26. Crotone. Kalabrien Süd

Gerdi schreibt zum 14. Juni

Waltraud sandte die Tageslosung: sie passte gut:

Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen. Psalm 37,5

Wir sind froh, gut und sicher im Hafen von Crotone zu liegen, 2 Moorings, 2 Bugleinen, morgen soll es stürmen. Wir gehen müde noch in die Altstadt, hoch zur Festung- ein ruhiges Wohngebiet, keine Villen, nur Etagenblocks, wenige Läden, die Wäsche flattert an Leinen direkt unterm Fenster, dann über Marmorpflaster  runter in die Altstadt. Viele Boutiquen, Schuhgeschäfte. Wir finden einen Vodafone-Shop und kaufen eine neue italienische simcard für Meteo und Blogs/Internet.

Eines der vielen Kirchenportale in Crotone Festung Crotone (1)Festung Crotone (2)IMG_0820

Am Abend machen wir uns an Bord Spaghetti mit Parmesan und Thunfisch f.Gh.

Mittwoch, 15.Juni

Nach ruhiger erholsamer Nacht gibt’s eine warme Dusche im Club Lega Navale. Es stürmt, es heult, die EOS reißt an Mooring und Tauen, Schräglage am Liegeplatz, es erinnert an den ewigen Starkwind in der Ägäis, wo uns 2015 der Meltemi traktierte…. Zum Frühstück holt Gh. Parmaschinken und Mortadella in einem engen, zauberhaften Laden mit Salumeria und knusprigem Brot. Statt Lebekäs-Semmeln holen sich die Leute hier ein panino und klemmen sich eine Scheibe Parmaschinken rein. Hohes Pfeifen und Winseln erfüllt die Luft….IMG_0823

Ein schönes Gefühl im Hafen sicher zu liegen. Die Rentner waten zum Frühsport mit hochgeschobenen Hosen am Sandstrand im flachen Meer, andere legen sich nach dem Schwimmen zum Trocknen auf die warme Hafenmauer. Der Blick vom Heck der EOS geht über die nahen Hübel, ca. 200 m hoch, in Sarande waren sie viel höher, Blau und gischtweiß das Meer von Kalabrien. Wir hoffen, daß wir „eines Tages“ wieder mal ohne diesen Lärm, die schlagenden Fallen, die hin und herrasende Pinne, das Knarren in 4 Tauen wieder einfach schön segeln können. Gerhard sieht in der „findship“-App die SY Intrepit am Weg nach Leuca, mit mehr als 7 kn. Auch in meiner Segelnacht ritt die EOS mit 7,2 und 7,6 sm/h die Seen ab… 37 kn Wind, das ist Windstärke 7, 50kmh. Nein danke. Nur warten….IMG_0821

24. Nachtrag: Von Leuca nach Gallipoli

11.6. Gerdi, Leuca

Start um 9.30 Uhr. Ab halbzwölf legt der Wind zu. Eine Schildkröte, ca. 50 cm groß, kommt im Gegenverkehr!

Greece2

Um 12 Uhr der gr. Leuchtturm vor der „Trockenen Ebene“, also seichte Stelle über Kilometer: Leuchtfeuer Secche di Ugento querab. Kurs West, immer höher die Wellen, 4 Bft. – Groß und Genua. Vor 14 Uhr Reff ins Groß. Gut, daß der Wind und die Wellen von achtern aufs Boot treffen… Wind bald mit 5-6 bft. Dieses Jahr haben wir fast immer das Ölzeug an… Tapfer sticht EOS ihre Nase in die Seen, schnell ist sie, schon ein wundervolles Schiff. EOS meistert alles, hätte sie die Bohrlöcher der türkischen Decksverlegung vom Herbst 2014 nicht, wäre es eine Pracht mit ihr auf dem auch stürmischen Meer zu fahren. Aber dadurch lassen wir uns die gute Laune und Segelfreude nicht verderben, höchstens trüben…:-). Wir genießen die vorm Wind ausgestellten 2 Segel, und die EOS sieht aus wie ein riesiger Schmetterling.

Heftige hohe Dünung, gut aufpassen, auch vor Gallipoli sind ausgedehnte gefährliche Untiefen! Kaum ein weiterer Segler unterwegs. Gegen 15.30 steuere ich nach stb und gleich wird das Meer zahm, statt 6 nur 3 bft. Sicher biege ich zum Hafen nach rechts und umschiffe den dicken großen roten Leuchtfeuerturm. Drinnen zeigt die Logge 30 Seemeilen an, mehr als die Hälfte unter Segeln. Brave EOS, gute eingespielte Crew. In beiden angefragten Seglerhäfen weist man uns ab, belegt, voll. So tuckern wir ins hinterste Eck, Porto Darsena Fontanelle, geschützt, eine kleine Werft dabei, fast nur große Motoryachten.

Sofort nach Anmeldung im Officio gehen wir auf die Suche nach einer Möglichkeit, unsere Wäsche nach 4 Wochen wo zu waschen(Bettzeug, Frottées, Geschirrtücher, also 60°) . Wir müssen durch ein stockdinkles Tunnel mit  1,80 m Höhe laufen, es stinkt nach verwesendem Fisch, es sprudelt Wasser aus einer defekten Leitung, drüben wieder hoch, nun hat man den Bahnhof unterquert. Auf zur prachtvollen von Bäumen gesäumten Magistrale, typisch italienische Boutiquen, Mode, Nippes, Bambini-Konfektion…

Man schickt uns nach Süden und Norden, jeder weiß eine andere Piazza, mal Roma, mal Cantucci. Ein ehem. in Deutschland arbeitender attraktiver Italiener begleitet uns ein Stück, er sieht aus wie Vico Torriani in seinen besten Jahren, dabei sei er 70!!! Um 19 Uhr ist die Blue Ballo-Lavanderia (Münzapparate) gefunden, aber ich hab kein Waschmittel dabei. Also spurtet Gh. zurück zur EOS und bringt meine Neutralseife mit.. Ob am Samstag länger offen ist ? Keine Ahnung… Dann füttere ich nach Anleitung nur in ital.Sprache sowohl die Maschine als auch den Geldautomaten. Warten. Inzwischen holt Gh. eine italienische Vodafone-Simcard, 2 Doppelrollen für den Flaschenzug am Heck, der unsere Gangway, ein 2m-Holzbrett, hochzieht wie eine Zugbrücke. Er läßt sich zu einem Laden leiten, der Petroleo bianco führt, also haben wir endlich wieder Brennstoff für unseren Optimus-Kocher! 5 Liter. Sein Ausrutscher auf dem glatten Marmorstein bleibt ohne Verletzung…Gottseidank. Als ich den Trockner fülle, kommt eine ältere Dame, sehr redselig, alles nur italienisch. Sie hat auch einen Sohn in Dtld, eine Tochter in Polen. Als ich ihr im Hy meine Weihnachts-Biscotti/Lebkuchen zeige, schreibt sie mir ihr Lieblingsrezept auf, wohl Schokoladekugeln. Rezept d. Luci aus d.Waschsalon Der Rückweg durch das nachtschwarze Tunnel wird ab und zu erhellt von grellen Lichtfingern, Autoscheinwerfern, die Autos passen so grade durch die Engstelle, wohl eine Abkürzung.

Gallipoli, Tunnel ohne Licht unter Bahngleisen
Düster, ohne Beleuchtung nachts, kaum Stehhöhe, Autos kommen auch entgegen…

Denn inzwischen ist Corso angesagt, 1000e von fein gekleideten Bürgern gehen spazieren, Kinder, Buggys, Omas, Rentnergruppen sitzen rauchend in den Straßencafés, Schlangen vor der großen Eisdiele(man bekommt nach dem Zahlen eine Nr., die leuchtet hinter der Eistheke auf, wenn man drankommt!Gallipolis Gelati+Pasticceria (4)

 

Gallipolis Gelati+Pasticceria (2)Gallipolis Gelati+Pasticceria (1)Gallipolis Gelati+Pasticceria (3)

Total von Autolawinen verstopfte Nebenstraßen, unglaublich, wie so ein Verkehr funktioniert! Die Magistrale ist eine Einbahnstraße und endet als Sackgasse am Castell. Es ist heftige Wahlwerbung, viele Lautsprecher- rumoroso- in fahrenden Autos blöken die Namen der Politiker. Touristen lassen sich in Blumengirlanden-geschmückten Dreirad-Autos durchs Centro fahren.

 

Endlich finden wir Zeit für das erste Gelato! Mmmmh. Gelato piccolo 2 €. Gerhard findet Lakritze im Caramelle-Shop:

Inzwischen ist stürmischer Wind, um 21 Uhr finden wir die nette Pizzeria „Pizza che Mamma“ hinter dem 2. Fußgängertunnel (kennen wir von 2011, Rückfahrt vom Marmarameer/Türkei/Peloponnes…Marseille…). Es bläst aber die knusprige Pizza Capricciosa ist schnell verspeist, köstlich.

Sonntag, 12. Juni: 2.Tag Gallipoli

 

junge Katzen unten
12 Meter tief unten warten die jungen Katzen, die Mutter kletterte die Mauer hoch….

 

Starkwind 6. Das Meer prescht an die Felsen, 10 m hoch. An einer der hohen Schutzmauern sehen wir tief unten in den begischteten Felsen viele junge Katzen, die Katzenmutter erklimmt die Mauer und legt sich oben zum Trocknen. Alle Lokale sind leer, die Plastikrollos sollen schützen, keinen zieht es an der Windseite rein. Aber die Möwen betteln gierig in einer etwas windgeschützeren Lokal über dem Strand und landen zwischen den Fackeln und Gläsern und Tellern auf der Mauer. Frech und groß. Die Fußgänger sind beim Gehen eingeschränkt, auf der Festung soll man die Kinder an der Hand führen. Wir hören viele Glocken läuten, das Castell wurde in nur 6 Monaten 2014 zugänglich gemacht und mit Informationstafeln bestückt. Bei der Lega Navale macht man uns klar, daß sie wohl keinen aufnehmen.

Am Abend sehen wir in einer Mini-Pizza-Bäckerei die deutsche Fußballmannschaft mit den Ukrainern einlaufen. (2:0) Die Pizza kommt mit Laufschritt an Bord.Der Wind soll mit 6 zunehmend anhalten.

Montag, 13. Juni Gallipoli

Wir bummeln wieder zur Lega Navale, ohne Erfolg. Neben der Burganlage lassen wir uns eine Menta mit Eiswürfeln munden. Zurück an Bord mach ich Nudelsalat, aus dem Rest Fussili, Paprika, Tomaten und Ketchup aus Turgut Reis in der Türkei.

 

Am Abend wollen wir zum Einkaufen. Da sehe ich, daß das Meer keine Riesenwogen mehr hat. Ich schlage spontan vor: Laß uns doch fahren, eine Nachtfahrt.

Und so zahlen wir die 80€ und 15 Min. später starten wir um 19 Uhr. Ziel 70 Seemeilen Crotone, ca. 130 km und ca. 14 Stunden Nachtfahrt…

Der Segelbericht ist einen Artikel später hier drin zu sehen.

 

 

 

 

24. Leuca

9.Juni, Gerdi. Eine wieder mal sportliche Überfahrt… Lifebelt, Ölzeug. Reffen… Nach 10 Std. steuern wir in kabbeliger See den mächtigen Leuchtturm von Leuca an. Der Außenplatz hinter der Hafeneinfahrt schaukelt quer zur Welle genauso wie draußen.

Einkaufen erst am 10.Juni… Ich kaufe Fussili (gedrehte Nudeln), Parmesan gerieben ganz fein pudrig und Sahne für die Soße. Bei einem Glas Menta und dem köstlichsten ersten Espresso sind wir dann endlich „angekommen“ in Bella Italia. Modisch die Mädchen, geschniegelte Haare die Männer. Noch kaum kurze Hosen.

Nach dem festlichen Mahl (Käsesoße+Pasta) spazieren wir über die kunstvoll angelegten Stege, die die Fußgänger über die scharfkantigen, bizarren Felsen laufen lassen. 300 Stufen müssen wir erklimmen, um zur berühmten hohen Säule mit der Madonna di Leuca zu kommen. Eine Klosterkirche lädt ein zum Dankgebet, über mir schwirren Schwalben, in der Krone eines Kronleuchters ist ihr Nest. Dann gehn die Lichter an, die Scheinwerfer beleuchten die Piazza, der Leuchtturm strahlt… die Stadt glitzert, die Musik startet ihre Disco-Beschallung. Wir wandern die 300 Treppenstufen neben der Felscascada wieder hinunter und klettern an Bord. Der Gewürztraminer mundet köstlich.

Morgen wollen wir weiter an der Innenseite des italienischen Stiefelabsatzes, Ziel Gallipoli, Apulien.

Bizarre zerklüftete Felsenküste LEUCAIMG_0736IMG_0737Kapern-Blüten (1)Kapern-Blüten (2)Kapern-BlütenLa sera...Leuca v. oben (1)Leuca v. oben (2)Leuca v. oben (3)Leuca, FelsküsteLeucas Madonna+FaroLeuchtturm LeucaLeuchtturm v. Leucamassive Bauweise-Steg LEUCAMaurer-Handwerk Stein auf Stein (1)Maurer-Handwerk Stein auf Stein (2)Reizvoller Laden

21.Warten auf Südwind in Ay.Stefanos

Mittwoch, der 8. Juni (in 4 Wochen sollten wir Richtung Palermo segeln…)Hier Gerhards Bericht und Flickr-Album: Klick

(für neue Besucher: auf das blaue Wort Klick gehen mit dem Cursor, Bericht lesen bei „mehr anzeigen“, Bilder anschaun, sogar Unterwasserfotos)

EOs vor Ayos Stefanos, 7.6.16Um 11 fahren wir los, strahlend blauer Himmel,paradiesischer Blick auf das in fester brit. Hand 🙂 befindliche Urlaubsdorf Ayos Stefanos, in dem wir auch 4 Tg. entspannt wie Feriengäste „wohnten“ an Bord.

17. Die EOS küsst den Sandboden vor Butrinti

Schönes Segeln am 2. Juni, der Regen des Vortags ist vergessen, das Ölzeug getrocknet. Wir tasten uns vorsichtig in die Lagunen-Einfahrt vor Butrinti. Das hat die EOS schon 2x gut gemeistert. Ich an der Pinne wundere mich, wie gebirgig zerklüftet der Meeresgrund ist: 60 m, 40 m, 7,5 m, 4,5 m, 2,8 m-… und da steht unser Schiff…!!! Grundberührung. Trotz GPS, Aufpassen, langsam motoren, Ausguck. Türkis leuchtet es unter uns, man sieht den Grund. Vorher nicht!

Gerhard holt den 5 Meter langen Bootshaken, der am Mast entlang angeklemmt ist. Er versucht, die EOS abzudrücken, aber 6 Tonnen sind keine leichte Masse. Dann holt er vom Bug den dort an Deck befestigten Stock-Anker, senkt ihn behutsam in unser kleines Beiboot, ich mache die Leine am Heck fest, Gh. steigt über die Reling in die Micro Eos und rudert samt Anker ca. 10 m weg vom festsitzenden Schiff. Zurück an Bord versuchen wir, die EOS an der Ankerleine zu verholen, sie dreht sich, aber verharrt.Leichtes Gas-Geben, vorwärts, rückwärts, Ziehen an der ausgebrachten Ankerleine- ein stilles Gebet… Und dann zeigt das Echo-Lot 0,4m, 0,8m, 1,2 m, ich weiß wohin ich „zurück“ muß- man sieht noch unsre Kiellinie. Gespannte Aufmerksamkeit… Und bei 4,8 m Entspannung. Ich will nicht mehr in das wunderschöne Lagunen-Paradies, nein, weg, lieber an die so nah u sehende griechische Korfu-Küste. Gleich setzen wir beide Segel und segeln voller Freude mit ein paar Wenden ins blaue Meer hinaus. Hinter uns Albanien und Ksamil, unser nächtlicher Ankerplatz.

Ksamil, alban.
Albanischer Urlaubsort Ksamil, unser Ankerplatz 1. Juni
Ayos Stefano
Bucht vor Agios Stefanos, GR

PS: Vor Anker buchten wir meinen Rückflug Palermo-München am Mittwoch, den 13. Juli, 16.15 ab Palermo, Ankunft 18.05 in München. Die beiden Augsburger Freunde reisen mit Zug und Fähre als neue Crew am 13. an.

16. Bücher auf See

Zur Taufe unsres 1. Enkelkindes schenkte mir die Großmama Nr. 2 das Buch von Rafik Schami: Das Geheimnis des Kalligraphen, 550 S.

Ein Genuß, so ein gutes Buch zu lesen, ein Geschenk, so viel Zeit zu haben. Damit ihr daheim einen kleinen Einblick in diese große Kunst haben könnt, füge ich einige Fotos bei, die von dieser hohen Kunst und Kultur zeugen:

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