Auf der Überfahrt von Roccella Ionica zum Cap Rizzuto, ca. 50 Meilen

GerhardVom Reisen mit SegelschiffenMit dem Segelschiff zu reisen ist schön, ganz besonders wenn dazu eine nahezu unbegrenzte Zeit zur Verfügung steht. Und wenn der Wind mit uns ist. Ist er zu schwach oder kommt von vorne, dann liefert der Motor den Vortrieb und dazu den Lärm wie in einer Fabrikhalle. Die Verständigung leidet, die Ruhe schwindet. Beides lebt erst wieder im Hafen auf, wenn alle Manöver beendet sind und der Motor ruhen darf.

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Jetzt ist man also am Ziel, aber was ist das Ziel? Der Hafen, die nächste Stadt, ein schöner Berg, die weitere Umgebung. Unser Schiff ist wie eine unsichtbare Leine, die eine größere Entfernung vom Liegeplatz verhindert. Das mag bei einer größeren Mannschaft besser laufen, da kann sich ein Teil der Besatzung absetzen und Erkundungen in der weiteren Umgebung durchführen. Aber zu zweien? Man lässt den Partner nicht gerne alleine, insbesondere vor Anker. Erstens hat er kein Beiboot mehr und ist ans Schiff gebunden und zweitens könnte ja der Wind auffrischen und eine kritische Situation eintreten, die ein sachgerechtes Handeln erfordert. In einem sicheren Hafen sind die Möglichkeiten schon besser, da kann man sich auch mal ein Auto mieten und der Radius der Bewegung wird größer. Das ist aber die Ausnahme.Als Reisender mit dem Schiff darf man sich mit einem Frosch vergleichen: Er sieht die Welt einseitig von der Ebene des Wassers aus, sieht also nur von unten waagerecht oder nach oben und das noch aus einiger Entfernung. Details werden nicht erfasst, man bewegt sich ja in einiger Entfernung zum Ufer. Angenehm ist das langsame Vorbeiziehen der Landschaft, das, was man erfassen kann, erfasst man und hat Zeit, es zu verarbeiten und darüber nachzudenken. Wenn man allerdings ein entfernteres Ziel ansteuert, dann kann das geringe Tempo zur Belastung werden. Gott sei Dank erfordert das Steuern eines Schiffes kein ununterbrochenes Handeln. Wenn man das Umfeld im Blick hat, und der Automat steuert, dann bleibt Zeit für ein Buch oder anderweitige Tätigkeiten.Der eigentliche Genuss liegt im Segeln selbst. Jetzt z.B.: Der Wind kommt mit 2 Windstärken schräg von vorne und schiebt die EOS mit 5 Knoten dem Ziel entgegen. Das GPS errechnet eine Ankunftszeit um etwa 18 Uhr. Es bleibt genügend Zeit um den Abend zu genießen – falls sich die Windsituation nicht zu unseren Ungunsten ändert. Ins Gegenteil kehrt sich die Situation, wenn Wetter und Schiff nicht mehr harmonieren, wenn Wind und Wellen so mächtig werden, dass Segeln zu Arbeit ausartet. Segel verkleinern auf schaukelndem Deck, Spritzwasser schlägt ins Gesicht, dauerndes Festhalten wird notwendig und die Kajüte schaukelt und lärmt. Kochen ist nicht mehr möglich. Es ist arg ungemütlich. Freude empfindet man höchstens im Nachhinein im Hafen oder nach Besserung derWettersituation.Der erste Reiseabschnitt verlief auf Flüssen und Kanälen. Das ist eine feine Sache! Wind und Wetter haben meist nicht den chaotischen Einfluß auf das Schiff. Sofern genügend Wasser unter dem Kiel verbleibt, fährt man den Baken oder Bojen nach oder hält sich in der Fahrwassermitte. Die Natur zieht ganz nah in einem Tempo vorbei, das ein Erfassen und Verarbeiten zulässt. Gelegentlich kommt ein Gespräch mit Passanten am Ufer zustande. Das Anlegen gegen den Strom stellt überhaupt kein Problem dar. An den Ufern bleibt genügend Platz zum Anlegen und in Abzweigungen zu Nebenwässern bieten sich wunderbare Ankerplätze an. Leider haben auch Stechmücken gleiche Vorlieben für diese Plätze. Und es fließt angenehmes, der Haut schmeichelndes Süßwasser! Uns sind auf Flüssen und Kanälen überwiegend ältere Menschen begegnet. Jüngere schätzen wohl die Herausforderung, die das Meer bietet höher. Im Alter wird man abgeklärter.

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So hat jede Art des Reisens Vor- und Nachteile. Wenn sich die Möglichkeit bietet, soll man sein Schiff für einen längeren Abstecher verlassen, um Interessantes zu erkunden. Das hebt den Wert einer Reise.

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