Ende einer Reise

Seit vorgestern steht EOS an Land, kein Schaukeln, kein Ausrichten nach dem Wind vor Anker mehr. Abschlussarbeiten stehen noch an, Motor konservieren, Außenholz streichen, Bordwand polieren und wachsen, Innenbereich reinigen und, und.

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EOS verlässt ihr Element
Eine sehr schöne Zeit geht zu Ende. Wir hatten keine Eile, bei 6 Monaten spielt die Zeit nur noch eine untergeordnete Rolle. Gerade das Zeitlose war ein wertvolles Geschenk. Es nimmt den Druck aus einer Reise. Wir richteten uns nach dem Wetter und unseren Eindrücken. Drohte starker Wind, blieben wir wo wir waren, fanden wir eine Stadt oder eine Ankerbucht besonders schön, dann blieben wir auch.Die Fahrt begann mit der Fluss- und Kanalfahrt auf dem Rhein-Rhône Kanal. Max und Jörg waren gute Begleiter. Wir haben viel gelacht und nur einen einzigen Regentag erlebt. Eine Flussfahrt ist eine angenehme Angelegenheit. Die Natur am Ufer ist nah, Wind und Wellen sorgen uns nicht und die Liegeplätze sind ruhig. Ab und zu bietet sich ein Schwätzchen mit Leuten am Ufer an. Die Häfen sind preiswert. Nachteil: Man muß ständig steuern und kann das Schiff nicht dem Autopiloten überlassen.Nach 2 1/2 Wochen und 130 Schleusen waren wir bei Port St. Louis im Mittelmeer. Ab hier, nachdem der Mast gesetzt war, wurde die EOS wieder ein „richtiges“ Segelschiff. 15 Tage etwa tingelten wir die französische Küste ostwärts bis kurz vor Nizza. Jetzt wechselte die Mannschaft. Max und Jörg nahmen den Flieger zurück und Gerdi flog ein. Korsika, Sardinien und Sizilien, Abstecher nach Elba und die Äolischen Inseln waren unsere nächsten Ziele. Die nächtlichen Überfahrten gelangen problemlos, der Wind war schwach oder meist mäßig. Die Straße von Messina zwischen Sizilien und Calabrien durchfuhren wir mit Strom im Eiltempo. Die Südküste Italiens fanden wir überraschend schön. Nach der nächtlichen Überfahrt durch den Golf von Taranto hielt uns Starkwind 8 am italienischen Sporn in Santa Maria de Leuca einige Tage fest. Trotzdem wurde die Fahrt über die Adria eine windige Angelegenheit und noch am gleichen Tag zogen wir die griechische Flagge hoch und ankerten vor der Insel Erikousa in Sichtweite von Korfu. Die Ionischen Inseln kennen wir von früheren Reisen mit unsrer „Marion“ und den Kindern. Sie gefallen uns sehr gut, dennoch durchfuhren wir sie im Eiltempo.Ab Zakynthos, der südlichsten Insel dieser Gruppe begleitete uns Tochter Erika 9 Tage lang. Schon im Golf von Korinth hemmte uns heftiger Gegenwind, der Saronische Golf meinte es noch mal gut mit uns, aber dann zeigte uns Rasmus, was er zu bieten hat. Die Fahrt von Kithnos nach Kea gegen Wind und Wellen war das Unangenehmste der gesamten Reise. EOS war mehr unter als über Wasser und zum ersten und einzigen Mal trat die Bilgenpumpe in Aktion. Die Rückfahrt nach Piräus wurde uns mit starkem und halbem Wind gestattet. Pfeilschnell war Eos über dem offenem Gewässer und eilte dem Ziel entgegen Hier ging Erika von Bord und flog zurück. In diesen 1 ½ Wochen hat sie vieles erlebt, was die Ägäis bieten kann. Schöne Buchten und Dörfer, Flauten und starke Winde. Sie hat sich gut gehalten und war immer eine hilfreiche und kompetente Hand.Von Piräus aus querten wir die Ägäis, fuhren die türkische Küste gegen den Wind nordwärts, Kusadasi, Cesme, Ayvalik, bis zur griechischen Insel Lesvos. Von Sigri querten wir die Ägäis wieder windreich westwärts und nahmen von den schönen bewaldeten kleinen Sporaden südlichen Kurs Süd zwischen der großen waldreichen Insel Euböa und dem griechischen Festland durch bis in den Saronischen Golf.Die Ägäis hat uns mit andauernden Starkwinden überrascht. Wir segelten nur mit kleinem Vorsegel und fast immer mit maximal gerefftem Großsegel. Erst im späten September, als der Meltimi an Kraft verlor, war der Wind mit uns und in angenehmer Stärke. Einen Vorteil hat der Meltimi: Er bläst immer aus nördlichen Richtungen, es scheint die Sonne und man kann bedenkenlos in Buchten ankern, die nach Süden hin ungeschützt sind. Allerdings ist Vertrauen zum Anker notwendig. Der Wind entwickelt auch nachts erhebliche Kräfte.Die südlichen Ägäischen Inseln strahlen eine karge Schönheit aus. Wenig Bäume, viel Gestrüpp, dazwischen weiße Dörfer. Kein Vogel lässt sich in den Buchten hören. Die nördlicheren Inseln, Lesvos, die kleinen Sporaden, das nördliche Euböa und die Inseln im Saronischen Golf sind bewaldet. In den Buchten riecht es nach Harz und Vögel zwitschern und Grillen zirpen.Wo wir auch waren, die Leute sind uns freundlich und hilfsbereit begegnet. In den Häfen muß man manchmal 6 bis 8 Euro pro Nacht bezahlen. Marinas sind insbesondere in Sizilien teuer (40 Euro). Den Vogel schießt Olympic Marina bei Lavrion ab mit über 50 Euro für unser 10m-Schiffchen ab. Dafür darf man im Schatten von Megajachten liegen. Ähnliches bietet die Marina in Palermo auf Sizilien.Noch einige Zahlen:05. Mai bis 23. Mai:
Fluss- und Kanalfahrt,
460 Seemeilen (850 km) 130Schleusen25. Mai bis 03. Juni:

Auf dem Meer mit Max
200 Seemeilenund Jörg04. Juni bis 23. Oktober: Reise mit Gerdi von Nizza ab 2802 Seemeilen(fast alles unter Segeln)Insgesamt 3462 Seemeilen (6412 km)

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Die Reise vom Start bis zum Winterlager
Lebensraum für 6 Monate7 qm pro Person:Fühlen Sie sich zu zweien in einer Wohnung mit 14qm – Balkon inbegriffen – wohl? Nein?Unsere EOS bietet nicht mehr Fläche. Der „Salon“, unser Wohnzimmer mit Kochnische, misst 2,5 x 2,5 Meter. Die „Plicht“, unser Balkon, misst noch weniger. Die Leistung der Reise liegt nicht darin, ein Ziel zu erreichen, sondern sich auf dem Schiff wohl und geborgen zu fühlen. Es erstaunt, es gefällt mir auf dieser kleinen Fläche. Sind Gerdi und ich verschiedener Meinung, bleibt nur das Vorschiff für eine zeitweise Trennung. Man muß sich gut verstehen, um unter diesen Umständen auf Dauer Freude zu empfinden. Ich bin Gerdi sehr dankbar, dass sie das mit mir aushält und bereit ist, noch einmal im nächsten Jahr zu starten. Mit Freude!Eine Fläche dieser geringen Größe hat einen Vorteil: Man kann nicht viel mitnehmen und was man nicht dabei hat, macht auch keine Arbeit. Kein Garten, kein Keller, keine Kleiderschränke. Als Ersatz ringsum Natur. Sie bedarf keiner Arbeit, macht aber viel Freude. Die Küche ist klein, Gerdi kocht gern und zaubert mit einfachen Mitteln Gutes für den Magen, ab und zu sprüht der Grill am Heck Funken. Wir essen zu Abend bei Petroleumlicht in der Plicht und sehen dabei über Land und Meer, – über uns das Firmament, diamantenklar. Wir schlafen gut bei säuselndem Wind und unruhig, wenn der Wind das Schiff zum Erzittern bringt und am Anker zerrt. An Kleidern braucht man nichts oder sehr wenig. Die Sonne sorgt für backhendl-artige Bräune. Wir lernen viele Leute kennen, die auch per Segelschiff unterwegs sind. Die Chartersegler, die von Ort zu Ort eilen, die Langzeitsegler wie wir, die tagelang an einem Ort verweilen können, und die Segelprofis, die über Ozeane, um die Welt oder die Donau herunter fahren. Die EOS ist eines der kleinsten Schiffe in dieser Gegend.Wir waren auf dieser Reise sehr glücklich gerade mit dem wenigen an Ausrüstung, aber mit uns beiden. Der Herrgott hat seine schützende Hand über uns und unser Schiff gehalten, wir waren immer geborgen, hatten kein längeres Gezänke, keine unüberwindbaren Technikprobleme, gerieten nie in echte Stürme und hatten bis auf Gerdis Sturz keine Unfälle und keinerlei Krankheiten. Vielleicht lag das auch an den Menschen zu Hause, die in Gedanken und auch mit Gebeten bei uns waren. Dafür sind wir dankbar.Hier die Bilder:

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