Nach der Nachtfahrt von Sizilien an die Stiefelspitze von Kalabrien

GERDI

Die 2.Nacht in Milazzo/Sizilien lagen wir, schaukelig, vor Anker in der lebendigen (touristenfreien?!)Stadt, vor dem gr. überfüllten Hafen, wo die vielen Fähren zu den Vulkaninseln starten, nach einer ersten, 60€ teuren Nacht in der vornehmen Marina Garibaldi!!! Der Stadthafen war überfüllt…

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Draußen diese üppig mit Bäumen bepflanzte ewig lange Promenade, wo ab 19 Uhr „alle“ promenieren, „CORSO“ heißt das auf italienisch, man macht sich fein, also modisches Outfit, schmale Röhrenjeans, echt chic die Kleidchen, Stilettos mit 7-10 cm Höhe oder die aktuellen hohen Kork-Plateau-Sandaletten mit viel Strass, Perlen, Blumen drauf, ein absoluter Hingucker die großen Umhängetaschen mit so typisch italienischem Design!! Die Bambini alle ganz adrett, die Mädle ganz in rosa, die Jungs mit shorts und feschen Shirts, die Teenager mit teuren dessous und exquisitem Haarschmuck, die Jungs zeigen ihre braungebrannten Oberkörper mit knappen Achseltops und Hawaii-Bermudas mit großen Blüten. Man hat die Buggies mit den Sprösslingen dabei, alle essen Eis, man promeniert hin und her, die stockende Autoschlange in der Mitte. An den Brunnen mit den im Licht der Scheinwerfer funkelnden Wasserfontänen drängen sich die Jugendlichen, der Auto-Corso knapp an den Zehen vorbei, das Telefonino am Ohr, die Zigarette lässig in der freien Hand. Vor 1 geht keiner heim. Sie genießen die Kühle nach der sengenden Sonne des Tages, oder sie fliehen die engen Wohnungen und die jungen Leute sicher auch die wachsamen behütenden Kontrollblicke der „famiglia“….die Enge der schmalen Wohnungen…..Am Abend vorher, nach unsrer Bus- und Tramfahrt nach und in Messina, wo wir endlich die Volvo-Ersatzteile ergatterten!!!, waren wir mal in einem Speiselokal, in dem ausschließlich Sizilianer alla cena versammelt waren. Großfamilie mit süßen ragazze(Mädchen), man aß die typische Speisefolge, Antipasti, primi piatti, secondo, carne/pesce, i dolci, frutta, caffè….Dazu sang ein alter Herr zu CD-Musik wirklich sonor alte Liebeslieder, Rumba, Tarantella, Mazurka – ganz reizvoll. Wir kosteten den hier so typischen „espada“- also Schwertfisch, den sie draußen auf See mit ganz besonderen Booten fischen, am Mast ein Korb mit dem Mann im Ausguck und ein langer Ausleger, auf dem wohl die Fischer sitzen. Als Vorspeise wählte Gh einen Pulpo mariniert, also Octopus, der mit den Saugnoppen an den 8 Fangarmen.Früh wollten wir los, durch die Straße von Messina!!Um 6.30 Anker auf. Es gab zum 1.Mal seit Wochen… WOLKEN!!! Und einen kl.Regenschauer mit REGENBOGEN!!!Mit Groß und Fock 2 rein in den Schlund. Gleich schob uns mächtig der Strom, mit 6-7 kn (sm/h) rauschte die EOS unter geblähten weißen Segeln am letzten Stück Siziliens vorbei, viel Schiffsverkehr, Tanker, Fähren, Segler, einer wohl 25 m lang unter stolzer englischer Flagge, Echt königlich! Bald kreuzen wir mit dem Wind, Richtung Bocello, runden segelnd die „Zehen“ des italienischen Stiefels…2 Reffs im Groß, es fetzt, viel Ruderdruck, aber meine heilende Hand schafft es inzwischen wieder . Tankstopp in Reggio Calabria.Gerhard empfiehlt, schön Abstand zu halten von einer bestimmten Bucht, wo der Hafen aufgegeben wurde und etliche Segler überfallen und ausgeraubt wurden.

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Gegen 19 Uhr wird der Wind und der Seegang weniger, dreht von achtern auf vorlich. Also kann ich kochen: Tomaten, rote Zwiebel, Knoblauch, Origano, Chili aus der Mühle, Olivenöl, dazu Maccaroni-Hörnchen. Ich dichte ein Abendlied um, das ich so oft den 2 Buben, später der kl.Erika vorgesungen hatte :

Und jetzo bricht die Nacht herein,und alle Menschen schlafen ein, sie machen ihre Äuglein zu und schlafen ein in schönster Ruh’.

Und jetzo kommt der Abendschein und auch der Wind schläft wieder ein,er stellt das Blasen ein und ruht, was auch das Segel und die EOS tut.

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Noch 45 Meilen, also noch ca. 12- 14 Stunden. Haben aber toll Wind gehabt bisher….Um 22 Uhr nach der Kartenabeit am Navigationstisch legt sich Gerhard in die Koje. Total klare Sicht ans ferne Ufer, hell erleuchtet Dorf um Dorf, ganz besonders reizvoll die in den Bergen aufleuchtenden kleinen Dörfer…Auf See ganz große Fischerschiffe, die ihre gr.Netze mit hell blinkenden Bojen markieren. Ein Wechsel von Segeln und Motoren bis um halbdrei. Dann übernimmt Gerhard die Ruderwache und ich sinke in Schlaf. Erst sein Anlegen in einem neuen Hafen, „Roccella Ionico“ weckt mich….. Frühstück. Und dann dieses sonderbare Gefühl zwischen Schlafen und Wachen, typisch für die Zeit nach den Nachtfahrten:

HALBWELT nach der Nachtfahrt…Dieses halb Schlafen, halb Wachen..Dieses Lesen ohne Konzentration…Dieses“Ich will jetzt“ und nicht wissen was…Dieses „Durst“ und nicht löschen können…Dieses „hab kein’ Hunger“ und doch mechanisch essen…Dieses ER schläft-Sie wacht auch tags danach im Wechsel…Dieses „Wo ist die Zeit geblieben“, gestern, heute?…Dieses nach der Uhr sehen, weil der Körper desorientiert ist…Dieses genießen: 4 Leinen fest am Ponton- keine Sorge…Dieses „Mir ist heiß, aber draußen ist ein Wasserschlauch…Dieses „Ich mach uns mal Kaffee“. „Das ist lieb!“…Dieses: Ich geh mal rüber…den blog ins Internet stellen. Ja gut.Dieses Dösen im leichten Wind… Stille im Cockpit und kein Seegang…Dieses Ruhen der Segel, Schoten und Fallen…Das lautlose schwingende Ruder – nach geleisteter Schwerarbeit…Dieses Loslassen. Kraftreservoir auffüllen…Dieses Laissez-faire, Wegschauen,Vorbeiziehen lassen…Dieses Sehen ohne Registrieren. Pinien an Land. Oder was?…Dieses Zeitlose: Vor 12? Nach 12? Abend?Ein Windhauch – köstlich.Ein Streicheln für Haut und Seele…..

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