Wir blicken als über 70-jährige Segler dankbar zurück und hoffen, dass euch Lesern unsere Erlebnisberichte und Fotos im  Blog gefallen haben.

 

Wieder im Heimatland

Ein paar Tage liegen wir in Karlskrona um ein günstiges Wetterfenster für die Überfahrt nach Deutschland abzuwarten. Bisher seit Wochen nur Südwind über 4 Bft. Ab Samstag soll der Wind günstig auf Nord drehen. Das tut er auch.

Eine letzte Ankernacht vor der Insel Aspö und nach Sonnenaufgang „Anker auf“.

06.15: U-Boot-Sperren bei Drottningskär passiert (da hat sich 1981 ein sowjetisches U-Boot „verlaufen“, wohl auf der Suche nach dem Schwedischen Militär-Marinehafen)

Abfahrt von Schweden(Copy)

06.45: Der Motor hört sich plötzlich wie ein Traktor an und die Kühlwassertemperatur steigt. Ursache ist ein verschlissener Kühlwasserpumpen-Impeller. Austausch nach 30 Minuten erledigt. Erkenntnis: Impeller regelmäßig wechseln!

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Um Bft 6 im Bereich der Boddengewässer zu vermeiden, müssen wir bis Montag am Mittag in Sassnitz sein. Deshalb lassen wir den Motor zum Großsegel mitlaufen. Wind 2 Bft direkt von achtern. Die schwedische Küste wird immer kleiner. Eine sehr schöne Segelzeit in diesem besonderen Revier geht zu Ende. Der Steuerautomat hält EOS auf Kurs, muss aber wegen der achterlichen Wellen und dem heftigen Schaukeln kräftig arbeiten. Wir möchten ihn nicht überlasten und steuern von Hand. Wachwechsel alle 2 Stunden.

14.00: Wind weiterhin genau von achtern, höhere Wellen, ein Reff ins Großsegel. Eine Bullentalje verhindert ein Überschlagen des Segels. Dauerndes von Hand Steuern bei diesem Wind ist unangenehm.

14.30: Wir ändern den Kurs, um das Verkehrstrennungsgebiet schneller zu queren. Jetzt, entlang, aber außerhalb dieses Großschiffahrtsweges begegnen uns Frachtschiffe wie auf einer Perlenkette aufgereiht. Was sich da so alles auf dem Wasser bewegt! Stückgutfrachter, Autotransporter, Containerschiffe, undefinierbare Spezialboote. Die Insel Bornholm kommt in Sicht und sie begleitet uns stundenlang an Backbord.

18.00: Abendessen: Von Gerdi vorbereitete breite Nudeln mit Schinken. Für diese Zeit steuert der Automat und wir beide essen gemeinsam in der Kajüte. Eine schöne Dämmerung. Bornholm löst sich langsam im Dunkeln auf, nur der Leuchtturm von Rönne sendet weiter seine Blitze zu uns und der Lichtschein der Stadt leuchtet in den Wolken.

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02.00 Uhr: Gerdi weckt mich wegen starkem Schiffsverkehr. Ein weiteres eigenartiges Erlebnis: Hunderte von roten und weißen Lichtern blinken im Takt. Ein tolles Bild nächtliches Bild liefert so die Baustelle von ENBW an diesem neuen riesigen Offshore-Windpark. Die GPS-Route führt uns nahe daran vorbei. Leider haben wir keine Zeit, dieses skurrile Bild zu genießen. Drei undefinierbare nahe Schiffe und einige Bojen erfordern volle Aufmerksamkeit und Kurskorrekturen. Das Funkgerät liegt für eine Kommunikation bereit. Müdigkeit durch das konzentrierte Steuern. Es beginnt zu regnen, richtig fest. DAS ERSTE MAL SEIT BEGINN DER REISE VOR FAS 6 MONATEN.Copy v.Schaukelei 25 Std. Karlskrona bis Sassnitz (19) (Copy)

04.30: Mit Leuchtfeuer Putgarten begrüßt uns die Insel Rügen. Weiterhin anstrengendes Handsteuern bei Bft 4, jetzt Gott sei Dank der Wind etwas seitlicher. Stockdunkle Nacht. Fähren mit ihrer Christbaumbeleuchtung tauchen auf und verschwinden wieder im Regengrau. So eine Nachtfahrt in belebtem Seegebiet ist irgendwie schön und unheimlich. Man sieht nur Lichter, aber man weiß was sie bedeuten und mit Hilfe der Seekarten werden die Situationen (meistens) klar. Und es vertreibt die große Müdigkeit.

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05.30: Es dämmert ganz langsam. Zuerst wird der Horizont schwach sichtbar, dann zeichnet sich das Segel gegen den Himmel ab. Eine Stunde später tauchen die hohen Kreidefelsen an Steuerbord auf. Alles grau im Regen. Die Lichter vom Zielhafen weisen nun den Weg. Gerdi kommt ans Steuer. Segel einholen, Leinen an Bug und Heck und weiter mit Motor um den grünen Leuchtturm an der Hafeneinfahrt von Sassnitz.

07.00: Nach 130 Seemeilen (240 km) und 25 Stunden Leinen fest an Pollern und Steg. Wir sind wieder im Heimatland.

 

Stora Alvaret auf der Insel Öland

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Nur ein kurzer „Sprung von Kalmar nach Morbylånga auf der langezogenen schmalen Insel Öland. Am Abend beim Essen noch Pularbeit mit den guten Skampi.

 

Vor einigen Tagen wusste ich nicht, was eine Alvar ist. Gestern waren wir zu Fuß am Rande dieser Kalkstein-Hochebene. EOS haben wir in Mörbylånga gelassen. Ein fast schnurgerader Weg führt zuerst 4 km durch Ackerland. Heiß brennt die Sonne. Danach, am Hang zieht sich ein kleines Dörfchen entlang. Nette Häuschen, aber auch technisches Bauerngerät, das nicht mehr gebraucht wird. Dann die Ebene, die Stora Alvaret (Große Alvaret). Wir finden erst keinen Zugang vor lauter Weidezaun. Erst zwei Bewohner zeigen uns den Weg dort hin und erklären uns, dass wir ruhig das Gatter öffnen können und wir die Kühe und sie uns nicht stören.

Da liegt das Alvaret, bretteben, nur niedere Büsche, Wacholder, Hagebutten und die winzigen, linsengroßen, uns völlig unbekannten Blümchen. Alles hat sich an diese besonderen Lebensbedingungen angepasst. Heiß und trocken im Sommer, kalt und außerordentlich windig im Winter. Die letzte naturbelassene Alvarebene Europas und die größte der Welt. Unbekannt und fürs Auge unscheinbar und Weltnaturerbe. Glatt geschliffene Findlinge hat der letzte gestorbene Gletscher hier abgelegt. Fast das gesamte 40 km lange und bis 10 km breite Gebiet wird von Kühen beweidet. Nichts Großmächtiges, aber doch etwas Wunderbares und Seltenes.

Der Rückweg dann wieder vorbei an riesigen Feldern mit Mais und niedrigen gelben Bohnen. Aber wo bleibt in diesen Feldern der Nebenbewuchs? Vielleicht sagt der Bauer dazu Unkraut und setzt Chemie ein? Lerchen und Milane scheinen sich aber doch hier wohl zu fühlen. Die Lerchen mit ihrem schwingenden Flug und der Milan, der geschickt den starken Wind zum Segeln nutzt.

Wieder in Mörbylänga, kehren wir zum Fischessen im nahen Lokal ein. Der Hafen ist seit heute, ersten September, geschlossen. Natürlich kann man ihn nutzen, aber ohne Service. Kost aber nixxx mehr. Strom liefert die Solarzelle, Toilette haben wir und waschen können wir uns auch am Schiff. Der Hafenmeister erklärt uns, nur einen Monat von Mitte Juli bis Mitte August sei wirklich Betrieb.

 

Schön, dass wir hier in diesen etwas abgelegenen Hafen gefunden haben. Gepflegte Blumen, Bänke, ein Badeplatz mit Leiter, sehr schön das Clubhaus mit Dusche.

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Nur auf Öland gedeihen die Braunen Bohnen, weil das Klima frostarm und mild ist.

Braune Bohnen v. Öland

Windkraft

Wenn wir im Kalmarsund zwischen dem Festland und der langen, schmalen Insel Öland segeln, fallen die vielen Windmühlen auf der Insel auf. Der Wind wurde schon lange Zeit zum Mahlen des Korns, das dort angebaut wird, genutzt. Klar, die Hochfläche ist voll dem Wind von der Ostsee ausgesetzt und nur wenige Bäume mindern auf dieser Hochfläche die Windkraft. Ich kann mir vorstellen, dass damals die Müller während kräftiger Winterwinde in ihren zugigen Mühlen ihrer harten Arbeit nachgingen. Kräftiger Wind war wohl nötig um die schweren Flügel, hölzernen Achsen und Getriebe und die Mühlsteine in Bewegung zu setzen. Wie grazil sehen nebenan die riesigen hohen modernen Windräder aus. Kein Mensch ist vor Ort notwendig, die erzeugte Kraft wird über Leitungen nach andenorts übertragen und genutzt.

2000 Bockmühlen dieser Art solls gegeben haben, jetzt stehen noch 400, habe ich gelesen. Manche schön erhalten, andere verfallen langsam. Ist es nicht gut, dass der Wind immer noch, ja verstärkt auf die Art unserer Zeit genutzt wird?

 

Segeln in unbekannten Gewässern

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Die geraden, offenen Küsten liegen hinter uns und wir fahren nun zwischen den Inseln Westestlands in geschützten Gewässern. Fremdartige Namen wie Saaremaa, Hiiumaa, Muhu, Vormsi.

Wir vom Bodensee, die wir häufig im Mittelmeer fahren, sind hohe, gegliederte Küsten gewohnt. Hier zwischen den flachen Inseln verschwimmen die Konturen. Ist da eine gerade Küste oder eine mit tiefen Buchten? Alles spielt sich gering über dem Horizont ab. Schon ein einzelner Hackschnitzelhaufen zum Verladen am Hafen erscheint vom Schiff aus gesehen wie ein Berg.

Gestern waren wir abends noch auf dem Wasser unterwegs. Der Wind ist eingeschlafen und die See war spiegelglatt. Die Sicht wurde immer klarer und die flachen Inselchen erschienen immer näher. Das kann doch nicht Silmkare sein, die ist doch viel weiter weg? Sie war es aber doch.

Heute haben wir Kuivatsu verlassen und wollen Haapsalu anlaufen. Das geht hier nicht direkt, das lässt die Wassertiefe nicht zu. Wir fahren viele Ecken und wechseln alle paar Seemeilen den Kurs um genügend Wasser unter dem Kiel zu haben. Manchmal markieren Bojen einen Fahrweg oder Richtbaken, deren beide Türme oder Lichter genau übereinander stehen müssen. Schon ein interessantes Fahrgebiet. Allerdings sind wir das beide von der 2200 km-Donaufahrt gewohnt. Da mussten wir ständig an der Pinne stehen, 80 Tage lang. Hier kann der Automat den Kurs halten. Wir geben vor Fahrtantritt auf dem GPS den Kurs als geknickte Linie vor, überprüfen ihn ganz genau, dass er nicht über eine Flachstelle führt und fahren ihn dann nach. Vorsicht beim Kreuzen! Wie gesagt, sehr interessant für den Navigator.

Noch etwas zu den lettischen Häfen: Um diese Zeit sind sie noch leer. Letzte Nacht waren wir wieder das einzige Gastboot unter 2 oder 3 anderen Schiffen hier. Die Häfen sind SPITZE. Klare Einfahrtbezeichnungen, sehr saubere, große Sanitärräume, eine Sauna, sparsam eingestellte Wasserbrausen, Mülltrennung, Strom und Wasser an den Stegen, WLan ohne Passwort. 20 Euro für unsere EOS. Verglichen mit Bodensee, Polen, Litauen: Überall noch Nachholbedarf. Jetzt segeln wir schon stundenlang und nur ein kleines Motorboot haben wir gesichtet.

Anderntags über flachem Wasser nach Rohuküla, dem Fährhafen zu den Inseln. 9 Km fahren wir auf einer ehemaligen Eisenbahnstrecke nach Haapsalu zum Einkaufen. In „Sofa“, einem Gasthaus in der Old Town (schmucke Holzhäuschen), speisen wir das allerbeste Thunfischsteak mit Beilage, mehr fürs Auge angerichtet, weniger für einen Wanderhunger. 9 km zurück mit vollbepackten Rucksäcken? Wir nehmen mal ein Taxi.

Mittwoch, 22. Mai: Unser Ziel ist Dirhami. Die erste Hälfte führt über ganz flaches Wasser. Tiefere Fahrwege sind durch Bojen gekennzeichnet und führen uns im Zickzack an Flachstellen vorbei. Segeln geht bei Gegenwind wie heute nicht. Dann verlassen wir die Inselgegend und fahren in den Golf von Petersburg. Schöner Wind aus Ost. Wir kreuzen mit gereffter Genua auf. Unser Freund der Automat steuert zuverlässig. In Dirhami ist für heute Schluss. Keine Gäste außer uns. Das Dorf: Ein paar Häuser und ein winziger Laden, voll mit allem, was der Bürger so braucht. Ein Kleinod!

Ein lässiger Tag sollte es werden…

Wir verlassen den Hafen bei Sonne. Der Wetterbericht sagt 3 Bft aus Nordwest voraus, also ideale Verhältnisse. Draußen empfängt uns Nebel und über uns scheint die Sonne. Mit GPS umfahren wir die Ansteuerungstonne ohne dass wir sie sehen. Trotz der dicken Suppe weht der Wind. Man meint, im Zentrum eines Kreises zu fahren. Nichts um uns, ein paar Meter Wellen, dann alles nur noch weiß vom Nebel. Bald vergrößert sich der Sichtkreis und dann taucht wieder die Insel gegenüber auf. Nix Nordwestwind, wieder Nordostwind, genau da liegt unser Ziel. ..Wie oft in der Ägäis wochenlang…Der Wind frischt auf und wir verkleinern die Genua. Hart am Wind. Wieder reffen. Die Genua wird immer kleiner. Ein Schlag nach dem anderen. Zick-Zack…Die 26 Meilen zum Ziel nehmen Meile für Meile viel zu langsam ab. Draußen werden die Wellen zu Wogen. EOS schaufelt kräftig Wasser. Jede Stunde wechseln wir uns an der Pinne ab. Die Freiwache kann es sich im Schutz der Sprayhood trocken und windfrei gemütlich machen. Die Genua ist mittlerweile nur noch ein kleines Dreieck wie eine Sturmfock. So kann das nicht weitergehen. Ich suche auf der Karte ein näheres Ziel. Der Industriehafen Paldiski liegt näher und in einer tiefen Bucht. Aber da ist nichts für Sportboote.

Davor liegt aber ein flacher Strand. Im Fernglas sehe ich eine sandbraune Steilküste, also müsste der Grund aus Sand bestehen. Unser Ersatzanker (der gute 24-kg-Hauptanker ging ja im Felsgrund verloren) greift einwandfrei und 40 m Kette stabilisieren. Leicht schaukelt EOS, richtig angenehm. Die nassen Sachen trocknen im Wind in der Plicht und wir genießen die Ruhe. Ein schöner Abend mit leisem Brummen der Wanten.

Anderntags ein Klacks, ein wenig Wind von vorne. Der Motor treibt die EOS und nach 6 Stunden schält sich die graue Silhouette Tallins aus dem Nebel. Anruf auf Kanal 14: Wir dürfen in den Hafen einlaufen. Vor uns bestimmen 4 mächtige Kreuzfahrschiffe das Stadtbild. Und über den Schiffen die Altstadt auf einem Hügel, den die Eiszeit nicht abgetragen hat.

OstseereiseGratin mit Herin (Copy) - Kopie

Der Mond geht auf (Copy) - Kopie
Vollmond in heller Nacht

Da darf man nicht hinein geraten (Copy) - KopieIm Fischerhafen (Copy) - KopieDie Kiefern blühen gerade (Copy) - KopieEin wunderbares Lädele (Copy) - KopieEr filmt (Copy) - Kopiebequemes Segeln - Kopie (Copy) - KopieBei viel Wind - Kopie (Copy) - Kopie

So leer der Hafen von Roomassaare (Copy)
die EOS ist fast immer allein…

Muss aufbereitet werden (Copy) - KopieMuseum (Copy) - KopieIm Fährhafen Rohuküla (Copy) - Kopie

Nebel am Morgen (Copy)
Nebel. Kein Gefühl mehr für Distanzen.

DSC07555 - Kopie (Copy) - KopieZum Trocknen (Copy)

Vorbereitung zur Reise

Vorbereitungen für eine Reise ziehen sich hin. Seekarten und Hanbdbücher habe ich nacheinander gebraucht beschafft. Ersatzteile für eine rasche Reparatur liegen bereit. Kleidung, Wäsche und manches andere Notwendige für den Bodensee liegt zuhause im Keller. Gerdi hat alles für die Küche überprüft und aktualisiert. Die letzten Tage vor dem Transport wurde der Mast gelegt und stabil für den Transport verschnürt. EOS wanderte aufs Trockene zum Unterwasserschiff streichen und zum Reinigen der Bordwand. Die glänzt jetzt wieder. Und dann mussten das Beiboot, die Rettungsinsel und viele weitere Kleinigkeiten an Bord. Zum Schluss kam noch Essen und Trinken für die ersten Tage an Bord. Alles ging gelassen und in froher Stimmung. Das liegt auch an den fröhlichen und fachkundigen Hafenmeistern im BSB-Hafen und Bootsbauern in Seemoos.

Jetzt ist alles erledigt. Am Montag kann der Transporter kommen und EOS zur Marina Neiuhof  an die Ostsee bringen.

Rück-Blick: 1. Die Donau

 

 

 

Wehmut weil die Reise Vergangenheit ist. Freude weil wir beide sie in guter Stimmung und ohne Unfälle abschließen durften. Eine göttliche Hand hat über uns gewacht.

10 Länder hat EOS durchfahren, 2 Länder, Moldavien und die Ukraine waren uns verwehrt. Wir konnten dem Soldaten mit geschultertem Gewehr auf seinem Wachturm am ukrainischen Ufer nur vom Fluss aus zuwinken.  Sein langsames Schwenken der Hand. Welch ein trauriger Augenblick! Dann die beiden Fischer aus Moldavien in ihrem alten, kleinen Nachen, die uns Fische anboten. Freiheit, nicht überall.

Fröhlich und schnell eilt die Donau im Oberlauf. Zwischen Straubing und Deggendorf, dort, wo ihnen Wasserbauer keine Fesseln anlegen wird es ein heißer Ritt mit wenigen Zentimetern Wasser unterm Kiel, manchmal Hopser auf dem Kiesgrund. MARTINA, der Frachter aus NL, fährt vor uns und wir in seinem Kielwasser. Er hat wie wir 1,50m Tiefgang…

 

Ab dann gibt’s keinerlei Probleme mit dem Tiefgang mehr auf der Donau. Die Besenwirtschaften mit ihren Brotzeiten und dem guten Weißen waren- wenn ich zurück blicke- das Beste was wir auf der ganzen Reise zu Essen und Trinken bekommen. Einfach aber wunderbar. Ein fröhlicher Reiseabschnitt. Rainer und Günter, danke dass Ihr mich auf dem Abschnitt von Saal bis Budapest begleitet habt!

In Budapester Bahnhof Keleti löste sich Gerdi lächelnd aus der ankommenden Menschentraube. Ab jetzt sind wir beide wieder das Team. Die Donau nun schon breit und behäbig und wir mit unserer kleinen EOS dürfen sie bereisen! Mitten durch die großartige Stadt und hinaus in die Natur. Ab jetzt gibts kaum mehr Häfen. Gut so. Ankern im Strom ist viel schöner. Schlick hält den Anker exzellent, ruhige Nächte sind gesichert. Leise plätschert das Wasser an der Bordwand.

Slowakei+ Rumänien sind für uns, die wir in gut organisierten, reichen Ländern leben, arme Länder, aber die Menschen leben nicht weniger fröhlich als bei uns. Apatin, Jelen Bräu, mit den vielen Fahrrädern am Tor. Alle einfach, Torpedo-Dreigang, wie ich sie als junger Bursche gefahren habe. Die Häuser für unsere Begriffe trist und farblos. Die Menschen aber freundlich, fröhlich und hilfsbereit.

Ein Abstecher die kroatische Drau hoch nach Osijek war uns durch Missverständnisse mit dem Zoll verwehrt. Der Hafenmeister, die Zöllnerinnen und sogar das Militär halfen uns, leider erfolglos. Schließlich mussten wir beim ersten Licht des Tages wieder zurück nach Serbien „flüchten“. Unsichtbare Wände an unsichtbaren Bürotischen von misstrauischen Beamten geschaffen, schade.

Belgrad. (anclicken + lesen, Wikipedia) Wie die meisten Hauptstädte: die Zentren mächtig, das Umfeld eher dürftig. Wie bei uns sitzen die Leute in den zahlreichen Cafés. Schön herausgeputzt die jungen Mädchen. Statt in einem schnieken Hafen anzulegen, halten wir ab jetzt Ausschau nach irgendeiner passenden Anlegemöglichkeit. Ein Ponton, eine alte Schute, ein abgestelltes Schiff. Die Leute sagen dann schon, ob’s recht ist oder nicht. Man sollte allerdings immer nach Löchern im Boden oder fehlenden Stufen in Treppen Ausschau halten und beim „Gastgeber“/Ponton/vorher nach dem Preis fragen.

Der Höhepunkt: Das Eiserne Tor. Früher haben dort die Schiffer wegen der Strömung Blut geschwitzt. Flussauf mussten die Schiffe gezogen werden. Jetzt, wegen zwei mächtigen stromliefernden Staustufen, geschieht die Durchfahrt ganz relaxed. Weil wir’s doch nicht genau wissen und starker Wind aufkommt, ankern wir 3 Tage im Schutz einer Insel. Schilf, alle möglichen Vögel, 100e Kormorane, abgestorbene Bäume sind unsere Nachbarn. Danke lieber Wind: Wir rasteten in an einer paradiesischen Insel in unberührter Natur, mit wildem Gewitter….

Natürlich ist die Durchfahrt zwischen senkrechten Felswänden ein Erlebnis. Und das Schleusen in den riesigen Kammern auch. 300m lang, 40m breit. Ab jetzt darf die Donau fließen, wo sie will. Grüne und rote Bojen, oft kilometerweit entfernt, weisen die Fahrrinne.  Wir ankern meist. Fischer kommen längseits, Begegnungen mit netten Menschen. Warum wurde uns zu Hause berichtet, man dürfe nur im Pulk die untere Donau befahren und müsse sich vor dem Ankern hüten, der diebischen Leute wegen? Nichts, aber auch gar nichts stimmte.

Bukarest. 40° Hitze. Wir möchten die Stadt besuchen. In einem Seitenarm bei Giurgiu legen wir an einem der Wracks an und nehmen am anderen Tag den Kleinbus  in die Hauptstadt. Prachtstraßen, Glaspaläste weltumspannender Firmen, Hochhäuser im Zentrum. Höhepunkt das „Haus des Volkes“. Gigantisch, es sprengt alle Maße. Stein gewordener Wahnsinn eines Politikers. Wieder zurück zum Wrack. Abendessen in einem benachbarten Restaurantschiff. Der alte Kellner verdient 150 Euro im Monat. Auch wenn alles nur halb so teuer ist wie bei uns, das ist ein Hungerlohn.

Als wollte die Donau nicht zum Schwarzen Meer, wendet sie sich nach Norden. Hügel begleiten sie, Kirchtürme mit geschwungenen, blauen goldglänzenden Kuppeln, Pferdegespanne, schwere, geteerte Ruderkähne begegnen uns. Wir ankern und besuchen mit MICRO EOS ein Lipowaner-Dorf. Nur freundliche Leute, Gerdi singt mit ihnen russische Lieder. Der junge Pfarrer erzählt über die Dorfgeschichte. Wegen ihres Glaubens vom Zaren aus Russland vertrieben siedelten sie hier. Wir laden die Buben aufs Schiff ein. Sie benutzen es als Sprungbrett und ich darf ihren schweren Kahn rudern. Schöne Zigeuner-Pferde sind am Ufer angebunden. Weiße Gänse schnattern…Friede überall.

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Cernavoda. Im Handelshafen legen wir wieder an einem Wrack an. Vorsichtig  gehen, Löcher im Boden, Rost überall.  Plattenbauten, die Bewohner sitzen auf wackeligen Schemeln vor den Häusern. Arm, ich möchte da nicht fotografieren. Aber ein Mitarbeiter der „Werft“ fährt uns kreuz und quer in die Stadt, um  eine Dichtungsmasse fürs Deck zu finden. Überaus freundliche Menschen, aber sehr arm, wenn wir der Maßstab sind.

Braila, Galati, große Städte, sie werden von Seeschiffen angesteuert. Irgendwelche Pontons zum Anlegen. Das schaut ganz einfach aus. Auf gleicher Höhe das Ponton gegen die Strömung schräg anfahren. Klappt auch immer bis zum letzten Meter. Dann kehrt sich manchmal der Strom um und vorbei ist der Anleger. Auf ein neues in umgekehrter Richtung. Ab jetzt keine Brücke mehr. Wir können den Mast stellen. Leider steht kein kleiner Kran zur Verfügung. Es gibt keine Infrastruktur für solch kleine Boote. Schließlich stellt ein 100-Tonnen-Schwimmkran in Galati bei der Navron-Werft  ganz feinfühlig unseren Mast. 3 Leute arbeiten, 5 beobachten und geben Tipps. Jetzt begegnen wir Seeschiffen, die bis Braila die Donau hochfahren.

Ukraine: Wachtürme begleiten das Ufer. Die meisten verrostet und offensichtlich ungenutzt. Auf einem ein Soldat mit geschultertem Gewehr. Bewegungslos sieht er zu uns. Ich winke. Er winkt zurück. Was mag er denken? Sieht er in uns einen Feind? Ist er traurig, weil ihm das andere Ufer verschlossen bleibt? Reni, der große ukrainische Hafen bleibt uns verschlossen, weil kein Einklarierungshafen. Nun teilt sich die Donau. Der linke, Chilia-Arm würde uns in die Ukraine führen. Die politische Situation veranlasst uns aber, den Sulina-Arm zu befahren. Ihn nutzen auch die Frachtschiffe.

Wir sind im Donau-Delta. Auf beiden Seiten Urwald. Tulcea, die quirlige Stadt am großen Donaubogen.Delta-Touristik wird angeboten. EOS schaukelt in der „Marina“, Marina ist übertrieben. Wir liegen an einem alten Ponton. Die vorbeifahrenden Schiffe lassen EOS arg schaukeln. Vom Hügel nebenan bietet sich ein weiter Blick aufs Delta. Bäume, Wasser, und ganz im Hintergrund das Schwarze Meer. Noch einmal teilt sich die Donau. Der Svântu-Gheorghe-Arm ließe uns aber wegen einer Sandbarre nicht ins Schwarze Meer. So fahren wir weiter auf dem künstlichen, eingedeichten, geraden Sulina-Arm. Bei Crisan zweigt die Alte Donau ab.

Wir folgen ihr bis „Mila 23“. Der Einfachheit halber hat man Orte mit der km-Entfernung zum Meer gekennzeichnet. Wie üblich, Leinen fest wo es geht und niemand etwas dagegen hat. Winzige, blau gestrichene Holz-Häuser -und immer mit Gärten davor- säumen das Ufer. Storchennester auf jeder Laterne. Gemüse kaufen wir von einer Bäuerin über den Zaun. Der russisch-orthodoxe Gottesdienst in der kleinen Kirche nimmt kein Ende.  Besucherzahl. Fünf mit uns. MICRO-EOS, unser Schlauchboot, trägt uns auf einen der vielen Seen mit glasklarem Wasser und Seerosen. Wunderbar, sich treiben zu lassen und zu beobachten, welche Vielfalt an Fauna und Flora in diesem Reich unter der Wasseroberfläche und knapp darüber zu sehen ist. Reiher, Kranich, Enten, und andere Wasservögel halten sich auf Distanz. In Crisan essen wir vorzüglich Fischsuppe und Fischspezialitäten und buchen mit zwei Rumänen (Hermannstadt)  einen Ausflug nach Lethea, einem kleinem Lipowaner-Dorf.

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Mit höchster Geschwindigkeit und übler Lautstärke rast der Kahn durch die engen Kanäle. Vögel fliegen weit vor uns auf. Das Schilf wiegt sich kräftig in der Bugwelle. Diese Art der Besichtigung passt ganz und gar nicht zu dieser ruhigen, friedlichen Landschaft. Das Dorf versteckt sich zwischen dem Schilf. Diese, aus russischen Gebieten vertriebenen altläubigen, orthodoxen Christen fanden in diesem unwegsamen Gebiet ihren Frieden und leben heute noch ohne Technik und Fernseher, ohne Waschmaschine oder Elektroherd. Man kocht und räuchert im Freien, mit Holz….

Der Wind bläst sehr kräftig aus Osten. Ein- und Ausfahrt in den Donaustrom sind geschlossen. Seeschiffe ankern im Fluss. Wir verziehen uns zwischen Schilf und lassen den Wind über uns heulen. Fischer holen ihren Fang ein und schenken uns drei Hechte. Das Wasser ist klar und badewarm. Auch dieser Starkwind legt sich und wir brechen nach Sulina auf. Den dicht belegten Kai müssen wir plötzlich nach einem Tag wechseln, weil ein Seeschiff zum Einklarieren anlegt. Sulina, die Stadt am Ende der Donau, keine Straße führt dort hin. Die Promenade säumen schöne Häuser. Dahinter zeigt sich bittere Armut, ein verkommenes Altenheim…Nach der dritten Straße nur noch Schilf. Der Kahn hinter uns ist mit Melonen voll beladen. Die beiden Männer verkaufen direkt vom Schiff und schlafen auf den Früchten. Am Morgen ist alles verkauft. Auch hier überprüft ein wohl uniformierter Beamte unsere Papiere. Fast wie eine Zeremonie. Mit einer Verbeugung lädt er mich ein, Platz zu nehmen. Würdevoll lächelnd bereitet er ein Formblatt vor und ruft die passende Seite auf dem Bildschirm auf. Das dauert und ich bin fasziniert. Schließlich setzt er einen Stempel und seine Unterschrift unter die Papiere. Auch ich bereite unseren EOS-Schiffsstempel vor und ziere die Papiere ebenso. Mit einem Handschlag überreicht er mir die Unterlagen. Ein Erlebnis der besonderen, einfachen Art. Auch Beamtenstuben haben etwas zu bieten. Am Ufer steht  die Kilometerzahl „0“. Im Laufe der Zeit hat sich die Donau aber immer weiter ins Schwarze Meer vorgeschoben. Diese letzten Seemeilen nehmen wir am 8. September 2014 ganz früh am Morgen unter den Kiel. Als roter Ball steigt die Sonne hoch. Kurz vor der Mündung zeigt sich beim Leuchtturm unser erster und einziger Pelikan. Und dann: Das Wasser beginnt zu pulsieren! Die Meeresdünung erreicht uns. Wir haben das Schwarzen Meer nach 2500 km und 80 Tagen erreicht. Brandung, Seegang, Salzwasser, Meer.- und 3 Delphine!

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„Ich blicke zurück“. Es folgen noch:

  • Vom Schwarzen Meer nach Korfu
  • Von Korfu zur Rhônemündung
  • Von der Rhônemündung zum Bodensee