Die letzten Meilen zum Meer

Eine glückliche Zeit auf dem Strom findet hier ihr Ende. Im Oberlauf mit meinen Freunden aus Augsburg, fröhlich, problemlos, dann ab Budapest mit Gerdi, über 2000km. Wir waren ein gutes Team, kein Unfall, eine Eintageskrankheit, eine kleinere technische Störungen, aber was ist das schon auf einer Abenteuer- Reise von diesem Format?

Gerdi steuert die letzte Strecke auf der Donau (1500x1125)Ein Pelikan, unser einziger der Reise (1500x1125)

Noch vor Sonnenaufgang legen wir in Sulina ab, Vorbei an der Tafel mit der Seemeile „0“, Dann am alten Leuchtturm. Die Donau hat ihr Delta mittlerweile weiter hinausgeschoben. Wir sehen doch noch ganz nah einen Pelikan! Schließlich der neue, mächtige Leuchtturm mit allem technischen Gerät hoch oben. Und jetzt, jetzt spüren wir den Puls des Meeres. Die Wogen, im Gegensatz zu den Wellchen des Stromes. Noch weisen uns Bojen den Weg, dann ändern wir den Kurs südwärts. Das flache Schilfland tritt zurück und erinnert nur noch als ganz schmaler Streifen. 
 

Sulina, die Stadt am Ende der Donau

Sulina: Jetzt kommt nur noch das Schwarze Meer. Ein langer Kai auf der linken Donauseite. Da ist die Stadt. Ganz vorne die Schauseite mit Bars, Restaurants, Läden, gepflastert. 100m dahinter die 2. Straße, auch gepflastert, meist alte heruntergekommene Wohnhäuser, viele Plattenbauten. Wieder dahinter die 3. Reihe, die Straßen unbefestigt, die kleinen Häuser wackelig. Dann kommt das Schilf. Alle 3 Straßen laufen längs der Donau.

Das ehemalige Gebäude der Donaukomission Sonntag am Abend Verfall und Neues (2)

Es war mal eine wohlhabende Stadt. Man erkennt das an den schönen, aber verfallenden Häusern. Die Verwaltung der Donaukommission, zuständig für ALLE Donauanrainer- Länder war hier. Dann kam die Verwaltung nach Budapest, weg vom Ende der Welt, vor 30 Jahren dann der Schwarzmeer- Kanal der 300 km früher direkt nach Constanza führte, da brach viel Arbeit weg und der Sozialismus war auch nicht förderlich. Jetzt kommen die Touristen und die bleiben eben in der „ersten Reihe“ an der Donau hängen. So verfallen ein Großteil der Häuser, Werften, Fabriken, Schiffe. So angenehm die Leute sind und so einmalig das gewaltige Hinterland ist, die Gegend ist nur mit dem Schiff zu erreichen. Die EU hilft, aber ohne Wirtschaft geht nix.
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EOS wird zum Segelschiff. Nachtrag, ist schon lange her, 26. August in Galati

 

Wird der Mast auf dem eigenen Schiff aufgerichtet, ist das immer eine spannende Angelegenheit. So auch diesmal.

Wir fahren in das alte Hafenbecken bei Galati ein  Große, aufgelassene Speichergebäude, rostige Schwerlastkräne und in einer Hafenecke 3 Schwimmdocks, ein mächtiger Schwimmkran und einige Schubschiffe. „Ja, das ist die Navrom Werft“, informiert uns ein Fischer. An einem kleinen Ponton verbringen wir die Nacht.

Früh wecken uns Werftgeräusche, laute, hohle Hammerschläge, das Surren fahrender Kräne und die gewohnt laute Unterhaltung der Arbeiter. Man erwartet uns und wir sollen direkt am 100t- Schwimmkran anlegen. Ich geh hoch zum Direktor, der stellt mich dem Meister und dem Kranführer vor. Wir legen fest, wo der Mast zum Vorbereiten liegen soll. Dazu gesellt sich noch eine Gruppe Arbeiter. 2 neue gelbe Heißstrops ( Tragkraft 50 t, unser Mast wiegt mit allem 0,2t) legen wir um den Mast und der riesige Arm des Krans schwenkt unseren Mast auf das neu verlegte Holzdeck des Schwimmkrans. Sehr souverän und ruhig verläuft alles. Da liegt er nun und ich entschnüre ihn. Die Leute packen überall mit an, fachgerecht aber doch zu viele. Auf der Reise fiel uns immer auf, dass alles mit vielen Personen erledigt wird, zu vielen, für unsere Begriffe. Gerdi klart in der Zwischenzeit das nun wieder wunderbar leere Deck unserer EOS auf. Der Radarreflektor erhält seinen Platz am Masttop, alle Wanten werden sortiert und die Wantenspanner an Deck befestigt. Wir prüfen die Funktion von Anker- und Dampferlicht und die Beleuchtung des Windpfeils. Das alles sitzt für später unerreichbar ganz oben im Mast. Kurze Aufregung weil das Dampferlicht dunkel bleibt. Entwarnung, nur ein Stecker hat sich gelöst.

Der Kran ist für den Mast unterfordert Der Mast am Kran

            Jetzt nimmt der Kranführer wieder seinen Platz hoch oben in der Kanzel ein. Wir legen eine Schlinge um die Saling und wieder hebt sich der Mast. Ich staune über die ganz feinen Bewegungen des riesigen Auslegers. Ich habe etwas ruckartiges, grobes erwartet. Jetzt kommt Bewegung in alles. Rufe, Anweisungen, die Kranhupe, wenn sich der Führer oben bemerkbar machen will. Wir versuchen das Rollreff des Vorsegels im Bugbeschlag zu fixieren. Dabei fällt mir ausgerechnet der Spezialbolzen ins 10m tiefe Hafenwasser. Eine Schraube wird zum Ersatz. Jetzt findet der Mastfuß seinen Platz an Deck. Hin und her eilen die Leute. Nun befestigen wir die Wanten an den Spannern und jetzt steht der Mast. Kleines Problem noch beim Ablassen der Seilschlinge von der Saling. Das lässt sich aber mit unserem 5m- Bootshaken lösen.  Die ganze Gruppe beruhigt sich wieder. Gerdi und ich trinken ein Glas Schnaps auf die gelungene Arbeit. Aber fertig sind wir noch lange nicht. Den Mast richtig verspannen, alles aufräumen, nimmt noch Stunden in Anspruch. Im Büro bei der Bezahlung gibt’s noch eine finanzielle Überraschung. Den Schwimmkran bekommt man nicht für einen Apfel und ein Ei. Aber ich habe auch nirgends einen kleineren Kran so wie am Bodensee gesehen.

Nächtliche Einfahrt ins Dock

            Noch eine Nacht verbringen wir zwischen Kran und Schwimmdocks. Eines davon wird geflutet und ein Passagierschiff schwimmt auf. Nachts fährt ein Schubschiff ein und wird angehoben. Ganz langsam hebt sich sein Unterwasserschiff aus der Donau. An dieser Art von Schiff vermissen wir jede Eleganz. Wie ein Boxer mit der flachen Schnauze, ein reines Arbeitstier. Ein Mitarbeiter flitzt in dem ablaufenden Wasser und fängt Fische mit der Hand, die sich nicht mehr ins Tiefe retten konnen. Als er alle Hände voll hat, nimmt er den letzten am Schwanz in den Mund. Lustig, dem zuzusehen. Dann ist endlich Stille, um Mitternacht. Nur die grellen Scheinwerfer tauchen alles in ihr weißes Licht. Anderntags verabschieden wir uns, drehen noch eine Runde im Hafenbecken. Die Arbeiter winken uns. Eine etwas aufregende, aber angenehme und fachgerechte Arbeit ist zu Ende.

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Nach 80 Tagen am Ziel vor Sulina

Zauberhafter, einsamer Donau-Ankerplatz im Schilf, km 9, vor Sulina: 3.-6.Sept.2014

Wir tuckern friedlich bis zu „KM 9“ und biegen vom kanalisierten Sulina-Donauarm nach links ab in die alte Donau, die Dunarea veche. Schilf, Seerosen , gelbe Kugelblüten, weiße Zackenrosetten, Haine mit großen Weidenbäumen hinter dem rauschenden Schilf.

...und ewig rauscht das Schilfmeer

 Möwen (die heißen Pescarus auf rumänisch) braungoldene Stork, weiße Reiher, Froschgequake…. Ende der Welt. Nur noch wenige  Delta-Touristen, ein paar Kajakpaddler, Ruhe.

Fischer kommen und bergen ihre großen Reusen, golden-grün leuchtende Hechte…2 kaufen wir. Lebendig. Blutrote Kiemen… 30 cm lang…

Wir schlafen wunderbar. Früh startet der Großputz: Böden, Teppich, im Cockpit kommt die Teak-Gräting raus, Scheuermilch, Bürste, Schwamm. Hygiene mit Sagrotan im WC, alle Vorratsfächer ausräumen… Gerhard prüft alle Segel, Beschläge, Schoten, Fallen, Spibaumbefestigung, macht Motor-Check. Klarmachen fürs Meer, fürs Segeln, für die 1. Nachtfahrt nach Constanta….

Der Wind braust, er gewinnt an Stärke, wir schätzen 5-6. Wir „müssen“ hierbleiben, wie schönJ…Ein zauberhafter Platz zwischen den 3-5 Meter hohen Schilfrohrhalmen, die rascheln und rauschen und sich wiegen im Wind, sich niederbeugen und wie die großen alten Weiden sich fast demütig im Wind neigen.

Mein selbst gemachtes neues Moskitonetz am Bug-Luk bewährte sich im Wind, das zarte Gazenetz im Cockpit müssen wir aber nachts abmontieren. Husch – schnell rein, die Schnaken sind gierig.

Mittags gibt’s Suppe mit in Butter angeröstetem Grieß und tags drauf einfache Kartoffelsuppe mit Kohl, Zwiebeln, Tomaten und roter Paprika, dazu Salat und Ziegenkäse. Im Lipowanerdorf Mila 23 gab es in einem 4 qm kleinen Laden die ersten Pfeffernüsse mit weißem Zuckerguß, eine nette Abwechslung zum 3-Uhr-Nescafé – am 5. September!!!

Erika schickt uns ne SMS: 100 km nördlich vom Polarkreis am Weg zum letzten Ziel LOFOTEN. Noch 14 Tage bleiben von 7 Monaten im VW-Bus! Hurtigrouten bringt die 2 zurück in den Süden…Am 7.Okt. 1.Arbeitstag im Allgäu!

Unser letzter Abend im Fluß? Ich kann mich nicht losreißen von dem Idyll: Sonnenuntergang überm Schilf. Sooo schön die kleinen grau-blauen Schäfchen-Wolken, der orange-rote Schein am hohen Himmel über den windbewegten Wellen der Donau…Von 12 Fotos setze ich 5 in diesen Blog. Verzaubert.

DANKE Dunarea veche f.d. Sunset (5)

Am Morgen wache ich um 6 vom 1. Fischerboot auf und erlebe so wie ein Gebet den pinkrosa Sonnenaufgang am 6. September, fast demütig vor Glück schaue ich auf Knien von der Koje aus dem Schauspiel der aufgehenden Sonne zu, singe leise ein Kirchenlied und genieße den Blick zum Himmel am Morgen … nun hinüber zum  „anderen“ gegenüberliegenden Ufer. Die letzten Stunden am Fluß….

In 80 Tagen die Donau runter bis zum Meer

Mit tiefer Dankbarkeit bedenken wir die zurückgelegten 2525 Kilometer, 80 Tage unfallfrei… und all die Erlebnisse der letzten fast 3 Monate. Wir haben so viel Zeit gebraucht- und es war gut so. Wir beide haben einen Traum Wirklichkeit werden lassen. Dafür sind wir dankbar! Und reich beschenkt.

Karges Frühstück ..letzter Einkauf vor 15 Tagen in Braila

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Paradies Donaudelta. Schlauchboot- Ausflug von Mila 23 am 31. August

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Mit dem Schlauchboot – und erstmals mit dem 2-5PS-Motor:-)- machen wir einen Ausflug in die kleinen Nebenarme hinter dem Dorf MILA 23. Zauberhafte idyllische Uferzonen, ganz nah die weißschimmernden Reiher (Égrette), Störche, Kormorane, Seeschwalben, Lachmöwen, Wildenten, … wir berühren mit zarter Hand die gelben dicken Seerosenkugeln u. weißen Seerosen, fotografieren die Wasserschnecken, und Frösche… Dann öffnet sich der weite Blick über den See! Stille. Schilfrascheln. Rosa Orchideenbüschel… Zurück lassen wir uns geräuschlos treiben. Ein tiefer Eindruck! Wir waren im (Natur)Paradies.

Hier die Bilder 

Gerdis Bilder:Hier

Donaudelta Weltkulturerbe -Exkursion mit dem Kahn / Gerdis Fotos/ 2.Aug.2014

Hier die schönen Fotos: Klick

CRISAN. Wir fahren unter Motor aus dem Altarm von Mila 23 heraus und suchen eine Möglichkeit, unsere Blogs ins Internet zu senden. 3 vergebliche Anlegversuche, nirgends Wifi. Dann überqueren wir den Kanal und legen an einem hübschen einladenden überdachten Fischlokal-Ponton an. Freundliche Begrüßung, herzlich Willkommen!

Das Internet war extrem langsam, wir luden in 30 Minuten 8 Fotos hoch…L Gh. verkleinert daraufhin alle schönen Fotos und setzt sie in sein Flickr-Fotoalbum. Netter Besuch von Luka an Bord, er spricht fließend und akzentfrei Deutsch, ein ernsthafter Junge, der eine deutsche Schule besucht. Hervorragend auch das Englisch der Mama! Um 20 Uhr speisen wir in einem verblüffend schön ausgestatteten „richtigen“ Restaurant mit Holzmöbeln und deltatypischer Deko ganz frischen Fisch: Fischsuppe, im eignen Steinbackofen frisch gebackenes Brot, Fisch mit delikater Knoblauchsoße, Grillfisch-Scheiben… Am Tisch machen wir die Bekanntschaft mit der deutschsprechenden Diane, einer reizenden Gynäkologin, und ihrem künftigen Mann, einem Architekten serbischer Abstammung. Wir erfahren viel über Rumänien, über das mangelnde Bedürfnis, die Ukraine zu besuchen (Visumpflicht), über die Zeit nach Ceaucescu und den starken Willen, neu anzufangen. Deutschland interessiert, viele kennen Frankfurt, Nürnberg, Düsseldorf… Diane war sogar in Nürnberg und Konstanz. Sie lädt uns ein, am nächsten Tag  mit ihnen eine Kahn-Expedition ins Schilf zu machen, um Pelikane zu sehen. Leider zeigte sich bei dieser Kahn-Fahrt keiner…aber Stork, der hellbraune Vogel, der auf den glänzenden Seerosenblättern stehen kann, Seeschwalben, große weiße Seereiher, graue Kraniche, Kormorane, die mit ihrem Kot die Brut- und Rast-Bäume zum Absterben bringen. Im Lipowaner- u.Ukrainerdorf steigen wir aus dem Boot aus und fahren nun in einem VW-Pritschenwagen weiter, sehen die kobaltblauen Häuschen der aus Rußland hergeflohenen tiefgläubigen orthodoxen Lipowaner, die leuchtend grün gestrichenen Giebelhäuser der ukrainischen Minderheit. Überall bestimmen dichte Zäune das Bild. Man wohnt in nur zwei Zimmern, die Küche befindet sich im Freien, gegen Regen überdacht, da bleibt der tägliche Fischrauch draußen! Es gibt Strom fürs Licht, aber keinen Komfort wie Waschmaschine oder Staubsauger. Eine kleine Schule, eine kleine Wirtschaft im Freien… Die landwirtschaftlichen niedrigen Scheunen sind wie die Wohnhütten mit 30 cm dickem Schilf gedeckt wie ein Reetdach in Mecklenburg oder Holstein. Kühe grasen, wir sehen frei laufende wilde Pferde. Kinder laufen barfuß auf den Sandwegen. Unsere Touristen-Autos empfinde ich als massive Störung in diesem Dorf, in dem die Menschen wohnen wie in alten Zeiten: 1907,1919, 1927 ist mit Holzbrettchen am verzierten kleinen Giebel der kleinen Häuser zu entziffern. Dann bringt uns das Auto an einen versperrten Zaun, das Naturreservat, Unesco-Kulturerbe. Hier erzählt der (ehem.Mathematik-)Professor über prähistorische Pflanzen, über die nur noch hier vorkommenden Lianen an riesigen Bäumen, führt uns zu einem 400Jahre alten mächtigen Stamm von 6 Metern Umfang, eine Eiche! Wir laufen durch die Waldpfade zu einer 15 m aufragenden Düne aus feinstem Sand, das sei typisch im gesamten Delta- Zeugen der Dunarea vecha, diese Dünen zeigen noch heute, wo die Ur-Donau vor allen menschlichen Eingriffen(Kanalbau, Deich, Damm…) ihre Flußrinnen zog, er zeichnet das Delta in den Sand, die 3 heutigen Hauptarme, die nach Osten strebenden Dünen wie ein Fächer. Auch endemische Urzeitpflanzen sind nachweisbar. Dann gibt’s Picknick, mit selbst gesammelten Pilzen und Ei einen Auflauf, in breite Sauerrampferblätter gewickelte Hackfleischbällchen, Tomaten aus dem eignen Garten, Fisch in Mehl-Ei-Hülle, Apfelstrudel.

 Der Rückweg irritiert mich, denn das Boot „rast“ durch diese einmalige Idylle…die Möwen fliegen hysterisch und aufgeregt voraus… Herr Kersting vom Naturschutzzentrum daheim in Eriskirch am Ried wäre entsetzt… Am Abend kredenzt uns das Fischlokal nochmal Fischsuppe und Pfannenfische. Wir unterhalten uns mit Diane, ihr Mann ist fasziniert von Gh’s App mit den Sternennamen auf dem Smartphone. Das muß der seinem Vater zeigen, ein Professor, ein Astronom! Am Mittwochmorgen starten wir um 9 und suchen uns nach Seemeile 9 einen neuen Altarm der Danube. Schon nach 12 km fällt der Anker in zauberhaftem Seerosenland. Ein Fischer holt seine 15m-Reuse und bietet uns 2 noch sehr lebendige Hechte an… Sie landeten am Grill am Heck.Lecker.Viel Wind in der Nacht… Die Kunde vom Segelwind am Meer.