Unsere Reise von Palermo bis zu den Äolischen Inseln

03. Juli 2009, vor Anker in einer weiten Bucht unter dem Monte CatalfanoPalermoGERHARD

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Wieder haben wir ein Kap gerundet, wieder ein markanter Ort! Nahezu senkrecht 100 Meter hoch mit einem Riesentor von der Natur geschaffen und einem Leuchthaus davor. Eigentlich wollten wir noch weiter bis Termini, aber die Seekarte versprach eine gute Ankerbucht ums Eck rum. Jetzt schaukelt die EOS leicht und vom Ufer wehen die fröhlichen Geräusche badender herüber. 4 weitere Segler haben hier auch ihre Anker ausgelegt. Meteo Italiano sagt eine ruhige Nacht voraus. Wir werden bleiben wenn das Wetter hält und den Grill im Heck in Betrieb nehmen. Gerdi bereitet gerade das Fleisch zu. Als Option für ungünstige Winde steht der Hafen von Porticello, eine Meile südlich zur Verfügung.Heute hat uns guter Wind vorangetrieben, weg von Palermo, der äußerst lebendigen großen Stadt. Ein gigantisches Verkehrsgewühl quält sich durch die Straßen. Sie zu queren erfordert höchste Aufmerksamkeit. Ganz am Morgen, als die Stadt am Erwachen war, habe ich auf alten, natursteingepflasterten Wegen den Monte Pellegrino bestiegen. Er erhebt sich 600 Meter hoch neben unserem Hafen. Nicht ganz oben wartet eine Wallfahrtskirche auf Gläubige (?) Die Kirche war noch geschlossen, aber die vielen Händler von Devotionalien bereiteten Ihre Pracht für den Ansturm der Besucher vor. Der Gipfel des Berges wurde von Sendeantennen in Beschlag genommen. Die Aussicht auf Stadt, Berge und Meer war grandios, so früh im Morgenlicht. Unten empfing mich der Lärm der erwachten Stadt. Etwas Gemüse, duftende Mimosenblüten für die Vase am Heck und frisches Brot waren Mitbringsel.In der Hitze des Tages marschierten wir zum großen Hafen. Fähren und ein Aida- Schiff „wurden beladen“. Die Hitze war erdrückend in den Straßen. Mit Tüten voller Kirschen, Aprikosen und Trauben kämpften wir uns zurück zur EOS. Von 9 bis 4 Uhr nachmittags waren wir in den Gassen unterwegs, fanden einen Antisifone für die Motorkühlung, gönnten uns ein Sprite und ein eiskaltes Bier – und den unerlässlichen caffè…Wir waren müde und hatten abends nicht mal mehr Lust auf ein Glas Wein. Als Ersatz suchten uns Mücken als Nahrungsquelle auf.Gerne verließen wir diese Stadt – aber in erster Linie den Hafen Villa Igiea Marina. Für über 90 Euro Liegegebühr für 2 Tage haben wir gelernt:·
Schau, welche Schiffe im Hafen liegen, überwiegend weiße, gepflegte Motorjachten: Alarm, teuer!·
Frage sofort mit den genauen Schiffsmaßen nach dem Preis!·
Kommst du früher als üblich, frage, ob der Ankunftstag auch berechnet wird!Wir versäumten beides und mussten blechen.GERDITrotz aller Anstrengung ist es ein ganz wunderbares Erlebnis, vom Hafen aus eine Stadt zu erkunden, stundenlang durch die Gässchen zu streifen, die wild befahrenen Hauptverkehrsadern als Fußgänger zu meistern (molto traffico!!) und eine Anhöhe zu erklimmen und auf die unter einem ausgebreitete Stadt zu blicken. Wir fragen uns durch zum Mundo Marine, einem kleinen Schiffsausstatter, mein Italienisch reicht aus, den Maestro in den Höhlen der hinteren Räumlichkeiten abtauchen zu lassen und mit dem seit 2 Tagen per Telefon und Internet gesuchten Antisifone für die Motorwasserkühlung aufzutreiben. Ein kleiner Triumpf.

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In den oft stark heruntergekommenen schmalen Häusern hängen diese vor Sonne schützenden 4 m langen Stoffbahnen am Balkon herab. Die Wäsche flattert im Wind und man sieht, welche Farbe die Hausfrau z.B. bei den Dessous bevorzugt. Oft violett oder auch rot…20 Babyhemdchen und Höslein lassen den Nachwuchs abzählen. Meist ist die Dame des Hauses rauchend dabei, oder mit einem jener winzigen Hunde am Arm. Auf der Piazza sind geräumige Stände aufgebaut: frisches Gemüse, reifes Obst (Albicoche=sprich „albikokke!“=Aprikosen für 1,50! Kirschen für 2.50€!), lebendige Schnecken (vongole) im engmaschigen Drahtkäfig, in dem sie munter schleimend rumkriechen…, Oliven in Salzlake in 20 l-Bottichen, Sträuße von himmlisch duftendem Basilikum, dampfende gekochte Kartoffeln, gekochte Maiskolben, Blüten und große Blätter von Kürbis oder Zucchini, 6 Sorten Tomaten, und die kleinen delikaten „cherry-Tomaten“ sind hier die billigsten und werden immer kiloweise verkauft. Wir wählen noch frischen Ziegenkäse, und als mir Caprese grad nicht einfällt, meckere ich naturgetreu wie eine Geiß…! Die Kunden müssen lachen, klar. Als ich erkläre „sono tedesca, arriviamo con barca vela, Marseille, Corsica, Elba, Sardegna, Sicilia, Greccia, Turkiye, Korfu, Venezia..“ staunen sie und plaudern los.In der Hitze des Tages finden wir kein Internetcafè für unser wöchentliches „navigare su Internet. Beherzt betreten wir die ehrfurchtgebietende eisgekühlte Reception eines Hotels. Sehr freundlich erlaubt uns der Herr in Livrée, die edle Brokatcouch zu benützen. Vor rotsamtenen Raffgardinen und goldenen Säulen, im Schein ehrwürdiger Lüster und goldprankiger Stehlampen lädt Gh die Fotos auf Flickr und wir versenden den blog von unsrer Überfahrt nach Sizilien. Fast 1 Stunde Fleißarbeit und 1 €, um euch Mitleser zu erfreuen und auf dem Laufenden zu halten. Siesta. Alle Läden, bis auf die kl.Bars, sind von 1 bis 4 oder 5 geschlossen. Die Angestellten können daheim regenerieren. Unter üppigen blütenschäumenden duftenden rosa Oleanderbäumen, riesigen Gummibäumen, Steineichen mit undurchdringlichem Laubdach, Eukalyptusbäumen- aber oft auch in sengender Hitze – geht’s 1 Std. zurück, vorbei am enorm großen Gefängnis. Im hafennahen Super market kaufen wir noch 2 Scheiben Rindfleisch zum Grillen. Leider fehlt das italienische passende Wort (es wäre vitello). la vache ist ja französisch und osso heißt Knochen, verflixt. Da mach ich wieder mal „Muh!“ und der „macellaio“ weiß Bescheid. Ein 5 jhr. kleiner dünner Bub hat 3 € in der Faust und ruft zur Glastheke hoch, dass er Fleisch dafür will..Der liebenswürdige Metzger fragt noch mal, tre? Ah…und dann schneidet er so viel vom 5 mm dünnen Schnitzel ab, bis 2 solche Scheiben eben nur noch 3 € kosten. Der Kleine saust davon, über Müllecken und verfallende Treppen, vorbei an wackligen Häusern mit wagemutigen Backstein-Anbauten oben auf dem 8 qm-Flachdach im 4. Stock…Da wird er wohnen. Und da gibt es heute „Carne“!!!!Die nahe Kirche beginnt ihr Glockenspiel, ein vollständiges Marienlied…Wir lassen uns noch eine Waffeltüte mit dem unvergleichlich fruchtigen Eis schmecken, neben uns die wohlgefüllten Rucksäcke…

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Zurück im Hafen mit den chromblitzenden, schneeweiß glänzenden majestätisch-monströsen fast hausgroßen Motoryachten fühle ich mich doch etwas elend ob des gesellschaftlichen Gegensatzes, klettere aufs Teakdeck unsrer schönen EOS, die tief unten liegt, da unten, wo in den Luxusmonstern wohl nur der Fäkalilentank ist, so hoch ragen die aus dem Wasser.Ab 22 Uhr wird die Luft kühler, ich sitze an Deck und schaue in den Mond, glücklich auf 9 Metern Segelschiff und ganz ohne Neid auf all die andern hier.Morgen aber will ich weg. Ankern. Ohne Hafenliegegebühr und uniformierte Männer, blütendweißes Hemd, schwarze Bermuda, in 6 m langen Schlauchbooten als Lotsen zum Liegeplatz, immer mit dem Telefonino am Ohr und irgendwas Schwarzem im Halfter – Die Schutzgelder haben wir ja bereits entrichtet. Ciao Palermo!!!und hier die Bilder:

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