Der Kiel

Hier, halb unter freiem Himmel, entsteht eine 40 m lange Gulet aus Mahagoniholz. Ganz am Anfang bauen die Handwerker den Kiel. Als mächtiges Rückgrat der künftigen Gulet liegt er noch flach. Die geschwungene Bugform wird durch vielfaches Verleimen dünner Mahagonibretter in diese elegante Form gezwungen. Das Heck entsteht durch Verleimen dicker, schwerer Bretter.

5 Noch liegt der Kiel mit dem eleganten Bugbogen flach
Noch llegt der Kiel mit dem eleganten Bug-Bogen flach
6 Das Heck der künftigen Gulet
Das Heck der künftigen Gulet

 

Jetzt wird der Kielkasten aus Stahl mit vielen dicken langen Bolzen fest mit dem Kielbalken verbunden. Diese Verbindung muss sehr stabil sein, um die Kräfte des Rumpfes beim Segeln oder in hohen Wellen sicher auf den schweren Kiel übertragen zu können. Noch ist der Kielkasten leer. Später wird der hölzerne Kielbalken noch einmal angehoben und der Kielkasten mit Stahlgranulat gefüllt um das Gewicht zu erhöhen. Den ganzen Tag hallen die Hammerschläge über die Werft, wenn die langen Bolzen durch die engen Bohrungen getrieben werden.

3 Mit wuchtigen Hammerschlägen wird er Kiel mit dem Kielschwein verbunden
Mit wuchtigen Hammerschlägen wird der Kiel mit dem Kielschwein verbunden

Kettensägen trennen überstehendes Holz und elektrische Handhobel glätten den verleimten Kiel. Jetzt kann der mächtige Kiel senkrecht gestellt werden. Er ist bereit für den Anbau der vielen Spanten. Wenn der Kiel senkrecht steht, lässt, der Tradition folgend, eine Ziege am Bug der Gulet durch Schächten ihr Leben. Wir sind eben im Orient.

10 Der Mitarbeiter löst das Kranseil
Ein Mitarbeiter löst das Kran-Seil
11 Traditionell wird nach dem Aufstellen des Kils eine Ziege geschächtet
Tradition: nach dem Aufstellen des Kiels wird eine Ziege geschächtet

 

Alle Bilder (nur Handy- Fotos): Hier

Döner im Salonu

Der  „ILHAN DÖNER SALONU „…

…so fügt sich der Name auf der elektronischen Werbetafel über dem Lokal zusammen. Größe des Lokals etwa wie ein übliches Wohnzimmer bei uns. Im Tresen, der das Zimmer trennt, machen die angebotenen Speisen den Mund wässrig: Verschiedene rohe Fleischsorten, Köfte, Spieße, Meatballs, ein paar Vorspeisen und natürlich die Schalen für Zutaten zum Döner. Ganz außen zwei Tagessuppen im Angebot. Hinter diesem Wall rotiert der Chef, stämmig, mit Kochmütze. Ganz an der Wand dreht ein Dönerkegel seine schleichenden Runden. Vor dem Tresenwall haben 2 Vierertische Platz. Sie sind bei dem windigen, kühlen Wetter gut besetzt. Alles setzen ein paar Neonröhren ins kalte Licht. Vor dem Lokal auf dem Fußweg haben noch einmal 3 Tische Platz. Passanten weichen auf die Straße aus. Genau gegenüber parkt immer ein Motorrad. Erst als ein Auto ganz nah vor dem Motorrad eine überaus enge Parklücke nutzt und der Kellner mit dem Chef darüber spricht, erkenne ich den Sinn. Das Motorrad hält die Straßenseite gegenüber dem Salonu parkfrei, damit die Autos nicht so nah an den Straßentischen vorbeifahren müssen. Als das Auto den Parkplatz verlässt, postiert der Kellner sein Motorrad strategisch noch günstiger. Jetzt schafft es auch der beste Parkkünstler nicht mehr zu parken.

Ich gehe am Mittag ins Lokal, sehe mir an, was schmecken könnte und entscheide mich für die Suppe, die gut aussieht. Da alles Schwere sinkt und mich ein Blind Date  mit ihr erwartet, hebt der Kellner eine Kelle voll hoch und bemerkt „Fleisch“. Ich bleibe dabei. Dazu noch Su (Wasser). Die elektronische Werbetafel formiert auch „Beer“,  aber das habe ich noch niemand hier trinken sehen. Vielleicht weil die Moschee nebenan steht. Ich sitze noch keine Minute an einem der Außentische, da steht die Suppe und ein Korb Brot vor mir. Rindfleisch, Kartoffeln und Gemüse zeigen sich. Schmeckt sehr gut. Ich erinnere den Kellner „Bitte Wasser“. Der Chef hinter dem Tresen verkleinert den Dönerkegel mit einem langen, dünnen Messer. Viele take away Döner sind gefragt. Das geht zack zack. Brot in den Röstapparat, Klappe zu, Döner dünn runtersäbeln, Brot aus Röstapparat, Zwiebel, Tomaten, Joghurt (?) Salat, 2 lapprige Pommes und dann viel Fleisch zwischen das Brot (sind eher übergroße Semmeln). Alufolie abgerissen, eingewickelt, alles in Plastiktüte, 3 TL (1€) kassiert, fertig. Bei mehr als 3 Döner hat der Säbel Pause, dann rattert das elektrische Dönermesser. Zwischendurch bemerke ich nochmals „Lütfen, Su“ (Bitte Wasser) und esse weiter. Sofort wenn der Teller leer gegessen oder zur Seite gestellt, oder man sich zurücklehnt, wird abgeräumt. Das ist überall so Sitte. Dabei steht der Kellner vor mir, verharrt, wirft den Kopf leicht zurück, erinnert sich und bemerkt „Su“. Er eilt ins Lokal und bringt die Flasche Wasser als Nachtisch. Türkische Kellner eilen, es ehrt, schnell zu bedienen.

Dieser Döner Salon brummt mittags. Handwerker, Männer mit Krawatte…- aber Frauen habe ich dort noch nie gesehen. Drei Gäste, ich sehe an ihren Händen, dass sie Hand-Werker sind, bestellen und setzen sich am Nebentisch. Mit eingezogenen Schultern, vorgebeugt und  mit aufgestützten Armen löffeln sie ihre Suppe. Da fallen mir die Ermahnungen meiner Eltern ein: „Sitz beim Essen gerade und stütz Deine Hände nicht auf. Sonst verbrennst Du dir die Nase in der Suppe.“ Die Handwerker, die den ganzen Vormittag mit einem schweren Hammer und über Kopf 10 cm lange Nägel in dicke Holzplanken geschlagen haben, dürfen gebeugt sitzen und die Hände auf der Tischkante abstützen! Kopfarbeitern sei das nicht gestattet.

Mittlerweile scheine ich als Stammgast zu gelten: weil ungefragt ein Glas Tee auf Kosten des Salonus vor mir steht.

PS.: Die Überholung unserer EOS geht dem Ende entgegen. Das Teakdeck schaut gut aus, Kajüte und Plicht sind frisch lackiert, nicht so super wie bei uns, das habe ich auch nicht erwartet. Die Decke im Salon hat einen schönen, weißen Unterzug. Die Fugen in der Plicht sind geschlossen, können aber erst nach 3 Wochen geschliffen werden, weil die Dichtmasse langsam trocknet. Alle Beschläge sitzen an Ort und Stelle. Das Unterwasserschiff habe ich heute abgeschliffen. Unterwasser- Farbe wird von den Bootsbauern im April aufgebracht. Und ein Teil der Decke im Vorschiff wird eingezogen sobald das Material angeliefert ist, voraussichtlich morgen. Alles Mögliche konnte ich während der Zeit hier in Ordnung bringen und – der Kühlschrank funktioniert wieder -!

Der Ausführungsstandard hat nicht die Klasse wie wir ihn in Deutschland gewohnt sind. Am Können liegt es wohl nicht, eher an der Einsicht, warum so exakt zu arbeiten. Es kostet Nerven, immer wieder auf saubere Ausführung zu pochen und es ist auch nicht angenehm, so als „Aufpasser“ die Arbeit zeitweise zu beobachten. Da gabs einige Diskussionen. Auch wurden einige Arbeiten plötzlich als zusätzlich angesehen  um den Preis zu treiben. Aber es kam alles wieder ins rechte Lot und wir waren eine fröhliche Truppe. Das Ergebnis wird sich sehen lassen können.

Ungewöhnlich

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1. In die nächste Stadt, kein Problem
Bozburun liegt am Ende der Welt und die Shipyard noch ein Stückchen drüber hinaus. Die Dinge des täglichen Bedarfs, auch die für den Yachti kann ich hier kaufen, aber für alles Weitere ist die Reise nach Marmaris notwendig, das sind etwa 50 km. Ich laufe einen guten Kilometer zur Hauptstraße und wenn der Bus mit dem Schild MARMARIS (es gibt nur diese eine Linie) kommt, dann mache ich mich bemerkbar und steige ein. So geht’s immer wieder,Daumen hoch und ein- und aussteigen, ohne Haltestelle. Der Bus wartet sogar, falls ein Gast etwas abliefern muss und nach 10 Minuten wieder zurückkommt. Die Fahrt ist schön. Sie beginnt am Meer, serpentiert sich zu einem Pässchen hoch, die schöne Bucht liegt rechts weit unten, wunderbar. Auf der anderen Seite breitet sich unvermutet die ebenso schöne Bucht von Selemye aus. Jetzt schraubt sich der Bus wieder abwärts, dem Meer zu und umfährt sie. Links die blaue Bucht und dahinter felsbewaldete Berge. Die Straße windet sich durch ein Tal und erklimmt wieder eine Anhöhe. Noch einmal nimmt eine reich gegliederte Bucht mit bewaldeten Hängen den Blick gefangen. Orhanye. Viele Boote überwintern dort.
Der Bus fährt schnell, durchgezogene Mittellinien sind ohne Bedeutung, auch erkenne ich den Sinn von Zebrastreifen nicht. Querende Fußgänger scheinen völlig rechtlos. Bei meiner vorletzten Fahrt war ich Teilnehmer an einer Wettfahrt mit einem Leichtmotorrad. Dessen Fahrer mit der schönen Sozia (beide ohne Helm) gelang es auf ebener Strecke den Bus zu überholen, auf Steigungen hatte aber unser „Bus“ mehr Schwung zum Vorbeifahren. So ging das hin und her, bis ein Fahrgast aussteigen wollte. Rennen verloren.
Dann der Höhepunkt der Fahrt: Der Bus gewinnt langsam an Höhe und mit einem Mal liegt die Stadt Marmaris an der schönen sichelförmigen Bucht vor uns! Ein traumhafter Anblick. Rechts die fast geschlossene Bucht und links, hohe kiefernbewaldete Berge durchsetzt mit rostbraunen Felsen und in der Mitte die Stadt. Wikipedia informiert: 35000 Einwohner.
Der Bus nimmt auch gewisse Umwege, wenn Fahrgäste das wünschen. So hat er einmal eine Mutter mit ihrem kranken Kind direkt zur Klinik gefahren und am Nachmittag dort wieder abgeholt. Das Kind war fest in Decken eingewickelt und schlief wohl die Narkose aus. Heute auf dem Rückweg bog der Fahrer kurz vor meinem Ziel ab und steuerte ein Dorf in einem anderen Tal an (Gerdi, das Dorf, das wir beim Wandern besucht hatten) um einen Fahrgast abzusetzen Ich bin überzeugt, er würde wieder umdrehen. Stattdessen fährt er weiter direkt nach Bozburun. Muss ich jetzt mit dem schweren Rucksack eine Stunde zur Shipyard laufen? Auf meine Frage: „How can I come to the Shipyard?“No Problem. Und er fährt mich wieder den Weg zurück bis fast an mein Ziel.
Die „Busse“ übernehmen auch so einen Art Lieferdienst. Alle möglichen Pakete liegen neben den Sitzen. Ich habe mal ein geliehenes Fahrrad transportiert. Auch ein Motorroller war schon drinnen. Heute Abend hat er gestapelte Hocker dabei. Ich denke erst, auch das ist Liefergut. Aber als immer mehr Fahrgäste zusteigen, nehmen sich diese jeweils einen Hocker als Sitzgelegenheit. Irgendwie muss das aber doch grenzwertig sein, denn es entspannt sich eine angeregte scharfe Diskussion mit dem Fahrer, in der immer wieder das Wort „Jandarma“ fällt.
Die Busse sehen aus wie Sprinter, haben etwa 10 Sitze (ohne Hockerplätze) und fahren nach festem Abfahrtsplan. So eine Fahrt ist zwar ein Erlebnis, aber eines mit Risiko. Als ich Gerdi vom Flugplatz abgeholt habe, kam ich an einem Unfall mit einem Kleinwagen und einem dieser Busse vorbei. Beim Kleinwagen war die Fahrerseite auf Höhe der Rücksitze stark eingedrückt  und dem Bus fehlte die Frontscheibe. Wie es wohl den Fahrgästen auf den Hockern ergangen ist?

2. Shopping in Marmaris
Marmaris gefällt mir. Eine überschaubare Kleinstadt. Bin ich dort, so muss ich für unsere EOS etwas kaufen. Das Feine: Alle Schiffsausrüster liegen in 3 oder 4 kurzen Straßen. Werde ich beim einen nicht fündig, dann finde ich es bei einem anderen. Bisher habe ich dort ALLES bekommen (außer einem ganz besonderen deutschen Lacköl). Bei größeren Beträgen lässt sich auch handeln, aber nicht so wie auf dem Bazar. Doch 10% sind meistens drin… Obwohl ich das Feilschen nicht liebe. Irgendwie sind immer Leute in den Geschäften, die nur reden, aber nichts kaufen. Es scheinen Freunde zu sein. Dann und wann kommt ein Kellner mit dem besonderen türkischen Messing-Hängetablett mit den zierlichen, tulpenförmigen Teegläsern drauf. Geraucht wird aber draußen.
Neulich habe ich mir eine Jeans gekauft. Unser Größensystem ist dort unbekannt. Ich will immer wieder gehen, weil nichts Passendes zu finden ist, aber der Verkäufer zieht immer wieder  eine neue Hose heraus, bis mir eine gefällt. Nur die Beine sind zu lang. In einer halben Stunde soll ich die geänderte Hose abholen. Ich verlasse den Laden nach rechts, der Verkäufer mit der Hose nach links und nach einer halben Stunde kann ich meine neue Jeans anziehen.
Zeit für einen Kebab oder eine Suppe in einem Döner Salonu muss immer sein. Ich sitze, bestelle und nach einer Minute steht der Döner vor mir. Als ich spät abends hungrig vom Flug aus Deutschland ankomme, gibt’s kurz vor Mitternacht auch noch einen Wrap, serviert von einem freundlichen – sagt man da Wirt -? Er hat bis Mitternacht auf und in der Früh ab 7 Uhr, er selbst bedient, macht das Essen zurecht, 7 Tage die Woche. Wo sind denn die Frauen? Nur einmal bin ich von einer Frau bedient worden und hinter der Theke sieht man sie auch selten und beim Döner-absäbeln nie.
Für Metallarbeiten muss man ins Industriegebiet. Nur ¼ Stunde zu gehen. Das hat wenig gemein mit unseren Hallen. Vielmehr wird hier in größeren Garagen- und davor -auf ein paar Maschinen gearbeitet. Autowerkstätten haben ihren Bereich, Sanitärleute, Schlosser und Edelstahlschlosser auch. Ich will kleine Kerben in Abflußstutzen machen lassen. Der Edelstahlschlosser setzt die Flex an, glättet mit der Feile und poliert am Polierbock. Die Stutzen glänzen wie neu im Laden gekauft, einwandfrei!
Zum Busbahnhof ist’s nicht weit und meistens bleibt noch gut Zeit für ein Glas Tee.

Die Strasse der Ölsardinen

Da lebe ich jetzt mittendrin. Es ist keine Ölsardinenfabrik, wie in John Steinbecks fröhlichem Roman, sondern die Werft bei Bozburun. Es wird fleißig gearbeitet, traditionell. Hölzerne Gulets zu reparieren, dazu bedarf es keiner filigranen Werkzeuge. Es genügen Kettensäge, Schreinerhammer, Hobelmaschine, Bandsäge und noch ein paar Werkzeuge und Maschinen mehr. Ja, es wird gearbeitet, an Schiffen. Aufräumen wird nicht als Arbeit angesehen, vielleicht wird es nicht bezahlt? Rund um EOS und 3 weitere Objekte stauben Surfbretter, eine alte Bandsäge, irgendwelche Bootsteile und vieles mehr ein. Mustafa benutzt zum Einschalten der Hallen-Beleuchtung im Verteilerkasten eine Stange. Keine Möglichkeit, den Kasten anders zu erreichen. Staubsauger sind viele da, irgendwo auf einem Haufen alter Dinge. Nachteil: Sie sind kaputt. Aber das Wunderbare: Mitten in einem Berg aus Abfallholz und Spänen entstehen wunderbar geschwungene Schiffe, teilweise über 20m lang. Die Kielbögen, vielfach laminiert mit edlem S- Bogen am Bug und aufgebogenem Steven. Es riecht aromatisch nach Holz und es klingt überall nach Hämmern, Hobeln und Sägen. Werkstattmusik.

Schöne, geschwungene Tormen (1500x1125) (1000x750)

Draußen werden die Schiffe an Land gezogen, dann stehen sie da, aus vielen läuft das Meerwasser wieder zum Meer zurück. Kräftige Hammerschläge zeigen, wo der Rott sitzt. Die Kettensäge macht mit den Planken kurzen Prozeß, das schwere Stemmeisen bricht die letzten Reste weg.

Blicj ins Innere (1500x1125) (1000x750) Der Mitarbeiteiter trennt die Außenhaut (1500x1125) (1000x750)

Ein paar Tage später ist plötzlich ein Spant ersetzt, dann eine Planke nach der anderen PASSGENAU eingesetzt und mit wuchtigen Hammerschlägen festgenagelt. Mit dem Elektrohobel abrunden, kalfatern, verspachteln. Erstaunlich schnell wird die kranke Stelle wieder verschlossen. Eine traditionelle, wunderbare, kleine Welt der Arbeit. Als Kunde wär’s mir mit weniger Unordnung viel lieber. Unverständlich für die anderen.

Die Arbeiter dort passen dazu.  Sie sind fröhlich, lachen gerne, erzählen mir viel über die Arbeit (viele können englisch). Pausen macht man  natürlich unter einer abgestützten Gulet, mit Zigarette und Nescafé. Mal spendiert einer eine Runde Döner, dann gebe ich einen Kuchen aus. Eine rabenschwarze Katzen- Großfamilie, 3 Hunde und eine Schar Hühner aller Altersklassen samt Hahn fühlen sich mit uns wohl.

Der Pausenraum (1000x750) (1000x750)

Da ist der Chef, heute im schwarzen Anzug. Gelassen weicht er den Pfützen aus. Er schaut zu wie gearbeitet wird. Arbeit ist wichtig, nicht das Umfeld! Vorgestern hatte er sogar eine Schaufel zum Abgraben in der Hand. Das hat aber nicht so recht geklappt. Sein knappes Kopfnicken zu mir könnte ein Gruß gewesen sein.

Der Transportfachmann: Rote Hose, blaues Hemd, Adiletten. klein und quirlig. Unter seiner Führung verlassen die Boote das Wasser.  Wenn er nicht aufpasst, dann droht die Katastrophe. Schrammen am Boot beim Aufpallen gehören hier dazu. Er macht alles mit frohem Lachen.“ I do it today!“, sein einziger englischer Satz. Ich warte aber schon 2 Wochen auf das Ausflicken des Kratzers.

Er weist das Zugfahrzeug an (1000x750)

Der Mann am Spill: Die Einheit in Weiß, schwarzgrau. Er führt ein langes, dickes Stahlseil in mehreren Windungen um das Spill, so eine Art Seilwinde, und auf Pfiff des Transportfachmannes  schaltet er den Motor zu und zieht den Slipwagen im Schneckentempo aus dem Wasser. Ob er wohl mal seine Kleidung wechselt? Das ölige Seil färbt ab und so dunkelt die Kleidung ein.

Er bedient das Werftspill (1000x740)

Der Taucher und Vorderlader-Fahrer: Wenn der Slipwagen ins Wasser fährt, fährt er im Taucheranzug mit und dirigiert das Schiff zwischen die Stützen. Keine ungefährliche Unterwasserarbeit. Gulets wiegen oft über 100 Tonnen. Seine Hand ragt aus dem Wasser und signalisiert dem Adilettenmann oder dem Steuermann an der Schiffsmaschine, was zu tun ist. Ist das Schiff aus dem Wasser, dann steigt er (mit Taucherbrille und -anzug) auf sein riesiges Fahrzeug und drückt den Slipwagen in die Parkposition. Sein Nachtlager hat er auf einem Sofa im Aufenthaltsraum aufgeschlagen.

Er richtet die Stützen (1500x1125) (1000x750)

Attila: Seit neuem in sauberem, knallrotem Overall mit verwegener Piratenmütze. Gerade schiebt er Bretter in die Hobelmaschine. Mal hilft er dort, mal da, dann wartet er auf Arbeit, zwischendurch ist er ein paar Tage weg. Auch immer fröhlich. Er hatte einen Motorradunfall und sei seither etwas komisch.

Attila (1500x1125)

Der Fischhändler: Es ist mir nicht gelungen, seine Funktion in der Gruppe zu ergründen. Er gehört nicht zum Stamm, ist irgendwie Gast. Er kommt abends mit seinem Lieferwagen, übernachtet darin und wenn er am Morgen einen Anruf bekommt, holt er irgendwo Fische ab. Er nimmt mich gelegentlich mit in Richtung Marmaris oder Bozburun zum Markt. Ein netter Kerl. Wenn ich in sein Auto steige, gibt’s einen Schuß Kölnisch Wasser auf die Hände. Das soll den Fischgeruch vertreiben.

Und das Dreamteam, Nail und Mustafa: Sie bauen mein Teakdeck auf. Es gibt keine Probleme, das Deck wird 1000 Jahre dicht sein und sie sind die absoluten Fachleute. Sie haben auch wirklich was los. Das ruppige Umfeld setzt sich leider auf der EOS fort. Wie kann man nur arbeiten und gleichzeitig so viel reden? ? Türken reden überhaupt gerne, auch über große Entfernungen hinweg.

Nail und Mustafa (1500x1125) (1000x750)

Neben „meinem“ Duo arbeiten noch eine ganze Reihe freiberufliche Bootsbauer. Es gibt ja im Winter viel zu tun, weil aus vielen Gulets Wasser rinnt. Im Sommer fahren einige die Gäste oder sie arbeiten an einem Neubau.

Pause beim Schweißer (1500x1125) (1000x750)

Alle haben ihr Netzwerk. Wenn man möchte, erfährt man viel. Wer zu viel für eine Reparatur bezahlt hat… Welche Gulet nichts taugt, welche schnell segelt . Welche einen nächtlichen Abstecher mit gut zahlenden „Reisenden“ in die ganz nahe EU unternommen hat und dass deren Besatzung nun einsitzt.

Abends sitzen gelegentlich kleine Grüppchen  zusammen, grillen, trinken Bier, rauchen. Eine fröhliche Gemeinschaft. Alles passt auf eine besondere Art zusammen und lässt schöne Schiffe entstehen. Wäre John Steinbeck hier, sein Roman würde sich um die liebenswerten Leute hier drehen.

Die Erde hat Gott auch aus dem Chaos erschaffen…. „und Er sah an alles, was er gemacht hatte und siehe, es war sehr gut

Kleiner Berg mit großer Sicht

Nail und Mustafa fügen die letzten Streifen Deck auf unserer EOS ein. Das Teakdeck ist bald vollendet. Die Aufgaben, die ich erledigen kann, sind fast alle getan. Also sehe ich mir die Gegend an. Gleich hinter der Werft beginnt der kleine Berg, etwa 300m hoch, ein Winzling also. Steinharte, rauhe Felsen, trockene, stachelige Büschchen hemmen den Aufstieg kaum. Der Blick weitet sich. Unter mir liegen die 3 Werften.

Unter dem kleinen linken Dach liegt unsere EOS (1500x1125)

Rufe, Hammerschläge, Sägegeräusche dringen hier rauf. Nur aus der riesigen Halle bleibt es still. Die Arbeiten an den 3 Luxusschiffen für reiche Ukrainer ruhen. Die Arbeiter sind entlassen worden, die besten Fachleute auf halbes Gehalt reduziert, das dem ukrainischen Volk gestohlene Geld fließt nicht mehr. In den beiden anderen traditionellen Werften brummt die Arbeit.

Der Mittelmeerherbst kommt. Aus den braunen Stachelbüschen wachsen winzige grüne Blättchen, kleine weiße und blaue Blümchen sprießen aus der Erde. Die weißen Blüten auf den langen Stängeln aus den großen Zwiebeln aber, die noch vor 2 Wochen so schön blühten, haben sich in grüne Samenkapseln verwandelt. Zwei Mandelhaine auf gepflegten Terrassen liegen auf halber Berghöhe.

Der Mandelhain (1500x1125)

Andere Terrassen verfallen und überwuchern. Vor dem Gipfel stellt sich noch ein Felswändle in den Weg, das ist aber leicht zu überwinden. Jetzt zeigen sich die beiden Sendemasten für Kommunikation. Abseits davon setze ich mich auf einen Fels und darf die überwältigende Sicht genießen.

Panorama (4) (1500x1125)

Auf einer Seite tief unter mir Bozburun mit Buchten, Inseln, Bergen und auf der anderen die Ebene mit den verstreuten Häusern und dazwischen die Werften. Wie Ameisen bewegen sich dort die Arbeiter.

Bozburun lebt von den Gulets. Jetzt bei Saisonende, liegen sie zahlreich vor Anker am Ufer oder stehen eng aneinander auf Pfählen in den Werften. Auch abseits vom Meer, in Hinterhöfen, auf Wiesen werden sie gebaut. Unter kleinen Dächern stehen Bohrmaschine, Hobelmaschine und Bandsäge. Davor das Gerippe einer werdenden Gulet.

Bootsbau an der Strasse

Die Leute von Bozburun leben gut davon. Wie eh und je werden sie gebaut nur jetzt mit anderen Materialien und elektrischen Werkzeugen, aber immer aus Holz.

Eine ländliche Gegend. Ich merke es am Kikeriki der Hähne und am Gackern der Hühner im Tal oder gelegentlich dem Blöken eines Schafs. An späteren Vormittag höre ich die Klänge einer Hochzeitskapelle, die schrille Flöte und die Trommel, kann aber nicht sehen, wo gefeiert wird. Ich war zu zwei dieser mittäglichen Hochzeitsmahle eingeladen. Immer das Gleiche: Auf einem Acker Tische und Stühle, einige Flaschen Wasser und die traditionellen Gerichte. Eine Suppe mit Knochenfleisch, Brei aus Gerste, gemischter Salat, Fritten kalt mit Joghurt oder ähnlichem und ein  süßer Brei aus Grieß. Ayran, das Getränk aus Joghurt, Salz und Wasser, kein Alkohol.

Dann mache ich mich wieder auf den Abstieg, diesmal nehme ich die Versorgungsstraße vom Sender. Hier im Schatten sprießen zarte Gräser, noch feucht vom Tau der Nacht.

Erstes Grün im Herbst (1500x1125)

Bei uns im Norden sprießt die Natur, wenn die Sonne nach dem Winter die Erde wärmt, hier lebt die Natur auf, wenn die Sonne ihre dörrende sengende Kraft verliert und mehr Regen den Boden wässert. Im Februar+ März sind die Berge dann grün, bevor ab Mitte Mai wieder die braune Farbe überwiegt.  Wo auch immer: alles ist ein Kreislauf, Werden und Vergehen. Ich freue mich, dass ich da mitten drinnen sein darf.

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Die Schiffswerft auf dem Lande

Auf traditionelle Weise an Land

Drei Werften haben sich hier an einer Bucht südöstlich von Boznurun angesiedelt. Zwei ähnliche und eine vorzügliche in der großen Halle nebenan. Bei den zwei ersten brummt die Arbeit, die dritte musste Mitarbeiter nach Hause schicken (Siehe Blog …..). Im Sommer zeigen sich nur ein paar Schiffe hier, aber im Herbst, wenn die Gulet- Saison ihrem Ende zugeht, dann füllt sich der Platz. Wie mir Nail versichert, ist dann kein Platz mehr frei. Dann stehen sie nebeneinander auf Holzklötzen, in der Senkrechten durch schräg verkeilte hölzerne Pfähle gehalten. Das sieht zwar unsicher aus, scheint aber durch die bauchige Rumpfform doch sicher zu sein. Schon das an Land bringen, dieser weit über 100 Tonnen schweren Schiffe ist abenteuerlich und traditionell. Je nach Schiffsgröße stößt ein Schaufellader den Slipwagen ins Wasser, ein Taucher positioniert es und spannt die Wangen und dann geht’s gaaaanz langsam, entweder mit dem Schaufellader wie bei uns kleinem, oder mit fester Winde bei schweren Gulets an Land. Anmerkung: Während der Schaufellader ohne Fahrer  den Wagen im Schleichgang zu Wasser schiebt zieht er sich seinen Taucheranzug  an. An Land und in „Parkposition“ hebt ei hydraulischer Drücke das Schiff an, es wird unterpallt und abgestützt. Der Wagen fährt aus. Fertig.

Bilder hier

Hier geht’s ans Grobe

Sportboote, so wie unsere EOS sind wenige hier. Hier überwintern fast nur große Gulets. Frisch auf dem Trockenen zeigen sich bei den meisten kleine Rinnsale, die dem Kielbereich entspringen. Eine gewisse Undichtigkeit scheint üblich zu sein. Nicht jedes Schiff schläft hier still den Winter über. Nach technischer Begutachtung geht’s dann oft ans Grobe. Bei 5 cm starken Planken richtet die Stichsäge nichts au s. kommt  Da kommt Mehmet mit dem Roller an, die Kettensäge zwischen den Beinen, reißt sie an und trennt schadhafte Planken mit einem Stemmeisen  heraus. So öffnet sich ein Blick in den inneren Rott. Aber auf einmal ist das Schiff wieder zu, die Planke eingenagelt und wartet aufs Schleifen, kalfatern und anstreichen. Doch nicht alles geht so einfach… Einem Schiff fehlt fast das gesamte Heck.

Bilder!

Auch Chaos schafft Schönes

Hätten uns die beiden Bootsbauer, die an EOS arbeiten und deren Musterdeck und auch der Preis nicht überzeugt, wir hätten den Platz sofort verlassen. Ungewöhnlich primitive Verhältnisse in jeder Beziehung. Was nicht unmittelbar gebraucht wird bleibt liegen und wird von Staub bedeckt oder rostet oder fällt in sich zusammen. Das Erstaunliche: Inmitten dieser Umgebung arbeiten fröhliche, hilfsbereite Leute und ich versteh mich (außer der Sprache)mit ihnen bestens. Und ebenso erstaunlich: Hier entstehen schöne, elegante große Holzschiffe! Gerdi und ich, wir wünschen uns, dass EOS dicht und in alter Schönheit diesen Platz verlässt und dann nichts wie weg.

Nochmal Bilder

Shopping in Marmaris

Die Bucht von Bospurun (1000x750)
Bozburun, nur 1 von vielen Buchten!

Es beginnt schon am Abend zuvor. Mit dem Fischhändler von Bozburun und einigen anderen sitze ich im Werftbüro. Er will mich morgen um 7 Uhr bis zur Abzweigung nach Daca mitnehmen. Dort erwartet er eine Ladung Fische, die er in Bozburun verkaufen will. Ich kann dann mit der Dolmusch(kl.Bus) weiterfahren.

An dieser Abzweigung kehren wir ein, essen einen Teller Suppe (in der Früh, das machen viele Leute hier), bevor jeder seine Wege fährt. Dolmus: Man streckt, wenn ein Kleinbus vorbei kommt, die Hand raus und er hält an, falls noch Platz ist. Vorher kommt aber sein Freund vorbei und mit ihm fahre ich bis Marmaris. Eine kurvenreiche Straße. Runter zum Meer, dann wieder rauf in die Höhe und wieder ans Meer. Wunderbare Ausblicke.

Eine schroffe Felsenbucht (1000x750)

Die letzte Bergkuppe öffnet dann unerwartet den Blick tief unten nach Marmaris. Schön liegt die Stadt, überschaubar mit ihren 31000 Einwohnern am Scheitel der herrlichen Bucht. Viele Schiffe ankern, 2 Cruising- Schiffe liegen am Kai. Alles umgeben von bewaldeten, felsigen Bergen. Schon von hier oben: Eine Stadt, übersichtlich, zum Wohlfühlen.

Ich habe meinen großen Rucksack dabei,  um einiges an der EOS zu reparieren und Defektes ersetzten  zu können. Hier hat alles seine Straßen. Die Straße der Schiffsausrüster, die ich als erstes ansteure, die der Edelstahlschmiede, die der Autowerkstätten und dazwischen immer wieder ein kleiner Döner-Salonu.  Schlauch, Toilettendeckel und Bilgenfarbe bekomme ich beim ersten und auch etwas „Rabatt“. Keine 20 Meter weiter gibt’s den Keilriemen, den Feinfilter, den Kohlefilter und den Impeller, natürlich auch mit Rabatt. Der Laden um die Ecke hat die Wasserabläufe fürs neue Deck, leider nur mit zu hohem Wulst. Nur die Torx- Schrauben gibt’s hier nicht, für die werde ich 2 Kilometer weiter ins Industriegebiet geschickt, zu den Edelstahlschmieden. Vorher kaufe ich aber noch genau gegenüber 5 m Elektrokabel und einen Stecker Beim Elektriker nebenan finde ich dann ein kleines LED- Licht und Kabelschuhe. Alles  keine 200 m im Umkreis. In Friedrichshafen gibt’s halt nur den Schiffsausrüster Kösling. Kein Wunder, dass wir viel im Internet kaufen. So lerne ich die Stadt kennen und erhalte in einer größeren schummrigen Garage meinen Sack voll Schrauben. Da kommt mir die Idee: wenn ich schon bei den Edelstahlleuten bin, könnten mir die in den Wulst der Wasserabläufe eine kleine Rinne einfräsen . Also unterhalte ich mich mit dem Edelstahlmann genau gegenüber in seiner Werkstatt. Das ist auch eine größere Garage. Schleif- und Polierbock und Schraubstock stehen im Freien. Die Drehbank dahinter vor dem Büroverschlag. In allen diesen winzigen Büros sitzen immer Leute und reden. Die Türken reden überhaupt gerne, auch laut über die Straße hinweg. Immer wieder eilen junge Burschen oder ältere Herren mit Teegläsern auf den besonderen „hängenden“ Tabletts in irgendwelche Büros.Elegant balancieren die Träger die dampfenden 5-8 Gläslein Chai von A nach B. Mein freundlicher Edelstahlmann stellt seine Drehbank ab, fräst mit der Flex die gewünschten Rinnen, glättet sie mit dem Fräskopf und poliert sie schließlich am Schwabbelbock. Alles glänzt wunderbar, als hätte ich es so gekauft. 4 kleine Meisterwerke.

Zum Busbahnhof laufe ich mit einen knappen Kilometer mit meinem gesammelten „Schatz“ im Rucksack, denn ich habe jetzt alles bekommen, und ich freue mich auf einen Wrap mit Kebab, bevor der Dolmusch losfährt. Aber der startet gleich. Schade. Jetzt geht’s wieder die schöne, nun bekannte Strecke zurück. An der Abzweigung zur Schiffswerft, bitte ich den Fahrer zu halten und bezahle umgerechnet 4 € für die 50 km. Ich will nicht gleich wieder zurück und setze mich noch mit einer Cola und einem süßen Riegel auf ein altes Schiffspolster  vor einem wirklich winzigen Minimarkt.

Ehe ich’s vergesse: Die Partnerstadt von Marmaris heißt Fürth. Neben Nürnberg!