EOS auf dem Bodensee

Unsere EOS segelt wieder im Süßwasser des Bodensees. Die Strecken sind kürzer, es fehlt die Weite des Meeres. Die Berge und Hügel der nahen, heimatlichen Umgebung sind der Ersatz und natürlich die Freunde hier.

Wir haben EOS „aufgehübscht“. 4 Monate stand sie nach dem strapaziösen Mittelmeer-Törn in der Werft Landoldt in Seemoos: Sie glänzt in neuer Kajüten-Dach-Lackierung und auch der Mast wurde mehrfach weiß lackiert. Das am Vorliek etwas zu „kurze“  Großsegel hat Segelmacher Pfeiffer in Meersburg vergrößert und ich habe den Rollreff- Baum 50 cm nach unten versetzt. Eine neue Genua ist gerade bei dieser Firma in Arbeit Die UV-Strahlen hatten Fäden und Tuch fast zerstört… Fa. Bacher in Stockach hat nach meinem maßstabgetreuen Karton-Modell einen neuen, größeren Fäkalientank aus nichtrostendem Blech gefertigt. Ich habe ihn im Bug der EOS eingebaut und mit neuen Leitungsrohren versehen.

Die Solarzelle hat sich bewährt. Nie mussten die Batterien mit Landstrom geladen werden.

Den Winter über liegt EOS als einziges Segelschiff im Hinteren Hafen. Die große Kälte ist in den letzten Tagen  Anfang März einer warmen Frühlingsluft gewichen und Gerdi und ich freuen uns auf schöne Segeltage.

Hier einige Bilder vom Wintersegeln:(auf die Zeile clicken)

Ein Sonnentag im Winter

Hier noch einige Fotos von Gerdi: 29.Dez.2012

Absegeln 2012

Ansegeln 2013

Der Herbst kündigt sich an

63. und Schluss: Gehe zurück auf "Start".

Eine letzte Schleuse (insgesamt waren es ca. 125) und noch 2 km, dann mache ich EOS an der Werft auf der Illes Napoleon fest, direkt am Trockendock für große Flußschiffe. Doch der große gelbe Kran ist defekt. Heute noch soll der Fachmann zur Reparatur kommen. 
Sicherheitshalber nehme ich schon mal Kontakt mit dem Hafen in Breisach auf und fotografiere mir die Flusskarten der Kanalstrecke bis dort hin. Ist aber nicht notwendig. Der Kran wurde inzwischen  repariert und die EOS wird anderntags ohne Probleme auf den Sattelschlepper verladen.

 

Erstaunlich: Der Unterwasseranstrich( wird alljährlich von mir aufgebracht) hat auf Eos‘ Bauch die Algenbildung nahezu vollständig verhindert.

 

Reinigung

 

 Jetzt reist EOS über Land! 
Sie übernachtet auf dem Parkplatz der Birnau und kommt anderntags pünktlich um 10 Uhr zu Landolts Werft in Seemoos bei Friedrichshafen. Salzwasser, 40° Hitze und starke UV-Sonneneinstrahlung setzten den lackierten Holzteilen stark zu  und so verbringt unsere fast 40 Jahre alte, rüstige EOS die nächste Zeit in der Werfthalle. Kajütenseiten( Mahagoni) und das Dach( weiß lackierte Oberflächen) werden ausgebessert, die Bordwand soll wieder in weiß strahlen und der Mast ebenfalls. Für kühle Tage  baue ich eine neue Heizung ein.

 

Wieder_in_seemoos

 

Etwa 1600 Kilometer waren wir auf Flüssen und Kanälen unterwegs und ca. 7000 Seemeilen auf dem Meer. Echte Stürme nahmen andere Wege, sie sind auch in den Sommermonaten in den besegelten Gebieten selten. Starkwinde haben wir mit gerefften Segeln überstanden oder wir zogen uns in Buchten oder Häfen zurück.
 Ein großer Vorteil ist das neue Baumreff, das ich im Frühjahr in Griechenland angebaut habe. Schnell ist das Groß- Segel gesetzt und noch schneller gerefft oder eingeholt, alles vom Cockpit aus. Technische Probleme haben sich auf 2 Segelrisse in der Fock beschränkt( bei Starkwind vor Sardiniens Westküste). Es gab 2011 keine Unfälle oder Verletzungen!
.
Der Petroleum- Druckgaskocher hat bei Törn2009 und ’10 leider ein rußendes Eigenleben entwickelt. Viel zu spät war mit neuen Brennern und einem neuen Tank diese „Höllenmaschine“ gebändigt. Zuverlässig diente er uns am 3. Törn.
Der gute Volvo-Bootsmotor hat ohne die geringste Störung gearbeitet.

 

Natürlich gab es manchmal, selten,  zwischen Gerdi und mir kleine Spannungen, aber am anderen Tag war dann alles wieder vorbei. Gerdi war mir eine sehr gute Partnerin. Enger Raum führt also nicht zwangsläufig zu größeren zwischenmenschlichen Problemen. Wir sind ein zuverlässiges, eingearbeitetes Segler-Team.  Zwar lassen Wetter und Strecke nicht immer einen geregelten Tagesablauf zu. Dennoch sind gewisse Fixpunkte angenehm : gemeinsames Frühstück, Captain’s hour= der kleine 11- Uhr- Schnaps, Kaffee am Nachmittag,  Abendessen- meist selbst gekocht, die Stunde unterm Sternenhimmel im Cockpit . Nachtwachen sind eingespielt und gerecht verteilt.

 

Auf Flüssen und Kanälen im Oktober hatte ich mit meinen Freunden eine angenehme und lustige Zeit. Gerade in den Schleusen sind 2 oder 3 Personen eine große Erleichterung. Besonders beim HOCH- schleusen oder hinter einem Berufsschiff treten ganz erhebliche Wasserkräfte auf. In den Fahrwassern konnte ich mich auf sie verlassen. Nicht ein einziges Mal haben sie die EOS beim Pinnesteuern auf Grund gesetzt.

 

 EOS ist auf dem Bodensee zu Hause und sollte ursprünglich nur für 2 Jahre ans Mittelmeer. Als alles so gut klappte, entschieden wir uns im Sommer 2010  für den 3. Törn. Zweimal stand sie ein Halbjahr in Griechenland im Winterlager an Land.

 

Im großen und ganzen waren wir richtig ausgerüstet. Dennoch würde ich bei einer weiteren ähnlichen Segel-Reise doch einiges verbessern:

 

Dies wären aus heutiger Sicht die Änderungen:
  • Das Beiboot hätte einen kleinen Außenbord- Motor,  um den Aktionsradius zu vergrößern und bei hohen Wellen (nach dem Großeinkauf im Dorf…) gegenan wieder zum Schiff zurück zu kommen
  • Die Ankerwinsch hätte einen elektrischen Antrieb. Das Einholen der Kette strengt dann nicht so an und geht schneller.
  • Aktuelle Hafenhandbücher  sollten an Bord sein. Es hat sich in den letzten Jahren doch einiges geändert.
  • Für Italien und Griechenland sind keine detaillierten Seekarten nötig, sondern großformatige Kartenbücher, die für unsere Zwecke ausreichend sind.
  • Zu gang zu Internet über Handy oder Stick sollte organisiert sein. Man erhält damit sehr ausführliche aktuelle Wetterkarten.

 

Anmerkung zum Schluß:

 

Unser Törn-Tagebuch =eosblog wurde mehr als 11000 mal angeclickt.…So oft!

 

Jetzt sind wir wieder am Startpunkt angelangt. Unsere Reise wurde von einer unbekannten Macht unsichtbar gelenkt und gut begleitet. Ihre schützende Hand war ständig über uns und hat uns von allen Gefahren des Meeres und auch vor anderem Ungemach verschont. Gerdi und ich, wir beide sind sehr sehr dankbar.

62. Nochmals Wärme vor dem Winter

Gewaltig endet so das Jahr,
Mit goldenem Wein und Stille in den Häfen.
Rund schweigen Flüsse wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.
Da sagt der Flussmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise,
Gebt noch zum letzten frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise
Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Boot den braunen Fluss hinauf.
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht,
Das geht in Ruh und Schweigen unter.

Das Gedicht ist mir an diesem überaus milden Spätherbstabend wieder eingefallen. Ich hab es etwas abgewandelt. Eben konnte ich noch im Hemd draußen sitzen. Der Kanal liegt vollkommen wellenlos. Am anderen Ufer leuchten die Bäume gelb. 

Nchtliche_sicht_vom_schiff

Die Arbeiten an der EOS sind abgeschlossen. Deck und Kajüte sind sauber, der Mast ist Lkw- gerecht tiefer auf Deck gelegt und verzurrt.

An diesem schönen Nachmittag war die Stadt voller Menschen und kaum ein Tisch vor den Cafés frei. Samstag -und so angenehm warm. Als ahnten die Passanten den nahen Winter. Noch einmal die Sonne genießen, sich treiben lassen bevor die Kälte den Körper zusammenzieht.

Ein_milder_herbstabend

Die neugotische evangelische Kirche  von Mulhouse ist nicht sehr groß, ja fast schon heimelig. Nicht so himmelstürmend und mächtig (und dadurch abstoßend) wie viele Gotteshäuser großer Städte. Um 17 Uhr strömten Leute hinein, also ließ ich mich auch einsaugen zu einem „Konzert, Samstags von 17 bis 18 Uhr“. Seltsam: Ich konnte in dieser Kirche kein Kreuz entdecken. *

Das_chorkonzert

Der Hafen ist klein. Es ist niemand da, mit dem man reden könnte. In ein Wirtshaus gehen? Dazu  habe ich auch keine Lust. Also koch ich selber was aus dem Wok- Kochbuch. Ist ganz gut geworden. Dann der Rosé aus einer Gegend, die wir mit der EOS durchfahren haben.

Sonntag: Keine Arbeiten an der EOS. Statt dessen ein Besuch im Stoffdruckmuseum und dann mit der Tram zum Eisenbahnmuseum. Hier wird die Entwicklung der französischen Eisenbahn mit vielen auch sehr alten restaurierten Originalfahrzeugen dargestellt. Man bekommt ein kleines Gerät und entnimmt ihm die Informationen in der gewünschten Sprache. Ein interessanter Besuch.

Morgen werde ich zur Werft fahren und hoffen, dass der Kran dort doch noch rechtzeitig repariert wird. Andernfalls müsste ich noch eine Tagreise weiter nach Breisach zum Auswassern der EOS fahren.

* Klar. Das Gebäude wird nicht mehr als Gotteshaus genutzt. Es wird als Konzertsaal verwendet

61. Wieder dort, wo Deutsch gesprochen wird

Noch 30 Höhenmeter sind zu überwinden. Wir geben an Schleuse 7 unsere Fernbedienung ab. Sie hat uns immer problemlos alle Schleusen geöffnet. Ab Schleuse 8 erwartet uns ein Schleusenmeister. Er eilt uns mit seinem Moped voraus, öffnet das Schleusentor. Alles weitere geschieht automatisch, Der Meister schließt das Schleusentor und prescht mit seinem Mofa wieder zur nächsten Schleuse. Dann erreichen wir die Scheitelhaltung auf der Burgundischen Pforte. Auf 340 Meter ist die EOS gestiegen-  den höchsten Punkt unserer Reise. Darauf einen Marillenschnaps. Ein gewaltiges Kanal-Bauwerk, geplant vor 250 Jahren, in Betrieb genommen zu Beginn des 19. Jahrhunderts:
Urzelle der Industrialisierung in Frankreich.

Erbaut_1892

Der Abstieg zum Rhein ist steil. 14 Schleusen auf 2 Kilometer Kanallänge. Wie eine Treppe geht das abwärts. Unser Schleusenmeister ist sehr beschäftigt mit Schleuse betätigen, Schleusentor schließen und weiterfahren. Er findet aber immer noch Zeit, Walnüsse zu sammeln. Dann haben wir wieder die Ebene erreicht. Die letzte Schleuse in Dannemarie und wir sind im Hafen. Bei der Kälte sind wir für Stromanschluß und Duschmöglichkeit dankbar. 4 Gasthäuser hat der Ort und alle sind geschlossen. Also gemeinsames Kochen und „spaghetti-time“ im kleinen  „Hotel Eos“

Nachts schieben sich Wolken vor die Sterne und es regnet.

Ein_wenig_regen

Um 9 Uhr erwartet uns der Schleusenmeister, und betätigt für uns die Schleuse: Wir fahren weiter und an Land überholt uns der Mann, diesmal im Auto, um für uns die nächste „Ecluse“ vorzubereiten. Und so weiter, 22 mal an diesem letzten Reisetag. Gelegentlich fallen einige Regentropfen. Irgendwann müssen wir ja mal die Öljacke tragen…

Und dann erscheint der gotische Kirchturm von Mulhouse, eine letzte Schleuse, ein Trinkgeld für die freundlichen „Schleuser“, anlegen im Hafen, Motor aus: Stille. ..

Die Seereise ist beendet.
Für den letzten Teil hat das GPS eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 3,5 Stundenkilometern ausgerechnet. Spaziergängertempo. Ein eigenartiges Gefühl überfällt mich. Tausende von Seemeilen durften Gerdi und ich auf dem Meer zurücklegen, 1500 Kilometer schob uns der Volvo -Motor mit je 2 Freunden auf Flüssen und Kanälen 2009 dem Meer zu und jetzt , 2011, wieder der Heimat zu. Ohne Sorgen. Für dieses Geschenk bin ich unserem Schöpfer dankbar. Abends noch ein Abschiedsessen im „Sauwadala“ . Wir sind jetzt im Elsass und da ißt man deftig. Der „Baeckeoffa“ liegt schwer im Magen und verlangt nach einem Schnaps. 

Anderntags fahren Chris und Hubert zurück nach Friedrichshafen. Schön, dass sie mich diese letzte Wegstrecke begleitet haben. 3 Personen ist die ideale Mannschaft für Schleusenreisen und wir waren ein gutes Team. Jetzt bin ich alleine, laufe zur Werft in Illzach, die das Schiff auswassern soll und erfahre, dass die Kranbremse wegen Defekts ausgebaut wurde. Bis Montag soll der Schaden behoben sein. Die Sonne scheint wieder, ich reinige Schlauchboot und Fender. Ein Teil der Abschlussarbeiten eben.

Abschlussarbeiten_in_mulhouse

60. Mit Hubert und Chris westwärts

Kalt sind die Nächte, heute 1° C nachts. Tagsüber weht ein steifer Nordwind. Gut, dass wir in Baume-les-Dames und jetzt in Isle-sur-le-Doubs Stromanschluss haben. Da spendet unser Heizlüfter angenehme Wärme. Eigentlich ist die Saison abgeschlossen, aber Monsieur „Maître de Canal“ sah unsere Bemühungen an Elektrizität zu gelangen und öffnete den Schaltkasten. Bei einem Glas Wein erfuhren wir einiges über die Geschichte dieses Wasserweges und noch mehr.

Graureiher

 

Wir verlassen dann die schöne schleifenreiche, hügelige Gegend. Wie am Main oder an der oberen Donau.

 

Der_kanal

59. Die letzten Saône- Kilometer und die ersten Rhein- Rhône- Kanal- Kilometer

Weiter geht es den schönen Fluss aufwärts. In Tournus quetscht sich unsere EOS mit dem 12- Meter- Mast zwischen gemietete Flussboote.

 

Kurz vorher gab’s noch ein kleines technisches Problem, als sich der Anschluß an den Fäkalientank löste, der Inhalt in die Bilge lief und über die automatische Lenzpumpe in die Plicht(Cockpit am Heck) befördert wurde.
Erst kräftiges Durchspülen mit Frischwasser, dann den ganzen Bilgenbereich reinigen und mit Sagrotan desinfizieren (reinigen wollte ich diese „Kellerbereiche“ schon lange) und alles  war wieder frisch und sauber.

 

In_verdun_sur_le_doubs

 

Der Anleger in Verdun sur le Doubs liegt in einem Seitenarm der Saône. Ihn steuern wir am Samstag an. Dusche und Strom stehen zur Verfügung. Rainer, unser Grillmeister legt Kotelets auf, Günter kocht Kartoffeln und ich mache Salat mit Croutons: Nicht schlecht, Herr Specht.
Der Heizlüfter wärmt, aber die Nacht wird kalt. Am Sonntagmorgen wandert Rainer zum Bäcker. Guter Start in den Tag mit Spiegelei und Speck, bereitet von Chefkoch Günter, dazu gibt’s knuspriges Baguette. Weiter geht unsere geruhsame Fahrt durch diese wundervolle,herbstlich gefärbte, sonnendurchflutete Flusslandschaft. Schöneres kann die Natur nicht bieten.

 

Untitled

 

Kilometer 219 auf der Saône. Fast 540 km hat uns die EOS problemlos nach oben gebracht und wir sind jetzt auf der Höhe von München. Eine herrliche Reise in den Herbst auf dieser Schifffahrtsstraße geht zu Ende. Wir zweigen oberhalb von St. Jean de Losn in den Rhein- Rhônekanal ab und erhalten an der ersten Schleuse ein Funkgerät zum automatischen Bedienen der folgenden Schleusen.

 

Von_der_saone_in_den_rhein-_rh

 

Noch ungefähr 100 Schleusen liegen vor uns. Bis auf 340 Meter heben sie uns auf die Burgundische Pforte an, um uns dann wieder Auf Rhein-Niveau abzusenken. Hatten wir bisher 3 bis 4 Meter Wasser unter dem Kiel, so verringert sich der Sicherheitsabstand zum Grund auf etwa 50 Zentimeter. Die Ufer rücken auf Sprechnähe zusammen. Immer ein paar Worte oder ein Gruß zu den Fußgängern am Ufer.

 

Beobachter_an_land

 

In Dôle, dem Weinort mit dem markanten Kirchturm, legen wir für die Nacht an. Wir haben Stromanschluß, da können wir mit dem Heizlüfter die Kälte des klaren Abends vertreiben.

 

So fahren wir weiter. Die Abwechslung ist bei dieser nervenschonenden und beruhigenden Flussfahrt gering. Die Ausläufer des Jura begleiten uns. Der Kanal und die Doubs zwängen sich zwischen bunt bewaldeten und felsigen Höhen. An einem einsamen Uferanleger entdecken wir unerwartet 2 selteneTiere:
Einen roten Ibis und ein kleines geflecktes Fröschlein.

 

Ibis_im_unterholzDas_frschle
Das_froschle
 Eine angenehme farbenprächtige, beruhigende Landschaft, besonders zu dieser Jahreszeit.

 

Wir erreichen Besancon am 18. Oktober. Der Himmel bezieht sich und nachts setzt Regen ein. Kälte zieht durchs Schiff. Die 40 Jahre alte, defekte Heizung habe ich ja im heißen Marmaris in der Türkei ausgebaut und verschrottet…
Wir schlendern mit Regenschirmen durch die schöne Stadt im Bogen der Doubs und besichtigen die riesige Citadelle mit ihren gewaltigen Mauern, dem
Tierpark und verschiedenen Ausstellungen. Ein tagesfüllendes Programm.

 

Eos

 

CREW-WECHSEL

 

Am 20. Oktober morgens fahren wir  3 zum Bahnhof. Rainer und Günter fahren wie geplant heim nach Augsburg. Ich danke den beiden, dass sie mich 3  Wochen lang (ab Nizza) bis hierher begleitet haben. Es war eine sehr gute Zusammenarbeit ohne jegliche Probleme.
Ihr beide: Lasst Eure Bärte stehen. Sie stehen Euch gut!

58. Information für Manager

  • Sie sind an der Schaltstelle eines größeren Unternehmens tätig?
  • Ihre Arbeit beschäftigt Sie geistig auch nachts?
  • Sie fühlen sich ausgebrannt…
…dann fahren Sie auf einem Schiff, das Sie selbst steuern flussaufwärts. Laden Sie 2 oder 3 gute Freunde ein, aber keine Geschäftspartner. Einer sollte kochen können. Wechseln Sie sich alle Stunde am Steuer ab.

 

Die Landschaft zu beiden Seiten des Ufers zieht in Zeitlupe an Ihnen vorbei. Sie haben die Verantwortung für Ihr Schiff. Die Aufgabe ist leicht: Halten Sie sich immer im tiefen Wasser zwischen den Markierungszeichen. Alles kommt langsam näher und wird hinter ihnen wieder kleiner. Eine Kurve voraus? Was verbirgt sich hinter ihr? Meist nichts Neues. Das Land ist flach. Bäume am Ufer begrenzen den Horizont. Weit voraus tauchen Hügel auf. Erst übermorgen sind sie dort. Ein Jogger am Ufer überholt sie. Sie fahren ja nur mit 6 km/h.

 

Das_ufer_bei_les_roches-_de_co

 

Sie können nichts ändern. Der Fluss gibt den Weg vor. Sie können Ihren Gedanken nachgehen, dazu haben Sie viel Zeit.
Alle paar Stunden wird die Fahrt durch eine Schleuse unterbrochen. Warten auf das grüne Einfahrtsignal. Auch da ist nichts zu ändern. Berufsschiffe haben Vorfahrt. Eine halbe Stunde warten, 2 Stunden warten, alles ist möglich. Dann fahren Sie mit Ihrem kleinen Schiff in die Schleuse ein. Wiederum in Zeitlupe hebt oder senkt sich Ihr Schiff mit dem Schleusenwasser. Dann wieder weiter.

 

Abends festmachen, Oft weit vom nächsten Ort entfernt. Keine Möglichkeit der Ablenkung. Gemeinsam bereiten Sie ihr Abendessen zu. Essen ist dann der Höhepunkt und die große Abwechslung. Vor dem schlafen die gemütliche Stunde beim Wein.

 

Rotweinstunde

 

Die ersten 3 Tage fühlen Sie sich vermutlich nervös. Der ungewohnte Mangel an Aufgaben stresst. Dann aber wird Ruhe in Sie einkehren. Sie genießen den langsamen Wechsel. Es wird nie langweilig. Keine Probleme tauchen auf. Keine Besprechungen. Keine Zeitvorgaben. Der Fluss und Ihr Schiff bestimmen das Wesentliche. Die Tage vergehen einer nach dem anderen in einem eigenartigen und schönen Gleichmaß. Dieser Gegensatz zu Ihrer üblichen täglichen Arbeit wird sie beruhigen.

 

Vielleicht gelingt es Ihnen auch, den Stellenwert ihrer Arbeit zu überdenken und Prioritäten zu ändern, neue Möglichkeiten ihrer persönlichen Arbeitsgestaltung zu finden. Nach Ihrer Rückkehr werden Sie um viele Erfahrungen reicher Ihre Arbeit aufnehmen.