12. An der buchtenreichen Südküste der Türkei

GERDI’s Eindrücke von BOZBURUN

Samstag, 24.Juli 2010: Von Pethi auf der griech.Insel SIMI zur türkischen Bucht Bozburun

In knapp 4 Stunden segeln wir mit gutem Nordwest 4 die 13 Seemeilen rüber an neue türkische Ufer: Bozburun, eine kleine Hafenstadt, die heißt wie die Halbinsel.Es ist sehr heiß, das Thermometer zeigt zum 1.Mal 41°C (wie voriges Jahr in LEUCA / Südende von Kalabrien am Stiefel-Ende und auf Zakynthos), das Meer hat 28°C. Wie sagten Freunde in Bayern? „Antalya und Zypern im Juli-August? Hölle!“

Beim Landgang fallen gleich die wunderschön aufgebauten Obstberge auf: Dunkle große Kirschen, orange leuchtende duftende kleine feste Aprikosen mit pinkrosa Bäckchen, saftige rot-gelbe Nektarinen, vollreife große Pfirsiche, die nie den Transport bis zum Schiff überstehen, Druckstellen überall. Birnen, frisch aus der Schale geholte Mandeln, frische Feigen, rosa-violette kleine Auberginen der Region, Maulbeeren.

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Gerhard hat die große Bucht von Bozburun als Ankerplatz erwählt.

In „Turkish waters and Cyprus pilot“-Yachtmen’s guide von Rod Heikell – steht für diese Bucht: „The „meltemi“ will send strong gusts off Kizil Adasi“! Also sehr starke Fallwinde!

Ab 18 Uhr preschen urplötzlich brummende, heulende Sturmböen 7-8 in die Bucht, fegen über die viele vor Anker liegenden Yachten. Wie wild sausen die Schiffe 180° um ihre Anker, unheimlich diese wilde Jagd an ihren Fesseln. Ein Schauspiel wie am Bodensee beim Föhnsturm. Fast alle Skipper stehen nun am Bug vorne und wachen über ihre festgekrallten Anker, beobachten die schwere Kette. Wir haben 40 m draußen. Die EOS hält sich tapfer. Das Meer poltert gegen die Bordwand, rauscht in den Böen und schäumt weiß auf. Dann um 21 Uhr: R U H E! STILLE. Glatt die See. Nun tuckern die Schlauchboote eins nach dem andern an Land, landfein die Crews zum Essengehen in den Hafenlokalen.

Wir konnten natürlich nicht grillen am Heck! So schnitt ich die 500g Rinderkoteletts aus SIMI in 4mm-Streifen und brutzelte sie in 5 Chargen im Wok, in der Gluthitze der Kombüse, dazu habe ich fünferlei Gemüse nach Thai-Art zart „rühr-gebraten“ im heißen Wok, in Ingwer-Knoblauch-Öl, dazu gab es duftenden weißen Basmati-Reis. Wir speisten im Cockpit, stilvoll aus Schalen und mit Stäbchen, im warmen gelben Schein unsrer Petroleumlampe vom Salon. Der Vollmond versilberte die ganze Bucht. Dazu erklang von der Taverne 2 Stunden lang klassische Musik! Eine Sinfonie, ein Violinkonzert, dann Buena Vista-Kuba-Klänge. Ein Traum.

Von Martin eine SMS:“ Ich sitze gerade mit 6 bayer. Ministern am Podium in München, nach meinem Vortrag über Kunst und Wirtschaft, lab binaer kam gut an!“ Schön zu hören. Kompliment an den erfolgreichen Sohn + Unternehmer.

Sonntag, 25.Juli:Bozburun vor Anker: WINDSTILLE.

Wir holen Wasser am Dorfbrunnen. Abends paddeln wir rüber zur Laundry. Nein, die Wäsche ist nicht fertig. Am Abend gab es nicht genug Wasser und am Morgen fiel der Strom für den Trockner aus. Alles flattert auf der Leine. Im Holzofen backt man, wie Pizza, Teigfladen mit feinstem Hackfleisch, Pita und LAHMACUN. Wir essen eine mit Aubergine und viel Chili drauf. Es ist „Mäh und Muh gemixt“ – aha.

Abends bei Vollmond nutzen wir noch das Internet, lassen uns Köfte (Hackbällchen, gebraten) schmecken mit essigsauren Seegrasstengeln, Auberginen- und Bohnensalat, ich trinke kühlen Ayran (aufgeschäumte Buttermilch, sehr beliebt in der Türkei zum Essen). Man spielt andalusische Tango-Musik, wunderschön. Wir 2 tanzen Tango, Chachacha, Rumba, Waltz und Samba. Vor Mitternacht relaxen wirbeide im Liegestuhl auf dem Holzpaneel vor unserm Schlauchboot. Im Mondenschein tanzen im Seegang die Top-Lichter der vielen Yachten vor den schwarzen Bergen von Bozburun. Traumhaft schön.

Neben der EOS schwojt eine blaue alte Stahlyacht, die KATAMA, die Form ähnlich wie unsre gute alte MARION war, auch so „nah überm Wasser“ das Cockpit. Sie sei gerade von einer dreijährigen Weltumsegelung zurückgekehrt!

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Friedlich alle Schiffe. Wie Geschwister, mit allen Nationalflaggen. Ein Paar aus Südafrika, Kapstadt, gibt uns die Visitenkarte eines Persenning-Machers in Marmaris. Und sie kennen unser Schiff aus jungen Jahren: sie kannten den 1. Besitzer der EOS, den „Heinz“ aus Meersburg. So klein ist die Welt. Wir fanden nie heraus, wer der Edelstahlbauer war.

Dienstag, 27.Juli: GERDI

Zur Traum-Bucht INCE

Geruhsames Segeln bei 4 Bft durch wunderschöne, felsige, waldreiche Küstenlandschaft mit Hügeln, halber Wind, rum ums Kap und an die Südküste.

Dramatisch schön das Durchsegeln einer engen Stelle bei den Inseln und Untiefen auf 3 m Wassertiefe. Gegen 16 Uhr steuern wir den Bug der EOS in die schon im Hafenhandbuch als Luftbild einmalig gelegene INCE- Bucht, zwischen senkrecht aufragenden Felsen, eng wie ein norwegischer Fjord, die Felsnadeln wie im Elbsandsteingebirge oder bei Tüchersfeld in der schönen Fränkischen Schweiz bei Hersbruck. Gerhard klettert hoch und fotografiert diese einmalig schöne Bucht.

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3 kleinere Gulets mit Landleineteilen sie sich mit, 5 Seglern, am Abend kommen noch 4 Fischer und hängen sich alle an die einzige Boje. Die Paare hocken im Kreis im größten Boot und essen das in Edelstahl-Kasserolen vorgekochte Essen.

Dazu gibt es Wasser und Ayran, die zum Essen beliebte Buttermilch aus einem mitgebrachtenEimer. Vergnügt lachen sie beim gemeinsamen Mahl. Wir grillen Steaks am Heck. Im Schein des Vollmonds flöte ich Abendlieder. Das gefällt den Nachbarn. Der Fischer ruft: „Bravo!“

Der Fallwind fällt immer häufiger von den Felsen in die Bucht. Die Schiffe „geigen“ und die EOS macht sich auf in Richtung Fischerboote.

Die Windrichtung hat gedreht, die Landleine wird lockerer.

„Alaman!“ ruft ein Fischer rüber.“Bayan!“ (Frau!) Sie helfen mir, die EOS abzuhalten, die fast zärtlich die Nähe der behäbigen Holzboote sucht.Gerhard springt ins Schlauchboot, paddelt behände ans Ufer und zerrt die E
OS an ihrer Sicherungsleine am Land in die richtige Richtung, macht die 50 m Leine fest an einem Felsen am Ufer.

Alle Anker halten, aber die „gusts“, diese scharfen, brummend-heulenden Fallböen lassen keinen richtig schlafen. Fast jeder Skipper läuft im Mondschein immer mal zum Bug und prüft die Kette. Früh bei Sonnenaufgang sind wir alle müde, zu kurz waren die Schlafphasen. Ein junger Hirte kommt mit seinem Kahn in die enge Bucht, klettert an Land, lässt 4 schwarze seidig-glänzende Kühe und ihr Kälbchen frei. Die Fischer erwachen, sie schliefen auf Polstern mit Decken und Kissen auf Deck, kuscheln und schäkern nun wie auf einem Diwan, essen dann Joghurt und Tee. Um 8 Uhr gehen wir Anker auf, etliche Yachten folgen unserem Beispiel.

Mit guten 6 bft segeln wir an bewaldeten Hügeln die Küste entlang, zwischen kleinen Inseln durch, wir fühlen uns erinnert an den Bregenzerwald, an die baumlosen felsigen Gipfelregionen der Dolomiten.

Dann taucht die Touristenstadt MARMARIS auf. Sie wurde 1958 von einem Erdbeben heimgesucht. Blaue Umweltsiegel-Fahnen flattern an kleinen Stränden, dahinter Wald, Appartments im Schatten, große Hotels, Wasserrutschen-Areale von –zig Tausend qm. Dorado der Touristen aus Holland, England, Frankreich, Deutschland. Unser vorbestellter Liegeplatz in der Marina ist frei, es wird unsere 3. Marina in 10 Wochen Urlaub, und unsere 3. Dusche! Die kalte üppige Süßwasserbrause im Badekomplex ist eine Wonne. Davor ein Jasminbaum, dessen Duft vom Wind in das marmor-geflieste Gebäude trägt! Orientalischer Luxus. Sauber, duftend, winddurchblasen.

Schön sind die kleinen Häuser mit den Restaurants rund um den Hafen, sehr gepflegt die Gulets, die Spezialität der türkischen Ferienzeit.

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Dann kommt der herbeitelefonierte Persenning-Schneider an Bord: „Schwarze Wolke“ nennt er seine Firma, so heißt sein türk. Name auf deutsch. Er war lange in Fulda, spricht fließend deutsch, singt Folklorelieder, die er selber komponiert und textet! Er wird die in 35 Jahren durchgelegene Matratze mit einem neuen Schaumstoff füllen, die Sprayhood neu anfertigen und das Bimini mit grünem Stoff UV+50 beziehen. Der Nachbar der Näherei ist ein Plexiglas-Fachmann. Und als der deutschsprachige 30 j. Fachmann „Ibis“ an Bord kommt, werden wir uns schnell handelseinig: 8 neue wieder durch-sichtige Fenster für die EOS. Das seh ich mal als vorgezogenes Geburtstagsgeschenk für Gerhards 63. an. Der Meister trennt gleich die alten blinden Fenster aus dem Mahagoni-Aufbau. Wir haben „Durchzug“ im Salon! Himmlisch!

Voller großer Pläne für diese Reha-Kur für unsere 36 Jahre alte Segel-Lady bummeln wir mit Tausenden fein gewandeten Touristen an der breiten Promenade entlang, entscheiden uns für einen winddurchblasenen, nur tisch-breiten Balkon im 1. Stock, essen als Vorspeise Mezzes (sauer eingelegte Gemüse), danach Beef Madras und gedünsteten Fisch mit Gemüse-Julienne, warten 1 Stunde geduldig auf dieses delikate Mahl mit Blick über die weite Bucht und die großen Gulets. Das i-Tüpfelchen nach dem Mahl: Ein feiner heißer Chai mit Würfelzucker im zierlichen, tulpenförmigen Teeglas auf kleinen Porzellan-Tellerchen mit Goldrand: Urlaub!

Eine Nacht ankerten wir vor den Hotels an der Palmen-Promenade, frei in der Bucht, Blick auf die vielen Gulets und dahinter die bunt illuminierte Häuser- und Restaurant-Meile. Parasailing: da wird man am Seil hinter einem Motorboot hochgezogen und hängt unter einem halbkugelförmigen bunten Fallschirm. Dieser Spass geht bis um 20 Uhr, die Disco-Techno-Musik-Gulets ziehen ihr Kreise in der Bucht bis um 1 Uhr nachts.

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Eine fröhliche Stimmung an Bord, sie fahren ganz nah an unser Schiff heran und rufen tanzend rüber. Wir freuen uns über den uns fast kühl umschmeichelnden Nachtwind, der vom Land weht. Gerhard schläft an Deck am Bug vorne, beim Ankern also der komfortabelste, windluftigste Platz. Neben uns Spanier, Kanadier, alles Langzeit-Segler.

Zum Schluß noch ein Tip für Genießer der orientalischen Lebensart: Guckt mal im Internet nach, wie schön die alte Karavanserei in CESME wieder aufgebaut wurde, nun als Boutique-Hotel. Im blog schriebe ich bei Cesme am 8.Juli darüber, wir waren dort im Innenhof und auf dem zauberhaften Dachgarten mit Erika beim Essen:www.cesmekervansaray.com

Die Bilder als Show:

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