57. Die Saône bergwärts

Die Rhône ist ein Strom, mächtig, tief, breit. Sie kommt von den hohen Bergen, Und ich kenne jetzt den Ursprung unter dem Rhônegletscher. Auf ihm waren wir mit Skiern unterwegs. Fast kenne ich auch die Mündung ins Mittelmeer. Die letzten 5 km sind wegen dauernd wechselnder Sandbänke nicht schiffbar.

 

Die Saône dagegen ist ein Fluss, der sich träge der Rhône entgegenschiebt und das hügelige Burgund entwässert. In Lyon vereinigt er sich mit der Rhône. Hier lagen wir zur Nacht. Ein Abend ist zu kurz für die Millionenstadt. Die neue und Geschäftsstadt überdeckt die Ebene und die Altstadt zieht sich das westliche Saôneufer hoch bis zur Basilika.

 

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Wir schlendern durch die Altstadt. Ein Lokal neben dem anderen. Daneben gibt es alles, was man eigentlich nicht braucht. Touristenmeile eben. Entsprechend auch das Abendessen dort. Anderntags die Saône hoch. Die Gegend wird ländlich, die Ufer rücken zusammen, herbstlich gefärbte Bäume zu beiden Seiten. Eine Schleuse, nur 4 Meter hoch die Haltung. Rainer hat uns auf Funk angemeldet und in 30 Minuten war die Schleusung beendet. Keine hohen Dämme mehr zu beiden Seiten. Hier sind wir auf dem Lande. Wir durchfahren das Burgund. Anlegen bei Flusskilometer 52 in Montmerle- sur- Saône um 13:30 Uhr.

 

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Der Ort ausgestorben wegen Mittagsruhe. In einer Bar bestellen wir wegen Sprachproblemen aufs Gratwohl und erhalten eine gute Wurstplatte mit einem Querschnitt der hiesigen Wurst. Das freundliche Mädchen im Touristenbüro empfiehlt einen Spaziergang zur Burg, der örtlichen Sehenswürdigkeit. Öffentliches Internet gibts im Ort noch nicht. Ein nettes liebenswertes Dorf. Grillmeister Rainer (Grillkurs bei Metzgerei Settele in Augsburg!) schafft zum Abendessen hervorragende Steaks, Günter sorgt für den Nachtisch (reifer kräftiger Rohmilchkäse aus der Region mit Weintrauben) und ich liefere gemischten Salat. Anderntags weiter.  

 

56. Weiter bergwärts

Donnerstag: Von Arles führt die Rhone weiter in großen Schleifen Richtung Norden.

 

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Die erste Schleuse: Der Berufsverkehr hat Vorfahrt. Mit einem Tankschiff dürfen wir nicht geschleust werden, der nächste Schubverband ist zu lange, dann kommt ein Talfahrer und erst mit dem nächsten Frachtschiff fahren wir in die Schleusenkammer ein. Langsam hebt sich die EOS und dann fahren wir 13 Meter höher weiter. 2 Stunden warten und 1/2 Stunde Schleusen liegen hinter uns. Die ersten Hügel tauchen am Horizont auf. Um 15 Uhr fahren wir in den Rhonezweig nach Avignon ein, vorbei an der St.Benezetbrücke mit ihrem abrupten Ende im Wasser.. Ein Tankstop und dann finden wir unseren Liegeplatz am Kai. Das polnische Segelboot ist schon da, sie haben in Arles nicht genächtigt. Die angenehme Stadt mit den schmalen Gäßchen wird vom Palast der Päpste gekrönt. Dieses monströse Bauwerk legt Zeugnis vom klerikalen Wahnsinn einer vergangenen Zeit ab.

 

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Nachts zeigt sich der angekündigte Mistral und stößt mit Böen bis in unsere Kajüte vor. Jetzt können wir uns im Süßwasser vom Fluss waschen. Das ist angenehm wärmer als die Luft derzeit. Ab 7:30 Uhr wieder auf Strecke. Eine Schleuse, dann wieder flussauf. Keine Strömung auf dem Oberwasser hinter der Schleuse. Unsere Geschwindigkeit steigt auf 9 km/h nach einigen Stunden wirkt sich die Fließgeschwindigkeit wieder aus und unser Tempo sinkt etwa auf 7,5 km/h. Wie immer: Die Landschaft zieht an uns vorbei. Ganz im Hintergrund die Hügel und hinter dem Deich die Dächer alter Häuser und der Kirchturm.  Das Atomkraftwerk von Marcoule mit seinen vielen rätselhaften Gebäuden dagegen ist nicht zu übersehen. Im Flussführer blättern wir eine Seite nach der anderen um. Das Buch weist uns das tiefe Wasser zwischen den Dalben und vermittelt Notwendiges und Wissenswertes über Strecke und Umgebung.

 

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Dann zweigt das Fahrwasser von der Rhône ab in den Kanal von Donzere. 28 km lang schneidet er sich immer tiefer in die Landschaft. Nach einer Biegung kommt das größte Bauwerk der Rhône in Sicht: Die Schleuse von Bollene. 26 Meter Höhenunterschied vom Unter- zum Oberwasser! Beim Erbauen die höchste Schleuse der Welt.

 

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Ampel Rot: Keine Einfahrt. Dann Rot + Grün: Die Schleuse wird vorbereitet. Meist wird dann das Wasser vom Oberwasser auf unser Niveau abgesenkt. Dann Grün. Wir legen ab und fahren in die Schleusenkammer ein, ca. 200 Meter lang, 12 Meter breit und hier 23 Meter hoch. Eine unheimlich Höhle. Weit über uns die Schleusenwarte. Mit einem Seil in Schiffsmitte belegen wir die EOS am Poller, der mit uns aufschwimmt. Die Poller quietschen beim Anheben unheimlich und lustig. Günter meint, wie das Lied „Spiel mir das Lied vom Tod“.
Dann schließt sich das Tor und mit uns ganz alleine füllt sich die Kammer in 7 Minuten. Dann erscheint die Umgebung wieder über der Schleusenmauer, das Tor öffnet sich, Die Ampel springt von Rot auf Grün und wir verlassen dieses gewaltige Bauwerk, um 300 Meter weiter mit der EOS für die Nacht anzulegen. Eintopf steht auf der Speisekarte. Heute essen wir wegen Wind und Kühle im Salon. Dann gehen wir zum Rotwein über und bereits um 22 Uhr suchen wir die Kojen auf.

 

Samstag., 8.Okt. Ab 07:45 Uhr fahren wir weiter. Rainer steuert die erste Strecke, während wir das Frühstück bereiten, essen und ihn dann ablösen. Eine Stunde steuert jeder von uns, dann ist der Nächste dran. Wieder ein Atomkraftwerk. 4 graue Betonzylinder beinhalten die Reaktoren und 2 mächtige Kühlzylinder stoßen mächtige Wolken aus. Gleichmäßig tuckert der Volvo mit 1800 upm. Ein Lob diesem zuverlässigen Gerät.Bei Villers bricht sich die Rhône ihr Bett durch steile Felsen, ab jetzt begleiten uns sanfte bewaldete Hügelzüge.

 

Ein kleiner Nachteil der Fahrt auf der niederen EOS: Wir sehen nicht über den „Tellerrand“, die Dämme. Nur Dächer, keine Häuser. Der Wind weht jetzt nahezu mit Sturmstärke (Wetterbericht für Golf du Lyon: Bft 10).

 

Wir durchfahren vor Cruas eine breite Stelle einer Stauung und die kurzen steilen Wellen lassen EOS wie ein Häsle hüpfen. Hält der Mast in den hölzernen Stütz-Scheren über dem Schiff? 15 m ist er lang… Etwas schwankt er hin und her. Die Gischt sprüht über die Sprayhood, heftig  wie niemals auf dem Meer. Der Steuermann steht aber fast im Trockenen, weil sie über ihm am Heck ins Meer weht.

 

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Das härteste Stück der Flussreise bisher.
Endlich verengt sich die Rhône wieder und wir korrigieren die Mastverspannung. Wie wohl die beiden Polen mit ihrem Schiff und dem kleinen Außenbordmotor die Wellen meistern?

 

Bei Cruas zweigen wir in einen Seiten-Arm mit Yachthafen ein. Sehr modern. Wir sehen uns das kleine alte Städtchen mit der Burg am Hang an, ergänzen unsere Vorräte und besuchen eine Bar. Das nahe Atomkraftwerk, das vierte auf der Reise spuckt dicke weiße Wolken in den grauen Himmel.

 

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 Wegen Kälte und Wind brutzeln wir unser Fleisch in der Kajüte in der Pfanne statt auf dem Grill. Dazu gibts von Rainer den Salat. Uns schmeckt’s – und abends wärmen wir uns in der Dusche auf. Ein angenehmer Hafen in Cruas.

55. Jedes Ende ist ein Anfang

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 CREW-WECHSEL

Der Zug von Straßburg mit Rainer und Günter fährt pünktlich im Bahnhof von Nizza ein.( Die beiden hatten eine aufregende Fahrt mit Verspätungen, dadurch  verpaßtem Nachtzug -den sie durch „nachfahren“ in andrem Zug nachts noch erwischten!…äußerst knappen Anschlüssen -aber schließlich pünktlicher Ankunft.)
Wir schwätzen noch etwas im Cafe, dann fahren Gerdi und ich mit dem Taxi zum Flughafen (Eine Demo lähmt den Busverkehr). und Gerdi hebt ab in die Lüfte. in eigenartiges Gefühl: Fast 5 Monate waren wir ein Team auf engem Raum. Eine gute Zeit zu zweit ohne wesentliche Probleme, ohne Stürme und Riffe die im Wege stehen. Jetzt die Umstellung: 3 Leute an Bord, noch enger, jeder Mensch hat Eigenarten. Werden wir ein frohes Team?

Nach dem Einräumen wandern wir am Strand entlang, steigen zum Aussichtspunkt hinauf und mischen uns in den Trubel der Altstadt. Und am späten Abend essen wir Weißwürstl mit Baguette! Sehr feine Kost aus der Heimat.
Anderntags geht´s los.Teils guter Wind bis in eine Bucht vor St. Raphaèl. Grillabend. Fleisch und Salat sehr gut, Nacht ruhig, Sternenzelt über uns.Anderntags weiten mit überwiegend achterlichem Wind zu den Iles de Hyeres. Wieder ruhige Nacht. Spagettiabend.
3. Fahrt nach Cio Ladat, der Stadt hinter den großen Kränen und am Anfang der Calanque. Wir rüsten unsere Vorräte auf und essen auswärts. Die nahe Werft mit den hohen Kränen beschäftigt sich jetzt mit Service an Megajachten. Obwohl die Segel-Saison nahezu abgeschlossen ist, sind Liegeplätze knapp, weil die meisten heimischen Jachten hier bereits eingewintert liegen.
Am Samstag segeln wir bei leichtem Wind die Steilküste westwärts und legen die EOS an eine Boje in der wurmartigen Bucht Calanque de Port Pin. Wochenende: Die steilen Felsen nutzen Ausflügler zum Baden und Sonnen. Der kleine Strand ist knallevoll. Wir zwängen uns in die MICROEOS, rudern an Land und wandern immer höher in dieses eigenartige felsdurchzogene Gebirge. Die Tafeln verkünden 200 verschiedene Tierarten. Wir sehen keine, nicht einmal Eidechsen. Bei der Brotzeit auf einem Hügeltop sehen wir eine kleine Steinlaus. Sie hat etwa die Größe einer kleinen Ameise und hebt sich durch ihre graue Farbe kaum vom Kalkstein ab. Es scheint uns, sie ernährt sich von den gelösten Mineralien verwitterter Steine. Heute wieder Grillabend, anschließend Rotwein- Schlummertrunk. Eine Dünung sorgt für mäßiges schaukeln. Marseille ist nicht mehr weit. Mit Schleichfahrt tucket EOS in unmittelbarer Nähe der Felswände.

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Die senkrechten Wände gehen unmittelbar ins tiefe Wasser über! Eine überwältigende Besonderheit der Natur. Dann noch einmal 4 felsige Inseln bei Cap Croisette als Abschluß – und schon liegt das Häusermeer von Marseille nördlich vor uns. Im Alten Hafen steht EOS noch auf der Liste. Für 19 Euro steuern wir einen Platz unter den anderen 3000 Booten an. Die Stadt ist zu groß für einen Tag. Wir besuchen die Altstadt und wandern zur Kirche mit der mächtigen Bronzestatue auf dem Kirchturm hoch. Die Notre Dame wacht 150m hoch über der Stadt.

 Rainer und Günter bereiten Kartoffeln mit Rührei und Speck zu und Salat. Sehr gut. In der Stadt hätten wir kaum besser essen können. Abends laufen die Schiffe in langer Schlange in den Hafen ein. Das sonnige Wochenende ist zu Ende.

Montag, 3.10.: Wohl letzte Fahrt der EOS „auf See“ während dieser Reise. Wir steuern Port Louis de Rhône an. Mast legen, dann flussauf. Nochmal blauer Himmel und Miniwind, zu schwach für die Segel.

Mastlegen bei Naviservice: Termin: Dienstag 16.30. Wir sind gut vorbereitet, Maststützen stehen, der Baum ist abmontiert und die Wanten sind gelockert. Drei Fachleute legen den Mast provessionell in 20 Minuten.

 Zum Sichern brauchen wir dann noch 2 Stunden. Jetzt ist die EOS klar für Flüsse und Kanäle. Rainer und Günter zaubern Kässpatzen – ausgezeichnet – Ein schöner Abschluss des Arbeitstages.
Mittwoch: Bei Sonnenaufgang verlassen wir die Werft und warten auf die Schleusung. Das dauert. Wir müssen noch auf einen Flussfrachter warten. Dann werden wir, ein polnisches Segelschiff mit uns,  10 cm auf Rhône-Niveau gehoben. Das Schleusentor öffnet sich, die Ampel wechselt von rot auf grün und in einem großen Bogen schwenken wir nach Norden. Eine steife Brise bläst uns entgegen.

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Flusskilometer 323. Bei Kilometer 0 zweigen wir in die Saône ab.
Wieder ist ein Teil unserer Reise zu Ende gegangen. Ich bin ein wenig wehmütig.
….Wird die EOS nochmal ein Meer sehen?

Wir kommen flott voran, träge fließt das Wasser die letzten Kilometer dem Meer entgegen. Flaches Deltaland, Bäume an den entfernten Ufern. Grüne Dalben rechts, rote links weisen den Weg im tiefen Fahrwasser. Durchschnittsgeschwindigkeit 7 km/h bei 1800 upm. Eine Seite nach der anderen blättern wir den Flussführer um. Sehr selten begegnen uns Frachtschiffe. Ein schwedischer Segler auf Talfahrt. Noch eine Stunde und er hat das Meer erreicht. Das polnische Segelschiff, das mit uns geschleust hat, bleibt achteraus. Es hat nur einen kleinen Außenbordmotor.

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Nach 7 Stunden kommt Arles, die alte römische Provinzhauptstadt in Sicht. Wir finden keinen geeigneten Liegeplatz und machen schließlich an einem Frachter fest. Motorraum und Wohnraum fielen einem Brand zum Opfer. Jetzt kaufen wir die Vignette (97 Euro), der Preis für 800 km Kanalfahrt und 135 Schleusen. Wir drei schlendern durch die alte Stadt.

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Hier die Fotos, ancklicken. es gibt auch Infos als Textzeilen zu jedem Foto. Probiert’s mal mit der Maus

54. "Endpunkt Nizza"…

Am 24.-25.September ankerten wir friedlich in einer Bucht in der „Kniekehle“ hinter dem Kap Ferrat, vor dem edlen Badestrand „Paloma“(mit schneeweißen Voile-Gardinen, Ledercouchen zum Sonnen, viele aus Monaco, vorwiegend italienische Damen in knappen schicken Bikinis…)
Unser Ausblick geht auf 2 Palazzi, mit zinnen bewehrten Türmchen, neugotischem Maßwerk an 3 m hohen Spitzbogen-Fenstern, Portalen aus Eiche, Bronzelöwen, pfeilschießenden Amor-Figuren, modernen Skulpturen, Pavillons, Schwimmbad unter Schirm-Pinien, überall eifrige Gärtner, Diener, Mamsells mit Tabletts und Drinks, früh die Liege mit weißen Frottées und Tischlein für die Herrschaft, aufmerksam der Wachhund, ein riesiger Schäferhund…Mit uns ankern viele, meist blitzende große Motoryachten, deren Schlauchboot hinten in die Heckplatte hineinschlüpfen, goldene Yachten mit Dinner an Bord im Kerzenschein, 4 Diener, aber auch große schnittige, flache 25-Meter-Segelyachten…Zur Belustigung und Animation rasen diese Wasserscooter herum, die ich Schneebesen nenne, weil sie so viel Schaum schlagen und hohe Wellen machen. Das störte mich ganz besonders beim Kässpätzle -schaben und beim Rösten der Zwiebeln…

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Dieses Foto zeigt die Eingangsseite des Palastes, vor dem wir mit der EOS ankerten. Ein „sehr bissiger Hund“ ist hier der Wächter des riesigen Privatbesitzes…Alle Mauern waren mit 20 cm-Spießen bewehrt, wie ein Gefängnis….

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Wir paddelten noch ein Mal ein Land, für mich die letzte Beiboot-Fahrt mit der „micro eos“…Von weit oben sehe ich auf mein schwimmendes Zuhause hinunter, das nun 3 Jahre mein Heim war. Dankbar. Glücklich…Die EOS schaukelt heftig, als würde sie mir „ADIEU“  winken. Schade, daß sich das Video nicht hochladen ließ…
Ein Bummel zwischen Villen, Bougainvillea-Mauern, Appartementhäusern, feinen internationalen Hotels. Nein, kein Neid.

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 Um 10 geht es Anker auf. Ich steuere von Hand an der Pinne, mein allerletztes Kap dieser Reise wird unter Fock umsegelt…Der Himmel grau und wolkenverhangen…Per Funk bekommen wir im „Port de plaisance“, dem hübschen Stadthafen von NIZZA, einen Platz zugewiesen. Vor uns haushohe Mega-Yachten, die die ganze Häuserzeile der Straße verdecken…Und die kleine EOS mittendrin. Man poliert Chrom, schrubbt Schlauchboot, Sitzkissen, schäumt die Lackmonster ein, spült mit Unmengen Wasser alles blank. Es duftet nach Waschmittel, schon kommt der Diener mit meterhohen weichen Frottéehandtuchstapeln…

Ich aber muß packen. Ich räume den Schrank leer, die Fächer, das Zeug verschwindet unter der Backbordkoje…Platz schaffen für die Männer-Crew, die im Nachtzug Straßburg-Nizza anreist..
Der Rucksack wird 2/3 voll. Am Abend tauchen wir ein in das méditerrane Flair der „Cité historique“, das verwinkelte Altstadtviertel mit den engen Gäßchen, deren Straßennamen immer zweisprachig sind auf den Tafeln an der Hausecke. Fotos clicken vor den handgemalten Schildern über Boulangerie, Crèperie, Gemüseladen.Man ißt frische Austern, bergeweise, Muscheln in schwarzen Emaille-Töpfen, Zwiebel-Quiche, Fisch…
Ich genieße als Vorspeise Muscheln mit Wein und Thymian, 4 Sardinen vom Grill, Crème caramel..
Am Montag gibt’s, da mir die Fischle nicht grad gut bekommen sind, meine letzte selber gekochte Suppe: Lauch in Hühnerbrühe. Wir dürfen zu meiner großen Freude die EOS noch an den kleinen Ponton E inmitten der kleinen Boote verlegen, drüben bei den Fischern it ihren farbenfroh bemalten Holz-Kähnen. Herrliche Aussicht auf die roten Stadthäuser mit Blumen am Balkon…

Genau hier ging MEINE REISE vor 3 Jahren los, 16 000 km sind es geworden auf dem weiten Meer. In der Capitanerie  erinnert man sich sofort an die EOS. Sie ist noch im PC gespeichert. Ein freundliches Bonjour, welcome!

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Ich danke Gott für seinen Schutz, die Gnade, keine Verletzung erllitten zu haben, bin voll der Freude, dieses Abenteuer mit allen Sinnen und genügend ZEIT erlebt zu haben. Dankbarkeit, Demut, ein volles Herz, ein Schatz an Bildern und Eindrücken… von ungezählten Inseln, Stränden, kleinen Häfen, reizvollen Städtchen, lebhaften Menschen, die Ohren noch klingend von deren Sprachen – so verschieden im Klang.

Der Zauber der Sternennächte,  die Wunder der Sonnenaufgänge, unbeschreibliche Sonnenuntergänge vor sagenhafter Kulisse, ja, auch wilde See und stürmische laute Winde, ewige Schaukelei beim Schlafen und beim Kochen. Das Einkaufen mit Beiboot( wir sind die einzigen ohne Motor)  und schwer beladenen Rucksäcken, das Wasser-Organisieren, das penible Aufräumen an Bord zu jeder Zeit, das geteilte Erledigen der Hausarbeit, das zeit-lose Bleiben an einem Ankerplatz, das wetterbedingte rasche Aufbr
echen an schönen Orten, auch mal mitten in der Nacht , das Richten nach der Natur, die das Ziel bestimmt, oder auch mal ewig nicht erreichen läßt…
Ich hoffe, daß auch die Männer-Crew viel Freude und ein paar sportliche Segeltage Richtung St.Tropez und Marseille erlebt. Erhebt mal euer Glas mit dem guten Côte-du-Rhône auf mich, wenn ich im lieben Deutschland bin. Bon voyage!
GERDI

53. WIR ZWEI…an Bord der EOS

GEDANKEN AM GUTEN ENDE     

Seit Mai 2009 lebten wir beide nun jeweils ein halbes Jahr zusammen auf dem Meer, zu zweit allein, auf gefühlten 5 Metern Einraumwohnung. Unser fast 40 Jahre altes Segelschiff war ein gemütliches Zuhause, das uns Geborgenheit bot, Verläßlichkeit bei Segeln und Motor, bei viel Wind ebenso wie vor Anker, bei wild schaukeligen Nächten und strahlenden sonnigen Morgen…immer zu zweit…ohne Sorgen…ohne Langeweile…und ohne Streit…

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Ein lange Zeitspanne? betrachtet im Zeitraum des Lebens nein, aber in Bezug auf unsere 30 Jahre, die als gemeinsame „Wegstrecke“ zurück gelegt, geteilt, gemeistert wurde, dann doch…Meine Gedanken gehen zurück um 31 Jahre, August 1980, der 1. Segeltörn mit Gerhard, rund Korsika, 6 Monate später Heirat, das 1. Kind, das 2. Gleich 1983 der 1, Familientörn, 3 Monate lang auf der Adria, mit der „Marion“, 8,60×2,50m, dann noch 4 mal bis 1990…Venedig-Korinth–Insel Ägina/ Griechenland und zurück…(inzwischen mit dem 3.Kind!)

Drei prachtvolle Kinder haben wir begleitet, erst sehr innig im Familienverbund, dann stolz erwachsen und selbständig werden lassen…Nun sind sie 30,29 und 23 Jahre „alt“…Alle 3 sehr eigen-ständig, eigen-willig, selbst-bewußt, zupackend, vorwärts strebend, mit Sportsgeist, Künstler, Abenteurer zu Mountainbike, Berg, Kletterfels, Tourenski, Zelt, Fotokamera oder Klavier……. Ein Geschenk für Eltern.

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Blicke ich zurück auf die eineinhalb Jahre zu zweit auf unsrer EOS, so bleibt Dankbarkeit, dafür, dieses lang-anhaltende Segeln gewählt und geleistet zu haben, ein tiefes Erleben, zeit-los über Wochen und Monate, über die Jahreszeiten gleitend, durch 2 Zeitzonen reisend, die wechselnden Sprachen, französisch, korsisch, sardisch, italienisch in Sizilien und Kalabrien, griechisch auf den 100 Inseln, türkisch an den grünen Küsten, und 2011 sogar Albanisch… Die so verschiedenen Gemüter und Charaktere, die unterschiedlichen Temperamente der Völker, Leidenschaft, lautes Rufen und Gestikulieren, eher bedächtiges Nachdenken im ambrakischen Golf über Lefkas oder in Albanien…

Und immer ist da der eine, der einzige an Bord, der als Spiegel des Erlebten dient, der meine Stimmungen erkennt, mich sieht, unverhüllt an Leib und Seele, Gemütslage oder überschäumender Romantik bei diesen un-beschreiblichen Morgen und Sonnenuntergängen, den Nächten unter der milch-hellen Milchstraße, der Galaxie zwischen der Un-zahl der hellen Sterne. Keine Nacht ist so dunkel wie die Nacht auf See, fernab jeder Küste, 2500 Meter Wassertiefe unter dem Kiel, einsam, unerkannt und ein Pünktchen menschlichen Lebens auf grenzenlos einsamem Meer.

Gerhard der Verläßliche, der Ausgeglichene, der Zufriedene, auch der Mann fürs Grobe, wenn Technisches am Schiff streikt oder bricht: er hat immer eine Idee. Mein Frühstückskoch, der Helfer beim Zwiebelschneiden für griechischen Lammbraten, deutsche Rindfleischsuppe, asiatisches WOK-Gericht und Griechischen Salat, beim Abwasch nach „klebrigen“ Mahlzeiten wie Kässpätzle(!!!) oder 30 öl-spritzigen Zucchini-Pfannküchlein….

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„Nein! Ohne dich würde ich so einen Törn auf 10 Meter Schiff nicht machen!“ 
 Das ist mein Bekenntnis. Mit dir ist es schön.
Wir mögen uns. Wir verstehen die Anders-Artigkeit des andern, wir halten den Freiraum des Partners ein, er geht im Morgengrauen „auf den Berg da drüben“, paddelt an Land zum Einkaufen, auch bei hohen Wellen( und bringt was vom Bäcker mit oder eine deutsche Zeitung!).Er liest weggetreten und hingebungsvoll dicke Bücher, wohl 40 lasen wir heuer!  Ich schreib gern lange Briefe von Hand, lese so gerne eine anspruchsvolle „ZEIT“, koche gern aufwendig, spiele Flöte, male ein Aquarell…

Wir genießen unsere Ergänzung in unseren Fähigkeiten. Macht Gerhard den Motorcheck, wär ich hilflos. Spiel ich in einer Ankerbucht Hymnen und Abendlieder, wünscht er sich zum Abschluß „Großer Gott, wir loben dich…“. Dankbar bin ich ihm, für kleine liebevolle Gesten, für ein Lob, eine gesagte Anerkennung, für ungefragten Beistand, wenn die Kraft an der Winsch zu klein ist…Dankbar dafür daß er mir all das Seglerische zutraut und auch alleine „machen läßt“. Verlassen können auf den andern. Seit 30 Jahren…Die aufgeteilten Nachtwachen, in denen ich um 21 Uhr an der Pinne sitze bis um 2 oder 3 in finsterer Nacht, wo er versucht, ein wenig auszuruhen, oder zu schlafen, unterbrochen von Navigationsarbeit.
Kein Zögern. „Du schaffst das, Gerdi. Ich wünsch‘ dir eine gute Wache!“
Und dann ist man alleine. Doch nur im Cockpit…Ich kann ihn jederzeit rufen. Eine intensive Verbundenheit, großes Vertrauen. Dafür bin ich dankbar. Unbeschreiblich dieses Gefühl von Partnerschaft. Intensiver auf dem Boot als an Land….

Nun nahen die letzten 3 Tage. Wehmut…ja. 1,852×2055 Seemeilen=fast 4000 km, in 3 Jahren fast 17000 km Wegstrecke auf dem Meer….Vorbei.
Das Wichtigste daran ist, daß wir es gemacht haben. 3 Jahre lang jeweils die Hälfte des Jahres auf dem Boot, Leben in absoluter Einfachheit, weg von Abgas, Verkehrsl
ärm, Lichtverschmutzung der Nächte, Bequemlichkeiten wie Auto, Waschmaschine, Staubsauger, elektrischem Licht…Abhängig und gut durch versorgt durch die Sonne über die Solarzelle(3/4 qm, 95 Watt, immer ausreichend!), durch Trinkwasser in Kanistern, durch Petroleum für den Kocher, ohne Sessel, Fernseher, Tageszeitung, Müllabfuhr(macht man penibel selber!)
Man lernt, mit dem Nötigsten auszukommen, spart an Verpackung, Licht, aber nie am Schönen wie Porzellan und echten Gläsern, dem täglich 3x speisen, dem Campari oder Ouzo pünktlich um 11 früh, zur „Captain’s hour“(Zitat Gerhard: „Du, mir is schlecht! Dir auch?“

Die  5 Segeltörns mit den Kindern,je 3 Monate auf unsrer „MARION“  nahmen rückblickend 15 Monate ein. Nun sind wir beide für 16 Monate gemeinsam auf der EOS gewesen. Eine wunder-bare Zeit. Keine Minute möchte ich missen…
So hoffe ich, daß die Gemeinsamkeit und Tiefe im Erleben uns erhalten bleiben möge auch im etwas weniger abenteuerlichen Land-Leben. Doch wir werden unsere EOS daheim in der Werft gründlich überholen lassen, die Deckshaut, die Mahagoni-Flächen haben schwer gelitten im UV-Stress der Sonne des Südens. Ein Winter ohne Schiff am See, dafür Skitouren für Gerhard, musizieren für mich? Im Frühjahr wird sie neu erstrahlen und glänzend am Kran in den Bodensee gehievt werden. Auf zu neuen Segeltagen am See, auch darauf freuen wir uns beide. Ein dickes Lob dem tapferen Schiff, ist sie doch bald 40! (Kein Alter für eine echte Hallberg-Rassy Mistral, bei ordentlicher Pflege)
Im Hinterkopf geistern auch noch ein paar Pläne, mit dem Wohn-Mobil erneut aufzubrechen zu einem „Langzeit-Törn“, Fähre nach Kalabrien, Griechenland, Albanien, noch 1x nach Venedig…Träume.

Mit einem Bild möchte ich mich vorerst verabschieden bei den treuen 250 Blog-Lesern. Es hat mir Freude gemacht, die schriftstellerische jour-nal-Arbeit zu tun, zu schreiben, mit Fotos im Bilde so manches fest-zu-halten für später…
Ich gebe gerne nochmals den Rat, sich im Leben 1x,2x die lange Zeit zu nehmen, auszusteigen, zu wagen, zu erleben…

Gerhard nimmt nun ab Nizza und dann am Eingang zum Rhein-Rhône-Kanal je zwei Freunde, Segler alle 4, an Bord für die lange Motorfahrt auf der 850 km langen Flußfahrt mit 135 Schleusen. Marseille, Rhône, Saône, Kanalfahrt bis Mulhouse, Tieflader zum See nach Seemoos bei Friedrichshafen…im November 2011.
Vielleicht hätte ich ja doch selber bei der Flußfahrt mitfahren sollen. Aber so können auch noch 4 andere Sportsfreunde genießen. Allzeit Gute Fahrt.
Danke an Dich, Gerhard.
Willkommen daheim…

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52. Fahrt zum Festland und ein Abschied

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Unser Ankerplatz vor Calvi´s Kulisse war wohl der schönste der ganzen Reise. Hohe, felsige Berge, die Stadt mit ihrer Festung, davor der elegante Strandbogen und unter uns kristallklares, türkisfarbenes Wasser. Dazu die klare Luft nach der abgezogenen Wetterfront. Der GPS- Pfeil zeigt 315° nach Nizza an, bei 4 Knoten Geschwindigkeit meldet es 24 Stunden Fahrtzeit. Mäßiger Wind aus West macht einen Kurs hart am Wind gerade noch möglich. Mal schwächelt der Wind, dann hilft der Motor, dann geht´s wieder ohne Motor.

Zwischen_tag_und_nacht

Für unsere letzte Überfahrt zeigt der Sonnenuntergang all seine Pracht. Das Grau geht in ein flammendes Feuerrot über und erfüllt den gesamten westlichen Himmel. Dann wird der prächtige Streifen immer schmäler und der Himmel wandelt sich in ein dunkles Graublau bis der Horizont in Schwärze versinkt. Das GPS weist uns die Richtung und meldet Abweichungen vom Zielkurs. Wir korrigieren dann den Autopiloten.

Gerdi übernimmt die erste Wache. Es gibt nicht viel zu tun, mal den Kurs korrigieren, mal die Segelstellung verändern. Gelegentlich ein paar Lichter weitab. Ein Segler auf Gegenkurs passiert uns. Er und wir schaukeln ziemlich stark in der Dünung, die noch vom vergangenen Starkwind herrührt. Das ist auch der Grund, warum wir bei schwachem Wind den Motor zur Hilfe nehmen. Die Segel schlagen hin und her und können den Wind nicht fangen. Ab 2 Uhr nachts löse ich Gerdi ab. Sie wird wohl wenig Schlaf bei der Schaukelei finden. Keine besonderen Ereignisse. Einmal vermindere ich die Geschwindigkeit, als die EXZELSIOR, ein mächtiges Kreuzfahrtschiff knapp vor uns passiert. Es ist nicht ganz einfach, nachts zu erkennen, welchen Kurs so ein großes Schiff nimmt. Wie weit ist es weg? Kommt man noch vor ihm vorbei? Radar und Automatisches Identifikations- System (AIS) würde da Klarheit schaffen. Haben wir aber nicht.

Schon 3 Stunden vor dem Landfall kann ich den Blitz des Leuchtfeuers auf Kap Ferrat auszählen. Unser Kurs führt weiter geradeaus. Im Zeitalter der elektronischen Schiffsnavigation haben diese altehrwürdigen Leuchtfeuer an Notwendigkeit eingebüßt. Sie werden kaum mehr angepeilt um den eigenen Standort festzustellen und den Kurs eventuell zu korrigieren. Leuchtfeuer stehen jetzt als Satelliten unsichtbar am Himmel und der Peilkompass ist als Pfeil im GPS integriert.

Das erste dunkle Antrazit kündet den Morgen an. Es wird heller und nach einer Stunde treten die Landkonturen hervor. Ich entschließe mich, den Kurs nicht nach Nizza zu nehmen sondern um Kap Ferrat herum in eine Bucht. Um 7 Uhr verlöschen allmählich die Lichter an Land, um 7.30 zeigt sich die Sonne und etwas später schwenke ich in die Ankerbucht ein. Wir sind wieder bei den Megajachten, die hier ankern. St. Tropez, Cannes liegen ein paar Seemeilen westlich, Nizza liegt neben uns, Monaco, Imperia und San Remo sehen wir auch. Da ankern die schönen Riesenschiffe und sind unter sich. Die EOS ist auch dabei. Der Anker fällt vor einem Hügel, durchsetzt mit großartigen, alten Villen. Fleißige Hände sind dort zu Gange, öffnen die Fenster zur See, wässern die Gärten, bereiten Liegen und Getränke am privaten Badeplatz für die Herrschaft vor.

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Für Gerdi und mich liegt ein Abschied in der Luft. Sie wird in 4 Tagen heim fliegen, Gute Freunde aus Augsburgs Jugendzeiten werden mich dann weiter begleiten. Gerdi und ich hatten herrliche gemeinsame Sommer auf der EOS verbracht. Ich bin unserem Herrgott dankbar, dass er mir diese Zeit mit meiner Frau geschenkt hat. Ich werde sie auf der restlichen Reisestrecke vermissen. Die weitere Reise ist ein kleiner Neubeginn, bis unsere EOS in Mulhouse im Elsass festgemacht hat und dort auf den Landtransport an den Bodensee wartet.