118 Zum Scheitelpunkt der Flußreise, 341,5 Meter ü.M.+Montreux

Gerdi am Montag, den 17.Oktober

vor-montreuxscheitelpunkt-nach-3415m-u-d-m-1

vor montreuxscheitelpunkt nach 3415m c3bc d m 7
vor montreuxscheitelpunkt nach 3415m c3bc d m 7

vor montreuxscheitelpunkt nach 3415m c3bc d m 5

vor montreuxscheitelpunkt nach 3415m c3bc d m 2

 

vor montreuxscheitelpunkt nach 3415m c3bc d m 5
vor montreuxscheitelpunkt nach 3415m c3bc d m 5

 

vor-montreuxscheitelpunkt-nach-3415m-u-d-m-6
Hinter der EOS ist ihre Spur im Wasser des Kanals

Heute sind wir nochmal 4 Schleusen „hoch“-gefahren, das war gemein: man muß bei einer 4,5 m hochschleusenden Kammer ganz wahnsinnig schnell (sofort wenn man hinter die Schleusenportale gefahren ist, vom Bootsdach aus ein ca. 16m langes Seil nach oben werfen und da soll es genau auf einem von unten gar nicht sichtbaren Poller landen und ohne Schlingen brav wie ein Kragen schön hinter dem Poller landen. Lassowerfen ist viel einfacher, da hat man vorn eine Schlinge, den beschwerenden Knoten und kann 3-4x kreisen damit und dann zielen. Bei uns aber hat Gh. in  j e d e r  Hand einige Kauschen Seil und muß das mittlere lose Teil als runde Bucht hochwerfen…(das zw. den beiden Seilhälften). Dann bleiben nur noch Sekunden, um das eine Ende, das vorher ja noch nicht an der Bootsklampe belegt ist, vorn am Bug rasch festzumachen, dann gehn schon hinter einem die Stahltore zu. Heute verfehlte das geworfne Seil 3x den Poller, das Boot schwingt nach hinten, die Portale beißen fast in den 2 m hinten am Heck überstehenden Mast mit Radarreflektor und Toplampe… Grausig. Gh warf nochmal, dann verhedderten sich oben 2 Schlingen hinterm Poller. Der Schleusenmann guckte gar nicht, er hätte gut herlaufen können(er stand auf den vor dem Schiff geschlossenen Toren…) und er hätte gut das Seil fangen und um den Poller legen können. Wenn die Schleusenkammer niedriger ist (3m) sieht man auf dem Bootsdach stehend die Poller, so nicht.

Bisher haben wir ca. 80 Schleusen per Fernsteuerung selbst geöffnet und halt erst die Tore geschlossen (da schiebt man eine blaue Stahlstange in der Mauer nach oben und löst die Schließung der hinteren Tore selber erst aus, wenn das Boot sicher vertäut ist.

Heute sind wir am Scheitelpunkt unsrer 800 km langen Flußreise angekommen, in Montreux vieux (vorher kommt die Stadt Montreux Chateau), 341,5 m sind wir durch die Schleusen hochgepumpt worden. Für die 800 km brauchten wir 29 Tage. Nun geht es abwärts, morgen und übermorgen wie auf Treppen 40 Schleusen nach Mulhouse „hinunter“. Ein Monsieur l’èclusier wird mit dem Auto neben dem Kanal vorausfahren und die Schleusen bedienen mit der Steuerung, es warten hier 7 Boote, teils Richtung Süden. Wir sind das einzige Segelboot und mit unsrem 13 m langen gelegten Mast ein Hingucker. Kaum einer dieser Flachlandbewohner kann sich vorstellen, daß wir vom Meer kommen… und gar schon 6 Monate am Wasser leben in dem kleinen Schiff- seit Mai.

vor-montreuxscheitelpunkt-nach-3415m-u-d-m-8vor-montreuxscheitelpunkt-nach-3415m-u-d-m-9

Am Ufer duftet es wunderbar nach dem letzten Heu, in großen Ballen gerollt wird das letzte gemähte Gras in Folie verpackt, wie Kugeln, als Winterfutter. Die Häuser sehen inzwischen „deutsch“ aus, schützende Walmdächer, oft mit kleinem dreieckigem Krüppel-Walmdach am Firstgiebel. Noch steht die Maisernte an, die Äpfel werden wohl oft zu Most verarbeitet, ich liebe den Cidre! Die Kartoffeläcker sind geerntet und umgepflügt. Es riecht nach feuchter brauner Erde, Herbst. Auch die schnell zunehmende Färbung des Laubs der Bäume verblüfft, gelb, orange, rot. Wir sind nach dem heißen Sommertörn doch erstaunt, daß dies fast winterlichen Vorboten uns einholen, die Spaziergänger haben Daunenjacken an und Mützen, Schal und Handschuhe, Stiefel…

stolzer-graureiher-3

stolzer-graureiher-1

Immer wieder stolziert ein majestätischer Graureiher am Ufer, wartet auf die EOS, fliegt voraus. Ein Schauspiel. Welch ein rassiger Vogel, groß wie ein Storch, elegant auffliegend mit beachtlicher Flügelspannweite. So hübsch die Farbzeichnung am Kopf, kräftig der Schnabel zum Fischefangen!

Der Himmel ist bedeckt, kein Blau wie gestern am Sonne-Sonntag. Ich hol das Ölzeug, grau in grau nun der Fluß, das Ufer...Es regnet. Aber bisher hatten wir echt großes Glück, denn es hat nie so heftig geregnet, daß es innen wieder durch unser undichtes Teakdeck in die Kajüte reinläuft. Bis Mulhouse sind es nun nur noch 33 km.

Gleich nach dem Festmachen an der kleinen Anlegestelle (mit Stromsäule an Land) hab ich um 3 Uhr Pfannkuchenteig gerührt und meinen Käptn zum Kaffee mit leckeren dünnen Pfannkuchen mit Orangenmarmelade und Zimtzucker beglückt. Er nahm mir dafür den Einkauf ab: Im Regen mit Schirm tigert er ins Städtle, um Äpfel und Butter, Bier und Trauben, Cidre und Hackfleisch für Frikadellenzu holen. Heute abend gibt’s Spaghetti von gestern, ich mach eine Sahnesoße mit Steinpilzen, die ich schon „eingeweicht“ habe. Gut, daß der Heizlüfter läuft: sonst kriegte ich all die nassen Anoraks, Ölzeugjacken, Mützen, … gar nicht trocken. Leider ist das Internetguthaben aufgebraucht (jaja, die vielen Fotos hochladen…)- so können wir die schönen Bilder noch nicht senden.

Was ich vermisse? Eine klitzekleine Dusche mit Warmwasser zum Haarewaschen, einen Backofen zum Brotbacken, eine wärmere Zudecke für nachts (da schweigt der Heizer), Das Walking, die Sauna, das Fitnessprogramm, verfügbares Internet. Gh. vermisst eine Leberkässemmel. Und sein Fahrrad.

letzte-schleusen-montbeliard-bis-montreux-17-okt-16
eine Schleuse nach der andren
vor-montreuxscheitelpunkt-nach-3415m-u-d-m-11
Ah, gut, Strom für den Heizlüfter
vor montreuxscheitelpunkt nach 3415m c3bc d m 12
vor montreuxscheitelpunkt nach 3415m c3bc d m 12

117 Montbéliard-Stadtpark, Science-Park, Burg+Altstadt

unser liegeplatz im hafen montbc3a9liard
unser Liegeplatz am kl. Hafen
am frc3bchstc3bcckstisch sonntagfrc3bch mit eirochefortkc3a4se
Frühstück am Sonntagmorgen, noch im Nebel

Sonntagsfrühstück am 16.Okt.: mit Rochefort, Terrine d’Alsace, Camembert, Comté-Käse,Mandarine, Kaffee, Blumen…

Neben unsrem Liegeplatz ist ein kleiner Garten, hinterm Gartenzaun wächst Gemüse, Tomaten, Petersilie, Rosenkohl, Majoran… blühen Kapuzinerkresse und Kamille.

Am Schild steht zu lesen: Bedienen sie sich. Kostenlos Gemüse für alle. Eine schöne Idee.

Wir spazieren in den Skulpturenpark, wo mit Modellen allerlei wissenschaftliche Erkenntnisse erklärt werden. Direkt am Fluß ist ein Steg mit großartigen Fotos, die in fantastischen Nahaufnahmen Farn, Akelei, Flechten, Moose, Knospen, Samen zeigen. Am Ende steht die Tafel mit allen -aber keine Auflösung, die gäb’s in der Ausstellung. Leider war sie zu…science-parc-montbeliard-8science-parc-montbeliard-7

science-parc-montbeliard-1science-parc-montbeliard-20 science-parc-montbeliard-21

science-parc-montbeliard-3An einem großen ewig schwingenden Pendel mit einer Kugel wird die Erdbewegung demonstriert! Verschiedene Sonnenuhren zeigen Monat, Jahreszeit, Uhrzeit, Sternzeichen. Dazwischen gibt’s spielerische Angebote für Kinderund am Springbrunnen  einen Pavillon, bei dem auch wir gern in der warmen Mittagssonne ein Glas Wein trinken.

sonnenpause-fruh-im-park-nah-am-hafen-1

science-parc-montbeliard-14
Lichtspiel und Liebe…

Im Garten der Düfte kann man den aromatischen Geruch der Kräuter erschnuppern, Dill, Rosmarin, Origano, Basilikum, Thymian, Zitronenmelisse, Pfefferminze, Kamille. Daneben ein Garten mit verschiedenen Rosenarten, im Sommer sicher ein Zauber der Duftsorten.

science-parc-montbeliard-9Eine Skulptur der Kinder von Montbéliard und Ludwigsburg mahnt, daß die Wildbienen geschützt werden müssen. science-parc-montbeliard-10science-parc-montbeliard-11Daneben ein Labyrinth aus Thuja, seit 25 Jahren wächst hier die Baumfülle, 6000 Bäume auf 1,3km. Am meisten begeistert mich die Farbenpracht. Aus dem langen heißen Mittelmeer-Sommer katapultiert uns nun die Flußfahrt in die kühle Jahreszeit. Früh war dichter Neeeeebel, wie daheim am Bodensee, aber ab halbzehn lichtete er sich hier.

stadtrundgangburg-8

stadtrundgangburg-9stadtrundgangburg-7stadtrundgangburg-10Wir steigen hoch zur Burg, die von den Württemberger Herzögen zeitweise bewohnt war. Nur heute ist sie nicht mehr so begehrt-das Musik-Konservatorium und ein Folklore-Verein teilen sich ein stattliches Gebäude mit Giebel mit Voluten am Sims wie in Nürnberg am Fembohaus.stadtrundgangburg-4

stadtrundgangburg-3stadtrundgangburg-2

Die Stadt hat eine Fußgängerzone, die gestern üppig begangen war, mit vielen Läden, Boutiquen, Bars und Cafés. Heute am Sonntag ist sie verlassen, ja menschenleer!! Die steilen Giebel der zur Gasse gewendeten Häuser erinnern mich an Kempten oder Nördlingen. Schön die Sprossenfenster, bunte Fensterläden, niedliche Dachgaupen, winzige Maisonettes in kleinen Dächern, teils schöne Haustüren…

Der Park dagegen ist beliebt und viele Familien mit Kindern tummeln sich hier, auch Jogger und Jugendliche mit Skatern.

science-parc-montbeliard-19Am Weg zum Port de Plaisance und zur Eos sieht man nahe am Fluß im Park Nebelwolken aufsteigen und wabern…. Woher? Aus großen Töpfen springen Wasserstrahlen und aus winzigen Düsen staubt feinster Nebel heraus! Welch ein Schauspiel, eine Freude durch zu laufen. Was mag das im heißen Sommer für ein großer Genuß gewesen sein. Zurück an Bord gibt’s ein „Chasson“ (Blätterteig wie ein Laubblatt mit Apfelmus) und ein Gebäck mit knusprigen Mandelscheibchen zum Kaffee. Dann sitzen wir eine Stunde im noch warmen Sonnenschein im Cockpit! Im T-Shirt!

Rrrr- das Smartphone ruft: elch ein Wunder, welch eine Freude: Emils erste eigne Schritte als Video. Emil kann laufen…Unser Enkel, der nun 13 Monate alte Emil, läuft 6 Schritte zur Mama und zum Papa zurück. BRAVOOO!

Ich flöte mit der Blockflöte Danklieder, Lobe den Herren, Emils Lieblingslied (Grün, grün, grün sind alle meine Kleider) und internationale Lieder wie Greensleeves, die Marseillaise, Freude schöner Götterfunken….und das bunt gemischte Spaziergängervolk am Hafen freut sich.

Morgen habe ich uns bei der Schleuse Nr. 8 angemeldet. Wer das versäumt, muß 24 Std. warten… Denn einige Schleusenfachleute werden an Bord kommen und uns begleiten. Mein Französisch bewährte sich erneut am Telefon. „Oui, Madame, d’accord, à demain à l’écluse numero huit -à quatorze heure, merci. Au revoir ,nous attendrons votre bateau , l’equipe des éclusiers voudrais accompagner vous.

Wir fahren auf dem Rhein-Rhône-Kanal bis Montreux vieux, da sei ein Anleger mit Strom. Gut, es ist kalt nachts so ohne Schlafsack…

114 Mit Fels am Bergufer und unterm Kiel…seichter Doubs bis Baumes les Dames

img_2485

Wieder ein Tag mit enormer Anspannung. Der Fluß führt einfach viel zu wenig Wasser. Gerhard steuert hochkonzentriert, trotzdem sitzt der Kiel 3x am Grund, mal knirscht der Fels, mal kann man nicht mal ohne Grundberührung in die für uns schon offene Schleusenpforte einfahren, ohne aufzusitzen. Es nervt. Jaja, Ruhe bewahren… machen wir. Wenn rückwärts motoren und Ruder-Wedeln nix nützt, schnappt sich Gerhard behende den 5 m langen (!!) Extra-Bootshaken und schiebt mit aller Kraft am Grund, der dann ja „nur“ unsere Kielhöhe und Bordwandhöhe bis Wasserpaß , also 1,50m weit weg ist. Man könnte im Wasser stehen neben der festgefahrenen EOS…

Ich geb dann zartfühlend mit dem Motor rückwärts. Mal dreht sich der Bug(Aha, Fels) – mal schiebt man doch etwas Sand weg oder wühlt ihn auf, wenn das Wasser braun wird neben der Schraube. Ich bete laut, ich hoffe, ich vertraue. Gerhard auch. Wir sind „Gottfroh“ wenn die EOS sich wieder selber bewegt und nicht mehr im Seichten hocken bleibt.doubs-mit-felsen-vor-baumes-les-dames-1doubs-mit-felsen-vor-baumes-les-dames-2doubs-mit-felsen-vor-baumes-les-dames-3doubs-mit-felsen-vor-baumes-les-dames-4

Am Ufer auf backbord wären die schönsten fast senkrechten Felsen, wohl auch zum Klettern. Aber wir können der Schönheit kaum einen Blick gönnen.

Als wir neben dem Campingplatz Baumes les dames anliegen wollen, sitzen wir erneut auf. Ein Schweizer zieht uns an sein Tasco- und dann hören wir, daß wir alle hier bleiben müssen, da die nächste Schleuse defekt ist….

Wir laufen ca. 3 km zum Einkaufen, gucken uns die regengraue Stadt an. Am ABend treffen wir uns alle zum Essen im Restaurant neben dem Campingplatz… Es regnet.img_2487img_2490

115 Von Besancon bis Deluz-wenig Wasser unterm Kiel…

Mittwoch, 12.10.16. Kalt war die Nacht am Ponton unter der Citadelle von Besancon. Kein Stromanschluß! Hoch über uns die Festungsmauern, aber wir können nicht hin. Der eigentliche Hafen ist in diesem Jahr zu flach, wir müssen „draußen“ bleiben vor dem fast 400 m langen Tunnel, der zur großen enge geschlungenen Flußschleife führt, der „Boucle de Besancon“.

img_2474

Ich schlafe im Faserpelzanzug wie im Winter in deiner unbeheizten Hütte. Die teddyfellige Hose diente mir 1982 in der Schwangerschaft mit Martin als Skitouren-Umstandshose ;-). Auch passende Socken hab ich an im kalten Bug-Bett, die hatte ich beim Wintersegeln früher am Bodensee in den Gummistiefeln an.

Naß beschlagene Schiffsfenster sind das Zeichen der kalten Nacht. Um 7 stehn wir auf, freuen uns auf heißen Kaffee und Tee und Knäckebrot. Um 9 will Gh. mit dem Fernsteuergerät dieTunnelschleuse aus, ein Helfer kommt und öffnet die Schleusentore. Aufregend: ein in nur 4 Jahren erbauter 388 m langer Tunnel (1878-1882 erbaut) verbindet die engste Stelle der „Boucle de Besancon“, die der Doubs hier bildet, mit der gegenüberliegenden Flußschleifenseite. Als Boot kann man die ganze Schleife auslassen und gleich auf dem Doubs weiterfahren. Anstrengend ist dieser Arbeitstag an der Pinne, das Echolot zeigt uns zwar die geringe Wassertiefe, aber der felszackige Untergrund macht eher Angst, wenn man liest, daß nur 30 oder 50 cm unterm Kiel sind…Oder wie gestern keine Handbreit am Fels…

Exakt steuert man, was vorgeschrieben ist in der Flußkarte, oder am Schild am Ufer angezeigt wird: 15 m Abstand zum rechten Ufer, oder 10 m zum linken, oder sehr waghalsig eng an den weit aus dem Flußwasser herausragenden bemoosten roten Dalben entlang…(normalerweise überflutet, nun beim niedrigen Wasserstand frei an den Befestigungen). Gh. hat die Warnmeldung (einen Pfeifton) von 0,3m auf 0,60m umgestellt. So bleibt mehr Zeit zum reagieren. Es weht wieder ein kalter Wind, aus Ost, erst um 10 schafft es die Sonne ins noch schattige Flußtal zu uns… An unsrer 4. Schleuse soll man sich vom rechten Ufer rechtwinklig zum linken begeben und dort am Ponton wartend auslösen. Doch da hat es weniger als unsre Kielhöhe und wieder sitzt er auf em eingespülten Kies+Sand auf… Beim 2. Versuch klappte es.

Die Doppelschleuse erfordert ganze Aufmerksamkeit, sie ist hoch und das Wasser spült uns stoßweise fast an die Gegenmauer… Gerhard hoch oben auf dem Schleusenrand wirkt wie ein Zwerg. img_2477Ich ziehe und zerre sobald das Wasser wieder angestiegen ist, an der Heckleine, damit EOS brav auf der Mauerseite bleibt, wo wir hoch droben an Dalben die Leinen über Poller legten und von unten fieren. Nach der 1. kommt gleich eine 2. Schleuse. Mein Arm (Fall am 10.Sept. in Martigny) schmerzt… Um halbzwölf steuert Gh, mit Anorak und Mütze.

Wieder ist der Doubs sehr flach-wir drosseln die Geschwindigkeit extrem und kommen so kaum vorwärts. Grad etwas schneller als die Spaziergänger in der Platanen-Allee mit den schönen alten dicken Stämmen. Traumhaft diese Baumriesen, daneben immer der E6, der Europa-Radweg.

img_2478img_2479

Wir sind inzwischen auf der geografischen Höhe von Zürich und Appenzell und Lindau. Thun und Jojo sind also südlicher (als wir im Fluß über Besancon). Konstanz ist fast querab, von dort kommt in 12 Tagen der Sattelschlepper und holt die EOS. Um halbeins übernehme wieder ich das Ruder, ganz schmal und eng ist der Kanal, das Echolot zeigt 0,8 und max. 1,0 an, da muß man noch die 1,5m vom Kielfuß bis zur Wasserlinie dazurechnen. Aber man bleibt angespannt und unruhig. Dann blitzen rot die ersten Dächer am linken Ufer auf: DELUZ. Eine neue kleine Ponton-Marina, mit Strom und neuer Capitaneria, mit Dusche(aber unbeheizt). Ich erfreue die Büroleute mit der Marseillaise auf der Mundharmonika, wir singen zu viert Au claire de la lune und dann gibt’s noch „Alle Vöglein sind schon da“ als deutsches Volkslied. Große Freude, die Melodie ist bekannt: …“aah, toutes les oiseaux sont là déjà! Bravo!“ Zurück an Bord brühe ich Couscous auf und mit Mais, Paprika, Tomaten ist im Nu ein Salat fertig. Gh. darf seinen geliebten Thunfisch mit Zwiebeln schmausen…

img_2480Ich brauch mal Magentee, Käsepappelblätter der Malve, denn irgendwas ist im letzten Trinkwasser (vom Ponton in Thoraise) drin gewesen, schmeckte schlimm nach Chlor statt nach Kamillentee am Morgen… Mit dem Bettbezug versperre ich dem böigen Wind den Zugang zum Eck imj Cockpit, wo ich die letzten warmen Sonnenstrahlen beim Lesen eines Ludlum-Wälzers genieße, mit Decke am Schoß. Am Abend koch ich eine feine Bolognese aus aufgetautem Rinderhack zu breiten Nudeln. Wir zahlten 11 € und lassen mal den Heizlüfter laufen.

29656504833_7475c4a487_z

Gh. läuft ins Dorf, der Bäcker hat für immer geschlossen, einen Laden gibt’s nicht.

Hier Gerhards Flickr-Album: Klick

114 Abenteuer pur: am Felsen aufgesessen-im Fahrwasser!!! Bis Besancon.

Dienstag, 11.Oktober, den Tag vergesse ich nie!!!

Thoraise, Ponton.

img_2443

Ganz vorsichtig steuere ich um 10 Uhr durch den langen Tunnel! Gleich am Ausgang muß ich rechtwinklig, also 90°, abbiegen nach rechts. Es wird eng. An der Steuerbordseite liegen einige schöne Hausboote, also zur Wohnung umgebaute Frachtschiffe: „Nomadisch“, „Nemo“-teils mit roten Dahlien und Teak-Möbel-Gruppen an Deck, sehr gemütlich. Ich steuere mit kalten Pfoten eine Stunde, als Gh. mich ablöst gibt er etwas mehr Gas. … Ich sitz am Salontisch und da macht es einen Schlag. Rummmmms, Felsen unterm Kiel!!!!

Eos sitzt fest, der Kiel klemmt zwischen Felszacken. Mitten in der Fahrrinne, obwohl sie exakt vom Käptn gesteuert wurde, an den roten Bojen entlang und auch rechts haben wir genau diese vorgeschriebenen 10 oder 15 m Abstand zum Ufer eingehalten. Der Doubs hat wohl was gegen die frühen Segelschiffer…

Mein kleines Hy purzelte vom Tisch, denn die Eos machte einen Satz! Grch-ch-chh-chkkk…ein für Segler unheimlich abscheuliches Geräusch: Kiel am Fels… Sekunden werden da lang… dann stand das Schiff…Wäre es Sand oder Schlick, könnte man durch Wiegen und Ruder-hin-und-her das Boot freibekommen, aber im Felsgestein nicht, höchste Vorsicht, das Ruder darf nicht beschädigt werden…

Wir wußten, daß hinter uns ein Pfälzer mit dem Mietboot kommen wird, die hatten länger gefrühstückt am Ponton vor uns. Aber vorher kamen 2 junge Franzosen, Katamaran, gelegter Mast… sie nahmen bereitwillig unsre Leine, zogen mit aller Motorkraft, die Eos bewegte sich kaum, und es krachte enorm… bis deren Motor heiß lief. Also vergeblich. Leinen los… Dann kam der Pfälzer auf seiner Locaboat-Peniche. Die beiden Töchter belegten an Bord fachmännisch unsre Leine, verlängerten sie, Mama gab laut die Anweisungen von Gerhard weiter an den Käptn innen am Steuerrad…Er zog und mühte sich, mal am Bug, mal am Heck der EOS. Auch umsonst. Schade, viel Glück!….

aufgesessen am fels 11 10 im fahrwasser 3
aufgesessen am Fels  im Fahrwasser
aufgesessen am fels 11 10 im fahrwasser 5
Seht ihr die Fahrwassertonnen, am Ufer grün, im Fluß rot? Wir in der Mitte..!!

Nun pumpte Gerhard das Schlauchboot auf, paddelte 3 aneinander geknotete Leinen ans grüne Ufer...kam zurück… Ziehen half nix. Dann senkte er den Anker auf den nahen Grund, die Felsen kamen nun sichtbar näher, denn es war inzw. Wind… Neuer Versuch: Die lange Leine an den Bug, diese an die Ankerwinsch. Die ist elektrisch… Vorsichtig betätigte Gh. die Winsch… und die Eos kam tatsächlich -wenn auch knirschend mit dem Kiel- nun cm-weise nach hinten, am Heck, wieder Richtung Fahrwasser. Ich gab zart Motorkraft zurück… betete… und da schwenkte nun doch der Bug nach rechts und Richtung Ufer…. wieder 2 m Wassertiefe. Gh. paddelte zurück an den Busch, löste die Landleine, ich hielt die Eos am Platz, er zog sich an der Leine ganz vorsichtig zur Eos und dann holte ich noch den Anker hoch… dankbar konnten wir weiter fahren…. Gott sei Dank, daß wir keinen Kran o.ä.brauchten…

 

Leider hielt das Abenteuer an: Die nächste Schleuse muckte, ein Wärter kam und schloß die Schleusentüren hinter uns. Auch an der nächsten Schleuse Ärger. „Fehleralarm. Geduld!“ kam am Display der Fernsteuerung… „Fehlerbehebung im Gange„-Wieder flitzte ein VFN-Mitarbeiter im Auto heran und öffnete uns das Schleusentor. Sehr vorsichtig steuerten wir zum Ziel: ein Ponton vorm Tunnel, der zur großen Flußschleife führt: der Boucle de Besancon. Dort wollten wir am Ponton bleiben, glücklicherweise war es da 1,60m tief, grad genug für die EOS. Aber kein Strom, also kalt die Nacht, kein Heizlüfter.

Eigentlich haben wir ja eine schwedische Bordheizung, aber leider hat die das Salzwasser nicht überlebt und sie dient uns nun  nicht im kalten Herbst des 3. Törn-Jahres zum Heizen und Wärmen, wo wir das ja eigentlich gut geplant hatten. Und einen Schlafsack oder  luftkammermäßige Steppdecke haben wir auch nicht..

Wir bewahren unsre Zuversicht, danken Gott für den nicht eingetretenen Schaden am Boot, schließen alle Luken, um die Wärme zu halten. Dann koch ich Blumenkohl mit Buttersauce Hollandaise, also mit Eidotter und Sahne. Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern…!!!

 

Fotos werden nachgeliefert, kein Internet in Besancon

112 In engsten Kanälen via Rochefort bis Ranchot

Dies als Info: kein Blog, keine Fotos.

Das Internet sendet keine Fotos… GEDULD:-)

Wir sind am 9. Oktober, unserem 19. Flußtag und dem 143. Törntag in Ranchot.

Nachts 2°C, tags 12-14°… Anlegen geht nur an kleinen Kais, da muß man vor Dunkelheit da sein. Die Schleusen machen Arbeit, mit der Fernsteuerung löst man sie selber aus, dann muß man innen die beiden Leinen an Bug und Heck dichtholen je nach einlaufendem Wasser und Abstand zur Schleusenmauerhöhe… Wir können nur mit 4 km/h fahren. Für 20 km brauchten wir heute von 10 bis 16 Uhr. Das konzentrierte Steuern (max. in der Mitte 2m WT) ist anstrengend!

Wir sind guter Laune: heute kochte ich mittags zwischen 2 Schleusen aus Bio-Rindfleisch von der Markthalle in Dôle mit Gemüse eine köstliche Suppe. Was Heißes ist nun immer richtig.

Am 24. kommt der Autokran und der LKW nach Mulhouse. Wir müssen eilen.

112 In engsten Kanälen via Rochefort bis Ranchot

Dies als Info: kein Blog, keine Fotos.

Das Internet sendet keine Fotos… GEDULD:-)

Wir sind am 9. Oktober, unserem 19. Flußtag und dem 143. Törntag in Ranchot.

Nachts 2°C, tags 12-14°… Anlegen geht nur an kleinen Kais, da muß man vor Dunkelheit da sein. Die Schleusen machen Arbeit, mit der Fernsteuerung löst man sie selber aus, dann muß man innen die beiden Leinen an Bug und Heck dichtholen je nach einlaufendem Wasser und Abstand zur Schleusenmauerhöhe… Wir können nur mit 4 km/h fahren. Für 20 km brauchten wir heute von 10 bis 16 Uhr. Das konzentrierte Steuern (max. in der Mitte 2m WT) ist anstrengend!

Wir sind guter Laune: heute kochte ich mittags zwischen 2 Schleusen aus Bio-Rindfleisch von der Markthalle in Dôle mit Gemüse eine köstliche Suppe. Was Heißes ist nun immer richtig.

Am 24. kommt der Autokran und der LKW nach Mulhouse. Wir müssen eilen.