Längst ist die rote türkische Flagge gesetzt und darunter flattert die gelbe Flagge Q als Zeichen: Ich möchte freien Eintritt in dieses Land

GerhardKaum zu glauben, aber es weht ein schwacher Wind! Um 5.30, noch bei Dunkelheit breche ich auf, GPS und das Leuchtfeuer auf dem Inselchen Bayrak weisen den Weg. Um 7 Uhr geht die Sonne hinter den Bergen in der Türkei auf. Immer ein erhebender Zeitraum zwischen der ersten Dämmerung und dem Erscheinen der Sonnenscheibe. Alle Farben zwischen blau und weiß erscheinen nacheinander. Der frühe Start hat seinen Grund. Gegen Vormittag nimmt der Wind meist stetig zu bis zu unangenehmen 6 Bft. Aber er tut es nicht! Motor und Vorsegel. Dann schläft der Wind ganz ein. Über Kanal 73 melde ich mich bei Marina Kushadasi an und EOS wird an eine Mooring bei den kleinen Motorbooten gelotst. Längst ist die rote türkische Flagge gesetzt und darunter flattert Flagge „Q“ als Zeichen: „Ich möchte freien Verkehr in diesem Land“. Das Einklarieren ist mit einem Behördenakt im Hafenbüro und einem Preis von 100 Euro verbunden. Jetzt wird die Flagge „Q“ gestrichen und wir sind Gäste in der Türkei.Sehr zurückhaltend durchstreifen wir die lebendige Stadt, hauptsächlich die Hafenbereiche und die Altstadt mit dem Bazar. Kushadasi wird von vielen Touristen besucht, Die Kais sind alle belegt mit Kreuzfahrschiffen und großen Ausflugsbooten, oft mit Tauchern, Badegästen, lauter Musik.Das Angebot in den vielen Läden besteht nicht mehr aus Früchten, Gewürzen und Stoffen, sondern aus Souvenirs, Lederwaren, Teppichen, Kleidungsstücken (Jeans, T-Shirts,Turnschuhe), Präziosen, Uhren u.s.w.In Kushadasi Marina liegen wir sehr angenehm und Musik aus mehreren Lokalen begleitet uns in den Schlaf. Anderntags fahren wir nicht nach Ephesus. Diese Fahrt wird an jedem Taxistand angeboten und viele Busse nehmen die Passagiere der Kreuzfahrtschiffe zu dieser Sehenswürdigkeit auf. Jetzt begreife ich die große Zahl der Kreuzfahrer! Statt dessen durchstreifen wir nochmals die Stadt, lernen einen Muezzin und einen geschäftstüchtigen netten Gastwirt kennen. Wir bummeln am Morgen an den Stadtrand und werden von Kindern zu einem Aussichtsfelsen hoch hinauf geführt, mitten durch das Armenviertel (Gerdi berichtet). Als Freund der Berge liebe ich die weite Sicht von oben.Abends besuchen wir eine Gebetsstunde in der Moschee, unser erster Besuch einer muslimischen Gemeinde. Gerdi zieht einen langen Rock an und ich trage lange Hosen. Der Muezzin vom Vormittag hat uns freundlich eingeladen und uns Verhaltensregeln vermittelt. Wir tauchen ein in eine fremde Welt der Gläubigen. Für mich erscheint alles wie eine ständige Wiederholung von Gesängen, Zeichen, Verneigungen und tiefen Kniebeugen. Ich stehe in der letzten Reihe, wie es sich für einen Gast gehört und betrachte alles mit Staunen. Es ist eine Erfahrung, aber völlig fremd und nicht meine Welt.Nach der Gebetsfeier (hier ist  zur Zeit Ramadan) essen wir bei „unserem“ Wirt eine hervorragende Platte mit verschiedenem Fleisch, Hammelköfte (Hack, gegrillt), Huhn und Rind vom Spieß, gegrillten Tomaten, Chilischote und Paprika und Pilav aus 2 Sorten Reis. Ein starker Chai zum Abschluß. Sehr gut. Mit Bier 37 TL (türkische Lira, etwa 18 Euro) zu zweit.Die Wetterberichte schwanken für morgen zwischen Sturmwarnung 8 und 3 Bft. Da am anderen Morgen entgegen den Voraussagen kaum Wind weht und das Barometer wieder zu steigen begonnen hat, entschließe ich mich zur Weiterfahrt bis zur nächsten Bucht. Der Wind nimmt zu, erreicht aber keine unangenehmen Stärken, leider von vorne, also Motoren. In einer kleinen Bucht bei Bölme Adasi fällt der Anker gegen Mittag. Gerdi zaubert und bittet zum Brunch im Cockpit. Manchmal fauchen Böen, aber nicht stark. Es münden 2 heiße Quellen in die Bucht. Wenn man an der einen den Sand ein paar cm zur Seite schiebt wird es heiß. In der anderen kann man baden und in warme Höhlen gehen. Ein friedlicher einsamer Ankerplatz. Die Felsen schimmern rötlich braun und türkisbläulich. Der Hang ist kultiviert, gepflanzte Pinien wie eine Baumschule, mehr Grün als bisher.

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