In stiller Bucht an der Schäre

Vom Arkö-Sund nach Halsö sind es 32 Seemeilen. Wir wählen nicht den bei diesem starken Wind gefährlicheren direkten Weg durch die äußeren Schären, sondern den Umweg an der inneren Seite. Dort können wir zumindest 1/3 des Weges ganz hart am Wind segeln. Den Rest müssen wir den Volvo nutzen. Bei so einer langen Motorfahrt gegen den Wind und ohne Sonne hält sich die Freude in Grenzen.

Am Ziel in der Bucht auf der Nordseite der Insel Halsö fängt es an zu regnen. Wir legen Heckanker und lange Landleinen bereit und steuern langsam eine Schäre an, die es erlaubt, direkt vom Schiff auf den Fels zu springen. Ein freundlicher Schwede vom Nachbarschiff nimmt trotz des Regens die Leine in Empfang und gibt gute Infos zum Ankern an einem Fels. Wir sind ja noch fast Neulinge bei diesem Anlegemanöver. Der schräge Fels ist nach dem Regen rutschig. Vorsicht beim Übersteigen! Im Wasser ziehen die schönen unangenehmen kleinen Quallen vorbei. Morgen wird das Meerbad wohl entfallen.

Schäre m. Leinen+Quallen (1)

Draußen auf der Insel nur Natur. Alles wächst und vergeht wie die Natur es vorsieht. Nordlandfauna mit Krüppelkiefern, Heidelbeersträucher, viele Sorten Moose und Flechten. Die Insel ist schmal. Nach ein paar Minuten stehe ich auf der anderen, dem Wind ausgesetzten Seite. Uns auf der anderen, von hohen Bäumen geschützten Seite streift nur ab und zu eine Böe. Zum Abendessen macht Gerdi Spagetti mit Tomatensauce und zum Nachtisch Joghurt mit Pfirsichen. Dann setzen wir uns noch mit einem Glas Rotwein nach draußen. Dumpf dröhnt das Meer von der anderen Seite herüber. Langsam verlieren sich die Farben und die Inselkonturen sind nur noch als schwarze Schatten zu erkennen. Der Himmel zeigt nur einige wenige hellere Löcher im gleichmäßigen Dunkelgrau.

 

Beim ersten Foto kann man sehen, wo die Segelmacherin die Fock geflickt und den Verstärkungsstreifen angenäht hat.

Durch enge Fahrwasser an den Schären-Ankerplatz

Windfinder sagt für heute- und für die nächsten Tage auch- Windstärke 5-6 aus der Richtung in die wir fahren möchten, voraus. Und er hat recht! Gut, dass wir uns innerhalb der Schären bewegen, da entwickeln sich keine zu unangenehmen Wellen. Kaum aus dem angenehmen Vereinshafen von Nynäshamn heraus, empfangen uns Schaumkrönchen. Nur kurz, denn uns erwartet die erste gewundene Engstelle, wie gewohnt durch Bojen gut abgesichert. Dennoch erfordern diese Engstellen volle Konzentration und verminderte Geschwindigkeit. Dann ein kurzes Gegenwind-Stück und der Dragets Kanal liegt vor uns. Das war früher eine Tragestelle (Schiffe über Land), darum der Namensteil „Dragets“. Im 17. Jahrhundert wurde dieser kurze Verbindungsweg dann aus dem Fels gebrochen. Gegenverkehr. Wir warten, denn mit 4 m Kanal-Breite kann man sich keinen Gegenverkehr erlauben. Dann ein Warnton aus der Blas-Tröte und Gerdi steuert vorsichtig in den schmalen Kanal. Rechts und links Felsen und Wald. Jetzt biegen wir in das Buchtensystem Rasavikar ein. Nochmal wird’s zwischen Schilfufern eng, dann können wir uns auf unseren Ankerplatz direkt an einer Schäre vorbereiten. Heckanker klarmachen und zwei lange Vorleinen anschlagen. Ankern ist dort möglich und üblich, weil sich die Felsen sofort in tiefem Wasser fortsetzen. Gerdi fährt behutsam an die Schäre heran, ich lasse den Heckanker fallen und lasse das Ankertau nach. Kurz vor der Schäre übernimmt Gerdi das Ankertau am Heck und wenn EOS fast den Fels berührt springe ich mit einer Vorleine an Land. Diese und die zweite Leine werden an Bäumen befestigt und auf passende Länge gebracht. Gerdi holt das Ankertau straff, fertig! Es hat zwar nicht ganz geklappt, aber fürs zweite Mal (den ersten Versuch vor ein paar Wochen haben wir abgebrochen) gings recht gut. Auch das muss man lernen.

Draußen Urwald. Ich seh mich dort um und hätte mich bald verlaufen. Nur Wald und keine Sicht nach außen und die buckeligen Schären sind verwirrend. Aber irgendwann sehe ich doch EOS‘ Mast. Ein ruhiger Nachmittag beginnt. Abends sind wir die einzigen Menschen in dieser zauberhaften Bucht in der absolut nichts von Menschenhand Geschaffenes zu sehen ist.

Die VIDEOS wurden mit doppelter Geschwindigkeit hochgeladen! Gerdi steuerte die EOS langsam und behutsam durch die Engstellen…!!

 

Bei SSW mit 5 bft gegenan, und dann…

Gerdi:

Um 11.15 hörte ich ssssssschsch…die Fock war eingerissen. Eos hielt sich bei 5 bft  genau von vorn und unter Motor prima, aber nach 5 Std Stampfen im Seegang reicht’s jetzt auch wieder.DSC_1469.JPG

Wir bergen die Fock u.setzen am Ankerplatz unsre Genua. Am Abend koch ich Gemüsesuppe mit asia-Gewürzen und frischer Petersilie. Der SSW-Wind 4-5 soll bis Freitag so blasen😏DSC_1472.JPG

Unser Ankerplatz: Nähe Nyneshamn,

Von der Großstadt in die lauschige Ankerbucht

Wir haben in den vier Tagen in Stockholm ein wenig Gefühl für die Hauptstadt Schwedens bekommen. Gelassen, gut organisiert und sehr sauber.

Jetzt möchten wir wieder segeln. Daraus wird aber nichts, der Wind kommt genau von vorne und das Fahrwaser ist schmal. Kurz nach Stockholm zweigt ein schmaler, tiefer, von hohen Schären umgebener Fjord nach Süden ab, Üppige Villen an beiden Seiten. Lange Treppen führen zu den Bootsstegen hinunter ans Wasser. Die Wellen der vorbeifahrenden Schiffe können sich an den steilen Schären nicht totlaufen. Die Eigner heben deshalb ihre Boote mit elektrischen Liften aus dem Wasser. Bevor der Fjord wieder breit wird, durchfahren wir noch eine enge, flache Strecke mit verringertem Tempo. Dann bläst uns der Südwind wieder von vorne an. Nix Segeln. An unserem ersten geplanten Ankerplatz greift der Anker nicht: Steingrund.

Vorbei am Schloss auf Rägholmen. Dann eine Kurve um Erstholms Südwestspitze und nun regnet es leicht. Aber voraus sehen wir die enge Einfahrt in die Kolnäsviken. Die Bucht ist so schön und sicher, dass sie andere auch schon kennen. Um uns Wald und Fels. Wir ankern mit zwei anderen Seglern inmitten der Bucht. Andere Segler legen sich mit dem Bug an eine Schäre. Der Anker greift sofort und nur gelegentlich schafft es eine Böe bis zum Wasser. Gerdi bereitet den Lachs zu, Das Abendessen ist immer ein später Höhepunkt des Tages. Der Regen rauscht ganz leise auf die Kajüte. Sehr heimelig hier auf unserer EOS.DSC_1464

Lachs, Sauce, Karoffeln sind dann wirklich gut! Die feinen Regentropfen summen auf dem Kajütdach, nur gelegentlich von einem kurzen Schauer unterbrochen. EOS bewegt sich leise am Anker vor dem rabenschwarzen, nahen Wald. Irgendwann nach Mitternacht schütten die Wolken alles was sie noch haben auf uns. Irgendwann schlafe ich bei dem wilden Trommeln ein.

Und am Morgen? Die Sonne scheint, mildes Licht umgibt die Bucht. Kein Laut (auch kein Vogel). Das Wasser ist badewarm. Was bringt der neue Tag?

 

Ein weiterer Tag in Stockholm

Man kann eine Stadt nicht in ein paar Tagen kennen lernen. Man besucht das ein oder andere Museum und erfährt ein wenig ( das man dann wieder vergisst). Heute haben wir  das Kunstmuseum besucht, sind mit der Untergrundbahn gefahren und konnten die riesige Baustelle der neuen Schleuse von oben sehen. Und wir haben wieder in “ Joe’s Juice Café“ seine besonderen Smoothies genossen. Köstlich!

War heute ein besonderer Tag? Die prächtige Königliche Militär-Musikkapelle und die Garde sind durch Stockholm marschiert, mit 4 stolzen Pferden.

Um ein wenig Gefühl für eine Großstadt zu bekommen, lässt man sich am besten durch die Strassen treiben und nimmt auf, was einem so begegnet. Eigentlich sollte man auch die Vorstädte besuchen, denn dort leben die Menschen jetzt. Das historische Zentrum von Stockholm ist die Gamla Stan: Die Altstadt auf der Insel. Sie entging mit knapper Not dem Wunsch, die Stadt zu modernisieren und ist jetzt ein Weltkulturerbe. Das Zentrum für die Bürger scheinen die Strassen im Bahnhofsbereich zu sein. Hochhäuser, Shopping-Center, jede Menge nicht gerade billige Restaurants und Cafés. Quirlige Menschentrauben, Besuchergruppen mit ihren Guides mit Rosen oder Schirmen, die Restaurants bieten kaum mehr Platz. Hier treffen sich die Schönen am Abend, edel gekleidet, Highheels, Lackschuhe+ Anzug bei den Herren. Stockholm ist eine wohlhabende Stadt. Aber auch hier werden Flaschen und Dosen aus den Papierkörben, Wertstoff- und Restmüllbehältern gesammelt. Schön ist, daß man sich an den gepflegten Imbiß-Pavillions und in Lokalen Trinkwasser aus Krügen in ein Glas zapfen kann.

 

 

 

 

 

 

 

Ein Sommertag in der Hauptstadt

Das Vasa-Museum.

Ein sonderbares Museum, das sich nur mit einem einzigen Schiffsunglück beschäftigt. Kaum aus dem Hafen sank dieses Prachtschiff. Es sollte Stolz und Macht des damaligen Schweden versinnbildlichen. Kein Erfolgsmodell. Das wurde es erst 500 Jahre später. Man hat das Schiff in Stockholms Gewässsern geortet, gehoben und konserviert. Ein Unternehmen, das so noch nie durchgeführt wurde. Jetzt hat die Vasa ein eigenes Museum und informiert über das damalige Leben auf Kriegsschiffen und natürlich über bildende Kunst am Schiffbau und über Stolz und Unsinn. Es saugt jährlich über 1,5 Millionen Besucher an. Ein posthumes Erfolgsmodell. Ein wunderbares Museum.

Der kleine Friedhof.

Einer der Friedhöfe. Er zieht sich einen schmalen Hügel am Ufer hoch und endet oben mit einem kleinen Schlösschen. Kapitäne, Kommandanten, Oberbefehlshaber werden auf den alten Grabsteinen genannt. Auch niederes Volk findet hier seine letzte Ruhe. Friedhöfe strahlen in einer quirligen Umgebung Ruhe aus. Ein altes Paar genießt diese Stille auf einem Bänkchen. Nicht unbedingt ein Ort für junge Leute.

Auch ein Friedhof gehört zur Stadt (Copy)

Joe’s Juice-Cafe´.

Mitten im modernen Stockholm. Es gibt alles was sich aus Früchten pressen lässt. Ich weiß den Namen nicht mehr, was ich bestellt habe. Etwas mit Tonic, Ingwer, Paprika und Pfeffer. Bestellung aufgeben, Namen sagen, die Fruchtkünstler pressen und mischen, Name wird aufgerufen und -genießen- Ein toller Laden, auch für Senioren

Das Fruchtsaftcafe` (Copy)

Spiegelbild der Seefahrer (Copy)

Schmecken wunderbar (Copy)

Der Antiquitäten-Laden in der Gamla Stan, der Altstadt

Da ist ein Buch „2000 Jahre Augsburg“ ausgestellt! Das bringt uns mit dem jungen Verkäufer ins Gespräch und er führt uns durch sein Geschäft. Alles vollgestopft. Kisten und Plastiktüten auch im Keller. Kaum zum Durchkommen. Im 2. Untergeschoß sieht’s genauso aus. Er möchte nächstes Jahr dort unten ein kleines Scenelokal eröffnen. Meinen mehr spaßig gemeinten Hinweis nach dem zweiten Fluchtweg entkräftet er durch den Aufstieg. Wir kommen an einer ganz anderen Stelle wieder ans Tageslicht und müssen zum Geschäft zurücklaufen.

Pause (Copy)

Der Arbeitsplatz (Copy)

Auf in die Metropole

Reiseweg(1) (Copy)

Gerhard:

Heute verlassen wir die Welt der Schären. Nein, stimmt nicht. Stockholm liegt ja mitten IN den Schären und belegt einige der 24000 Inseln und Inselchen. Nur begleitet uns nicht mehr Wald, sondern Großstadthäuser ziehen vorbei. Es regnet zum ersten Mal seit Beginn unserer Segel-Reise so richtig. Erstmals trage ich meine Gummistiefel und volles Ölzeug. Aber irgendwann gewinnen die Wolkenlöcher und es wird zwischendurch heller. Wieder steuern wir kurvenreich an Inseln, Inselchen, Felsen und unsichtbaren Untiefen vorbei. (Gerdi hat im vorhergehenden Artikel mehr Fotos eingefügt)

Die Route auf dem kleinen Smartphone weist uns den Weg. Irgendwann folgen wir nur noch gewissenhaft dieser schwarzen Linie und wissen gar nicht mehr wo wir wirklich exakt gerade sind. Ich muss die 1:50000er und die 1:25000er Papier-Seekarten mit dem Bild auf dem Smartphone abgleichen. Von da an weiß ich wieder, um welche Insel wir gerade kurven.

Immer dichter wird der Schiffsverkehr. Schöne weiße Fahrgastschiffe fahren vorbei. Kein Wald mehr,sondern Hochhäuser, Großbaustellen, Straßenverkehr, typisch für eine  Großstadt. Hinter uns schließt ein mächtiges, weißes Kreuzfahrtschiff auf. Groß und Klein kommen auf dem engen Fjord ganz gelassen klar. Wir biegen in den Navishamnen ein und gehen an eine der freien Bojen. Während draußen die vielen Schiffe unangenehmen Schwell erzeugen, liegen wir hier hinter dem schützenden Ponton ruhig.

In einem kleinen, netten Supermärktchen ergänzen wir unsere Vorräte und spazieren anschließend noch durch die Gegend. Es scheint, wir sind im Bereich der Traditionsschiffe, der Vergnügungsparks und der Museen angelandet. Die nächsten Tage werden wir die Hauptstadt Schwedens näher kennen lernen.