Lavrion und das Bergbau-Museum

Lavrion, Marina. Sooo teuer. Der Starkwind hält uns fest. Aber am 2.Tag schlüpften wir noch vorm Frühstück ins Ölzeug und steuerten die Eos hinaus aufs weiß-gischtige Meer. Gegen den Wind wühlte sich der Bug in die Wellen und bis halbzehn Uhr hievten wir bereits die Mooring-Leine im Stadthafen Lavrion hoch und vertäuten das Schiff.Erstaunlich viele Charteryachten kommen und gehen noch im Oktober. Bis auf Bayern und Baden-Württemberg haben alle Bundesländer Herbstferien, auch die Schweizer segeln mit Kindern. meist tummeln sich 10 – 12 Leute auf den großen Yachten.

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Lavrio, ein neues Fischernetz
Malerisch liegen die burgunderroten Netze der ägyptischen Fischer am Kai ausgebreitet. Ein zauberhaftes Farbenspiel! Eine Umarmung von den finsteren Kerlen fürs Erinnerungsfoto, eine Tüte voller „Babyfischle“ als Geschenk…Die wandern abends ins siedende Fett in den Wok an Bord!Dann bummeln wir Richtung Stadt und Markt, auf dem unbeschreiblich vielseitiges Obst und Gemüse aufgebaut wartet, sowie frischer Fisch, Haushaltwaren, Elektroartikel, Wäsche, man brutzelt Spieße am Grill, der starke Wind fegt Leergut in Wirbeln über den Platz…Eine Zigeunermama mit Kleinkind am Schoß hockt bettelnd am Boden. Sie kriegt 2 Souflaki-Spießle geschenkt und ein Limo fürs Kind. Vor Marktschluß packt uns ein Händler 4 kg Äpfel für 2 € ein. Der Kohlkopf kostet 1 €, Trauben das kg auch. So geht’s zurück zur EOS!

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Bergbau-Museum
Wir sind neugierig, was das am Hafen bedeutet:Hinter unsrem Schiff ragt ein rostig-brauner 170 m langer Eisensteg ins Meer, da muß es mal Erzbergbau gegeben haben. Wir erkundigen uns beim Hafenamt. Diese „French Skala“ ist ein Förderband zum Beladen und Entladen der Schiffe gewesen: Ein Relikt aus der Zeit der Französichen Bergbau-Gesellschaft, die dieses technische Wunderwerk 1888 errichten ließ.Noch sieht man die Halden der Erzschlacke, man barg auch Blei hier, und es riecht nach Schwefel. Die Eisenbahnschienen der Schmalspurbahn waren bis 1950 in Betrieb. Ein restaurierter Hochofen und etliche ehemalige Bergbauhäuser sind stumme Zeugen der Bergarbeiterzeit der Italiener, Franzosen und Griechen. Seit 1992 renoviert man das Gelände des ehemaligen Bergwerks und installierte ein Kultur- und Bergbaumuseum. Es gibt Konzerte, Kunstausstellungen, Führungen für Schulklassen und Studenten der Technischen Universität, ein feines Bistro mit Polstercouch und Sesseln mit weißen Kissen und Glastischen davor. Ein pittoresker Gegensatz vor den verfallenden, maroden alten Gebäuden!

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Lavrio, das Amphitheater von Thoriko
Wir wandern noch 2 km weiter zum Amphi-Theater Thorikos, immer das azurblaue, bewegte Meer rechts neben uns im Blick. Dieses Theater ist das älteste Theater des Altertums. Gebaut wurde es aus großen imposanten Steinquadern vor 2500 Jahren, und derzeit wird es renoviert. Es bot Platz für 6000 Zuschauer auf 3 Etagen mit großen Stufen im Oval, die sich um die Elypse der Bühne auf Stufen niederließen. Eindrucksvoll. Wir 2 sind aber heute die einzigen Gäste.

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Der Poseidon Tempel nach Torschluss
Morgen wollen wir weiter segeln zum Kap Sounion, auf dem majestätisch der gewaltige unvollendete Tempel des Meeresgottes POSEIDON aufragt, mit seinen hohen dorischen Säulen aus Marmor. Er stammt aus dem 5.Jahrhundert. Homer beschrieb ihn bereits in seinen Aufzeichnungen.Wir bummeln früh noch einmal durch diese Stadt, die so gar nicht „touristisch“ ist: Lavrion. Da ich gerade das Buch „Der Blick aus meinem Fenster“ von Orhan Pamuk lese, zitiere ich wörtlich eine Passage daraus, weil sie so treffend beschreibt, wie diese Stadt auf uns wirkte.„Mir gefallen die muffigen kleinen Läden voller vergilbter Bücher, das müde unaufgeregte Gebaren der Leute, die Zeitungskiosks auf den Boulevards, die spürbare Energie auf den Straßen, die Gesichter der Menschen, die kleinen Lokale und Imbissbuden, die freundschaftliche Art, in der die Leute ohne weiteres miteinander ins Gespräch kommen. Ich mag, wie bescheiden die Leute hier wirken, wie fest sie mitten im Leben stehen, das fröhliche Lachen der Leute, die vor den Cafés sitzen, die vollgepferchten Busse, das kalte Neonlicht in den Lokalen, das Knistern und Brummen der großen Kühlschränke an den Buden. Ich mag auch die moderne Verfallenheit dieser Stadt, die alten Häuser. Wenn ich diese Mischung aus Armut und Energie sehe, aus Wille und Empfindlichkeit, Ehrgeiz und Mittellosigkeit, dann kommt mir in den Sinn, was wir Türken für einen Komplex mit uns herumschleppen…“(Der türkische Schriftsteller beschrieb hier allerdings Sao Paolo!)

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