Erikas “ Reise in die Zeitlosigkeit“

Heiß, entspannt und interessant – mit diesen Worten lässt sich mein zwölftägiger Aufenthalt auf der EOS am besten beschreiben. Ich hatte recht klare Vorstellungen von dem, was mich nun erwarten würde: Die meiste Zeit würden wir auf See verbringen und – bedingt durch den sehr geringen Platz auf der kleinen Eos – würde sicher nicht alles völlig reibungslos ablaufen; aber auch, dass es bei ungünstiger Wetterlage schnell ungemütlich werden kann, ganz besonders in der ohnehin für ihre starken Winde berüchtigen Ägäis.

Und trotzdem hielt der Urlaub natürlich zahlreiche Überraschungen offen: Zum Beispiel die unglaublich großen, pompösen und teilweise schon lächerlich luxeriösen Yachten, bei denen häufig schon eines der vier Stockwerke eine größere Grundfläche hat als meine geräumige Wohnung in Kempten. Im Hafen verschwand die Eos durch ihre geringe Höhe oft gänzlich im Schatten der großen Artgenossen. Und trotzdem fühlte ich mich sehr wohl, vielleicht gerade durch den begrenzten Platz. Wir Spengler-Kinder haben durch Segeltörns, Hüttenaufenthalte und Wohnmobilurlaube schon früh gelernt mit wenig zurecht zu kommen – ob nun nur mit einem Liter Wasser die langen Haare zu waschen oder ein Aufenthalt ohne fließend Wasser, Dusche oder elektronische Unterhaltung. Auf der Eos hatte ich niemals das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen, im Gegenteil. Viel mehr freut man sich, dass diese Art von Leben einem selbst so leicht fällt, während andere nach wenigen Minuten nach dem Kleiderschrank und der Klimaanlage fragen würden. Und doch ist der Verzicht auf das Unterhaltungsmedium Nr. 1; den Laptop manchmal nicht ganz leicht, besonders wenn man den dritten Tag Flaute hat und die Sonne unbarmherzig auf das Deck brennt. Man entdeckt die Zeitlosigkeit, versucht durch stundenlanges Lesen und kurze Schlummerphasen die heißesten Stunden rumzubringen. Auf der anderen Seite zählte ich, als wir vor Kos in ungemütlichem Gegenwind und in einem ausgewiesenen Wellengebiet kämpften… bei der Ansteuerung der berüchtigten windreichen Insel Kea— , die Stunden die das GPS angab bis wir eine sichere Bucht erreichen würden. Letztendlich drehte sich alles um die Zeit – und gleichzeitig auch gar nichts. Die Zeit bis die Wellen wieder weniger werden oder der Wind abnimmt, die Zeit bis es nicht mehr gar so heiß ist, die Zeit bis ich wieder meinen Freund in Armen halten konnte. Und gleichzeitig ist es im Grunde unerheblich ob man nun 9 oder 12 Stunden fährt, heute oder eher morgen die nächste Insel ansteuert oder einfach mal nichts tut. Eine Lebensweise, die in unserem terminbestimmten, gehetztem Leben oft zu kurz kommt. Es kommt, wie´s kommt!

Ich bin froh, diesen Spontanurlaub doch noch in meine etwas volle Ferienplanung gepackt zu haben. Ich komme mit wunderschönen Fotos, ein paar neuen Bekanntschaften und zahlreichen neuen Eindrücken nach Hause, von dem Alltag auf einem Törn (an den ich mich – im Gegensatz zu meinen Brüdern – kaum noch erinnere), der griechischen Lebensweise und der Versicherung, dass man auch ohne die Sprache sprechen oder lesen zu können seine Ziele erreichen kann, sei´s nun bei der Zugfahrt durch Athens Vorstädte oder auf der Suche nach bestimmten Ersatzteilen.

Ich komme aber auch mit großem Respekt für meine Eltern nach Hause. Die Mama, die beim größten Seegang mal für ein paar Minuten in der Kajüte verschwindet und mit einem vollwertigen Mittagessen zurückkehrt oder aus zwei Thunfischfilets – einfach so – ein romantisches Dinner bei Kerzenlicht und mit griechischem Salat zaubert. Und der Papa, der Ingenieur, den nichts aus der Ruhe bringt, weder ein versunkener Tankdeckel noch ein zerrissenes Sonnensegel. Er macht sich gleich im nächsten Hafen auf um ohne ein Wort Griechisch zu sprechen eine Dichtung, einen Docht für die Petroleumlampe oder gleich ein ganzes Schlauchboot zu kaufen. Und wenn Pantomime und Kauderwelsch nichts mehr bringen, löst die Mama mit ein paar schnellen Zeichnungen jedes Missverständnis.

Ich verlasse Griechenland ohne traurig zu sein, es war eine schöne Zeit, aber nun lasse ich die zwei Segeleltern wieder allein ihren Weg ziehen – und ich freue mich umso mehr auf zu Hause, auf die etwas angenehmere Temperatur und nicht zuletzt auf meinen liebsten Freund, mit dem ich bald für einige Wochen Thailand erkunden werde.

Erika

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