Wisst ihr Jungs das noch?

Endlich starten wir. Früh um 05.15 Uhr, auch die jungen Schweizer laufen aus. Und nach ½ Stunde legt es uns beide schräg rein. 6 bft., Seegang. Weißgischtig kommen die Wellen über. Ich krieg zum 1.Mal Angst…! Im Schlafanzug ohne Brille helfe ich beim Reffen, eine flinke Woge quetscht sich durchs Vorluk und durchnässt alle Kissen. So leg ich mich in die Steuerbordkoje im Salon und gib zu dass ich bete:  „Nimm eine Windstärke weg“ – und dann schlaf ich 1 Stunde da ein!!!Um 10 Uhr 2 Reffs. Es kracht und wütet. Im Lifebelt und Ölzeug und Südwester will ich raus und da purzelt der seit Milazzo gesuchte Bikini aus der Schwimmweste. Schon witzig in dem „Getümmel“ – eine Überraschung. Um 11 wird der Wind gnädiger und wir setzen uns ½ Stunde rein zum Frühstück. Die 1. griechische Insel, Othonoi, ist in Sicht. Als Martin 4 Monate alt war, blieb ich nach dem Stillen 1983 auch mal unten und schwor: „Die Mama kommt erst wieder raus, wenn einer Land in Sicht ruft!“ Da hatten wir auch heftigen Seegang…

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Erikousa ist erreicht,von früh 5 bis abends 5.viel Wind .Schule und Kirche, Erinnerungen an 5 Törns mit 2 Buben, schwanger, und Erika
Um 13 Uhr mach ich ganz schönes Mittagessen: Mozzarella in Zitrone und Knoblauch-Olivenöl auf einem grünen Bett aus knackig frischem Basilikum und kalabrischen kleinen Pomodore, einen Teller Hähnchenbrust mit Zitronensaft und Majonnaise auf Kopfsalatblättern. Wir essen genüsslich und hopp! Da ist er wieder, der Wind. Es fetzt ab 14 Uhr. Aber jetzt sind wir sogar froh, beschließen gleich weiter zu segeln bis Erikousa. Sooo viele Erinnerungen! Die Buben, 1988 als ich im 7. Monat schwanger war mit Erika, droben auf der Klippe, die Ärmchen ausgestreckt wie eine „Vogelscheuche“, winddurchpustet die langen Pulloverärmel, sie konnten kaum stehen vor lauter Wind…Um 17.15 Uhr fällt der Anker in der Sandbucht von Erikousa. Auch die 2 jungen Schweizer haben es geschafft und wir ankern nebeneinander. Kalt ist es. Ich brauche beide Decken um einzuschlafen! Nach der Hitze sind 20° eisig. Beim Baden früh messe ich die Meerestemperatur: 18°. Das ist wie Bodensee im Juni oder Oktober. Ganz klares türkis-farbenes Salzwasser aber! Alles an Land „vertraut“. Die Schule frisch getüncht, nachts angestrahlt, neben der Kirche. Der Pope damals unterrichtete 7 Schüler – und es waren alles seine eigenen Kinder!!! Die Kraftwerkstation. Das große Sandrund. Die Agaven. Die Mole, wo uns damals fast bei Sturm die Allessandro zerquetscht hätte an der Hafenmauer, wisst ihr Jungs das noch?Die Kneipe, in der die Albaner-Schmuggler (Zigaretten) täglich den Wetterbericht im TV schauten, und in ihren tarngrau gestrichenen niedrigen Booten hatten sie 10 verschiedenen Kennzeichen-Tafeln. Finstere Gesichter alle. Heute liest man, dass Albanien ein beliebtes Segelrevier geworden ist, englisch sprechende Tourismusleute und reizende Hafenbüros… So ändern sich die Zeiten. Wir wurden damals mit ihren Scheinwerfern angestrahlt, von den hohen Albaner Bergen! Und man musste 20-30 sm Abstand einhalten und fuhr fast auf der Mitte der Adria drumrum. Kommunistisches Hoheitsgebiet! Und damals kam eine Robbe an die Marion herangeschwommen, nachts.

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