TEOS

Neben Teos, der antiken Stadt, Dienstag, 07. September 2010

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Der Wind ist schon eine eigenartige Sache. Eben machte er sich nur durch leises Säuseln bemerkbar, jetzt wieder durch lautes Brummen. Gott sei Dank nicht durch schrilles Pfeifen. Da könnten wir ein
Sicherheitsproblem bekommen. EOS bewegt sich hin und her, die
Katzenpfoten schlagen gegen den Bug und die angehängte MICRO EOS schmatzt. Wir liegen vor Anker in einer großen Bucht, einen km breit und lang. Keine Jacht liegt nachbarlich in unserer Nähe. Dabei kamen gestern 3 Schiffe rein, einer fragte, wo die Teos-Marina sei. Hier ist sie jedenfalls nicht. Alle sind dann wieder abgezogen. Heute bei Bft 6 hat sich noch kein Schiff blicken lassen. Der späte Meltemi hat noch ein paar Kohlen aufgelegt.

Antik und Neu liegt am Ufer nahe beieinander. Eine Buchtseite „ziert“
ein Ferienhauskomplex:

Teos_limani_ein_feriendorf_mit

Gleiche Häuser, gleiche rote Pultdächer, gleiche
Ausrichtung, 110 Häuser. Daneben noch einmal so viele. Schön, sie haben einen „Market“, da gibt`s Brot, Wurst, Bier zu kaufen. Diese Zeichen der Moderne sind so weit vom Ankerplatz entfernt, dass sie nicht aufdringlich wirken. Viel interessanter ist die antike Stadt TEOS. Sie stand vor 2500 Jahren in Blüte, gehörte zu den 11 bedeutendsten im alten Griechenland und beherbergte Dyonisos, den alten Zecher und noch einen bedeutenden Poeten der damaligen Zeit. Seinen Namen habe ich vergessen. Das besondere an dieser antiken Städte ist ihr Zustand. In der alten Agora liegen behauene Steine, 2 Säulen stehen, vom Theater sind ein paar Ecken erhalten und ein Sandwall, der die Größe ahnen lässt.

Die_agora_der_antiken_stadt_te

Die ganze Stadt hat eine Verwandlung durchgemacht. Über ihr, von Erde zugedeckt machen sich Zitronenhaine, Getreide- und Maisfelder breit. Einfach Häuschen ersetzen die Paläste und in diesen einfachen Mauern wurden die alten kräftigen Steine eingebunden, Säulenkapitelle dienen als Tisch und überall liegen steinerne Zeugen. Brunnen, schön
eingefasst, dienen auch jetzt noch als Wasserquelle.

Brunnen_wohl_schon_vor_2500_ja

So ist das Alte mit dem Neuen verbunden. Ein paar Studenten und einige Arbeiter sind mit Schaufel und Hacke, mit Schreibblock und
Buchstabenschablonen unterwegs und versuchen den steinernen Zeugen ihr Geheimnis abzulocken. Wenn wir mit MICRO EOS an Land rudern, dann machen wir an einer abgesunkenen ehemaligen Hafenmauer fest. Den Hafen dahinter hat allerdings das Meer mit Sand gefüllt. Es gibt ihn nicht mehr.

Kein Kassenhäuschen, keine Besucherwege, keine Wegweiser, einen ganz besonderen Geist strahlt dieser Ort aus.

Jetzt alle Bilder als Show

21. Blog: Die Reparatur

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Ohne Ruder ist ein Schiff steuerlos. Ein Defekt dieses Teiles und Der Skipper bekommt Alpträume! Das obere Ruderlager von EOS hat sich gelöst. Wie kann das bei einer so ausgereiften Konstruktion geschehen? Das Lager besteht aus 3 verleimten Mahagonischeiben und diese Verleimung hat der Zeit nicht standgehalten. Konstruktionsfehler. Das Ruder wackelt zwar auf der Überfahrt nach Samos, aber EOS bleibt steuerbar.

In Pytagoreon kennen wir einen Laden der alles für’s Boot hat. Wir genießen den Einkauf dort und nehmen 4 M8 Maschinenschrauben, 14 cm lang mit. Ich durchbohre die 3 Holzscheiben, verklebe und dichte sie noch ab, dann wird alles fest verschraubt. Im Schein der Laterne kann ich die Arbeit beenden. Der Klebstoff kann über Nacht trocknen.

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Jetzt kann ich dem Ruderlager wieder voll vertrauen. Es ist stabiler als vorher.

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Lohn der Arbeit: ein gutes Abendessen von Gerdi und ein ruhiger Schlaf

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Hier die Fotoshow mit Bildunterschriften

Episoden aus Samos

GERDI’s Geschichten ab 2. Sept. Agathonisi bis Samos

WASSER VOM HIMMEL

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Auf der Insel Agathonisi überraschte uns diese bläulich-violett-anthrazitgraue Wolkenbank, eine Schicht über dem Meereshorizont. Von unsrer türkisblauen Lagune vor dem türkischen Flachufer, das mich an die Gestade er Elbe in Hamburg bei Blankenese und „Erikas“ Hotel Louis Jakob erinnerte, breitete sich jenes dunkle Band plötzlich über der Kimm aus, wie bei Bora in Kroatien!!
Dann begannen hohe Wolkentürme zu quellen, wuchsen empor, Cumuli, ich fotografierte sie, denn seit meinem Geburtstag auf Poros hatten wir ja, außer ein mal über Euböa, keine Wolken mehr gesehen. Der Wetterbericht kündigte zwar Regenschauer an, aber als wir uns in der Bucht von George’s Bay zum Ankern klar machten, öffnete der Himmel seine Pforten. Es schüttete, ein Wolkenbruch ohne Blitz und Donner, schwarz der Himmel. Beschäftigt mit Steuern und Ankern dachten wir beide nicht an das offene neue Küchenklappfenster. In Bächlein rann das Wasser ungehindert ca. 10 Minuten lang nach innen, das Feuerzeug in der Ablagerinne soff ab, die Backskiste mit den Vorräten daneben lief 1 cm voll, der Petroleumherd war voll süßen Regenwassers- aber so was macht uns keinen Kummer. Wir fröstelten in den nassen Shirts, aber die Haare waren seidenweich nach dieser Naturdusche.

Wo ist „HUTTHURM“?

Unsere Leser erinnern sich sicher an das Bier aus dem schönen Bayerwald, das wir in Ali’s Wald-Taverne bekamen im Süden der Türkei. Aber wo ist Hutthurm überhaupt? Ich fragte per SMS unsren Sohn Martin, dessen Freundin aus der Passauer Gegend stammt. Die Antwort kam prompt und liest sich originell:Hutthurm ist ein paar Kilometer von Passau Richtung Bayerischer Wald. 6000 Einwohner, Nachbargemeinden Brennschinken,Wimperstadl, Rußöd.“ Danke, Martin, amüsant. Urige kernige Ortsnamen im schönen Bayernland.

WENN DIE EOS HUPT

In den heißen Wochen segleten wir fast immer mit dem Bimini, dem Schattendach am Heck. Nun war es das erste Mal eingerollt. Und was war das? Es hupte. Fast pausenlos. Irgendwo hinten am Schiff. Wir fahnden nach der Quelle des Tons. Wie eine Autohupe. Oder wie der tiefe Ton einer Panflöte. Als wir eine Wende machen, ist der Ton weg. Und da fällt mein Blick auf die (wegen der Hitze wochenlang leere) Blumenvase im Aachterstag, eine seil-umwickelte kleine Flasche, oben offen. Das war’s! Der Wind blies über den Flaschenhals und so hupte die Eos uns was vor…

DER  SCHÖNE LADEN AUF SAMOS

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Zum 3.Mal sind wir auf der griechischen Insel SAMOS zu Gast. Nachsaison. Leere Tavernen. Junge Eltern mit Buggy und kleinen Kindern. Ältere Herrschaften, 70 Jahre und mehr. Many british people. Wir bummeln die „Hauptstraße“ hoch, gesäumt von grünen Bäumen, uralte Steinplatten, blankpoliert von 1000en von Füßen, nur Taxis dürfen hier fahren. Beidseitig kleine Lokale, frisch gepresster Apfelsinensaft, aufgeschäumter Frappée. Kalter Nescafé im hohen Glas mit Eis, Zucker, Strohhalm. Boutiquen mit den letzten Bikinis, Sandalen, nun schon lange Pantalons, Hosen, langärmelige Hemden, Blusen, Strickpullover. Theken mit warmen dreieckigen Teigtaschen mit Spinat und Schafskäse, Männer mit kleinem griechischem Kaffee in Mini-Tassen vor sich. Ein Buchladen mit der neuen ZEIT, der FAZ, der SÜDDEUTSCHEN, Juweliere, und dann: Der schönste Laden der Welt!

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Über dem Eingang das von Hand geschriebene, bemalte, von grünem Laub gesäumte Firmenschild, Jg. 1929. Von innen erklingt klassische Musik, italienische Oper, bei früheren Besuchen war es mal Vivaldi und  Mozart und einmal auch Jazz in hervorragender Tonqualität. Der feine Herr mit Silberhaar und gepflegtem Bart sieht eher aus wie ein Star-Dirigent oder Altphilologie-Professor denn wie ein Verkäufer von Schiffsausstattung, Schrauben und Angelbedart. Er spricht ein überwältigend gutes, richtig feines Deutsch, mit einer derart erlesenen Wortwahl („Es ist auf Samos seit Mittwoch geradezu ein wenig winterlich geworden mit Regenschauern und Morgenkühle“), dass ich fast ehrfürchtig lausche. So lange schon kauderwelschen wir nun auf Englisch – und nun höre ich unsere Muttersprache von einem gebildeten Griechen so fehlerlos und wunderbar. Kompliment.

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Im Laden gibt es alles. Man muß nur beschreiben, was man sucht. Gerhard braucht für die Reparatur des Ruder-Lagers aus Mahagoni, dessen Schrauben viel zu kurz waren, nun rostfreie Niro-Maschinenschrauben in der seltenen Länge von 15 cm. Und Beilagscheiben, Muttern, Epoxi-Leim fürs Holz, wasserfest, einen faltbaren, stabilen, aufhängbaren  20-Liter-Kanister fürs Duschwasser nach dem Salzwasserbad im Meer. Es findet sich ALLES in dem umfangreichen Fundus des Ladens.

Nur jenes Lack&o
uml;l einer deutschen Firma, das wir für die Mahagoni-Scheuerleiste rund um die EOS gebraucht hätten, nein, die ist leider derzeit nicht vorrätig, wird so selten gebraucht, aber „Sehen Sie, hier auf Seite 267 im Katalog, in 3 Tagen kann ich sie beschaffen!“

Er ist unschlagbar gut. Ich seh mich um. Weiter hinten im Laden neben der Holztreppe, die schräg nach oben führt, finde ich zwischen Uhren und Elektrosachen eine Bimmelglocke, wie ich sie als Lehrerin im Klassenzimmer bei 49 Schülern 1970 benutzte. Vorn steht eine alte Balkenwaage, auf der der nette Herr größere Mengen Schrauben abwiegt (Dreisatz-Rechnung:„Wenn 10 Schrauben x-Gramm wiegen, dann sind 100 g soundsoviel mal x Schrauben“).
Hoch oben über den Rettungsringen „schwebt“ unter der Laden-Decke ein Rah-Segel-Boot, ein Windjammer-Modell. Ach, dieser Laden ist ein TRAUM. Nur der Ser Sonnenuntergang toppt diese Romantik!

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Es tut mir richtig leid sagen zu müssen „We will never come back!“ Denn wir segeln bald gen Westen, die EOS wird nie mehr vor SAMOS ankern. Englisch kann der Herr selbtstverständlich auch perfekt….Dann macht Gerhard noch ein Abschiedsfoto. Wir hoffen, dass sich eines Tages in 20 Jahren ein Nachfolger findet. Es wäre ein Verlust für Samos und die Segler, wenn dieses Geschäft nicht mehr wäre. Unvergesslich!

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Jetzt die Bilder:

Agathonisi, die kleine griechische Insel

Wir ankern
Eine Regenfront nähert sich als wir von der Türkei zu der kleinen Insel Agathonisi, 20 km südlich von Samos fahren, die erste seit 3 Monaten. Die Wolken entladen sich gerade dann, als wir im Hafen der Insel ankern. Im Nu sind wir völlig durchnäßt und genießen das kühle Wasser auf der Haut. Monatelang haben wir ja keine Wolke gesehen. Unseren ersten Ankerplatz müssen wir Hals über Kopf verlassen, als die Fähre von Patmos kommt und an unserem Platz Anker werfen muß. Der Kapitän macht uns mit Horn und Gestik aufmerksam. Es dauert ein Weilchen bis wir weg sind, unser Anker wird von Hand bedient.

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Der Olivenbaum im Abendlicht
Wir spazieren die Straße hoch zur Chora, das ist die Oberstadt. Von hier aus streift der Blick hinüber zur türkischen Küste. Ganz oben wachen griechische Soldaten. Der „Feind“ ist ja nur ein paar Kilometer auf der anderen Seite. Ein junger Soldat verwehrt uns den Zutritt ganz freundlich. Ist ja klar, militärisches Gebiet. Gerdi träumt, glaube ich nachts von dem hübschen Kerlchen. Kurz bevor die Sonne untergeht erscheint das Land in warmem Abendlicht, so wie wir sie in Deutschland nur an Winterabenden kennen.

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Ein Charakterkopf.
Viele Ziegen leben auf der Insel und Sabine, die Wirtin serviert „Ziege in Zitronensoße“. Auf meiner Wanderung über die Insel finde ich überall verbissene Bäume und Sträucher. Wohl reichen den Ziegen die Zweige nicht aus, sie werden mit Mais gefüttert und die Wirtin klagt über die hohen Kosten dieser Zusatzfütterung. Sie bezahlt über 1000€ pro Jahr dafür

Keine 90 Personen leben ständig auf der Insel. Sie Schule hat eine Grundschulklasse mit Kindern und eine Gymnasiumsklasse für das 1. und 2. Gymnasiumsjahr.  Als wir in der Taverne sitzen kommen gerade 2 Lehrerinnen an. Nächste Woche beginnt in Griechenland wieder die Schule. Insgesamt leben auf der Insel etwa so viele Schüler wie Lehrer. Um die Abwanderung aufzuhalten, genießen die Bewohner kleiner Inseln erhebliche steuerliche Vorteile. Während in den Sommermonaten Pensionsgäste und Segler für Abwechslung sorgen, sind die Bewohner im Winter unter sich. Das Leben hier ist billig. Man kann sein Geld ja nur in ein paar Tavernen und in 2 kleinen „Supermarkets“ ausgeben oder gelegentlich einen Fisch vom Fischer kaufen. Wer mit dem wenigen auskommt, der findet hier seinen Frieden.
Die Insel hat kein Brunnen- oder Quellwasser. Das Wasser aus den vielen Zisternen dient nur noch dem Vieh. Wasser aus dem Hahn kommt vom Tankschiff, das in den Sommermonaten alle 10 Tage anlandet und die Fracht in einen Behälter auf dem Berg pumpt.

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Kapellen
Wie überall in Griechenland, finden wir immer wieder Kirchlein. Auch hier stehen 12 Kapellen, also für 7 Personen eine Kapelle. Wenn das keine Glaubensstärke ist! Die Kapellen, die ich sehe, sind gepflegt, frisch gestrichen und blitzsauber. Wie mir unser Bootsnachbar, der Pope (im Bild das Motorboot zwischen EOS und dem Katamaran) erzählt, werden die Kapellen von Familien gespendet und auch von ihnen unterhalten.

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2 Tage bleiben wir auf Agathonisi. Gerdis Bein schmerzt, so streife ich am 2. Tag alleine über die Insel. Die einfachen Teerstraßen enden nach einem Kilometer. Sie führen nach Megalochora und Microchora oder enden im Nichts. Zu den Feldern in den Talsenken oder zu den kleinen Ziegenställen führen unbefestigte Straßen. Weiter auf die Hügel geht’s dann über Stock und Stein. Von dort oben genieße ich einen umfassenden Blick übers Meer zur türkischen Küste, in Richtung Norden nach Samos, westlich liegt Patmos mit der weißen Chora oben am Berg und im Süden erkenne ich Lipsi, das langgezogene Inselchen. Am 3. Tag setzen wir Segel und kreuzen gegen den Wind hoch nach Samos.

Und hier Die Bildershow:

 

 

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Die EOS ist auch online in neuen Gewässern unterwegs

Liebe Leser,

die EOS ist auch Online in neue Gewässer gesegelt (hier her nämlich).

Eostoern

Wir wären gerne beim Südblog weitergesegelt, aber folgende Gründe sprachen für einen Wechsel zu posterous.

  1. Bei Südblog stehen max. 130MB Speicherplatz zur Verfügung. Zu wenig für mehrere Langzeitsegeltörns.
  2. Bei Südblog kann man leider keine wichtigen Funktionen wie eingebundene Google-Maps Karten verwenden.
  3. Die Bedienung des Südblog-Layouts ist besonders auf kleinen Bildschirmen sehr anstrengend.
  4. Unsere Fragen landeten scheinbar bisher im Kummerkasten.

NACH NORDEN … von BODRUM aus die türkische Küste hoch

Rückblick von GERDI, ab 27.8.
Da es auf dieser Segel-Tour mal nicht gar so heiß ist, nütze ich das zum CHROM-PUTZ an Deck: 10 Relingstützen, 3 Lüfterdeckel, der große Heckkorb, der Bugkorb, die 7 Klampen, alles wird blitzblank poliert. Auch an die EOS darf ab und zu etwas „Chemie“ und Putzmittel.

 

Wir kreuzen bei schönem 2-3er „Bodensee-Wind“ über den „Fjord“ und sehen die hochsteigenden Rauchwolken von 2 Waldbränden, einer ganz nah an der Powerstation, dem Stromkraftwerk! Löschflugzeuge kommen schon nach 10 Minuten, nach 20 ist die Rauchwolke klein geworden. Kompliment den Löschern. Wir ankern nach 8 Stunden herrlichem Segeln in einer ganz kühlen Bucht, nordwestlich von Cöckertime Bay: da mündet ein Bach und oben auf dem 27° warmen Meerwasser „schwimmt“ das fühlbar viel kältere Süßwasser. Wunderbar zum Schwimmen. Das sagen auch die Bayern aus Ingolstadt neben uns. Kleine Boote von den Tavernen fahren an alle Yachten ran und bieten Taxidienste an für ihre Restaurants. Sogar Kamel-Reiten gäb’s an Land, und Folklore mit Life-Musik. Ich koche gern selber: Salzkartoffeln und Zigeunerpfanne aus Tomaten, roter und grüner Spitzpaprika, Zucchini, Aubergine, Corned beef, echt feurig scharf gewürzt.

 

Früh um 6.30 Uhr rasselt über meinem erwachenden Haupt die Ankerkette. Sonnenaufgang. Start in den schönen, noch kühlen Morgen, Frühstück auf See. Unterwegs putze ich bei wenig Seegang alle Mahagoniböden und Holzwände im Schiffsinnern, die Bilderrahmen, das Pump-WC, die Spiegel, die Fenster, die Spüle. Muss alle Woche einmal sein.

 

Dann erleben wir die Überraschung: In der begehrten Marina der Stadt BODRUM ist ein Liegeplatz frei für eine Nacht! Die Wäsche wandert gleich mittags zur Laundry, das ist ein Super-Service und verschönert das (hygienische) Einfach-Leben an Bord. Großeinkauf im nahen Supermarkt, der einen enorm großen Umsatz macht beim Charter-Wechsel am Wochenende. Viele lassen sich alles ans Schiff liefern, Unmengen von Wasserflaschen, Alkohol, Chips, Melonen, Fruchtsaft, Cola, Fanta, Spaghetti, Konserven. Unvorstellbar. Vielleicht kaufen die ja nie ein. Wir finden dagegen in ganz kleinen Läden so manches, was wir so nebenbei „entdecken“: Eine stabilere Chromstahl-Solar-LED-Ankerleuchte, die keinen Bordstrom vertilgt und nun am Heck im Achterstag „von selbst leuchtet“ an Ankerplätzen, einen kleinen LED-Leuchtkörper, ein Kabel, das könnte doch eine Leseleuchte fürs Cockpit werden? An Bord baut der Elektriker a.D. Gerhard eine Pendelleuchte und ich hab die Idee, dass der abgeschnittene obere Teil einer türkischen ERIKLI-Wasserflasche doch als Schirm dienen könnte. Ein (in Bremen mal gefundenes!) Taschentuch bekommt in der Mitte einen Kreuzschnitt und wird über den ehemaligen Flaschenhals gestülpt, festgebunden am Gewinde, unter dem Kabel: Fertig ist unsere Hängelampe, die nun an den schon um halbacht dunkel werdenen Abenden am Großbaum baumelnd den Cockpittisch erhellt, sogar die neue FAZ kann ich nun abends lesen. Und speisen im Dunkeln klappt nun auch noch „draußen“ nach 8 Uhr abends.

 

Beim Bezahlen der 107 türk. Lira = ca. 53 € merken wir, dass der Luxus einer mit Klima-Anlage 24 Std. gekühlten Duschehalle nicht umsonst zu haben ist. Nix wie weg. Aber Bodrum bei Nacht? Reizvoll! Die werbenden Kellner sind hier nicht so aufdringlich wie die in Zakynthos oder Sardinien. Wir aßen vorzüglich im Palmiye am Ende der Promenade, köstlich frischen (in der Vitrine noch rubinrot gepunkteten) Kalamar vom Grill und Gerhard ein Lammgeschnetzeltes aus dem Tonkrug, serviert mit lodernden Flammen, die auf dem Teller rund um den Krug aus dem Salz züngelten. Sehr interessiert der junge Ober, prima Englisch, er konnte fachmännisch Fische tranchieren, und nächstes Jahr geht er nach Deutschland!

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Beim Weitersegeln erschrecken mich so manche Hügel, die dicht mit weißen Ferienhäusern „bebaut“ sind, sie sehen, besonders am Hügelsaum oben, aus wie Grabsteine auf Friedhöfen, oder wie die Stein-Stelen am Holocaust-Denkmal am Brandenburger Tor. Tourismus? Wie Touristen-Büchsen. Legoland ist hübscher. Wir ankern vor dem naturbelassenen romantischen Fischerdorf Gümüslük, wo ein knallroter aufgeblasener kleiner Zeppelin hochgelassen wird und ferngesteuert die archäologischen Fundamente auf der kleine Insel Cavus fotografiert. Das ist querab vom griechischen Kalymnos. Also wohl griechische Geschichte. Früh am Morgen des 30. August schmettert ein Fischer einen gigantisch großen Octopus auf den Fels am Ufer, die Fangarme wohl über 60 cm lang!

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Mittags genießen wir das bei Ali’s Waldkneipe gekaufte kühle Bayerwald-Weißbier aus Hutthurm. Übrigens vertippte ich mich, glaube ich, bei der PLZ: 94116 Hutthurm! Köstlich. Dazu gibt’s griechische Ölsardinen in Zitrone, mit Oliven, Gurke und Tomate.

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Wir segelten zu einer unbenannten Bucht bei umfangreichen Fisch-Zucht-Anlagen, Cam Limani. Als wir rausrudern, um bei den vermeintlichen Fischern Fische zu kaufen, laden die 3 Männer uns ein zum Chai. Ein ganz neuer c
hromblitzender Ofen, mit Pinienzapfen unten richtig „befeuert“, oben der Samowar, der frische starke Tee wird mit heißem Wasser aus dem Mittelbauch verdünnt. Wir essen abends vegetarisch: Bandnudeln und selbst gekochte Tomaten-Gemüse-Sauce und geröstete Pinienkerne aus der Pfanne.

 

Ich spiele für die Männer, die ihre Olivenbäume unten vom Unkraut durch Sprühen freihalten, ein Flötenkonzert. Das wird aber akustisch fast überdeckt von dem unglaublichen Gebell der Hunde an Land.

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Früh am 31. August tuckern wir rüber zu der nahen Fischfutters-Verladestation und der Skipper schwimmt mit an den windschiefen Anlegesteg. „Balik? Fish?“ – „Hayer!! No!“Aber ein Brot können wir haben. Der Arbeiter war 20 Jahre lang in der Schweiz – als Bäcker!! Und dann haben wir Glück: ein Fischer legt gerade mit seinem kleinen Kahn an und verkauft uns 2 Brassen und 2 kleinere frisch geangelte Fische. Fang-frisch und schillernd in allen Regenbogenfarben, als Gerhard sie schuppt!

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Wir haben genug Wind und ankern nach fast 6 Stunden in einer unbeschreiblich grünen Bucht: Cukurkuk. Die ganz neue Marina in der Nähe meiden wir diesmal. Für morgen, Mittwoch, sind für 6 Stunden Regenschauer (!?!?!) angesagt und Windstärke 6, in Böen 7.

 

PS: Erika berichtet von daheim: es stürmt und schüttet. 10°C. Soviel zu den Sommerferien in Bayern u. Baden-Württemberg.

 

Sie kann’s kaum mehr erwarten: noch 13 Tage bis Australien!